Zitat Zitat von A.Peter Beitrag anzeigen
Mir schwebt irgend etwas im Kopf herum von wegen: Musketen forderte grössere Armeen (da mehr Opfer), grössere Armeen forderten grösseren Staat (grössere Staatskasse), grösserer Staat bedeutet Annexion von Gebiet (mehr Steuereinnahmen) und somit Krieg - um das ganz plakativ zu stellen. Wisst Ihr darüber etwas? Gibt es eine solche Theorie in der Forschung?

Gruss

Adrian
Meine persönliche Meinung ist, dass es diese Theorie sicher gibt. Eine Quelle kann ich dir leider nicht nennen. Dein Denkansatz ist jedenfalls richtig, aber vergiß die Musketen. Cäsar hatte keine und Alexander der Große auch nicht. Aber, Annexion bedeutete mehr Einnahmen, mehr Menschen, aus denen man Soldaten rekrutieren konnte. Damit konnte man weitere Annexionen durchführen. Kriege gingen immer von größeren Staatsgebilden aus. Hat Luxemburg mal einen Krieg angezettelt oder Andorra?

Du solltest deinen Prof wirklich fragen, ob sich die zweite Heeresreform nur auf die Schweiz bezieht oder allgemein gemeint ist. Schweizer Soldaten waren in ganz Europa begehrt. Das brachte ihr Vaterland in ganz erhebliche Probleme. Man konnte überhaupt nicht so viele Soldaten verpflichten, wie man brauchte. Deshalb ging man in einigen Kantonen dazu über, Straftäter zum Dienst in den Regimentern zu verurteilen. Zum Beispiel sah die Militärkapitulation zwischen Frankreich und der Schweiz, zur Zeit Napoleons, vor, dass die Schweiz 16.000 Mann stellen musste. Vier Regimenter a 4.000 Mann. Das konnte die Schweiz aber nicht. Anfang 1812 wurde das geändert. Die Stärke der Regimenter, die zu stellen waren, wurde in Friedenszeiten auf 2.000 Mann und im Kriegsfall auf 3.000 Mann reduziert. Ob das in den Augen deines Profs eine Heeresreform ist, kann ich nicht beurteilen. Am Russlandfeldzug 1812 nahmen jedenfalls weniger als 8.000 Schweizer teil. Die Militärkapitulation von Januar/Februar 1812 sah im Friedensfall ja nur 2.000 Mann pro Regiment vor. Die Aushebung von 3.000 Mann pro Regiment wäre diplomatisch eine Kriegserklärung gegen Russland gewesen.

Deine Uni hat sicherlich die Bücher des Schweizer Historikers Albert Maag. Der hat sich im 19. Jahrhundert intensiv mit den Soldaten aus der Schweiz befasst.

Gruß

Dieter