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Thema: Legitimitätsanspruch Kaisertum Napoleons

  1. #81
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    Zitat Zitat von muheijo Beitrag anzeigen
    Dass man die Amerikaner unterstuetzt hat, hat mit Legitimitæt oder einem pløtzlichen Wohlwollen republikanischer Tendenzen null zu tun.
    Man unterstuetzte sie, weil es England schadete. Das hætten auch Indianer auf Kriegspfad sein kønnen, hauptsache England hatte Probleme.
    Darauf wollte wohl auch Gunther hinaus.
    In der Tat war der engl. König als legitim anerkannt, dennoch unterstützten die franz. Könige die Kolonisten im Interesse franz. Machtpolitik. Das bedeutete doch nur, dass reale Machtpolitik trotz anerkannter Legitimität stattfand. Und etwas anderes habe ich in meinem Satz nicht impliziert.
    Zitat Zitat von muheijo Beitrag anzeigen
    Bei dem ital. Titel gebe ich dir Recht, dass er Hegemonialansprueche beinhaltet, jedenfalls kann man sie hineininterpretieren.
    Beim Titel "Kaiser der Franzosen" sehe ich das nicht. Zumal es ja eigentlich keine "Franzosen" ausserhalb des Kaiserreichs gab, die noch hætten "befreit" werden muessen.
    Der Titel war das Ergebnis des vorher von mir erwæhnten Spagats - Kønig konnte er sich schlecht nennen, der Titel war innenpolitisch negativ belegt.
    Es blieb also nur "Kaiser", interessanterweise "der franzøsischen Republik".
    Du machst mich lächeln. Betrachte die zunehmende räumliche Ausdehnung des franz. Einflusses, dann ist da nix hereinzuinterpretieren.
    Schon der Titel Kaiser machte deutlich, dass die Ansprüche höher waren als die der franz. Könige, die ja auch die größte Macht auf dem Kontinent werden wollten - Die Idee der natürlichen Grenzen ist älter als die Revolution.
    Zitat Zitat von muheijo Beitrag anzeigen
    War's der engl. Kønig oder der Zar oder beide, die im Schriftverkehr das "mein Herr Bruder" als Anrede verweigerten, stattdessen "an den Chef der frz. Regierung" schrieben? Deutlicher geht's kaum.
    Es waren die Briten, wobei hier natürlich festgestellt werden muss, dass England eine kostitutionelle Monarchie war und die Außenpolitik vom Parlament und der Regierung bestimmt wurde, der König deutlich weniger Gewicht hatte als in den absoluten Monarchien des Kontinents.
    In der Tat haben die Briten N. zwar als unversöhnlichen Gegner anerkannt, nicht aber sein Kaisertum. Hier lagen sicher vor allem innenpolitische Gründe vor, da der Kampf gegen Frankreich zunehmend zur Existenzfrage geriet.

    Anders auf dem Kontinent. Noch in Chatilion 1814 als über das weitere Vorgehen der Koalition beraten wurde, war N. Legitimität unbestritten :

    "Der preußische Staatsrat Friedrich Ancillon, ..., betonte ausdrücklich, das der französische Kaiser zwar einen "blutigen und beklagenswerten Gebrauch" von seiner Herrschaft gemacht habe, aber "usurpiert" im gebräuchlichen Sinne des Wortes habe er sie nicht." [1]

    Was einen Dynastiewechsel anging, betonte Metternich:
    "Es gehöre zu den tragenden Prinzipien der bestehenden Gesellschaft, sich nicht in die Regierungsform eines unabhängigen Staates einzumischen. Ebensowenig hätten die Mächte das Recht, sollte Napoleon gestürzt werden, eine Partei zu unterstützen, die sich "unter Ausschluss des legitimen Thronfolgers", im vorliegenden Falle also den König von Rom, für ein Mitglied des Hauses Bourbon ausspräche. An dem Tag, an dem die Mächte sich auf den Standpunkt stellten, dass es - aus welchen nachgeordneten Gründen auch immer - zulässig sein könne, in die rechtmäßige Thronfolge in einem anderen Staate einzugreifen, "untergrüben sie die Existenz aller Throne."" [1]
    Deutlicher läßt es sich nicht formulieren!

    Die Mächte einigten sich, dass ein Dynastiewechsel nicht von den Alliierten ausgehen kann, "sondern nur durch einen Willensakt der französischen Nation herbeigeführt werden könne." [1] Auch Alexander bekannte sich dazu.
    Hintergrund war auch, dass keiner der Alliierten bisher Anzeichen wahrgenommen hatte, "dass die Nation das Ende der Herrschaft Napoleons herbeisehne". [1] Damit erledigten sich auch Überlegungen, dass ein Friedensschluss mit Napoleon unmöglich sei, weil er nicht mehr Herr im eigenen Hause sei oder die Einhaltung der Bedingungen eines Friedens nicht garantieren könne.

    Grüße
    excideuil

    [1] Sellin, Volker: Die geraubte Revolution – Der Sturz Napoleons und die Restauration in Europa, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2001, Seiten 100-101

  2. #82
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    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    die Armee bedeutete für Napoleon alles und das schon vor der Revolution. Ohne sie wäre er vielleicht irgendwann in der Gosse gelandet als korsischer Exilant der seine Heimat verlassen musste. Nur über die Armee konnte er eine Karriere machen die ihn an die Spitze führte, denn irgendeinen Politiker hätten die Franzosen nicht mehr akzeptiert, davon hatten sie schon genug. Es musste ein erfolgreicher General sein. Napoleon entsprach vorübergehend den Interessen von Teilen der französischen Gesellschaft. Dass das nicht permanent so war, hat man dann gesehen.
    Und weitere Teile stimmten zu; mehr gibt es nicht zu sagen.

    Grüße
    excideuil

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