Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 20

Thema: Laden von Haubitzen

  1. #1
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.686

    Standard Laden von Haubitzen

    Ich fand diese interessante Abbildung



    War das nun allgemein bei allen Haubitzen so üblich die Pulverladung in das Rohr zu bringen, wenn Granaten aufgesetzt wurden.
    Der Text zu dieser Tafel beschreibt sehr genau dass die Pulverladung in die Kammer gesetzt werden musste, mit der Hand, anschließend auch die Granate selbst.

    Hatten alle Haubitzen gekammerte Rohre? Bayern?

    Ein weiteres schönes Detail ist ja auch der Armschutz um die Uniform vor Verdreckung zu schützen.

  2. #2
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    Hallo HK,
    vielen Dank für diese interessante Abbildung und Beschreibung.
    Ich denke das war bei allen Haubitzen mit relativ kurzen Rohren so üblich.

    Die russischen Einhörner mit längerem Rohr, die ja keine eigentlichen Haubitzen waren, wurden nicht so geladen, weil sie patronierte Ladungen verwendeten, die wie bei Kanonen geladen wurden. Ihre konischen Kammern waren für diese Ladeweise entsprechend hilfreich. An sich waren diese Teile wohl die Ausnahme. Bei den sächsischen Haubitzen müsste man mal Jörg fragen, wie das da gehandhabt wurde.

    Haubitzen hatten generell gekammerte Rohre, zumindest bei den meisten Mächten. Bei den Schweden bin ich mir nicht ganz sicher.

    Der Armschutz wird etwa um dieselbe Zeit auch von Moltzheim für eine Haubitz- und eine Mörserbedienung gezeigt, offenbar beidseitig getragen. Ob es das vorher auch schon so gab? Das müsste dann doch eigentlich in irgendwelchen Ausrüstungslisten auftauchen.

    Grüße

    Gunter

  3. #3
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.686

    Standard

    wir hatten das Thema ja schon mal zig Jahre her, 2007

    Henning
    01.07.2007, 12:40
    Da das Rohr nach dem ersten Schuß innen verdreckt war, nehme ich an, der Haubitzenärmel war eine Besonderheit in der württembergischen Armee:

    Als württembergische Besonderheit würde ich diese Ärmel nicht bezeichnen. Im "Exercir=Reglement für das Königlich Sächsische Feld=Artillerie=Regiment zu Fuß" (Dresden 1811) heißt es: "No. 1 hat das Einführen der Grenadladung und Grenade zu besorgen. Hierzu erhält er ein paar leinwandene Ärmel, welche er anzieht."
    Gruß Henning
    Blesson
    01.07.2007, 18:11
    Die Geschützöhren von Haubitzen und Mörsern gliedern sich immer in Kammer und Flug:

    1. Kammer für die Treibladung, welche einen weitaus kleineren Durchmesser als das Geschoß hat

    2. Flug für die Bombe oder Granate, Kaliber ab 7" aufwärts.

    Warum? Bei Wurfgeschützen mit großem Kaliber sind kleinere Treibladungen für die gekrümmte Flugbahn erforderlich als bei den Kanonen vergleichbaren Kalibers. Um die kleineren Treibladungen auf den Boden schieben zu können, braucht man kleineren Durchmesser, und voilà, man hat die Kammer.

    LB
    Also immer - Ausnahme Sachsen - da hat ja DaCapo auch was geschrieben - auch bei den Bayern und anderen Rheinbundarmeen??

    Blesson
    03.07.2007, 22:51
    Tja, ich gebe ja zu, auch nicht die Antwort gewußt zu haben, aber:

    in den pr. Spezifikationen d.J. 1816 und im Kameke 1812 finden sich übereinstimmend eine Kombination aus Setzkolben und Wischer bei den 7- und 10-pfündigen Haubitzen. Der Durchmesser beider entspricht immer der Kammer, niemals dem Flug.

    Da nichts ohne Zweck in der Artillerie ist, dient der Setzkolben ganz offensichtlich nur zum Setzen der Ladung. Warum? Es ist wichtig, daß die Ladung im Treibsack ganz auf den Boden gepreßt wird, damit selbige mit der Räumnadel angestochen werden kann, um die Stoppine oder Schlagröhre in die Treibladung zu setzen. Ich bin mir sicher, daß sich auch eine Beschreibung im Reglement dazu finden lassen wird...

    Es scheint außerdem das Auswischen der Kammer als ausreichend angesehen worden zu sein, da sich bekanntlich am Zündloch glühende Rückstände finden konnten, besonders bei ausgebrannten. Das Auswischen des Flugs war minder wichtig?

    LB
    Versteh ich das nun mal richtig, zuerst wird der Pulversack mit der Hand gesetzt, dann nochmal mit dem Setzer in die Kammer getaucht, dann wird die Granate mit der Hand gesetzt, mit dem Zünder nach vorne, der sich dann automatisch entzündet wenn die Haubitze abgefeuert wird??

