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Thema: Die Großmächte und ihre Politik: England & Co

  1. #81
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Standard Österreichs Rolle

    Zitat Zitat von Charlotte Corday Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Österreich "Genauso stur und unerbittlich gegenüber Frankreich wie England,bloß DEM AN-
    SCHEIN NACH koulanter,in Wirklichkeit immer mit dem Ziel vor Augen,den Koloss zu Fall zu bringen!!!" ???

    Ich weiß nicht, ob man das so pauschal sagen kann. Immerhin hat Metternich durchaus versucht, mittels Anlehnung an Frankreich und Napoleon (nicht nur durch das Ehebett) einen Ausgleich (und Sicherheit für Österreich) zu finden und er war auch noch 1814 bereit, ein Europa MIT Napoleon zu akzeptieren.

    Was Österreich (aus Sicht des Wiener Hofes verständlicherweise) nicht akzeptieren konnte und wollte, war die massive Vormachtstellung Frankreichs in Europa, weil damit ja unter anderem auch die traditionellen Einflusssphären Österreichs berührt wurden.

    Wobei während dem 1. Koalitionskrieg Thugut schon ein richtiger Kriegstreiber war und nicht davon lassen wollte. *gg*

    lg, Charlotte
    Ja,das stimmt schon teilweise.Allerdings bin ich nicht so sicher ob es wirklich
    echt so gemeint war oder ob es nicht irgendwie eine Hinhaltetaktik war.
    Bei der Heirat mit ML geht doch allein schon aus den Briefen Metternichs an
    Kaiser Franz hervor(in höfischer und diplomatischer Sprache gekleidet) dass
    man N. einstweilen,in Erwartung von besseren Zeiten,eine Erzherzogin "andrahen" könnte,zwecks Erlangung von besseren Bedingungen.
    Die Beteiligung am Russlandfeldzug war sehr halbherzig,obwohl man auf einen
    Sieg Napoleons gehofft hatte(Metternich !) und sowieso nicht neugierig war auf
    ein Erstarken und Vordringen Russlands oder Preußens.
    In Dresden 1813 hat Metternich -aus eben diesem Grund - Napoleon gewissermaßen noch einen Rettungsanker hingeworfen,allerdings nur im Austausch gegen starken Konzessionen gegenüber Österreich und Europa.
    1814 wurde dann noch über eine eventuelle Regentschaft von ML verhandelt.
    Kaiser Franz hätte den Schwiegersohn lieber gleich irgendwo weit weg gesehen
    und das Verhalten Österreichs gegenüber Napoleon ,in Sachen Familie,war ganz
    einfach schäbig und eine klassisch österreichische "Hinterfotzigkeit".
    Ich bezeichne das Vorgehen Österreichs gerne als " fence-sitting",d.h. man hat
    jeweils abgewartet,von woher die Winde wehen und hat sich dann jeweils auf
    die eine oder andere Seite fallen lassen!!!
    Und natürlich wollte man seine eigenen traditionellen Einflusssphären zurück-
    gewinnen!!!

    Viele Grüsse,IRENE.

  2. #82
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    Standard

    Hallo Irene,

    da kann ich dir im Kern zustimmen.

    Wobei verständlich ist, dass jede Großmacht auf "ihre" Interessen schaut und sich Unterstützung etc. durch Konzessionen erkaufen lassen wollte, um selbst auch zu profitieren.

    Es bleibt die Frage, was gewesen wäre, wenn sich Napoleon einem System des Gleichgewichts angepasst hätte, als er noch die Chance dazu hatte. Ob ihn die anderen Regierungen auf Dauer akzeptiert hätten, weiß ich nicht, aber es wäre zumindest eine Möglichkeit gewesen und vielleicht hätte man sich an ihn gewöhnt. In die Dynastie der Habsburger hatte er ja schon eingeheiratet und auch mit vielen anderen Herrscherhäusern war er ehelich verbunden ... Aber das sind nur vage konterfaktische Überlegungen.

    Das "fence-setting" haben aber auch andere Staaten erfolgreich umgesetzt - man wartete ab, welche Seite am gewinnen war, und dann schwups.

    lg, Charlotte

  3. #83
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Zitat Zitat von Charlotte Corday Beitrag anzeigen
    Hallo Irene,

    da kann ich dir im Kern zustimmen.

    Wobei verständlich ist, dass jede Großmacht auf "ihre" Interessen schaut und sich Unterstützung etc. durch Konzessionen erkaufen lassen wollte, um selbst auch zu profitieren.

