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Thema: Republik oder Diktatur?

  1. #1
    KDF10 ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Standard Republik oder Diktatur?

    Gab es nach der Revolution in Frankreich überhaupt eine Demokratie im heutigen Sinn?

  2. #2
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    Eine Demokratie im heutigen Sinne mit rechtlicher Gleichstellung der Bürger, allgemeinen Wahlfrecht und/oder Plebisziten, weitgehend freiem Zugang zu Bildung und sozialer Absicherung gab es nach der Französischen Revolution definitiv nicht ... eher nach der Amerikanischen, aber auch da muss man von den o.a. Punkten einige Abstriche machen.

    Die Französische Revolution führt von der Autokratie über die geistigen Wirrungen und Dogmen der Robespierre und Saint-Just zu einer Meritokratie, die Napoleon trefflich nutzen und ausbauen konnte.

    Dabei will ich nicht das Gedankengut der allgemeinen Menschenrechte schmälern, die durch die Französische (und vorher Amerikanische) Revolution aufkamen ... aber bissig könnte man sagen, dass dies auch ein Erbe der Aufklärer war.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  3. #3
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    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    Eine Demokratie im heutigen Sinne mit rechtlicher Gleichstellung der Bürger, allgemeinen Wahlfrecht und/oder Plebisziten, weitgehend freiem Zugang zu Bildung und sozialer Absicherung gab es nach der Französischen Revolution definitiv nicht ... eher nach der Amerikanischen, aber auch da muss man von den o.a. Punkten einige Abstriche machen.
    Sicher hat es damals eine Demokratie, so wie sie heute (angeblich) existiert, damals nicht gegeben. Aber das Experiment "moderne" Demokratie ist heute auch über 200 Jahre älter als damals.

    Die amerikanische "Demokratie" nach der Unabhängigkeit war eine auf dem Zensuswahlrecht beruhende Demokratie nur für Vermögende (wie es sie schon in der Antike gab) und die Sklaverei wurde auch nicht abgeschafft. Auch ein Jefferson blieb ein Sklavenhalter. Dagegen führten die Jakobiner, ob's einem nun passt oder nicht, als erste das Gleichheits-Wahlrecht für alle Männer ein (die Frauen liessen leider aber auch sie aussen vor), also das Prinzip "one man, one vote" (vor 1793 gab's auch im revolutionären Frankreich nur das Zensuswahlrecht). Nach dem Sturz Robespierres wurde das allgemeine gleiche Wahlrecht wieder abgeschafft. Auch wurde die Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen von den Jakobinern anerkannt und die Abschaffung der Sklaverei de facto durchgesetzt. Wiedereingeführt wurde sie dann von Napoleon.

    Die Frage, ob man heute, nach über 20-jähriger Alleinherrschaft (soll ich sagen: Diktatur?) des Neoliberalismus, noch von gleichen Bildungschancen und umfassender sozialer Absicherung für alle sprechen kann, die möchte ich den Hartz IV-Empfängern und anderen inzwischen ganz offiziell als "Verlierer der Gesellschaft" abqualifizierten Betroffenen zur Beantwortung überlassen.

    Ich frage mich schon, weshalb auf die aus der gewohnten Ecke stammende Frage "Republik oder Diktatur?" überhaupt eingetreten werden muss. Als ob eine Republik grundsätzlich nicht auch in irgendeiner Form diktatorische bzw. antidemokratische Züge aufweisen könnte. Kommt eben drauf an, wer die "Republikaner" sind, und wer grundsätzlich von der Mitsprache ausgeschlossen bleibt. Es genügt ja, wie dies etwa beim Zensuswahlrecht der Fall ist, die nicht vermögende Masse der Bevölkerung nicht als gleichberechtigten Teil oder überhaupt nicht als Teil des "Volkes" zu betrachten und sie von der Teilhabe an Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen auszuschliessen. Einige Kreise arbeiten schon ganz fest daran, solche Verhältnisse in unserer "modernen" Demokratie wieder einzuführen. Mal als ersten Schritt...

