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Thema: Rekonstruktionsversuch Tête de colonne, 3e Régiment d'infanterie de ligne, um 1809/10

  1. #1
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    Standard Rekonstruktionsversuch Tête de colonne, 3e Régiment d'infanterie de ligne, um 1809/10

    Ich habe mal versucht, die Tête de colonne des 3e de Ligne um 1809/10 sozusagen in 3D zu rekonstruieren. Mit Figuren diverser Hersteller, mehr oder weniger aufwendig umgebaut, Instrumente z. T. scratchbuilt, im Massstab 1/72, noch unbemalt, lediglich weiss grundiert und mit einem (nicht optimalen) braunen Washing versehen. Ob und wenn ja wann ich dazu komme, sie zu bemalen, weiss ich noch nicht.

    Dargestellt werden sollen die Regimentskapelle sowie die Sapeurs und Spielleute der ersten drei Bataillons de guerre, in Paradeuniform, anlässlich eines Defilees. Dabei habe ich an Information zusammengetragen, was ich konnte. Relevante zeitgenössische Schriftquellen zum 3e de Ligne habe ich nicht gefunden, nur diesbezügliche Hinweise aus der Literatur, speziell auf das sog. Livre d'ordres des Obersten Schobert (Aufbewahrungsort scheinbar unbekannt). Bilddarstellungen aus erster Hand nur vom Manuskript Otto, nur für einen Sapeur und nur für den Zeitraum 1807/08. Vielleicht zeitgenössisch, jedenfalls aber zeitnah dürften auch die Darstellungen Boerschs für die Zeit um 1810 sein. Alles andere ist Literatur, die dortigen Angaben oftmals nicht überprüfbar. Widersprüchliches und Ungenauigkeiten müssen stehen gelassen werden, solange keine weiteren zeitgenössischen Quellen auftauchen, die Klarheit schaffen können. Ich musste also - als gegenwärtiger Oberst des Regiments - Entscheidungen treffen, was ich wie darstellen wollte. Irrtümer vorbehalten. Meinungen, noch besser natürlich nützliche und überzeugende Richtigstellungen, werden gerne entgegengenommen. Die Suche nach mehr hieb- und stichfester Information geht weiter.


    Teil 1: Sapeurs und Spielleute


    Sergent Sapeur, Sapeurs

    Die Zahl der Sapeurs entspricht dem damals gültigen Reglement: 12 Sapeurs, d.h. 4 Sapeurs pro Bataillon, plus ein Chefsapeur. Laut Bardin war das gewöhnlich ein Caporal Sapeur, das 3e de Ligne scheint aber stattdessen einen Sergent Sapeur gehabt zu haben, wenn man dem Zeugnis Boersch glauben will. Die Sapeurs waren den Grenadierkompanien zugeteilt, ich habe ihnen dementsprechend deren Kopfbedeckungen gegeben. Die Grenadiere und also auch die Sapeurs des ersten Bataillons scheinen um 1809/10 noch Fellmützen mit Stutz getragen zu haben (Schobert; Boersch zeigt auch Fellmützen), die der anderen Bataillone Tschakos mit karottenförmigen Pompons (vgl. Ms. Otto). Dem Sergent Sapeur habe ich gleichfalls die Fellmütze des ersten Bataillons gegeben. Bewaffnet ist er mit Säbel mit gezahnter Klinge und zwei Kavalleriepistolen, die Sapeurs nebst Axt mit Säbel und Kavalleriemousqueton (unter dem Tornister getragen), Bajonett aufgepflanzt.


    Tambour Major, Caporal Tambour, Tambours, Fifres, Cornets

    Der Tambour Major war Chef aller Spielleute und (rein administrativ) auch der Musiker des 3e de Ligne. Was seine genauen Aufgaben waren kann man z.B. bei Bardin nachlesen. U.a. war er allgemein für die Ausbildung der Tambouren des Regiments und speziell des 1. Bataillons zuständig.

