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Thema: Karrees mit 6 Gliedern

  1. #1
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    Standard Karrees mit 6 Gliedern

    Als der König von Westfalen am 01.06.1812 Revue über die sächsischen Truppen hielt, verlangte er unter anderem bei der Infanterie die Stellung von Karrees mit 6 Gliedern. Da es so etwas im sächsischen Reglement nicht gab, fiel der Erfolg der Vorführung sehr bescheiden aus.
    Nun erhält das 1.leichte Infanterie-Regiment am 13.06. durch den Brigadier, Generalmajor von Nostitz, eine „Vorschrift zur Formierung der Quarrees zu 6 Gliedern“ mit der Aufforderung übersandt, die Ruhetage zur Einübung zu nutzen. (ob die Einübung erfolgt ist bleibt fraglich, da der übliche Vermerk „ist geschehen“ oder „ist befolgt“ fehlt).
    Hat von Euch einer eine Vorstellung, was für eine Vorschrift dies gewesen sein kann?
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  2. #2
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    Ein carré à six rangs, laut Bardin von den Österreichern und Russen übernommen.

    http://books.google.de/books?id=JCkPAAAAQAAJ&pg=PA1028

    Die Formation wird beschrieben im französischen Exerzier-Reglement vom 1. August 1791, Bataillons-Schule, N°s 589-591. Dazu die Tafel XL (Tafel 40). Ausgangsformation ist eine Kolonne in Divisionen (= zwei Pelotons nebeneinander, jedes zu zwei Sektionen) mit Sektions-Abstand. Hier wie es in etwa aussah, die langen Rechtecke sind Pelotons, die kurzen Sektionen:



    Ich hab leider die originale, viel bessere Tafel XL im Netz nicht gefunden, und auch nicht die deutsche Version des Reglements, darum hier nur der französische Text des Reglements:

    http://books.google.de/books?id=OUgMAQAAMAAJ&pg=PA402
    Geändert von Sans-Souci (28.05.2012 um 07:36 Uhr)

  3. #3
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    Hier noch die Originaltafel XL:
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
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  4. #4
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    Danke Oli.

    Wie viele Kompanien sehen wir da? Sind es 2 oder 4 Peletons pro Kompanie?
    Hintergrund meiner Frage ist der Umstand, dass die sächsischen leichten Bataillone mit ihren jeweils 4 Kompanien solche Karrees falten sollten. Wenn also die Kompanien 2 Peletons hätten, dann käme kein Karree heraus, sondern eine 2 Peletons breite und 12 Mann tiefe Masse.
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  5. #5
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    Jede Französische Kompanie (Verwaltungseinheit) wurde in ein Peloton (taktische Grundeinheit) formiert, das aus zwei Sektionen (Zügen) bestand. Diese Sektionen waren die kleinste taktische Einheit.

    Die Kolonne, die wir auf Tafel XL sehen, hat eine Front von 2 Pelotons. Insgesamt besteht sie aus 4 Bataillonen. Bis 1808 bestand jedes Bataillon aus 8 Pelotons, die - auf der Tafel weggelassenen - Grenadiere nicht eingerechnet.

    Um ein Karree zu 6 Gliedern zu formieren, braucht man bei einer in drei Gliedern formierten Einheit

    - eine Front aus Abteilungen, die in 4 taktische Einheiten unterteilt werden kann (von denen in der Mitte dann jeweils zwei nach links und rechts einschwenken, um die 6 Mann tiefen Flanken zu bilden)

    - eine Tiefe von mindestens 5 Abteilungen: jeweils zwei für die 6 Mann tiefe Front und den Rücken, mindestens eine, um in der Mitte die Flanken zu bilden.

    Also mindestens 20 taktische Einheiten. Das französische Bataillon bestand vor 1808 aus 16 Sektionen (plus zwei Sektionen Grenadiere), nach 1808 aus 12 Sektionen (einschließlich Grenadiere und Voltigeure). Ein einzelnes französisches Bataillon konnte also niemals ein Karree zu sechs Gliedern formieren. Für zwei französische Bataillone gemeinsam war es jedoch kein Problem, weder vor noch nach 1808.

  6. #6
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    Verstanden und danke.

    Da die sächsischen Bataillone 4 Kompanien hatten, konnten sie allein ein Karree mit 6 Gliedern nach dieser Vorschrift nicht bilden.
    Die den sächsischen Truppen im Juni 1812 übersandte Vorschrift zur Karreebildung kann daher nur auf ein Regiment (2 Bataillone mit insgesamt 8 Kompanien) Bezug genommen haben.

    Im Übrigen dürfte auch die Karreebildung mit 6 Gliedern eines frz. Bataillons nach dem 18.02.1808 im Falle der Abwesenheit einer Kompanie (z.B. Voltigeur-Kompanie beim Plänkeln) nach dieser Vorschrift nicht mehr zu bewerkstelligen gewesen sein, oder?
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  7. #7
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    Theoretisch wäre es für zwei französische Bataillone mit detachiertem Voltigeur-Peloton gerade noch möglich gewesen, gemeinsam solch ein Karree zu 6 Gliedern (nach der im Exerzier-Reglement beschriebenen Methode) zu bilden. Es blieben pro Bataillon ja 5 Pelotons (4 Füsiliere, 1 Grenadier), jedes zu zwei Sektionen = 10 taktische Untereinheiten, insgesamt die oben berechnete Mindestanzahl von 20 für beide Bataillon zusammen.

    Allerdings hätte es praktisch ein paar (nicht unüberwindliche) Schwierigkeiten gegeben, durch die "Lücke" in der Kolonne aufgrund der Abwesenheit eines Pelotons. Die Ausgangsformation für die Formierung dieses Karrees war ja eine Kolonne mit Divisionsbreite (also zwei Pelotons nebeneinaner). Eine theoretische Lösung wäre, zunächst die beiden Grenadier-Pelotons in einer gemeinsamen Division zu vereinigen.

    Insgesamt glaube ich (habe null Belege), daß das sechsgliedrige Karree faktisch keine Rolle auf dem Schlachtfeld spielte.

    Nach dem sächsischen Exerzirreglement von Jahre 1804 (S. 141) wurden die 4 Kompanien eines Bataillons in

    2 Flügel
    4 Divisionen
    8 halbe Divisionen
    16 Plotons (diese nur bei genügender Mannschaftsstärke)

    eingeteilt. Falls sich da bis 1812 nichts geändert hat, konnte das sechsgliedrige Karree auch von 2 sächsischen Bataillonen zusammen nur dann gebildet werden (nach der im französischen Exerzier-Reglement beschriebenen Methode), wenn sie auch in Plotons eingeteilt waren.

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