    Was das revolutionäre Frankreich anbelangt, sollte doch eigentlich einiges Wissen um die politischen Verhältnisse damals bei den Mitgliedern des Forums schon vorhanden sein. Jedenfalls gibt es eine Unmenge Literatur dazu, die man halt auch lesen und verstehen wollen muss. Dieses Forum hier kann doch nicht den aus welchen Gründen auch immer verpassten Schulunterricht ersetzen. Ich denke aus der Zielsetzung des Forums wie sie auf der Homepage formuliert wird, geht doch einigermassen deutlich hervor, dass hier a) vornehmlich Fragen rund ums Militärische der damaligen Zeit diskutiert werden sollen, und b) eine ausreichende Vorbildung zu allgemeinen (darunter politischen) Fragen der Zeit eigentlich Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Forum sein sollte. Da kommt man ja nirgends hin, wenn hier ständig elementarste Fragen über Gott und die Welt gestellt werden und man Grundwissen vermitteln soll, das ganze Bibliotheken füllt. Zu den eigentlichen Themen kommt man dann ja gar nicht mehr.

    Ganz unbegreiflich aber finde ich es, dass man Leuten, die wiederholt deutlich gemacht haben, dass sie mit ihren Einwürfen aus dem Bauch heraus ganz andere Absichten verfolgen als Faktenwissen vermittelt zu bekommen, dazuzulernen und sich an ernsthaften Diskussionen zu beteiligen, immer wieder goldene Brücken baut und auf ihre desavouierenden Unterstellungen und Behauptungen überhaupt eintritt.

    Dazu gehört bspw. das ständige Anschwärzen Frankreichs als Aggressor. Wie wenn das revolutionäre Frankreich nicht zuvor von den europäischen Monarchien mehrfach angegriffen worden wäre, um dem volksverräterischen König wieder zurückzugeben, was "Gott" allein ihm zugesprochen haben soll - vermindert um ein paar grössere französische Territorien (samt Einwohnern), die er ihnen als Lohn für ihre gute Tat versprochen hatte, versteht sich.

    Gewisse extrem unlautere Vergleiche gehören dazu, zuletzt der Vergleich oder, in diesem Fall, die implizierte Nicht-Vergleichbarkeit der während der französischen Revolution Hingerichteten mit den von den Nazis ermordeten Juden, Slawen, Zigeunern. Diese total verdrehte Argumentation muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen:

    "Die Hinrichtungsquoten, die während der Revolution in Frankreich täglich erreicht wurden, hat das Nazi-Regime bis 1945 nie geschafft. Um nicht missverstanden zu werden, ich leugne nicht die Verbrechen an den Juden, auch nicht an Sintis und Romas."

    Wow, die Verbrechen, sprich täglichen Morde, an den Juden, Sintis und Romas sind also nicht als Hinrichtungen zu werten, so dass das Nazi-Regime bis 1945 nie die tägliche Hinrichtungsquote der französischen Revolution erreicht hat. Danke für die stringente Beweisführung.

    Die Hingerichteten der Revolution waren Opfer eines blutigen Bürgerkrieges, eines Krieges, in dem es um die "richtigen" politischen Ansichten ging. Der ursprüngliche Monarchist und stetige Verteidiger von Privatbesitz Robespierre war auch nicht nur das pure Monster, als das ihn hier gewisse Leute aus durchschaubaren Gründen hinstellen. Er hatte auch nicht die Allmacht, die ihm von gewisser Seite angedichtet wird. Wegen fehlender Machtbasis wurde er ja schlussendlich auch gestürzt. Aber eben, man muss wissen wollen, man muss lesen wollen und - so die Texte in einer Fremdsprache geschrieben sind - auch lesen können. Nicht wollen und nicht können gehen da oft Hand in Hand. Robespierre liess hinrichten, weil er selbst den politischen Weggefährten immer mehr misstraute, er selbst wurde hingerichtet, weil die ihm zuletzt alles zutrauten. Unter seinen Henkern waren auch zahlreiche Jakobiner oder jedenfalls Leute, die keine Bedenken gehabt hatten, Robespierres Hinrichtungsorgien mitzutragen und ohne die Robespierre nie hätte so handeln können, wie er es getan hat. Das Tragische an Robespierre ist, dass er ein fanatischer Tugendbold war, der sich zu verbrecherischen Taten hinreissen liess, weil er überall den Verrat an den grossen Idealen der Revolution witterte - wohl zurecht, denn diese Ideale entsprechen letztendlich einfach nicht der (durchschnittlichen) menschlichen Natur.

    Die Nazis dagegen ermordeten - nicht wegen politischer Streitigkeiten, sondern aus einer rein rassistischen Motivation heraus, die sich noch nicht einmal im Ansatz durch irgendeine Moral rechtfertigen lässt - systematisch Millionen sogenannter "Nichtarier" jeglicher Herkunft, welche politischen Ansichten auch immer sie hegen mochten.


    Ich habe die Nase voll von diesem teutschnationalen Gelaber, das nur darauf abzielt, dieses Forum funktionsuntüchtig zu machen. Dieses ständige provokative Rumgestänker in allen möglichen Threads hat nichts mit Inanspruchnahme des Rechts auf freie Meinungsäusserung zu tun, sondern mit dessen Missbrauch. Genausowenig hat es mit einer seriösen Diskussion unter Berücksichtigung der Fakten zu tun. Ständig werden Worte und Fakten verdreht und unhaltbare Vergleiche am laufenden Band werden als "Meinung" und "Diskussionsgrundlage" verkauft, obwohl sie jeder Faktengrundlage entbehren. Dafür werden dann alle Fakten, die nicht zur vorgefassten politischen Weltanschauung passen - und das sind praktisch alle - systematisch ignoriert. Wenn das den admin nicht stört, schön für ihn, aber falls hier nicht andere Qualitätsmassstäbe zugrunde gelegt und gewisse Grenzen aufzeigt werden, habe ich hier nichts mehr verloren. Meine Zeit ist mir zu kostbar, als dass ich sie auf unsinnige und fruchtlose Debatten, die oft gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben, verschwenden wollte.

    T.
    Geändert von Tellensohn (09.09.2011 um 15:42 Uhr)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    Die Frage, ob man heute, nach über 20-jähriger Alleinherrschaft (soll ich sagen: Diktatur?) des Neoliberalismus, noch von gleichen Bildungschancen und umfassender sozialer Absicherung für alle sprechen kann, die möchte ich den Hartz IV-Empfängern und anderen inzwischen ganz offiziell als "Verlierer der Gesellschaft" abqualifizierten Betroffenen zur Beantwortung überlassen.

    T.
    Ich weiß zwar nicht, was solche politischen Meinungsäußerungen hier zu suchen haben. Aber offensichtlich lebst Du auch in einem anderen Land. Nachdem nun der Linksliberalismus sich jahrelang ausgelebt hat, die Verschlechterungen der letzten 20 Jahre dem Neoliberalismus in die Schuhe zu schieben, ist schon lustig. Immerhin hat von 1998 bis 2009 die SPD in verschiedenen Koalitionen regiert, schon vergessen ? Und auch die heutige CDU ist ja weit weg vom Neoliberalismus, sondern eher links zu verorten. Von der FDP brauch ich nicht zu sprechen, die hat ja eh nichts zu melden und ist mit sich selbst beschäftigt.

    Zu dem Rest Deiner Ergüsse spar ich mir den Kommentar.

  5. #5
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    In welches Land man nun lebt tut überhaupt nichts dazu. Wir in die Niederlande empfinden das gleiche....

    Eine "bespiegeling" wird hier doch wohl erlaubt sein.

    Wir leben immerhin im Siliconen-Zeitalter, und beschäftigen uns nur mit die Zeit 200 Jahre her.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Borussen_Kanonier Beitrag anzeigen
    Ich weiß zwar nicht, was solche politischen Meinungsäußerungen hier zu suchen haben. Aber offensichtlich lebst Du auch in einem anderen Land. Nachdem nun der Linksliberalismus sich jahrelang ausgelebt hat, die Verschlechterungen der letzten 20 Jahre dem Neoliberalismus in die Schuhe zu schieben, ist schon lustig. Immerhin hat von 1998 bis 2009 die SPD in verschiedenen Koalitionen regiert, schon vergessen ? Und auch die heutige CDU ist ja weit weg vom Neoliberalismus, sondern eher links zu verorten.
    Tja, was haben solche politischen Meinungsäusserungen hier zu suchen? Zur Erinnerung: der admin war es, der einen Bezug zur Gegenwart hergestellt hat, indem er Demokratievorstellungen von damals dem Demokratieverständnis von heute gegenübergestellt hat. Dies ist durchaus angebracht und sinnvoll, auch wenn er m. E. einige essentielle Punkte nicht ganz richtig dargestellt bzw. unerwähnt gelassen hat. Wenn aber schon aufgezählt wird, was – theoretisch – alles zur Demokratie von heute gehört, darf ich auch hinterfragen, ob, was in der Theorie alles sein sollte, in der Praxis auch wirklich ist. Ich meine, leider nein.