    Caporaux Tambours (oder Tambour Maîtres) waren gewissermassen "Gehilfen" des Tambour Majors (auch deren genaue Funktionen kann man bei Bardin nachlesen). Der Caporal Tambour sollte speziell den Tambouren des 2. Bataillons des Regiments (im Ancien Régime waren zwei Bataillone pro Regiment das übliche) bzw. den Tambourrekruten Unterricht erteilen. Obschon die Regimenter der Republik und des Kaiserreichs ja nun drei und mehr Bataillone hatten, gab es im 3e de Ligne (und auch in anderen Regimentern) bis 1811 nur einen Caporal Tambour (dürfte ein sehr stressiger Job gewesen sein). Über den Caporal Tambour des 3e de Ligne ab 1806 sagt Rigo, er sei ursprünglich bei der Grenadierkompanie gewesen, dann aber nach Eylau aus irgendeinem Grund zum gewöhnlichen Füsilier degradiert worden, 1808 wieder Caporal Tambour geworden, habe aber weiterhin den Füsiliertschako tragen müssen. Ich habe ihm deshalb wie Rigo die Uniform eines Füsiliertambours gegeben (mit Schwalbennestern, ohne Epauletten), anders aber als Rigo einen Tschako mit Pompon und Stutz anstelle eines Tschakos mit Pompon und Puschel. Diesen Stutz habe ich auch allen Spielleuten des 1. Bataillons gegeben (vgl.u.).


    Die Zahl der Spielleute entspricht dem damals gültigen Reglement, wobei hier Unsicherheiten bestehen, die ich zu berücksichtigen versucht habe.

    Jede Grenadierkompanie (1 pro Bataillon) hat 2 Tambouren, 1808 wurde ein Pfeifer pro Bataillon offiziell genehmigt und der Grenadierkompanie zugeteilt, wobei nicht klar ist, ob nun ein Tambour durch einen Pfeifer ersetzt wurde oder ob der Pfeifer zu den beiden Tambouren hinzukam. Ich habe mal die Option 2 Tambouren + 1 Pfeifer gewählt (einen Tambour weglassen kann man immer). Das ergibt also bei 3 Bataillonen insgesamt 6 Tambouren plus 3 Pfeifer. Die Grenadierspielleute des 1. Bataillons tragen Fellmützen mit Stutz (gemäss Schobert und Boersch), jene des 2. und 3. Bataillons Tschakos mit Pompon und Stutz (gemäss Schobert und Literatur).

    Jede Füsilierkompanie (4 pro Bataillon) hat 2 Tambouren, dazu habe ich jeder Füsilierkompanie einen inoffiziellen Pfeifer dazugegeben. Total also 24 Tambouren plus 12 Pfeifer. Boersch und meist auch die Literatur geben den Füsilieren um 1809/10 Tschakos mit Pompons und Puschel (franz. "houpette"). Ein Teil der Literatur gibt bestimmten Füsilieren bereits um 1809 Tschakos mit Pompon und Stutz (ab 1812 praktisch immer). Ob das der Realität entspricht, ist nicht bekannt. Ich habe mich dafür entschieden, den Füsilierspielleuten des 1. Bataillons Tschakos mit Pompon und Stutz, jenen des 2. und 3. Bataillons solche mit Pompon und Puschel zu geben.

    In jeder Voltigeurkompanie (1 pro Bataillon) sollten die 2 Tambouren durch 2 Hornisten ersetzt werden. Diese Vorgabe wurde aber oft nicht oder nur teilweise befolgt, da das Horn (cornet) ziemlich unbeliebt war, weil nur mit viel Anstrengung zu blasen und für den rennenden Hornisten in Vollmontur gesundheitsschädlich. Das 3e de Ligne soll Tambouren und Hornisten besessen haben, aber wiederum ist nicht klar, ob dies bedeutet, dass nur einer der Tambouren durch einen Hornisten ersetzt wurde oder ob - bspw. - zusätzlich zu 2 Hornisten ein Tambour beibehalten wurde. Ich habe mich für die Option 2 Hornisten (einer kann evtl. weggelassen werden) + 1 Tambour entschieden. Total: 6 Hornisten und 3 Tambouren. Die Hornisten sind ausser mit dem sabre briquet auch noch mit kurzen Gewehren und Bajonett (nicht aufgesetzt, in der Scheide steckend) bewaffnet. Das Gewehr wird unter dem Tornister getragen.


