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Thema: "L’enfant Jésus de l’Enfer"

  1. #1
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    Standard "L’enfant Jésus de l’Enfer"

    Gesucht ist ein franz. Aristokrat (Graf) und Freund des Fürsten Talleyrand.

    Talleyrand lernte den 1768 geborenen Grafen während des Directoire kennen. Der Graf war ein schöner, liebenswürdiger, geistreicher Mann, was ihm Erfolg bei den Frauen bescherte. Er war kurz mit Aimée de Coigny verheiratet, war der Liebhaber der Madame Hamelin und angeblich auch der Madame Récamier …

    Daneben war der Graf klug und gewitzt und von ebenso großer Lasterhaftigkeit wie Talleyrand und er besaß die Verbindungen zur Halbwelt von zwielichtigen Geschäftsleuten und Spekulanten, also der Welt, in die Talleyrand nicht einmal seinen Klumpfuß gesetzt hätte. Zudem war er verschwiegen wie ein Grab.

    So kam es, dass er ein Freund Talleyrands wurde (bis zum Tode des Fürsten), der ihn sowohl zu diplomatischen als auch organisatorischen und finanziellen Geschäften heranzog.

    Talleyrand nannte ihn „L’enfant Jésus de l’Enfer“ – das Jesuskind der Hölle, nach Orieux „ein wahres Bischofswort“.

    Die Vicomtesse de Laval fragte Talleyrand eines Tages, woher seine lange Freundschaft mit dem Grafen rühre: „Sie wollen wissen, warum ich den Grafen recht gern habe? Weil er sehr wenig Vorurteile hat.“
    Und der Graf erwiderte: „Und ich, Madame, wissen Sie, warum ich Talleyrand gern habe? Weil er überhaupt keine Vorurteile hat.“

    Madame Hamelin warf dem Grafen einmal vor, Talleyrand zu sehr zu schätzen: „Ach mein Gott, Madame, wer sollte ihn nicht lieben? Er ist so lasterhaft!“
    Talleyrand erwiderte: „Er ist bestimmt der klügste Mann der Welt. Tatsächlich hat er keinen Sou Vermögen, er empfängt kein Gehalt, er gibt 60000 Francs im Jahr aus und hat keine Schulden.“

    Der Graf war Talleyrands Verbindung zu Bonaparte beim 18./19. Brumaire und nach Colmache war er es, der Talleyrand Madame Grand, die spätere Fürstin von Benevent „zugeführt“ hat.

    Napoleon mochte den Grafen nicht. 1809 wurde er aus Paris verbannt, 18011 sogar für kurze Zeit in der Festung Hamm eingesperrt. Er begab sich dann nach England.

    Mit der ersten Restauration kehrte er nach Paris zurück.

    Napoleon verwendete während der 100 Tage den Grafen als „außerordentlichen Gesandten“ und schickte ihn nach Wien zum Kongess. Unter anderem sollte der Graf Talleyrand bewegen, wieder in die Dienste des Kaisers zu treten. Angeblich war ihm eine jährliche Summe von 200000 Franc bei Gelingen der Mission zugesagt.
    Freilich holte sich der Graf ein Nein des Fürsten:
    „Sie kommen zu spät. Europa hat schon Entscheidungen gefällt; ich auch.“

    Wer ist der Gesuchte?

    Grüße
    excideuil

    (vergl:
    Orieux, Jean: „Talleyrand – Die unverstandene Sphinx“, Societäts-Verlag, Frankfurt, 1972
    Bernard, J.F.: „Talleyrand – Diplomat, Staatsmann, Opportunist“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1989
    Spiel, Hilde (Hrsg.): „Der Wiener Kongress in Augenzeugenberichten“, Karl Rauch Verlag, Düsseldorf, 1965
    Turquan, Joseph: „Welt und Halbwelt unter dem Konsulat und dem I. Kaiserreich“, Brandu’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin, o.J.
    Colmache, Édouard.: „Aus dem Leben des Fürsten von Talleyrand“, Grimma und Leipzig, 1851

  2. #2
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    Liest sich wie Montrond.

  3. #3
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    Zitat Zitat von Harper Beitrag anzeigen
    Liest sich wie Montrond.
    Völlig korrekt. Gesucht war Casimir comte de Montrond, "le beau Casimir".

    Grüße
    excideuil

  4. #4
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    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich Montrond als italienischer Priester verkleidet haben soll, um nach Wien bzw. zu Talleyrand zu gelangen. Er soll auch den Auftrag gehabt haben, Kontakt zu Metternich aufzunehmen.

    Grüße, Harper

  5. #5
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    Zitat Zitat von Harper Beitrag anzeigen
    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich Montrond als italienischer Priester verkleidet haben soll, um nach Wien bzw. zu Talleyrand zu gelangen. Er soll auch den Auftrag gehabt haben, Kontakt zu Metternich aufzunehmen.
    Grüße, Harper
    Sorry, erst eben gelesen. Wie Montrond nach Wien kam, keine Ahnung. Überliefert ist (Orieux), dass er auch Metternich kontaktieren und ihm die Summe von 10 Millionen Franc anbieten sollte, um Österreich auf die Seite Napoleons zu bringen.
    Auch hatte Montrond wohl viele andere Briefe, unter anderem von Fouché dabei.

    Sein Auftauchen beim Kongress erregte natürlich Interesse und Aufmerksamkeit, manch Diplomat war sich nicht mehr sicher, ob Talleyrand seinem König denn treu bliebe ...

    Grüße
    excideuil

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