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Thema: Preußische und Russische Militärmusik

  1. #1
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    Standard Preußische und Russische Militärmusik

    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    Durch die Beschäftigung mit den Russen fallen mir da immer mehr Sachen auf, die dann von den Preußen nachgeahmt worden sind.
    Z.B. im Militärmusikwesen (zit nach http://www.igeb.net/publikation_reprint_de.htm) :

    "Die Preußische Armeemarsch-Sammlung 1817-1839

    hg. von Achim Hofer

    Band 5.1; Achim Hofer, Die »Königlich Preußische Armeemarschsammlung« 1817-1839.

    Entstehung – Umfeld – Beschreibung. Wien: Kliment 2007.

    Band 5.2 - 5.5: Achim Hofer (Hg.), Die »Königlich Preußische Armeemarschsammlung« 1817-1839
    Wien: Kliment 2007.
    Band 5.2: Heft I (Nr. 1 - 40)
    Band 5.3: Reprint Heft II (Nr. 41 - 70)
    Band 5.4: Reprint Heft III (Nr. 71 - 100 )
    Band 5.5: Reprint Heft IV (Nr. 101 - 114).

    Im Jahre 1839 publizierte der Schlesinger-Verlag in Berlin die seit 1817 in loser Folge erschienenen 114 »Königlich Preußischen Armeemärsche« in einer vierbändigen Partitur-Prachtausgabe, von der sich ein Exemplar in der Deutschen Staatsbibliothek Berlin erhalten hat. Die Bände 5.2 bis 5.5 der IGEB-Reprints enthalten einen vollständigen faksimilierten Nachdruck dieser musikalischen Rarität.

    Der zugehörige Textband 5.1, der auch separat erworben werden kann, bietet in einem I. Teil den neuesten Stand der Erkenntnisse über die Sammlung als Ganzes: Entstehung und Ursprung im Zusammenhang mit deutsch-russischen Beziehungen; Komponisten, Bearbeiter und Titel; Tempo, Datierung und Instrumentierung. So konnte der Autor z.B. nachweisen, dass es sich bei den ersten Märschen um unveränderte Übernahmen aus der »Kaiserlich Russischen Armeemarschsammlung«, die sich heute in der Staatsbibliothek Moskau befindet, handelt. Aber auch die anderen Märsche waren »preußisch« allenfalls aufgrund der Sammlung, zu der sie gehörten.

    Teil II des Textbandes führt alle Märsche einzeln auf mit ihren Originaltiteln und vielfach neuen Erkenntnissen zu Komponisten, Bearbeitern, musikalischen Vorlagen und Ausgaben für andere Besetzungen.

    Textteil und Noten-Bände zeigen anschaulich, dass die Sammlung ein wertvolles Dokument zur Geschichte des Marsches, der Instrumentation und der Besetzung der Militärmusik im früheren 19. Jahrhundert darstellt (so enthält zum Beispiel der letzte Marsch Nr. 114 erstmals die neue Tuba). Darüber hinaus wird deutlich, wie sehr die Märsche mit ihren oftmals bekannten Melodien Teil waren jenes Bereichs der Musik, der in diesen Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einen rapiden Aufschwung nahm: dem der »populären Musik« insgesamt.

    Die vorliegende Ausgabe macht zum ersten Mal den berühmten, aber bislang nur schwer erreichbaren Prachtband der »Königlich Preußischen Armeemärsche« sowohl für die Fachwelt als auch für interessierte Laien in einer kostengünstigen Ausgabe / Form zugänglich."



    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    Man müsste das mal intensiv erforschen, was in der Beziehung Russland-Preußen so alles gegenseitig übernommen wurde.
    Dazu gab's vor einiger Zeit auch mal eine Ausstellung (http://www.spsg.de/Macht_und_Freunds...1800-1860.html) mit ausführlichem Katalog (http://www.amazon.de/Macht-Freundsch.../dp/3733803639).
    Geändert von Tellensohn (29.08.2012 um 13:54 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    So konnte der Autor z.B. nachweisen, dass es sich bei den ersten Märschen um unveränderte Übernahmen aus der »Kaiserlich Russischen Armeemarschsammlung«, die sich heute in der Staatsbibliothek Moskau befindet, handelt.
    Dieser vom Verleger angepriesene "Nachweis" ist jedoch inhaltlich nichts Neues, schon 1971 schrieb Joachim Toeche-Mittler (Ameemärsche, 2. Aufl. 1977, Bd. 2, S.11) über die am 10. Februar 1817 geschaffene preußische Armee-Marsch-Sammlung:

    Der allererste Anfang der Sammlung war einfach. man übernahm im Jahre 1817 aus der Marschsammlung der Kaiserlich Russischen Armee, die der aus Böhmen stammende Dörfeldt in St. Petersburg gschaffen hatte, 36 langsame und 36 Geschwind-Märsche.
    Befremdlich für Freunde der altpreußischen Militärmusik mutet an, daß Friedrich Wilhelm III. die Veröffentlichung der Sammlung mit den Worten beschloß:

    Da die Truppe auf diese Weise in Besitz guter Musikalien gelangen wird, so ist es mein Wille, dass bei allen Paraden und Revuen und besonders, wenn ich denselben beiwohne, keine anderen Märsche gespielt werden.

  3. #3
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    @ Sans-Souci

    Schaff dir doch einfach mal den Hofer-Band 5.1 an und lies dort, was im wissenschaftlichen Sinn ein Nachweis ist, was es mit dieser berüchtigten AKO FWs III. auf sich hat, und warum Toeche-Mittler nicht die Koryphäe war, für die er sich selbst gehalten hat.

  4. #4
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    Daß Toeche-Mittler "wissenschaftlich" ist, würde ich auch nicht behaupten, alleine schon wegen der fehlenden Bibliographie, ganz abgesehen von seinem Schreibstil.

    Doch wenn ich wissenschaftlich z. B. den Nachweis erbringe, daß die "schlesisch" genannten preußischen Infanterie-Regimenter von 1808 bis 1816 gelbe Kragen haben sollten, ist das, von der Form abgesehen, nicht unbedingt etwas neues. Aber übertreibende Klappentexte kann man in der Regel einem Autor nicht ankreiden, weil er für sie nichts kann.

    Sobald ich aus dem Urlaub zurück bin, werde ich mir jedoch den Hofer über Fernleihe besorgen, um herauszufinden, was es mit dieser Manie Friedrich Wilhelms für russische Märsche auf sich hat.

  5. #5
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    Gut so!

    Übrigens: die ersten Märsche der russischen Sammlung sind ebensowenig alle "russisch" wie jene der preussischen alle "preussisch" sind. Die Köche entstammen vielen Nationen. Allen Kompositionen aber ist gemeinsam, dass sie von Anton Dörfeldt (gebürtiger Prager und u.a. Kapellmeister der Russischen Kaiserlichen Garde) herausgegeben oder arrangiert oder komponiert worden sind. Genaueres dazu gleichfalls bei Hofer.


    Zu Toeche-Mittler heisst es in Achim Hofer, Blasmusikforschung. Eine kritische Einführung, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992, im Kapitel "Blasmusikforschung und Ideologie":

    "...die Arbeiten von Toeche-Mittler [sind] nicht nur keine wissenschaftlichen Arbeiten, sondern zum Teil ebenfalls von einem unangenehm militaristischen Unterton geprägt..., so dass immerhin in der Zeitschrift 'TIBIA' (1982, H.1, 57) über den Autor gesagt wird, er habe offensichtlich seine 'engstirnige Kommiss-Vergangenheit' nicht vergessen, und sein Buch 'Musikmeister Ahlers. Ein Zeitbild unserer Marschmusik 1901-1945' gerate 'in die Nähe der Nationalzeitung' ". (S.79)

    Dem kann man nur zustimmen. Toeche-Mittlers drei "Armeemärsche"-Bände habe ich mir nur äusserst widerwillig, eigentlich nur der Vollständigkeit halber zugelegt, da ich zuvor das mehr als zweifelhafte "Vergnügen" hatte, seine oft mit überflüssigen und dümmlichen nationalistischen Bemerkungen angereicherten Begleittexte zur bisher in ihrer Art einzigartigen Schallplattensammlung "Historische Armee-Märsche" (enthält praktisch alle Stücke der Kgl. Preuss. Armeemarschslg.) durchlesen zu müssen.
    Gegen die Aufnahmen selbst habe ich nichts einzuwenden. Die von der Stadtmusik Wien unter der Leitung von Gustav Fischer nach den Originalpartituren eingespielten frühen Stücke sind ein besonderer Leckerbissen. Vielleicht ginge es noch authentischer (v.a., was die Instrumente anbelangt), bislang aber gibt es zu diesen Aufnahmen keine wirklich nennenswerte Alternative (ausser ein paar Stücken, die in den 60ern vom Heeresmusikkorps 6 unter der Leitung von Johannes Schade eingespielt worden sind).

    Unter aller Würde aber sind die immer wiederkehrenden, teils reichlich unsachlichen frankophoben Ausfälle Toeche-Mittlers in seinen Begleittexten. Dabei wird deutlich, dass sein Franzosenhass auch seinem Fachwissen in nicht unwesentlicher Weise Abbruch getan hat, weil er sich offenbar nicht hat dazu durchringen können, sich mit der französischen Musik jener Zeit vertraut zu machen. Dass einzelne Stücke auf Vorlagen französischer Komponisten beruhen, ist ihm ganz offensichtlich nur dann bekannt, wenn das aus dem Titel der Stücke ersichtlich ist.

    So fällt ihm bspw. zum Armeemarsch AM I/38 "Pariser Marsch" (1815) nichts weiter ein als:

    "Der Titel besagt, dass dieser Marsch schon 1815 in Paris erklang, als dort russische, österreichische und preussische Truppen endgültig Europa von Napoleon befreit hatten. Preussen übernahm das Stück 1819 in die Armeemarschsammlung." (Historische Armee-Märsche, Folge 18, Beilage, S.6f.)

    Sogar ich als absoluter musikalischer Laie habe das Leitmotiv dieses Marsches und damit seine Herkunft sogleich erkannt. Es handelt sich um die Melodie des vielleicht bekanntesten Quatuors des französischen Opernkomponisten Grétry, "Où peut-on être mieux qu'au sein de sa famille?" (aus dessen komischer Oper "Lucile", 1769). Das Lied galt als royalistische Hymne, wurde aber nachweislich als Marsch auch in napoleonischer Zeit von der Musik der Kaisergarde gespielt, bspw. anlässlich der Hochzeit Napoleons mit Marie Louise im Jahr 1810 oder während des Russlandfeldzugs bei Krasnoye. Die Bearbeitung als Marsch für Napoleons Garde könnte vom bekannten Komponisten und (Militär-)Musiker François-René Gebauer stammen, denn im Jahr 1814 hat Gebauer dieses Stück und zwei weitere zu einem Willkommensgruss "pour l'entrée de Louis XVIII à Paris" zusammengestellt. Naheliegend ist aber auch der Gedanke, dass sein Bruder Michel-Joseph Gebauer, von 1804-1812 Chefmusiker der Kaisergarde, gefallen im Russlandfeldzug, ein entsprechendes Arrangement vorgenommen hat. (Vielleicht existiert ja irgendwo ein Autograph, dass die Frage klären könnte. Vielleicht gab es auch mehrere Arrangements. Generell war es ja so, dass sich die Kapellmeister aller Nationen einen regelrechten Sport daraus machten, alle möglichen beliebten Melodien nach ihren Möglichkeiten und abgestimmt auf die ihnen zur Verfügung stehenden Musiker/Instrumente zu arrangieren. Umfassend wird man das wohl nie erforschen können.)

    Der Armeemarsch AM I/38 "Pariser Marsch" ist also ursprünglich ein französischer Marsch, basierend auf einem der beliebtesten, auch über die Grenzen Frankreichs bekannten Lieder der damaligen Zeit. "Kenner" Toeche-Mittler hat es nicht gesehen (oder er wollte es nicht sehen?).

