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Thema: "Hüten Sie sich ..."

  1. #1
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    Standard "Hüten Sie sich ..."

    Der Gesuchte trat eine diplomatische Gesandtschaft nach seiner Aussage aus Protest anlässlich der Hinrichtung des duc d'Enghien nicht an. Tatsächlich schob er gesundheitliche Gründe vor.

    Während des Empire bekam er politisch kein Amt mehr.

    Er betätigte sich während des Empire und auch später als Schriftsteller und Dichter. Auch Napoléon wurde von ihm beschrieben, den gut zu kennen er behauptete. Tatsächlich war er ihm nur einmal begegnet.

    Besonders negativ äußerte er sich in seinem Hauptwerk über den Fürsten Talleyrand, ja, er dichtete ihm sogar prophetische Gaben an:

    „Von dem Tage [9. Aug. 1807] an, wo der Bischof von Autun aufhörte, Minister der auswärtigen Angelegenheiten unter dem Kaiserreiche zu sein, war sein sehnlichster Wunsch das Verschwinden Bonapartes, gefolgt von einer Regentschaft der Kaiserin Marie Louise, deren Oberhaupt er, der Fürst von Benevent, gewesen sein würde.“

    Zweifellos ist sein Stil hervorragend, vllt. der Grund, warum er auch noch heute zitiert wird.
    Schön auch diese Stelle:

    „Von meiner früheren Größe war mir noch ein Coupé geblieben, in welchem ich einst am Hofe Georg IV. glänzte, sowie eine Reisekalesche, die vor Zeiten für den Fürsten Talleyrand erbaut worden war. Ich ließ die letztere ein wenig herstellen, um sie fähig zu machen, wider ihre Natur zu gehen; denn ihr Ursprung und ihren Gewohnheiten nach ist sie wohl wenig geneigt, gefallenen Königen nachzulaufen.“

    Ludwig XVIII. urteilte:

    „Hüten Sie sich, jemals einen Dichter an Ihre Geschäfte zu lassen; er wird alles durcheinander bringen. Diese Leute taugen zu gar nichts.“

    Bei
    Mme de Remusat findet sich:

    Von Talleyrand, der .... sehr richtig, aber auch zugleich sehr scharf beurteilte, erzählt man noch heute eine Menge Bonmots über ihn; so auch das folgende, als es auf einmal hieß, .... beabsichtige, sich in eine Klosterzelle zurückzuziehen: „Dazu ist er wohl im Stande, vorausgesetzt nur, dass sich die Zelle auf der Bühne eines Theaters befindet.“

    Wer ist gemeint?

    Grüße
    excideuil

  2. #2
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    Geändert von Tellensohn (02.02.2014 um 16:14 Uhr)

  3. #3
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    Korrekt, Chateaubriand war gesucht.

    Das wohl bekannteste Zitat im Zusammenhang mit der 2. Restauration aus seinen "Denkwürdigkeiten jenseits des Grabes" ist wohl dieses:

    „Plötzlich wird eine Tür geöffnet und herein tritt das Laster auf den Arm des Verbrechens gestützt: Herr von Talleyrand an der Seite des Herrn Fouché; die höllische Vision zieht langsam bei mir vorüber und verschwindet in dem Kabinett des Königs. Fouché kam, um seinem Gebieter den Lehnseid zu leisten; der getreue Königsmörder legte knieend die Hände, welche das Haupt Ludwigs XVI. fällten, in die Hände des Bruders dieses Märtyrerkönigs. Der abtrünnige Bischof war Bürge des Eides.“ (Chateaubriand, François-René: Denkwürdigkeiten von Jenseits des Grabes“, Hermann Costenoble, Leipzig, 1852, Bd. 3, 2.Teil, Seite 20)
    Wer genau "zuhört" kann noch heute sein Zähneknirschen hören
    ...

