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Thema: Ende der Kontinentalsperre in Russland

  1. #1
    KDF10 ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Standard Ende der Kontinentalsperre in Russland

    Alexander beendete am 31. Dezember 1810 die Teilnahme Russlands an der Kontinentalsperre. Nach dem russischen Kalender wäre das der 19. Dezember. Weiß jemand, wann Napoleon diese Information bekommen hat?

  2. #2
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    Zitat Zitat von KDF10 Beitrag anzeigen
    Alexander beendete am 31. Dezember 1810 die Teilnahme Russlands an der Kontinentalsperre. Nach dem russischen Kalender wäre das der 19. Dezember. Weiß jemand, wann Napoleon diese Information bekommen hat?
    Tat er das wirklich am 31. Dezember? Auch wenn man das öfters so liest, ist das m. E. nicht richtig.
    Der russische Ukas vom 19. /31. Dezember 1810 regelte den russischen Außenhandel und belegte zu Lande eingeführte Waren mit einem Zoll von 50%. Er erlaubte auch die Einfuhr von Waren auf neutralen Schiffen. Auch wenn es sich dabei in Wirklichkeit um britische Waren handelte, blieb die Einfuhr britischer Waren offiziell verboten.
    Napoleon hatte den Zaren bereits am 23. Oktober 1810 aufgefordert die neutralen Schiffe zu konfiszieren. Die Ablehnung Alexanders wurde Napoleon am 3. November mitgeteilt. (Todorov, 1812 - Moskau oder London?, S. 146), der sich auf einen Artikel von Marcel Dunan stützt (Napoléon et le système continental en 1810, Revue diplomatique, 1946, S. 98.)
    Das hätte nicht zu unmittelbaren militärischen Aufrüstungen durch Napoleon geführt.

    Was Napoleon verstimmte war die unterschiedliche Behandlung französischer und britischer Waren. Illegal eingeführte britische Waren sollten konfisziert und bis Kriegsende in russischer Verwahrung bleiben. Zu Lande eingeführte Luxusprodukte (französische Waren) sollten verbrannt werden…(So J.-O. Boudon, Napoléon et la campagne de Russie, S. 20-21)
    Formell brach Alexander seine Bündnisverpflichtungen nicht und blieb im Krieg mit England, zumal Napoleon seit dem Sommer 1810 zu verstehen gegeben hatte, dass ein Friedensschluss mit England der Krieg mit Frankreich wäre. Kann man bei Albert Vandal , Napoléon et Alexandre Ier, Bd. 2, nachlesen.
    Faktisch hatte Russland die Kontinentalsperre schon lange vorher nicht mehr respektiert. Laut A. S. Manfred, (Napoleon Bonaparte) hätte Russland die Kontinentalsperre erst ab 1808 angewendet und bereits seit 1809 gebrochen, was laut Todorov, bis zum Oktober 1810 nicht Anlass zu Beschwerden seitens Napoleons gab.
    Boudon gibt für die (erste ?) Depesche Caulaincourts über den Zolltarif vom 31. Dezember den 13. Januar 1811 als Datum an, Anmerkung 19, wobei er sich auf Akten aus dem Archiv des französischen Außenministeriums stützt.
    Laut Todorov (S. 147) war der Ukas am 3. Januar noch nicht bekannt, wohl aber am 22. Januar, da dort die Einverleibung Oldenburgs bestätigt wurde, die vorher noch Gegenstand von Verhandlungen wegen einer Entschädigung durch Erfurt war. Durchforstet man jedoch die Correspondance de Napoléon, äußert sich Napoléon erst am 10. Februar 1811 explizit zu dem russischen Dekret (Brief 17346) . Allerdings weil er die Behandlung französischer Waren als ein Bruch des Artikels 5 des Tilsiter Vertrages betrachtet. Dieser sah vor, dass die Vertragspartner die Handelsbeziehungen vor dem Krieg (also vor dem 3. Koalitionskrieg) wiederherstellen sollten, bis zum Abschluss eines neuen Handelsvertrages. Napoleon lässt also anfragen, ob Russland einen neuen Handelsvertrag mit Frankreich abschließen wolle. In diesem Brief wird kein Bezug auf die Kontinentalsperre genommen. Bei Vandal findet man nur allgemein die Angabe, dass der Ukas im Januar in Frankreich bekannt wurde.
    Bei Todorov findet man folgendes Zitat Napoleons nach der Ausgabe von Lecestre: „Ich führe keinen Krieg wegen des Ukases und des Zolltarifs, aber ich werde mich wappnen gegen die Folgen des üblen Geistes, die diesen Akt inspiriert haben, und ich werde nur Krieg führen, wenn Russland sich wieder mit England verbünden will.“
    („je ne ferai point la guerre pour la raison de l’oukase et du tarif, mais que je me tiendrai en mesure contre les effets du mauvais esprit qui ont dicté cet acte, et que je ne ferai la guerre que si la Russie veut se remettre avec l’Angleterre.“) Brief an Champagny vom 3. März 1811
    Umgekehrt sei der Senatsbeschluss über die « Réunion » Norddeutschlands vom 13. Dezember in Sankt Petersburg erst am 2. Januar bekannt gewesen, laut Vandal (Bd. 3, S. 62, kann man im Internet herunterladen.) Dieser erwähnt eine von Napoleon angeordnete Untersuchung über die Ankunft dieser Nachricht in Russland, weil er wissen wollte, ob diese Annexion ursächlich für den Ukas war. Das wären immerhin 3 Wochen zwischen dem Beschluss und der Ankunft der Nachricht.

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