    Es bleibt die Frage, was gewesen wäre, wenn sich Napoleon einem System des Gleichgewichts angepasst hätte, als er noch die Chance dazu hatte. Ob ihn die anderen Regierungen auf Dauer akzeptiert hätten, weiß ich nicht, aber es wäre zumindest eine Möglichkeit gewesen und vielleicht hätte man sich an ihn gewöhnt. In die Dynastie der Habsburger hatte er ja schon eingeheiratet und auch mit vielen anderen Herrscherhäusern war er ehelich verbunden ... Aber das sind nur vage konterfaktische Überlegungen.

    Das "fence-setting" haben aber auch andere Staaten erfolgreich umgesetzt - man wartete ab, welche Seite am gewinnen war, und dann schwups.

    lg, Charlotte
    Hallo Charlotte!
    Ja,das mit dem "fence-sitting" haben andere natürlich auch praktiziert,v.a.die
    Preußen 1805/6. Vor und nach Austerlitz.
    Wie sagte doch Lord Palmerston:"Staaten haben keine Ideale,sie haben Interessen". !!!
    Aber das Herumlavieren ist doch eine in Österreich sehr ausgeprägte Eigenheit,
    man kann es ja auch als "Weltklugheit" bezeichnen,geradlinig ist es halt nicht.
    Die "Mittelstaaten"Europas,wie ich sie nenne,d.h.diejenigen , die zwischen Eng-
    land und die große Seemacht auf der einen Seite, und Russland mit seinen unendlichen Weiten auf der anderen Seite, "eingeklemmt" waren,hatten immer
    nur eine geringere Wahlmöglichkeit bezüglich der "Seiten",die sie einnehmen konnten.
    Napoleon ,jedenfalls,war von der österreichischen Allianz schwer enttäuscht;
    die Ehe mit ML hat er dann auf St.Helena als "einen mit Rosen bedeckten Ab-
    grund " bezeichnet.
    Die Bedingungen,die Metternich ihm 1813 in Dresden gestellt hat,hat Napoleon
    u.a, anderem deshalb abgelehnt,weil er meinte dass,wenn er nachgäbe,die For-
    derungen von Seiten der Alliierten dann immer höher geschraubt werden würden. Und da hatte er recht denn genauso ist es gekommen; je näher die
    Alliierten an Frankreich heranrückten,desto höher haben sie ihre Bedingungen
    geschraubt( es gab ja noch mehrere Kongresse bevor man in Paris angelangt
    ist). Letztendlich war Frankreich dann in die alten Grenzen von vor 1792
    zurückgedrängt.
    Und nach der Rückkehr von Elba hat man gleich garnicht abgewartet sondern
    N. gleich und sofort in Acht und Bann gesetzt(d.h. für vogelfrei erklärt) ohne
    irgendwelche Entwicklungen abzuwarten;obwohl man wusste,dass die Fran-
    zosen schon längst die Nase voll hatten von den Bourbonen!!!
    Truppen wurden sofort in Bewegung gesetzt und so kam es dann unvermeid-
    licherweise zu Waterloo.

    Was wäre gewesen,wenn.....ist eben nicht beantwortbar!

    Viele Grüsse,IRENE.

  4. #84
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    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Die Bedingungen,die Metternich ihm 1813 in Dresden gestellt hat,hat Napoleon u.a, anderem deshalb abgelehnt,weil er meinte dass,wenn er nachgäbe,die Forderungen von Seiten der Alliierten dann immer höher geschraubt werden würden. Und da hatte er recht denn genauso ist es gekommen; je näher die Alliierten an Frankreich heranrückten, desto höher haben sie ihre Bedingungen
    geschraubt( es gab ja noch mehrere Kongresse bevor man in Paris angelangt ist). Letztendlich war Frankreich dann in die alten Grenzen von vor 1792 zurückgedrängt.
    Und nach der Rückkehr von Elba hat man gleich gar nicht abgewartet sondern N. gleich und sofort in Acht und Bann gesetzt(d.h. für vogelfrei erklärt) ohne irgendwelche Entwicklungen abzuwarten;obwohl man wusste,dass die Franzosen schon längst die Nase voll hatten von den Bourbonen!!!
    Truppen wurden sofort in Bewegung gesetzt und so kam es dann unvermeidlicherweise zu Waterloo.
    Na, ja, so stimmig ist das nicht.
    Metternich konnte nur Bedingungen für einen kontinentalen Frieden vorlegen. N. lehnte in der Hptsache ab, weil der Hpt.gegner England darin eine Schwäche sehen konnte. Dies geht aus der Darstellung Caulaincourts hervor.
    Es ist natürlich logisch, dass, je näher die Alliierten Frankreich kamen, die Friedensbedingungen schlechter wurden.

