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Thema: Österreichische Ulanen

  1. #11
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    Nochmals zum Führen der Lanzen, die sollten ja im Lanzenschuh stecken der am Steigbügel befestigt war und eben bei beiden. Bisher hatte ich mir diesen immer als eine Art eiserne Hülse vorgestellt die an der Seite des Steigbügels angeschmiedet war.
    Kobell zeigt einen Ulanen von ca 1800 - wo der Lanzenschuh zu sehen ist, hier ist er recht tief, so dass die Lanze gut befestigt ist und ? aus Leder?
    Hat irgendjemand noch dazu Unterlagen??


  2. #12
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    Der Lanzenschuh war aus Terzenleder (Schuhleder) und war 3 1/2 Zoll lang. Die "Weite der Zusammennähung" (ist das der Durchmesser oder was?) war oben 4 3/4 Zoll, unten 2 7/8 Zoll. Das nicht zusammengenähte Lederstück betrug oben 7 3/8 Zoll, unten 5 Zoll.

    Dieser, "Patrone" genannter, Köcher wurde mit zwei Lederschlaufen an den Steigbügel genäht. 1816 wurden die beiden Schlaufen durch zwei Lederriemen mit Schnallen ersetzt.

    alles klarerweise österreichisches Mass: 1 Schuh = 12 Zoll = 0,316 Meter
    Geändert von Nikolaj (08.04.2013 um 08:36 Uhr)

  3. #13
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    Vielen Dank für die Deutung, des erklärt vieles

  4. #14
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    Standard Ulanen Teil 1

    Servus HKDW,

    hier nun die Informationen, wie Du sie per PN gewünscht hast. Es wird nur leider eine Fortsetzungsgeschichte daraus, mit pressierts diese Woche ein bissl.

    Ich beginne also mit der Czapka. Vorerst die Offiziersversion, bei den Mannschaften gebe ich dann nur mehr die Abweichungen an. Sie beruht vorerst auf dem HKR-Reskript vom 17. Mai 1811, E 1483. Bei grösserer gewünschter chronologischer Auflösung wird man ziemlich episch werden müssen…

    Die Czapka ist aus Tuch in der Abzeichenfarbe gefertigt und 8 ½ Zoll hoch. Mit Leinen gefüttert und durch eingearbeitete Haselruten, Pappendeckel und eine Fütterung mit Stroh (!) in Form gehalten.

    Daran vorne und hinten je ein Schirm aus glattem, schwarzem Terzenleder, der vorderer 3 Zoll, der hintere 5 ½ Zoll breit (umgeschlagen). Darauf sind goldene Borten entlang der Kanten. Vorne für Stabsoffiziere ¾ Zoll, für Oberoffiziere ½ Zoll breit. Hinten für Stabsoffiziere ½ Zoll, für Oberoffiziere ¼ Zoll. Sieht man also nur bei herabgelassenen Schirmen.

    Unter den aufgeklappten Schirmen verläuft das „Bräml“, das hier nicht mehr aus Pelz, sondern aus glattem, schwarzem Leder besteht. Es ist 3 ¾ Zoll breit. Darauf eine umlaufende Goldborte, 2 ½ Zoll für Stabsoffiziere, 1 ½ für Oberoffiziere breit.

    Der quadratische „Boden“ (der eigentlich der Deckel, also oben ist) besteht aus schwarzem Kalbsleder, das mit Pappe innen versteift ist. Misst 9 ½ Zoll im Quadrat.

    Der Busch aus schwarzem Rosshaar hat oben eine kleine Scheibe, die eine 1 Zoll messende goldene Rose mit kaiserlichem Namenszug trägt. Der Busch überragt den Czakoboden oben um 2 ½ Zoll, unten endet er auf Höhe der Spitze des vorderen Sonnenschirms.
    Schuppenriemen vergoldet, mit schwarzer Seide gefüttert.
    Goldene Fangschnur mit Quaste, wird zweimal um den Hals gewickelt.