    Zum Verhältnis der einzelnen politischen Parteien zum Neoliberalismus: Als ob die Parteizugehörigkeit - nicht nur in Deutschland - in den letzten 20 Jahren irgendetwas damit zu tun gehabt hätte, ob man sich der Doktrin des Neoliberalismus unterworfen hat oder nicht. War alles nur eine Frage des Preises, wie uns Schröder, Blair & Co. gezeigt haben. "Linksliberal"? Wenn’s ums Kiffen geht vielleicht, aber sicher nicht in Sachen Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik. Da lachen ja die Hühner. In der Chefetage der Sozis/New Labour lief die Unterwerfung halt unter der Überschrift "Beschreiten des 3.Weges". Es hat sich für sie ausgezahlt, nicht für die Mehrzahl der Menschen, die sie damals gewählt haben, und denen sie zum Dank z.B. in Deutschland Hartz IV oder in England Studiengebühren der Extraklasse beschert haben. Dann auch noch die CDU als "eher links" verortet zu bezeichnen, ist ein toller Gag, der nur von einem spätgeborenen Rechts-aussen kommen kann, der nicht weiss, was "links stehen" früher mal bedeutet hat. Wenn die CDU für den links steht, dann weiss man ja wo er steht.
    Geändert von Tellensohn (09.09.2011 um 21:05 Uhr)

  7. #7
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    Die Hingerichteten der Revolution waren Opfer eines blutigen Bürgerkrieges, eines Krieges, in dem es um die "richtigen" politischen Ansichten ging. Der ursprüngliche Monarchist und stetige Verteidiger von Privatbesitz Robespierre war auch nicht nur das pure Monster, als das ihn hier gewisse Leute aus durchschaubaren Gründen hinstellen. Er hatte auch nicht die Allmacht, die ihm von gewisser Seite angedichtet wird. Wegen fehlender Machtbasis wurde er ja schlussendlich auch gestürzt. Aber eben, man muss wissen wollen, man muss lesen wollen und - so die Texte in einer Fremdsprache geschrieben sind - auch lesen können. Nicht wollen und nicht können gehen da oft Hand in Hand. Robespierre liess hinrichten, weil er selbst den politischen Weggefährten immer mehr misstraute, er selbst wurde hingerichtet, weil die ihm zuletzt alles zutrauten. Unter seinen Henkern waren auch zahlreiche Jakobiner oder jedenfalls Leute, die keine Bedenken gehabt hatten, Robespierres Hinrichtungsorgien mitzutragen und ohne die Robespierre nie hätte so handeln können, wie er es getan hat. Das Tragische an Robespierre ist, dass er ein fanatischer Tugendbold war, der sich zu verbrecherischen Taten hinreissen liess, weil er überall den Verrat an den grossen Idealen der Revolution witterte - wohl zurecht, denn diese Ideale entsprechen letztendlich einfach nicht der (durchschnittlichen) menschlichen Natur.
    Dem kann ich nur zustimmen.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    Ganz unbegreiflich aber finde ich es, dass man Leuten, die wiederholt deutlich gemacht haben, dass sie mit ihren Einwürfen aus dem Bauch heraus ganz andere Absichten verfolgen als Faktenwissen vermittelt zu bekommen, dazuzulernen und sich an ernsthaften Diskussionen zu beteiligen, immer wieder goldene Brücken baut und auf ihre desavouierenden Unterstellungen und Behauptungen überhaupt eintritt.
    Dazu gehört bspw. das ständige Anschwärzen Frankreichs als Aggressor.
    In einigen Punkten stimme ich mit dir überein, in anderen lohnt es sich nicht weiter zu diskutieren, jedenfalls nicht in diesem Forum. Was ist Faktenwissen? Jedenfalls nicht ausschließlich das Wissen französischer Historiker. Genau das ist der Punkt, den ich kritisiere. Man setzt voraus, dass alle hier die französische Sprache beherrschen. Natürlich war Frankreich der Agressor schlechthin, jedenfalls damals. Die Ermordung Ludwig XVI. und die von Marie Antoinette machte Frankreich zum Agressor für alle Fürstenhäuser in Europa. In Deutschland gab es ein paar Revolutionäre, die überwiegende Mehrzahl der Untertanen verstand aber nicht, was in Frankreich vorging. Den König hinrichten? Für den Normalbürger der damaligen Zeit ein eklatantes Verbrechen. Die Idee der Revolution, (waren zu der Zeit nicht Franklin und Jefferson in Paris?) war überfällig. Vielleicht wäre alles anders verlaufen, wenn Mirabeau, der eine konstituionelle Monarchie nach englischem Vorbild wollte, nicht gestorben wäre? Was war danach? Der Rhein als natürliche Grenze Frankreichs? Keine Agression?

