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Thema: Preußische und Russische Militärmusik

  1. #21
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    FW III war wirklich ein bißchen extrem russophil. Das mit der Geschwindigkeit leuchtet natürlich ein.

    Grüße

    Gunter

  2. #22
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    Zitat Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
    ...Leider beschränkt es sich thematisch auf die Stücke der Sammlung II,1 bis II,114, die langsamen Märsche und die Kavalleriemärsche bleiben deshalb außen vor...
    Das ist natürlich schade, aber: Dass Hofer nur die 114 ersten Geschwindmärsche (AM II/...) behandelt, hat, wie er ja selber erläutert, in erster Linie mit der für die Geschwindmärsche um ein Vielfaches besseren Quellenlage/Verfügbarkeit der Quellen zu tun. Selbstverständlich wäre eine vergleichbar seriöse Arbeit zu den langsamen Märschen mehr als wünschenswert, aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis man dazu etwas zu sehen bekommt. Nun ja, besser nur zu Themen etwas veröffentlichen, zu denen man Handfestes auf den Tisch zu legen vermag, als selbstgefälliges Blabla à la Toeche-Mittler von sich zu geben. Die Kavalleriemärsche interessieren mich zum Glück nicht sonderlich, weil a) allesamt erst ab den 1820er Jahren aktuell und b) von der Instrumentierung her nicht mein Ding.

    Zitat Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
    ...Daß zunächst nur russische Märsche ausgewählt wurden,...
    Nochmals sei darauf hingewiesen: Viele dieser ersten Märsche waren nur insofern "russische" Märsche als sie von Dörfeldt (selber Böhme) für die Kaiserlich-Russische Marschsammlung zusammengestellt wurden. Teils hat er sie selber komponiert, teils hat er Kompositionen (nicht nur Märsche) anderer (meist Nicht-Russen) bearbeitet. Insofern kann man nicht sagen, dass "nur russische Märsche" ausgewählt wurden. Vielmehr sollte man es so formulieren, dass 1817 aus der russischen Marschsammlung dort vorhandene Märsche diverser Herkunft ausgewählt wurden, übrigens nicht etwa einfach die jeweils 36 ersten langsamen bzw. geschwinden Märsche, die in der russischen Sammlung anzutreffen waren, sondern die, die dem König am besten gefielen. Deshalb stimmen die Nummern der Märsche in der preussischen Sammlung auch nicht mit denen in der russischen Sammlung überein (die dortigen Nummern sind meist höher als die entsprechenden preussischen Nummern). Der König hat sich also sein persönliches "Wunschkonzert" zusammenstellen lassen und die ausgewählten Märsche diverser Herkunft wurden so in seine Marschsammlung übernommen, wie sie Dörfeldt komponiert oder arrangiert hatte. Ich meine, FWIII betrachtete diese Märsche keineswegs als "russische" Märsche - und wohl auch kaum jemand sonst - , sondern einfach nur als gute Märsche, wie man sie damals brauchte und mochte, oft basierend auf in ganz Europa bekannten und beliebten Werken, bearbeitet und instrumentiert nach der Art, wie sie damals in allen Armeen mehr oder weniger üblich war. Dieses nationalistische Kästchendenken, dieses unbedingt in "russisch", "preussisch", oder was auch immer einteilen wollen, ist m.E. eine Erscheinung späterer - leider noch immer auch unserer - Zeit.