    Nun die Mannschaften:
    Gesamthöhe ¼ Zoll niederiger
    Keine Borten auf den Sonnenschirmen und dem Bräml. Das Bräml ist schmäler, nur 2 5/8 Zoll. Oberhalb des Brämls bei den Unteroffizieren Rangabzeichen aus gelbwollener, ½ Zoll breiter Borte. 2 Borten für Wachtmeister und Estandarte-Führer, 1 Borte für Korporäle.

    Fangschnur und Quasten aus gelber Wolle
    Schuppenriemen aus Messing, später (1816 ?) nur mehr ein schwarzledernes „Attaque-Band“

    Soweit die Czapka, mit den anderen Montursorten melde ich mich bei günstiger Gelegenheit später.
    Ciao, Klaus

  5. #15
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    Vielen Dank für die hochinteressanten Details.

  6. #16
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    Standard Ulanen Teil 2

    Ich mache jetzt weiter mit der Schabracke, wiederum erst die Offiziere, dann die Unterschiede für die Mannschaft:

    Die Sattelhaut: aus schwarzem Lammfell, 32 x 30 1/2 Zoll, ist mit einer 2 Zoll breiten Einfassung aus scharlachrotem Tuch versehen, die am Rand mit einer schwarzgoldenen Schnur gesäumt ist.

    Die Echabraque: ist aus scharlachrotem Tuch, nach hinten geschweift, hat aber hinten abgerundete Ecken. Am Rand eine Goldborte für Oberoffiziere, 5/8 Zoll breit.
    Stabsoffiziere zusätzlich innerhalb´Derselben eine 1 1/2 Zoll breite Goldborte.

    In den hinteren Ecken der allerhöchste Namenszug und Krone, in Gold gestickt, 7 1/2 Zoll hoch und 4 1/2 Zoll breit. Dieser ist 3 1/2 Zoll vom inneren Winkel der Bordierung entfernt.

    Mannschaften: alles was bei den Offizieren Scharlachrot ist, ist bei der Mannschaft Krapprot. Die Einfassung der Echabraque ist 1 3/4 Zoll breit und aus gelbem Tuch mit zwei schwarzen Streifen am Rand. Der Namenszug ist aus gelbem Tuch.

  7. #17
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    Servus HKDW. Hier nun zu den letzten Fragen:

    Das Lanzenfähnchen: 2 Schuh, 10 1/4 Zoll lang und 11 Zoll breit.
    3 ausgenähte Knopflöcher zum Einhängen in die Lanze. aus schwarzem und gelbem Taft, herald. gespalten. Die gevierte Version von der Abbildung fand ich nicht belegt.
    Futteral für das Fähnchen aus schwarzer Leinwand, mit Hemdleinwand gefüttert.

    Patrontasche:
    Für offiziere die sogenannte "Ludovika", ganz aus Silberblech. Der Patrontaschenriemen aus schwarzem Terzenleder, ganz mit einer goldenen, 1 3/4 Zoll breiten Goldborte benäht.
    Für Mannschaften die Tasche ganz in glänzendem, schwarzem Terzenleder, schwarzer Lederriemen, 1 3/4 Zoll breit.

    Und noch ein Nachtrag zu den Lanzenschuhen: es wird hier immer von einem "Paar" gesprochen, also sowohl am rechten, als auch am linken Steigbügel. Scheint auch klar, wenn man z.B. den Wechsel der Lanze auf links bei ergriffenem Säbel, wie ihn amin oben beschrieben hat, anschaut.

    Sowei deine Fragen. Bin schon gespannt, wie sich das in 1/72 umsetzten wird lassen, Zinnfogurenmodelleuren traut man in der Hinsicht ja vieles zu :-)
    Ciao, Klaus

    PS: bei einem Diorama wäre, je nach Situation, zu erwägen, inwieweit en Campagne nicht auch die graue, seitlich geknöpfte und mit Leder besetzte Überzughose bzw. bei Offizieren auch der mit rotem Felber ausgeschlagene Überrock getragen wurde.
    Geändert von Nikolaj (12.04.2013 um 09:28 Uhr)

  8. #18
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    Danke soweit, ich werde die Informationen weiter leiten.
    Zum geviertelten Lanzenfähnchen - das scheint die ältere Version und sein und zeigt sich bei einigen Bilderhandschriften aus der Zeit bis ca. 1800

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