  9. #9
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    Erst einmal Danke an Tellensohn für eine wirklich ausführliche und fundierte Stellungnahme ... auch wenn er übersehen hat, dass nicht ich initial den Vergleich mit der heutigen Demokratie angestellt habe.

    Es wäre aber schön, wenn hier etwas weniger "Brisanz" in den Beiträgen gegeben wäre - ich mag pointierte und auch zuweilen bissige Kommentare, diese sollten aber von Respekt gegenüber den anderen Diskutanten genährt bleiben.

    Auch wenn dieses Forum primär militärgeschichtlichen Aspekten vorbehalten sein sollte, spricht nichts gegen eine Ausweitung auf die anderen Felder, wie Gesellschaft, Kultur und eben Politik ... von daher halte ich eine solche Fragestellung dieser Form nicht für abwegig.

    Um den von Tellensohn schön skizzierten Rahmen aufzugreifen, möchte ich meine - aus sicher nicht ganz so zahlreicher Literatur zur Französischen Revolution gebildeten - Meinung kurz äußern:
    • Das revolutionäre Frankreich hat entscheidenden Einfluss auf die Demokratiebewegung Europas gehabt ... und wegen der zurecht angesprochenen zeitlichen Entfernung von nunmehr mehr als 200 Jahren scheue ich einen Vergleich mit modernen Demokratien
    • Frankreich war zunächst in der Defensive, ging jedoch zunehmend in der Rolle einer "aggressiven Defensive" auf - Napoleon "erlernte" diese Doktrin und überführte sie in eine sehr aggresssive Position (wobei die Frage zu diskutieren sei, ob ihm eine andere Wahl blieb)
    • Robespierre et al. verloren sich im "Eifer der Zwangsbeglückung" und dabei den sicher anfangs vorhandenen liberalen Gedanken der Revolution; von daher war ihre Regentschaft für mich von Dogmatismus (eine Eigenschaft, die mir persönlich gehörig gegen den Strich geht) geprägt
    Soweit kurz meine sicher jetzt etwas einfach ausgedrückten Gedanken, aber sehr gerne folge ich einer sachlichen, pointierten und lehrreichen Diskussion ... auch genährt aus französischen Quellen

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  10. #10
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    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    ... auch wenn er übersehen hat, dass nicht ich initial den Vergleich mit der heutigen Demokratie angestellt habe.
    Dem kann ich so nicht ganz zustimmen. Der Initiator dieses Threads hat ja nur eine Frage gestellt:

    "Gab es nach der Revolution in Frankreich überhaupt eine Demokratie im heutigen Sinn?"

    Das ist ja kein Vergleich. Ich würde das als Fangfrage, jedenfalls als rhetorische Frage bezeichnen, denn welche Antwort es darauf ja nur geben kann, war dem Fragesteller mit Sicherheit von Anfang an klar.

    Die Ehre, als erster explizit einen Vergleich angestellt zu haben, was nach heutigem Verständnis zur Demokratie gehört (mit ein paar angeführten Beispielen), das damals (so) nicht dazu gehörte (ohne das weiter ausgeführt zu haben, aber eben doch vergleichend), diese Ehre gebührt also durchaus Dir.

    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    Es wäre aber schön, wenn hier etwas weniger "Brisanz" in den Beiträgen gegeben wäre - ich mag pointierte und auch zuweilen bissige Kommentare, diese sollten aber von Respekt gegenüber den anderen Diskutanten genährt bleiben.
    Soweit ich damit angesprochen bin: Mir geht es nicht darum, zum Gaudi bei jeder Gelegenheit pointierte und bissige Kommentare abzugeben. Mir geht es darum, deutlich zu machen, wie gewisse Leute hier mit wirrem Gerede und an den Haaren herbeigezogenen Scheinargumenten die Leser in die Irre zu führen suchen. Es geht um Aufklärung. Und ja, ich bin ein dezidierter Anhänger der Aufklärung. Im übrigen gilt für mich: Respekt, wem Respekt gebührt. Der Nummer 18 würde ich nicht die Hand schütteln wollen, und auch nicht seinen Apologeten. Das ist meines Erachtens eine Frage des Anstands.