    Zitat Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
    Bei den langsamen Märschen dagegen finden sich haufenweise altpreußische
    Dazu ist zu sagen, dass die in der Sammlung langsamer Märsche heute an erster Stelle stehenden "altpreussischen" Märsche erst seit 1841 an erster Stelle stehen (in Arrangements von Wieprecht), also nicht zu den ersten 36 langsamen Märschen gehörten, die 1817 übernommen wurden. Der originale erste langsame Marsch war ein Marsch von Dörfeldt: Ru AM I/1: Marcia Maestoso No.1 (1809/10) [hier deckte sich also offenbar die Nummer 1 der russischen mit der Nummer 1 der preussischen Sammlung; anders als bei den Geschwindmärschen (Pr Nummer 1 = Ru Nummer 2)]. Erst 1841 wurde diesem Marsch von Dörfeldt die Nummer AM I/1g verpasst.
    Geändert von Tellensohn (11.10.2012 um 23:28 Uhr)

  3. #23
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    Der erwähnte Orchesterdirektor Blasius ist übrigens der Elsässer Mathieu-Frédéric Blasius, der u.a. den Posten des Chef de musique der Konsular- bzw. Kaisergarde von 1799 bis 1804 innehatte (und damit der Vorgänger von Michel-Joseph Gebauer war).
    Hier muss ich mich korrigieren:

    Blasius war offenbar nicht der Vorgänger Gebauers, sondern allenfalls ein Stellvertreter oder ein "Ko-Chefmusiker" (bzw. eine Art "Chef de musique surnuméraire"). Das muss ich jedenfalls aus den Angaben der Quellen / Literatur schliessen, die mir im Moment zur Verfügung stehen.

    In der Literatur wird von Blasius gesagt, dass er Chef de musique der Konsulargarde war. In Édouard Sitzmann [1836-1918], Dictionnaire de biographie des hommes célèbres de l'Alsace : depuis les temps les plus reculés jusqu'à nos jours, Tome I, Rixheim 1909-1910, bspw. heisst es S.169, s.v. Blasius:

    "...Chef d'Orchestre à l'Opéra-Comique, en 1791, il fut admis, en 1795, au nombre des professeurs du Conservatoire lors de la création de cet établissements et nommé chef de la musique de la garde consulaire. Compris dans la réforme de l'an X (1802), il quitta le corps de musique de la garde et se borna dès lors à diriger l'orchestre de l'Opéra-Comique,..."


    In den Briefen des Zeitgenossen Joseph Ladrix, der kurze Zeit "(musicien) surnuméraire" bzw, "artiste sup[p]lémentaire" der Garde war, wird Blasius, wenn ich recht sehe, jedoch überhaupt nicht erwähnt*.

    Aus den Ausführungen von Ladrix geht hervor, dass die Musik der Konsulargarde aus zwei Vorgänger-Institutionen gebildet wurde, nämlich der "Musique de la Garde Constitutionelle du Directoire-Exécutif" einerseits, und der "Musique des Grenadiers près la Représentation Nationale [= Corps Législatif]" andererseits: "On réunit les deux musiques du Directoire et du Corps Législatif,... "

    1799 war Gebauer Chef de musique der letzteren, ein gewisser Faure-Guiardel Chef de musique der ersteren.

    Nach Ladrix verfügten die beiden Musiken zusammen über insgesamt 82 Musiker. Die neu gebildete Musik der Konsulargarde umfasste 7 Musiker weniger, von den verbleibenden 75 Musikern wurden 50 der Garde zu Fuss und 25 der Garde zu Pferd zugeteilt. Guiardel wurde zum Chef der berittenen Gardemusiker ernannt, Gebauer zum Chef der Gardemusiker zu Fuss. wobei Ladrix andeutet, dass sich auch andere valable Musiker um den Gebauer zugesprochenen Posten beworben hatten: "...il y avait sur les rangs plusieurs sujets pour être chef supérieur et chacun de ces sujets avait un projet différent. Maintenant le chef est nommé, c’est le citoyen Gebauer".

    Möglich also, dass Blasius einer der anderen, nicht namentlich erwähnten Anwärter auf den Posten war und diesen zwar nicht erhielt, vielleicht jedoch – wie schon erwähnt - eine zeitlang als eine Art "Chef de musique surnuméraire" fungierte (?), bis er sich (offenbar bereits 1802) ganz aus der Garde zurückzog.