    Grüße
    excideuil

  4. #4
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    Chateaubriand schrieb nach den Hundert Tage aber auch:"Warum bin ich Royalist gegen meinen Instinkt gewesen, in einer Zeit, da eine miserable Rasse von Höflingen mich weder hören noch verstehen konnte? Warum bin ich in eine Herde von Mittelmäßigkeiten geraten, die mich für einen Narren hielt, wenn ich Mut predigte, und für einen Revolutionär, wenn ich von Freiheit sprach?"
    "Die Nachwelt wird auf Grund von Thatsachen richten: Verläumdung hat mit der Zeit all ihr Gift verspritzt; ich werde jeden Tag an Ruhm gewinnen."
    Napoleon zu O'Meara am 9. Dezember 1817

  5. #5
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Standard Chateaubriand

    Noch einen netten Spruch von Talleyrand,zum Thema:
    Als Chateaubriand im Alter weniger schrieb und sich eher zurückzog,ausserdem schwerhörig geworden war,soll Talleyrand von ihm gesagt haben:
    "seitdem man nicht mehr von ihm spricht,ist er auf beiden Ohren taub geworden".
    Wunderbares Mundwerk!!

    IRENE.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Noch einen netten Spruch von Talleyrand,zum Thema:
    Als Chateaubriand im Alter weniger schrieb und sich eher zurückzog,ausserdem schwerhörig geworden war,soll Talleyrand von ihm gesagt haben:
    "seitdem man nicht mehr von ihm spricht,ist er auf beiden Ohren taub geworden".
    Wunderbares Mundwerk!!

    IRENE.
    Ich habe die Anekdote etwas anders in Erinnerung:
    Talleyrand wurde mitgeteilt, dass Chateaubriand taub geworden sei.
    Talleyrand soll erwidert habe: "Er hält sich nur für taub, weil er niemenden mehr über sich sprechen hört."

    Grüße
    excideuil

  7. #7
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    Zitat Zitat von Lavalette Beitrag anzeigen
    Chateaubriand schrieb nach den Hundert Tagen aber auch:"Warum bin ich Royalist gegen meinen Instinkt gewesen, in einer Zeit, da eine miserable Rasse von Höflingen mich weder hören noch verstehen konnte? Warum bin ich in eine Herde von Mittelmäßigkeiten geraten, die mich für einen Narren hielt, wenn ich Mut predigte, und für einen Revolutionär, wenn ich von Freiheit sprach?"
    In der Tat hat Chateaubriand viel geschrieben, auch am 28. April 1815 an Talleyrand:
    "Seit dem letzten Briefe, den ich die Ehre hatte, Ihnen von Brüssel aus durch den Herzog von Richelieu zu senden, haben sich die Dinge für mich ein etwas Aussehen bekommen; der König hat mich in seinen Rat berufen, aber ohne Titel; er hat mich beauftragt, ihm die Berichte über das Innere zu erstatten. Aber, Herr Fürst, dazu muss man ein Inneres haben; und wir erwarten Sie, um es uns wiederzugeben. Ihre Anwesenheit hier ist durchaus notwendig. Kommen Sie, verhüten Sie neue Dummheiten bei uns. Sie müssen sich an unsere Spitze stellen, damit wir ein Ministerium bilden können, dessen Führer und Stütze Sie sein werden. Sie wissen, Herr Fürst, wie sehr ich Ihnen ergeben bin. Ich würde zu glücklich sein, wenn ich neben Ihnen etwas zur Wiederherstellung Frankreichs tun könnte, das Ihrer Hilfe zum zweiten Mal dringend bedarf ... [...] [1]

    Natürlich berief Talleyrand Chateaubriand nicht in sein Kabinett. Die Abneigung Chateaubriand gegen den Fürsten rührt aber aus einer anderen Episode der franz. Geschichte her. Talleyrand warnte vor einem erneuten Einmarsch in Spanien, nannte unter anderem die schlechten Erfahrungen zur Zeit Napolèons. Und damals war Chateaubriand Minister. Und er nahm es persönlich ...

    Grüße
    excideuil

    [1] Talleyrand: „Talleyrand’s Briefwechsel mit König Ludwig XVIII. während des Wiener Kongresses. Herausgegeben von G. Pallain, F.A. Brockhaus, Leipzig, 1881, Seite 348/9

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