    Ähnlich der Marsch AM II/7 "Russischer Marsch". Toeche-Mittlers Kommentar:

    "Der Titel besteht zu recht[!]. Flott ist das Stück, hübsch komponiert, klar aufgebaut und gut gespielt. Mit dem Trio, das natürlich einen Moll-Teil hat, endet der Marsch. Die zuweilen unnötige Wiederholung von vorn unterbleibt." (Historische Armee-Märsche, Folge 2, Beilage, S.5)

    Das Hauptthema auch dieses Marsches ist französischen Ursprungs, nämlich die Motette "Vivat in aeternum[, vivat rex]" (1787) von Abbé Nicolas Roze (1745-1819). Das Stück stammt also aus der Zeit des Ancien Régime, wurde aber arrangiert für Militärmusik und Chor bspw. auch während der Krönungsmesse Napoleons I. - und im 1er Empire immer wieder zu offiziellen Anlässen - gespielt (eine Einspielung des Stückes findet sich auf der CD "Messe du Sacre de Napoléon 1er" [1996], Ensemble de Cuivres Guy Touvron / Solisten, Chor und Orchester der Capella St. Petersburg, Ltg. Vladislav Tchernouchenko).

    Auch der Armeemarsch AM II/7 "Russischer Marsch" greift also auf eine damals durchaus bekannte französische Vorlage zurück. "Experte" Toeche-Mittler hat es nicht erkannt.

    Aber auch mit Märschen nichtfranzösischen Ursprungs hatte Nationalist Toeche-Mittler so seine Probleme. Bspw. mit dem Armeemarsch AM II/52 "Marsch des Hannoverschen Garde Grenadier Regiments" (1821). Toeche-Mittler:

    "Das kurze, schneidige Stück aus dem Jahr 1821 ist ein Geschwindmarsch der ersten Zeit. Wir hören das einstige Original. In der Stadt Hannover lag seit 1820 das hannoversche Garde-Grenadier-Regiment; 1838 wurde es in Garde-Regiment umbenannt. Der König von Hannover war damals in Personalunion König von Grossbritannien. Daher ist der Marsch auch in England bekannt, wo er als British Grenadier-Marsh [sic] noch heute viel gespielt wird, allerdings in einer zeitgemäss weiterentwickelten Fassung." (Historische Armee-Märsche, Folge 18, Beilage, S.6)

    Wie bitte? Das erweckt ja fast den Eindruck als wolle Toeche-Mittler dem Marsch "British Grenadiers" einen hannoverschen Ursprung zuweisen. Davon weiss die Musikwissenschaft allerdings nichts. Der Marsch ist erstmals in England (um 1730) und in der britischen Armee nachweisbar. Bemerkenswert ist dagegen, dass die Melodie in Teilen jener des holländischen Marsches "De jonge Prins van Friesland" aus dem 17. Jahrhundert ähnelt. Ist "British Grenadiers" von diesem Marsch abgeleitet? Wenn ja, könnte er mit Wilhelm III. von Oranjen nach England gekommen sein. Vielleicht aber auch schon früher, denn schon 1634 findet sich in England eine Vorläufermelodie von "British Grenadiers" mit dem Titel "Sir Edward Noel's Delight", die wiederum in einer holländischen Sammlung mit dem Titel "Bellerophon" (Amsterdam, 1622) zu finden ist und bereits aus dem späten 16. Jahrhundert stammen könnte (UFFF!!)
    Geändert von Tellensohn (30.08.2012 um 08:33 Uhr)

  6. #6
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    Meine Fresse!

    Musik ist nun so gar nicht meine Kernkompetenz, aber als Hintergrundinformation ist der Text beeindruckend

    Reschpeggd!
    Jörg
    The light at the end of the tunnel
    is from an oncoming train.

  7. #7
    Avatar von Gunter
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    Mit Musik kenne ich mich nun nicht so aus, aber die genannten Details sind natürlich äußerst aufschlußreich. Respekt! Grundsätzlich ist Militärkultur eine Sache der internationalen Verflechtungen. Von rein nationalen Entwicklungen kann da keine Rede sein. Derartige Konstruktionsversuche sind längst veraltet, sie lassen den notwendigen Blick über den Tellerrand vermissen und eine breitere Betrachtung des historischen Umfeldes zeigt ganz andere Interpretationen auf.
    Inzwischen gewinne ich den Eindruck, dass Friedrich Wilhelm III. eine geradezu sklavische Nachahmung russischer Gepflogenheiten bevorzugte. Beim preußischen Militär kann man das kaum alles einzeln aufzählen. Vor dem machtpolitischen Hintergrund ist das natürlich nicht verwunderlich, denn Preußen existierte überhaupt nur noch aus Russlands Gnaden weiter, was erst gegen Ende des 19. Jahrhundert völlig in den Hintergrund gedrängt wurde, mit fatalen Folgen.
    Vielleicht sollte man bei all dem nicht vergessen, dass den Altvorderen Urheberrecht weitgehend unbekannt war.