    * Jean Barada, "Lettres de Joseph Ladrix III. Retour à Auch - Séjour à Paris. Musicien à la Garde Consulaire (Du 5 Décembre 1798 au 21 Mai 1801)", in: Carnet de la Sabretache 8 (1925), S.146-173.
    Geändert von Tellensohn (13.07.2013 um 19:57 Uhr)

  4. #24
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    ...der Marsch AM II/7 "Russischer Marsch"...Das Hauptthema auch dieses Marsches ist französischen Ursprungs, nämlich die Motette "Vivat in aeternum[, vivat rex]" (1787) von Abbé Nicolas Roze (1745-1819)....
    In Whistling 1817 ist von Mathieu-Frédéric Blasius ein Stück verzeichnet, das den Titel "Vive le Roi, et Marche russe" trägt:

    http://books.google.ch/books?id=YOtx...hoeurs&f=false

    Möglich also, dass es sich dabei exakt um den Marsch AM II/7 handelt. Erster Teil also die Motette "Vivat in aeternum, vivat Rex [= Vive le Roi]" von Roze, zweiter Teil ein russischer Marsch...? Zusammengefasst von einem französischen Kapellmeister...Da ich die Partitur des Stückes von Blasius nicht kenne, kann ich leider auch nur mutmassen...
    Geändert von Tellensohn (20.12.2013 um 19:32 Uhr)

  5. #25
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    Standard Nachtrag zum Beitrag #5

    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
    ...Es handelt sich um die Melodie des vielleicht bekanntesten Quatuors des französischen Opernkomponisten Grétry, "Où peut-on être mieux qu'au sein de sa famille?" (aus dessen komischer Oper "Lucile", 1769). Das Lied galt als royalistische Hymne, wurde aber nachweislich als Marsch auch in napoleonischer Zeit von der Musik der Kaisergarde gespielt, bspw. anlässlich der Hochzeit Napoleons mit Marie Louise im Jahr 1810 oder während des Russlandfeldzugs bei Krasnoye. Die Bearbeitung als Marsch für Napoleons Garde könnte vom bekannten Komponisten und (Militär-)Musiker François-René Gebauer stammen, denn im Jahr 1814 hat Gebauer dieses Stück und zwei weitere zu einem Willkommensgruss "pour l'entrée de Louis XVIII à Paris" zusammengestellt....
    "Trois Marches pour l'entrée de Louis XVIII à Paris" sind jetzt auf YouTube zu hören, wobei "Plattensammler62" die Titel des 3. Marsches und des sich auf derselben LP befindlichen "Quatrième Grande Marche pour le Mariage de Napoléon et de Marie Louise" (1810, von Paër) verwechselt hat, wohl aus Versehen:

    1. Marsch (auch bekannt als "Le Retour des Princes Français à Paris" oder "Vive Henri IV"):

    http://www.youtube.com/watch?v=v9pgCTm2Ru4


    2. Marsch:

    http://www.youtube.com/watch?v=NCc6GNtGPDY


    3. Marsch (nach Grétrys "Où peut-on être mieux qu'au sein de sa famille?"), hier falsch betitelt:

    http://www.youtube.com/watch?v=Ad5mWJ28W1Y


    Und dies ist Paërs 4. Hochzeitsmarsch (falsch betitelt):

    http://www.youtube.com/watch?v=R_kY5jW3Wac


    Und Paërs 3. Hochzeitsmarsch:

    http://www.youtube.com/watch?v=7Vec7KlmKzI
    Geändert von Tellensohn (05.11.2014 um 20:15 Uhr)

  6. #26
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    Hoppla, das war ja ein kurzes Gastspiel, das "Plattensammler62" hier gegeben hat. Kann man nichts machen. Aber wer einen Plattenspieler besitzt, interessiert und schnell genug ist, der kann sich die LP jetzt grad hier bestellen (wenn sie weg ist, ist sie weg...):

    http://www.amazon.com/Marches-Cirons...&keywords=serp

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