    Dass die Franzosen die Nase voll von den Bourbonen hatten ist reines Wunschdenken, bedenkt man die Ernüchterung nach Einzug N. in Paris, die ihm in der Konsequenz einer Sicherung seiner Herrschaft den Satz entlockte, dass er nicht der König der Jacquerie sein wollte.

    Dass die nun wieder Alliierten den unter Brechung des Vertrages von Fontainebleau zurückgekehrten nicht in die Arme schlossen, dürfte nachvollziehbar sein.

    Grüße
    excideuil

  5. #85
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Zitat Zitat von excideuil Beitrag anzeigen
    Na, ja, so stimmig ist das nicht.
    Metternich konnte nur Bedingungen für einen kontinentalen Frieden vorlegen. N. lehnte in der Hptsache ab, weil der Hpt.gegner England darin eine Schwäche sehen konnte. Dies geht aus der Darstellung Caulaincourts hervor.
    Es ist natürlich logisch, dass, je näher die Alliierten Frankreich kamen, die Friedensbedingungen schlechter wurden.

    Dass die Franzosen die Nase voll von den Bourbonen hatten ist reines Wunschdenken, bedenkt man die Ernüchterung nach Einzug N. in Paris, die ihm in der Konsequenz einer Sicherung seiner Herrschaft den Satz entlockte, dass er nicht der König der Jacquerie sein wollte.

    Dass die nun wieder Alliierten den unter Brechung des Vertrages von Fontainebleau zurückgekehrten nicht in die Arme schlossen, dürfte nachvollziehbar sein.

    Grüße
    excideuil
    Hallo Excideuil !

    Dem kann ich nicht ganz zustimmen.
    Von "in die Arme schließen" ist sowieso keine Rede.Was den Vertrag von Fontainebleau anbelangt,so waren es die Bourbonen die hier in erster Linie
    vertragsbrüchig geworden waren!! Laut Vertrag hätten die Bourbonen eine
    jährliche Apanage von zwei Millionen Franken an Napoleon auszahlen sollen,es
    wurde nicht ein Centime ausgezahlt.
    Es ist auch kein Wunschdenken meinerseits vorhanden wenn ich sage dass
    die Franzosen die Nase voll hatten von den Bourbonen! Lediglich eine Ober-
    schicht,die sich mit den Bourbonen arrangiert hatte und von ihrer Herrschaft profitierten,war nicht begeistert von der Rückkehr Napoleons.
    Nach 1815( d.h. nach Waterloo) kam es zu Demonstrationen des "Volkes"
    für Napoleon ,was Napoleon zu dem Ausspruch verleitete: " Je trouve de la
    noblesse dans la canaille,que j' ai negligee,et de la canaille dans la Noblesse
    que j'ai fait." Ein König der Jacquerie wollte er prinzipiell nicht sein.

    Und was ist mit dem "weißen Terror"der nach den 100 Tagen gegenüber den
    Bonapartisten verübt wurde,von seiten der Bourbonen,dem zigTausende zum Opfer fielen ?????

    Es müsste nicht "logisch" sein,dass die Friedensbedingungen immer höhergeschraubt wurden von Seiten der Alliierten,bei näherem Heranrücken
    an Frankreich.Angeblich hat man ja nur gegen Napoleon Krieg geführt und
    nicht gegen Frankreich!!! Die Alliierten wollten übrigens garnicht in Frankreich einfallen,der Tsar hat darauf bestanden und konnte sich durchsetzen.

    Selbstverständlich hatte Metternich den kontinentalen Frieden im Sinn,mit sei-
    nen Bedingungen. Österreich hatte die Rolle der Mediation übernommen. Man
    möchte allerdings wissen,wieviel davon VOR Dresden mit den "Anderen" abge-
    sprochen"war.???

    Eine Schwäche bei Nachgeben hat Napoleon (jedenfalls laut Metternich) in ers-
    ter Linie darin gesehen, dass man dies als Misserfolg auslegen würde,v.a. in
    Frankreich,nachdem seine "Legitimation" durch seine Erfolge gegeben war.
    Ob man dies allgemein tatsächlich so gesehen hätte,muss dahingestellt bleiben.