    Grüße

    Gunter
    Geändert von Gunter (30.08.2012 um 17:49 Uhr)

  8. #8
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    Als Ergänzung hier Rozes "Vivat in aeternum" wie es bei Napoleons Krönungsmesse erklang (ein Arrangement dieses Stücks bildete den ersten Teil des Armeemarsches AM II/7):

    http://www.youtube.com/watch?v=-SHkx9A9488

    (zu finden auf dieser CD: http://www.amazon.de/Kr%C3%B6nungsmu...6403830&sr=8-3

    Und hier Fischers Einspielung des Armeemarsches AM II/7 (auf die Melodie des ersten Teils des Marsches achten):

    http://www.youtube.com/watch?v=9pWiREDAOr8


    Das Quatuor "Où peut-on être mieux qu'au sein de sa famille?", welches das Thema des Armeemarsches AM I/38 bildet, scheint bei den Freimaurern sehr beliebt gewesen zu sein, s. unten stehende Webseite für einige Beispiele aus napoleonischer Zeit. Bedenkt man, dass Napoleon selber Freimaurer war oder gewesen sein soll, viele seiner Militärs es aber auf jeden Fall waren, ist darin vielleicht mit ein Grund für die weite Verbreitung dieses "royalistischen" Stückes schon während des Konsulats und des Kaiserreichs zu sehen. Das Stück war aber ganz offensichtlich auch sonst ein regelrechter Gassenhauer. Auf der erwähnten Webseite kann man sich den Beginn von Gretrys Original anhören (ganz oben, "cliquez ici" anklicken):

    http://mvmm.org/c/docs/annales/A7_216.html

    Der Auszug dürfte von dieser CD stammen (Titel 5, Auszug): http://www.muziekweb.nl/Link/DCX1511

    Und hier Fischers Einspielung des Armeemarsches AM I/38 (auf die Melodie nach dem "Intro" achten):

    http://www.youtube.com/watch?v=g_KU-...eature=related

    Ein weiteres schönes Beispiel für die Beliebtheit des Stücks während Konsulat und Kaiserzeit findet sich hier:

    http://books.google.ch/books?id=yQUV...amille&f=false

    Der erwähnte Orchesterdirektor Blasius ist übrigens der Elsässer Mathieu-Frédéric Blasius, der u.a. den Posten des Chef de musique der Konsular- bzw. Kaisergarde von 1799 bis 1804 innehatte (und damit der Vorgänger von Michel-Joseph Gebauer war).
    Geändert von Tellensohn (31.08.2012 um 11:38 Uhr)

  9. #9
    Avatar von Gunter
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    Schon spannend, wie das schamlos abgekupfert wurde. In Russland besonders auffällig der Marsch des Kexholmer Leibgarderegiments (Kaiserlied von Joseph Haydn) und der Leibgardekosaken (Hochzeitsmarsch Felix Mendelssohn Bartholdy). Wobei bei den Kexholmern der österreichische Kaiser die meiste Zeit Chef war.

    Grüße

    Gunter
    Geändert von Gunter (31.08.2012 um 13:14 Uhr)

  10. #10
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    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Meine Fresse!

    Musik ist nun so gar nicht meine Kernkompetenz, aber als Hintergrundinformation ist der Text beeindruckend

    Reschpeggd!
    Jörg
    Dem kann ich mich nur anschließen. Hätte nie gedacht, dass Musikgeschichte so interessant sein kann. Hielt das eher für ein langweiliges Thema. Man lernt doch immer wieder dazu. Mehr davon!

    Gruß

    Dieter
    Geändert von KDF10 (31.08.2012 um 15:51 Uhr)

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