    Da Capo
    10.07.2007, 13:15
    Die Ladung wird mit der Hand in die Kammer gegeben und angesetzt – soso! Ist sicher für 99,9% aller Haubitzen auch richtig, wenn es da nicht eine Ausnahme bei den – na?, richtig!!!! - Sachsen gäbe.
    Die Ausnahme heißt 4pfd. Granatstück, war von ihrem ganzen Wesen her eine Haubitze, allerdings mit einer Länge von 9 Bohrungen (5,442312 Zoll x 9 = 48,980808 Zoll oder knapp 1,16 m) zu lang, um die Ladung mit der Hand einzubringen.
    Das Rohr hatte am Ende dieselbe Einrichtung (Klinke etc.) wie die leichten sächsischen 4-Pfünder (sh. bitte unter Diskussionspunkt „Laden des sächsischen 4-Pfünders“ hier im Forum).
    Die Ladungen zu je 1 5/16 Pfund (und nicht 1 3/8 Pfund, wie Scharnhorst schreibt) waren (wie bei fast allen Haubitzen) einzeln. (Auch gab es bei den sächsischen Feld (= 4 und 8pfd.) –Haubitzen – im Gegensatz zu Preußen - nur jeweils eine Ladungsgröße.)
    Daher ist zu vermuten, dass zuerst die Ladung ins Rohr „geworfen“ wurde und dann die Granate hinterher. Ein Ansetzen der Ladung kann ich mir beim fast 90gradigen Stellwinkel des Rohres nicht vorstellen. Evtl. erfolgte das Anpressen durch das Gewicht der Granate (?).
    Mit Einführung der neuen Geschütze im Jahre 1811 wurde das Granatstück abgeschafft und die Sachsen luden ihre 8pfd. Haubitze wie alle anderen Nationen per Hand und mit übergezogenen Leinwandärmeln.
    Da Capo
    11.07.2007, 09:56
    Werter Blesson,

    ich bitte dringend um Verwendung der genannten Nebenklausel.

    Die Ladungen waren einzeln, also von der Granate getrennt und wurden in blechernen Ladungskapseln aufbewahrt/transportiert. Der 4pfd. Granatwagen hatte zwei Kästen (zwischen denen vermutlich bis zum Langbaum durchgelenkt werden konnte), was sogar auf einen getrennten Transport von Granate und Ladung schließen lässt. Genaue Maße habe ich hierzu leider nicht (kürzlich war der Rouvroy von 1811 bei ebay. Hinter dem zweiten Teil – in welchem das Holzwerk beschrieben sein soll – renne ich nun schon so 20 Jahre her, ohne ihn zu bekommen).
    Das 4pfd. Granatstück hatte eine Kammer mit einem Durchmesser von 18/32 Bohrungen und einer Länge von 1 20/32 Bohrungen.
    Zur Ausrüstung des Granatstückes gehörten neben Vorbringe- und Hebebaum sowie Handspeiche ein Wischer mit Stange und eine Stange zum Ausladezeug. Ein Setzer oder Rammer kommt nicht vor.
    Wie die Ladung in die Kammer gekommen ist, ist eine äußerst interessante Frage, zu der mir außer der Möglichkeit des Hineinwerfens bei den bekannten materiellen Voraussetzungen nicht viel einfällt. Leider.

  4. #4
    Registriert seit
    14.12.2007
    Beiträge
    79

    Standard

    MARESCHAL. Collection de dessins lithographiés représentant les principales positions du canonnier dans les manœuvres de l'artillerie française. [ 36 pl.]

    http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_3.jpg

    http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_1.jpg

    http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_4.jpg

    http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_5.jpg

    Armand-Adrien Mareschal (2.viii.1793 (Côte-d'Or (Salmaise)) -): Base leonore:

    http://www.culture.gouv.fr/public/mistral/leonore_fr


    A review:

    http://books.google.com/books?id=t-4EAAAAQAAJ&pg=PA156

  5. #5
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.686

    Standard

    Jacobi wie auch Lutz geben für die Bayerischen 7 Pfünder Haubitze eine Kammer.

  6. #6
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    Wundert mich nicht, dass die 4-pdr Granatstücke nicht mehr "per Hand" zu laden gingen, denn mit einer Rohrlänge von 9 Bohrungen war das Verhältniss sogar noch größer als bei den Einhörnern.
    Offensichtlich waren die Ärmelschützer absolut gängig.

    Grüße

    Gunter

  7. #7
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.686

    Standard

    Vielleicht trugen die sogar einen Leinenjacke über ihre Uniform - oder wie ist das zu interpretieren??
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  8. #8
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    Sieht ganz danach aus, es scheinen sogar die Rockschösse zu sehen zu sein. Leider sieht man nicht, ob das eine Haubitze sein soll, oder was meinst du?

  9. #9
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.686

    Standard

    In einer ganzen Reihe von Geschützen ist dies jedenfalls der einzige Kanonier mit diesen "Kittel" - da würde mich auch mal die Meinung von Markus und anderen interessieren, die die Bayerische Armee studiert haben.

  10. #10
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    So eine kurze Jacke erscheint als sinnvolle Weiterentwicklung der Armschützer. Schließlich kann man sonst auch die Vorderseite des Rocks mit beschmutzen, besonders wenn die Haubitze schon eine Weile feuert.

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •