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Thema: Verbrennung der sächs. Gardefahne 1815

  1. #1
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    Standard Verbrennung der sächs. Gardefahne 1815

    Am 4.Band der Vollborn’schen Erinnerungen arbeitend, ist mir die Abschrift eines Artikels aus der Allgemeinen Militär-Zeitung 1844 (66.Stück) über den General Borstell untergekommen, der sich ja bekanntlich weigerte, die Fahne des sächs. Garde-Bataillons verbrennen zu lassen.

    In diesem Artikel ist auch die folgende Textpassage enthalten:
    Die sächsische Fahne wurde aber doch verbrannt, da Blücher glaubte, den einmal gegebenen Befehl vollziehen lassen zu müssen. Das Füsilierbataillon des Kolbergischen Regiments ward zu dieser schweren Exekution befehligt, doch fand sich unter diesem braven Bataillon keine Hand, welche die ehrwürdige Fahne berühren mochte, u. ein Packknecht mußte sich diesem Werke unterziehen. Als aber die Flamme das kriegerische Heiligthum ergreift, da fühlte das preußische Soldatenherz tief die Unbill des nahverwandten Volksstammes. Ohne Verabredung machte das ganze Bataillon, das dem Feind immer scharf ins Gesicht gesehen, Kehrt u. beim Abmarsche war der Arm des Tambours zum klingenden Spiele erlahmt.“

    Ist dieser Vorgang mit dem Kehrt machen so bekannt? Und wenn ja, wo wäre dies nachzulesen?

    Vielen Dank für Eure Unterstützung.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  2. #2
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    Standard

    Die Regimentsgeschichte geht über etwaige Details taktvoll hinweg:

    http://books.google.de/books?id=5UERAAAAYAAJ&pg=PA232

    Ob die Offiziere des Bataillons ihren Leuten ein unbefohlenes Kehrt Euch ! hätten durchgehen lassen ?

    Und ein Bataillon hat ja in der Regel mehr als einen Tambour. Allen erlahmte der Arm ? Natürlich ist der Herdentrieb nicht zu unterschätzen. Vielleicht geschah der Abmarsch aber auch wie nach der Exekution eines Delinquenten:

    http://books.google.de/books?id=sPM136S2-68C&pg=PA387&dq="stille+heraus+marschiren"

    Ebenso wäre es vielleicht denkbar, daß man es ehrlichen Soldaten ersparen wollte, die schuldige Fahne berühren zu müssen (siehe die erste NB in dem vorstehenden Link), und aus diesem Grund ein Trainknecht dazu bestimmt wurde. Die hatten zwar auch den Soldateneid zu leisten, galten aber als Nichtkombattanten.

    Die Darstellung der Motive für Borstells Fahnenverbrennungsweigerung in dem Artikel aus der Allgemeinen Militär-Zeitung erscheint mir etwas idealisierend und sehr sachsenfreundlich.

  3. #3
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    Standard

    Borstell hatte das Bataillon ja bereits 1814 unter seinem Kommando und scheint es als eine achtbare Truppe kennengelernt zu haben.
    Hier der Texteil des genannten Artikels, der der Verbrennung vorausgeht:
    Nach der Schlacht von Leipzig wurde Borstell zum General-Leutnant befördert u. anfangs 1815 zum kommandirenden General des 3n Armee-Corps ernannt. Es war ihm aber nicht vergönnt, an dem kurzen aber glorreichen Feldzuge dieses Jahres Theil zu nehmen, doch erwarb er sich reichen Lorbeer, mit welchem ihn die sächsische Nation dankbar umkränzte. Das Gerücht von der Theilung der sächsischen Armee veranlaßte den bekannten Aufstand von Lüttich, der gegen die Person des Feldmarschalls Blücher gerichtet war. Das sächsische Garde-Bataillon schien zwar anfänglich nicht unmittelbar an den Exzessen Theil genommen zu haben, doch ergaben spätere Untersuchungen, daß die Aufregung von ihm ausgegangen. Eben dieses (np) Bataillon, welches schon 1814 unter Borstell sich rühmlichst ausgezeichnet, wurde demselben nach der gedachten Katastrophe unter den ehrenvollsten Formen nach Namur überwiesen, wo das Hauptquartier des 3n Armeekorps war. Borstell empfing seine alten Kriegsgefährten auf das herzlichste u. erlaubte gern, daß das Offizierkorps des Kolbergischen Regiments das sächsische an demselben Tage zum Diner einlade. In der Nacht nach diesem kameradschaftlichen Empfang erhielt Borstell den Befehl vom General Blücher, das sächsische Bataillon zu entwaffnen u. die Fahne zu verbrennen. Borstell war durch diesen Befehl, der sich auf die späteren Untersuchungen stützte, in große Verlegenheit gesetzt. Kühn schrieb er dem Feldmarschall, er wolle wohl die Entwaffnung des Bataillons vollziehen, allein seinen früheren Kriegskameraden die Schmach anzutun, ihre Fahne zu verbrennen, das könne er nicht. Uebrigens sei die Fahne ein königliches Emblem u. nur dem Kriegsfürsten stünde es zu, ei solches zu vernichten. Da Borstell trotz des wiederholten Befehls bei seiner Weigerung verblieb, so wurde er von Blücher seines Kommandos enthoben. Nur durch List konnte Borstell aus Namur entkommen, (np) denn seine Truppen wollten nicht von ihm lassen. Ein Kriegsgericht verurteilte ich zu vierjähriger Festungsstrafe, doch bald nach Beendigung des Feldzuges wurde er auf Bitten des Fürsten Blücher vom Könige begnadigt.
    Die sächsische Fahne wurde aber doch verbrannt, da Blücher glaubte, den einmal gegebenen Befehl vollziehen lassen zu müssen…….

    Kehrt ohne Befehl oder geduldete Absprache – ist in der Tat eine schwere Insubordination. Vielleicht war das Offizierkorps des Kolberg’schen einfach nur angepisst, weil man es in eine äußerst unangenehme – weil ehrrührige - Lage gebracht hat. Da kann man schon mal zu solchen Mitteln greifen.

    Und beim Diner hat man das Thema Lüttich bestimmt nicht ausgespart.
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