    Übrigens: ein Buchtip an Alle,die es interessiert: das ausgezeichnete Buch von
    DOMINIQUE VILLEPIN "Les Cent Jours ou l'Esprit de Sacrifice." Als Taschenbuch
    erhältlich.

    Viele Grüsse,IRENE.

  6. #86
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    Hallo Irene,

    in meinen Augen sind die nicht gezahlten 2 Mill. nur ein vorgeschobener Grund, was im übrigen nur N. und die Bourbonen betraf, nicht aber internationale Belange. Daher ist die Erneuerung des Vertrages von Chaumont durch die Alliierten nach Bekanntwerden der Rückkehr N. völlig nachvollziehbar.

    Was "die Franzosen" betrifft, hast du begonnen, dies zu differenzieren. Und richtig, die Oberschicht, die Notabeln standen in der Mehrheit N. ablehnend gegenüber.
    Daneben gab es eine Reihe von royalistischen Aufständen, die z.B. dazu führten, dass ein nicht geringer Teil der Armee zur Niederschlagung eingesetzt wurde.
    Und nicht zuletzt bedeutete N. Krieg! Nicht ganz zufällig hing ein Plakat an den Tuilerien mit einer Suchanzeige: 20 Millionen Franc für den, der Hinweise zum Verbleib des Friedens liefert, was eben den Unterschied Borbonen (Frieden) und N. (Krieg) deutlich macht.
    In der Summe muss daher sehr differenziert werden, wer tatsächlich auf N. Seite stand.

    Was den weißen Terror angeht, du sagst es, er begann nach den 100 Tagen. Tulard, kein Unbekannter, stellt in dem Zusammenhang fest, dass nach den 100 Tagen ein Ausgleich zwischen den beiden "Frankreichs" nicht mehr möglich war.

    Was die Friedensbedingungen angeht, konnte Metternich in Dresden nur einen kontinentalen Frieden anbieten, ohne Berücksichtigung der Wünsche Englands.
    Wenn dann die Rheingrenze durch die Allierten überschritten ist, dann stellt sich - natürlich - die Frage der natürlichen Grenzen nicht mehr.
    Betrachtet man den 1. Frieden von Paris, dann war Frankreich doch glimpflich "davongekommen".

    Wenn also N. innerfranz. Legitimitätsprobleme für sich sah, die ihn von einem Friedensschluss abhielten, dann stellen sich mir 2 Fragen:
    Hat er damit nicht franz. Interessen seinem persönlichen Ehrgeiz geopfert? Und
    Bedeutet dann dies mit seiner Rückkehr nicht automatisch, dass - um diese Legitimität wieder zu erlangen - der Kampf um die natürlichen Grenzen erneut eröffnet war?

    Grüße
    excideuil

  7. #87
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    Standard

    Hallo,

    ich weiß zwar wieder einmal nicht, in welchem Buch ich es gelesen habe: Aber da hieß es, dass die sehr, sehr milden Vorschläge für einen Frieden, die Metternich in Dresden vorgebracht hatte, vor allem dazu dienten, um mal zu sondieren und auf den Busch zu klopfen, ob Napoleon überhaupt bereit war, sich auf irgendwelche Verhandlungen einzulassen.

    Und erst wenn er selbst diese sehr, sehr milden Vorschläge ablehnte, war die Lage klar - und der österr. Kaiser Franz II./I. würde einem Krieg auf der Seite der Alliierten zustimmen. D.h., Metternich brauchte auch ein Argument für seine Regierung/seinen Kaiser bzgl. Kriegseintritt.

    Wenn schon das bisserl, was man von Napoleon im Gespräch in Dresden verlangt wurde, für diesen zu viel war ...

    Metternich war dabei durchaus klar, dass z.B. Russland oder England die in Dresden formulierten Friedensbedingungen als zu wenig nicht akzeptieren würden. Man wollte halt einfach überhaupt mal schauen, ob man mit Napoleon auch jenseits des Schlachtfeldes "konnte".

    Und mit dem Einmarsch in Paris bzw. nach der ersten Abdankung Napoleons waren die Kräfteverhältnisse anders. Da musste man mit Napoleon nicht mehr auskommen ...