    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    Auch wenn dieses Forum primär militärgeschichtlichen Aspekten vorbehalten sein sollte, spricht nichts gegen eine Ausweitung auf die anderen Felder, wie Gesellschaft, Kultur und eben Politik ... von daher halte ich eine solche Fragestellung dieser Form nicht für abwegig.
    Ich halte Diskussionen über andere Themen als militärgeschichtliche doch auch nicht für abwegig. Ich habe ja selbst schon einige Themen aufgeworfen, die nicht direkt mit Fragen der Kriegsgeschichte zu tun haben. Was ich gesagt habe war vielmehr, dass man eigentlich davon ausgehen können sollte, dass jeder Teilnehmer dieses Forums ein ausreichendes Grundwissen zu allgemeinen (darunter politischen) Fragen der Zeit mitbringt, und zwar eines, das auf seriöser Grundlage erworben wurde, da es m.E. schwierig wenn nicht gar unmöglich wird, weiterführende Themen zur Sprache zu bringen, wenn immer erst noch elementares Wissen vermittelt werden muss.

    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    Um den von Tellensohn schön skizzierten Rahmen aufzugreifen, möchte ich meine - aus sicher nicht ganz so zahlreicher Literatur zur Französischen Revolution gebildeten - Meinung kurz äußern:
    • Das revolutionäre Frankreich hat entscheidenden Einfluss auf die Demokratiebewegung Europas gehabt ... und wegen der zurecht angesprochenen zeitlichen Entfernung von nunmehr mehr als 200 Jahren scheue ich einen Vergleich mit modernen Demokratien
    • Wüsste nicht, weshalb ich dem widersprechen sollte.

      Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
    • Frankreich war zunächst in der Defensive, ging jedoch zunehmend in der Rolle einer "aggressiven Defensive" auf - Napoleon "erlernte" diese Doktrin und überführte sie in eine sehr aggresssive Position (wobei die Frage zu diskutieren sei, ob ihm eine andere Wahl blieb)
    Na ja, diese Doktrin ist ja nicht so neu und hat eigentlich auch nichts mit der französischen Revolution als solche zu tun. Vielmehr handelt sich doch einfach um die uralte militärische Maxime, den Krieg, um ihn vom eigenen Land fernzuhalten, ins Feindesland zu tragen. Nachdem das revolutionäre Frankreich zuerst einmal diverse Invasionen nur mit Mühe und unter grössten Anstrengungen hat abwehren können, kann der Übergang zu einer offensiven Strategie ja nicht wirklich verwundern.
    Im übrigen haben Ludwig XVI und Marie Antoinette (und natürlich auch die sie unterstützende Aristokratenclique) durchaus verbrecherisch gehandelt, als sie das Vertrauen des Volkes missbrauchten und die gekrönten Despoten Europas dazu einluden, das eigene Land zu überfallen und die eigenen Bürger zu massakrieren, nur weil ihnen die Rolle als konstitutionelle Monarchen nicht reichte (ja, Frankreich war damals schon eine konstitutionelle Monarchie, die musste man nicht erst "nach englischem Vorbild" basteln; auch das gehört zum Grundwissen). Sie wollten einfach unbedingt wieder absolute Herrscher sein, die nach eigenem Gutdünken handeln und dem Volk zu keiner Rechenschaft verpflichtet sind. Dabei hatten sie auf die neue französische Verfassung einen Eid geleistet und geschworen, Land und Volk gegen äussere Feinde zu verteidigen. Sie haben schlicht und einfach Hochverrat begangen, und darauf stand nicht nur im revolutionären Frankreich die Todesstrafe.

    Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
  11. Robespierre et al. verloren sich im "Eifer der Zwangsbeglückung" und dabei den sicher anfangs vorhandenen liberalen Gedanken der Revolution; von daher war ihre Regentschaft für mich von Dogmatismus (eine Eigenschaft, die mir persönlich gehörig gegen den Strich geht) geprägt
Es freut mich zu hören, dass Dir Dogmatismus gegen den Strich geht. Da sind wir ja einer Meinung. Ob das auch gewisse Dritte gehört haben?

Zitat Zitat von admin Beitrag anzeigen
Soweit kurz meine sicher jetzt etwas einfach ausgedrückten Gedanken, aber sehr gerne folge ich einer sachlichen, pointierten und lehrreichen Diskussion ... auch genährt aus französischen Quellen
"...auch genährt aus französischen Quellen". Dass Du solchen Diskussionen gerne folgst, glaub ich Dir aufs Wort. Das Problem ist ja bekanntlich, dass gewisse andere das nicht nur nicht können, sondern erklärtermassen auch gar nicht wollen. So etwas würde ich als ausgesprochen dogmatischen Standpunkt bezeichnen. Nicht wahr?

Respektvoll, T.
Geändert von Tellensohn (11.09.2011 um 17:32 Uhr)
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