    Ich weiß nicht, ob man die Diplomatie und ihre Regeln vor rund 200 Jahren mit heutigen moralischen (???) Maßstäben messen soll oder kann. Die Ehrlichkeit und Geradlinigkeit gegenwärtiger Politik möchte ich hier ausdrücklich nicht zur Diskussion stellen. *gggg*

    Nur ob man hergehen und den entscheidenden Zeitgenossen vor 200 Jahren Vorwürfe machen kann???

    liebe Grüße, Charlotte

  8. #88
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Standard Verhandlungen 1813

    Zitat Zitat von Charlotte Corday Beitrag anzeigen
    Hallo,

    ich weiß zwar wieder einmal nicht, in welchem Buch ich es gelesen habe: Aber da hieß es, dass die sehr, sehr milden Vorschläge für einen Frieden, die Metternich in Dresden vorgebracht hatte, vor allem dazu dienten, um mal zu sondieren und auf den Busch zu klopfen, ob Napoleon überhaupt bereit war, sich auf irgendwelche Verhandlungen einzulassen.

    Und erst wenn er selbst diese sehr, sehr milden Vorschläge ablehnte, war die Lage klar - und der österr. Kaiser Franz II./I. würde einem Krieg auf der Seite der Alliierten zustimmen. D.h., Metternich brauchte auch ein Argument für seine Regierung/seinen Kaiser bzgl. Kriegseintritt.

    Wenn schon das bisserl, was man von Napoleon im Gespräch in Dresden verlangt wurde, für diesen zu viel war ...

    Metternich war dabei durchaus klar, dass z.B. Russland oder England die in Dresden formulierten Friedensbedingungen als zu wenig nicht akzeptieren würden. Man wollte halt einfach überhaupt mal schauen, ob man mit Napoleon auch jenseits des Schlachtfeldes "konnte".

    Und mit dem Einmarsch in Paris bzw. nach der ersten Abdankung Napoleons waren die Kräfteverhältnisse anders. Da musste man mit Napoleon nicht mehr auskommen ...

    Ich weiß nicht, ob man die Diplomatie und ihre Regeln vor rund 200 Jahren mit heutigen moralischen (???) Maßstäben messen soll oder kann. Die Ehrlichkeit und Geradlinigkeit gegenwärtiger Politik möchte ich hier ausdrücklich nicht zur Diskussion stellen. *gggg*

    Nur ob man hergehen und den entscheidenden Zeitgenossen vor 200 Jahren Vorwürfe machen kann???

    liebe Grüße, Charlotte
    Hallo Charlotte!
    Ich weiß nicht ob man die Bedingungen,die Metternich in Dresden vorlegte , so
    ohneweiteres als "sehr,sehr milde" bezeichnen kann denn sie waren gar nicht
    mild!!!Für Österreich sollte der ganze Adria Raum zurückgegeben werden,d.h.
    die Illyrischen Provinzen mitsamt dem Teil Kärntens,der dabei war-ausserdem
    wollte man den Zugang zur Adria zurückhaben,verständlicherweise.Ausserdem,
    sollte Napoleon alle Ansprüche auf Deutschen Raum zurücklegen,inkl. Auflösung
    des Rheinbundes, sowie sich hinter den Rhein zurückziehen und dort sitzenblei-
    ben.D.h. Es sollten ALLE Errungenschaften seiner Regierungszeit aufgegeben werden!!!!(Meines Wissens sollte auch das Großherzogtum Warschau aufgelöst
    werden). Ich kann das beim besten Willen nicht als "mild" betrachten.
    Es wundert mich ganz und gar nicht dass Napoleon dem nicht zustimmen konnte
    oder wollte,das finde ich nur allzu verständlich.
    Warscheinlich waren sie absichtlich so hochgeschraubt DAMIT sie von N. nicht
    angenommen werden konnten;d.h. Man hat garnicht damit gerechnet dass er
    sie annehmen würde.Es gab ja einen Waffenstillstand und kurze Verhandlungen
    in Prag,wobei die meisten Historiker finden dass ,von allen Seiten her,man diese
    nur als Pause betrachtet hat,um weiter aufzurüsten und sich in Stellung zu begeben.
    Das "Bisserl"das man da von Napoleon verlangte,war reichlich gewichtig!!!!

    Der erste Pariser Frieden war tatsächlich mild gegenüber Frankreich,vermutlich
    mit Rücksicht auf die wiedereingesetzten Bourbonen.Der zweite ,1815,war dann
    wesentlich härter.Das zweite Mal wollte man vermutlich auch das französische
    Volk "bestrafen",kommt mir vor.Zuerst hatte man ja behauptet dass man NUR
    gegen Napoleon Krieg führe.!!!

    Dass man lediglich sondieren wollte,ob man mit Napoleon auch jenseits des Schlachtfeldes "konnte",glaube ich nicht, da man bis dahin ja schon die Erfahrung gemacht hatte ,dass dies nicht so einfach war.

    Damals (wie Heute )waren (sind) alle darauf aus ihre jeweiligen Interessen zu
    wahren. Von "Vorwürfen" ist eigentlich nicht die Rede.

    Grüsse,IRENE.

  9. #89
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    Standard

    Hallo Irene,

    ich glaube, du bist der Zeit etwas voraus in deiner Deutung und Bewertung.

    Die österreichischen Mindestforderungen bei der Rolle als Vermittler zwischen Napoleon und den Alliierten waren die Auflösung des Großherzogtum Warschaus, Vergrößerung Preußens, Rückgabe der Illyrischen Provinzen und die Freiheit der Hansestädte.

    Es war noch keine Rede vom Rückzug hinter den Rhein.
    Es wurde sogar klar signalisiert, dass Österreich auch über die Rückgabe Illyriens verhandeln sprich evt. darauf verzichten würde.
    Bzgl. Rheinbund wurde nur ein Wechsel vom franz. Protektorat zu einer von allen Großmächten garantierten Unabhängigkeit vorgeschlagen. Die Rheinbundstaaten sollten eine Art Puffer bilden.

    Bzgl. territorialer Detailfragen reagierte Metternich sehr ausweichend und verwies auf einen künftigen Friedenskongress.

    Die einzelnen Schritte und Verhandlungsstadien sind sehr komplex, aber sehr interessant, wenn man sie sich im Detail ansieht.

    lg, Charlotte

    Literatur:
    Bernd Wunder, Europäische Geschichte im Zeitalter der Französischen Revolution.
    Henry A. Kissinger, Das Gleichgewicht der Großmächte.
    Karl Griewank, Der Wiener Kongress und die Neuordnung Europas
    Billinger, Good and True Germans.

  10. #90
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Zitat Zitat von Charlotte Corday Beitrag anzeigen
    Hallo Irene,

    ich glaube, du bist der Zeit etwas voraus in deiner Deutung und Bewertung.

    Die österreichischen Mindestforderungen bei der Rolle als Vermittler zwischen Napoleon und den Alliierten waren die Auflösung des Großherzogtum Warschaus, Vergrößerung Preußens, Rückgabe der Illyrischen Provinzen und die Freiheit der Hansestädte.

    Es war noch keine Rede vom Rückzug hinter den Rhein.
    Es wurde sogar klar signalisiert, dass Österreich auch über die Rückgabe Illyriens verhandeln sprich evt. darauf verzichten würde.
    Bzgl. Rheinbund wurde nur ein Wechsel vom franz. Protektorat zu einer von allen Großmächten garantierten Unabhängigkeit vorgeschlagen. Die Rheinbundstaaten sollten eine Art Puffer bilden.

    Bzgl. territorialer Detailfragen reagierte Metternich sehr ausweichend und verwies auf einen künftigen Friedenskongress.

    Die einzelnen Schritte und Verhandlungsstadien sind sehr komplex, aber sehr interessant, wenn man sie sich im Detail ansieht.

    lg, Charlotte

    Literatur:
    Bernd Wunder, Europäische Geschichte im Zeitalter der Französischen Revolution.
    Henry A. Kissinger, Das Gleichgewicht der Großmächte.
    Karl Griewank, Der Wiener Kongress und die Neuordnung Europas
    Billinger, Good and True Germans.
    Hallo Charlotte!
    Danke für Literaturhinweise,muss ich nachlesen.
    Mit Ausnahme von Kissinger,kannst Du mir nähere Angaben zu den Büchern machen(Verlag,Datum,etc.).?!
    Das wäre nett.

    Viele Grüsse,IRENE

    Das Gespräch zwischen Metternich und Napoleon fand bekanntlich ohne Zeugen statt,jeder hat dann seine Version weitergegeben,Metternich jedesmal mit Va-
    riationen je nach Empfänger.Das Gespräch dauerte mehrere Stunden,es heißt
    mindestens sechs,wenn nicht sogar acht.
    Wenn Du sagst,die ersten Forderungen waren sehr mild(wie Du sie oben darlegst);auf welche Quellen stützt Du Dich da??? Die obigen,oder Andere?

    Viele Grüsse,IRENE.
    Geändert von Irene Hartlmayr (24.04.2013 um 17:15 Uhr)

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