    Bildlegende Anhang (Sapeurs und Spielleute):

    Unteres Glied, von links nach rechts:
    Tambour Major, Caporal Tambour, Sergent Sapeur, 4 x Sapeur 1er Bataillon, 4 x Sapeur 2e Bataillon, 4 x Sapeur 3e Bataillon

    Zweitunteres Glied, von links nach rechts: 2 x Tambour de grenadiers, 1 x Fifre de grenadiers, 8 x Tambour de fusiliers, 4 x Fifre de fusiliers, 2 x Cornet de voltigeurs, 1 x Tambour de voltigeurs du 1er Bataillon

    Zweitoberes Glied, von links nach rechts: 2 x Tambour de grenadiers, 1 x Fifre de grenadiers, 8 x Tambour de fusiliers, 4 x Fifre de fusiliers, 2 x Cornet de voltigeurs, 1 x Tambour de voltigeurs du 2e Bataillon

    Oberes Glied, von links nach rechts: 2 x Tambour de grenadiers, 1 x Fifre de grenadiers, 8 x Tambour de fusiliers, 4 x Fifre de fusiliers, 2 x Cornet de voltigeurs, 1 x Tambour de voltigeurs du 3e Bataillon

    Anhang 3397
    Geändert von Tellensohn (27.05.2015 um 12:42 Uhr)

  2. #2
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    Teil 2: Regimentsmusik

    Die Grösse der Musikkapelle des 3e de Ligne ist m.W. nicht bekannt. Die Quellen lassen erkennen, dass die Kapellen der Linieninfanterieregimenter gewöhnlich zwischen 20 und 30 Mann stark waren, manchmal kleiner, manchmal grösser. Das 4e de Ligne bspw. soll 1804 33 Musiker besessen haben, das 69e de Ligne 1803 immerhin 28 Musiker (Memoiren des Musikers Sabon), das 93e de Ligne 1809 24 Musiker (Memoiren des Musikers Girault), nach Bommer hatten noch im Sommer 1813 alle Infanterie-und Dragonerregimenter rund 20 Mann starke Musikkorps.

    Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die zahlenmässig starken "alten" Regimenter ( die "Vieux corps" mit langer Regimentsgeschichte) relativ grosse Kapellen besessen haben. Das 3e de Ligne gehörte zu diesen Regimentern. Laut Rigo gibt es von Boersch für das 3e de Ligne nur 15 Musiker (die originalen Darstellungen von Boersch habe ich bisher leider noch nicht zu Gesicht bekommen). Aber ob das den kompletten Bestand darstellt? Wie dem auch sei, meine Kapelle ist um ein vielfaches grösser geraten, vielleicht schon etwas zu gross, denn sie umfasst nicht weniger als 40 Musiker plus den Chef (oder Maître) de musique. Mit ein Grund für die grosse Zahl der Musiker ist, dass ich einerseits von verschiedenen Instrumenten Varianten zeigen wollte, ohne andererseits die vergleichsweise hohe Zahl chorisch eingesetzter Instrumente (speziell der C-Klarinetten) zu reduzieren (zur Zusammensetzung der Kapellen in der Zeit der Republik und des Kaiserreichs vgl. u.a. Kastner, Manuel général de musique militaire).
    Ich unterscheide 24 "gagistes" (mit Degen), davon 8 "musiciens de l'état-major", d.h. etatmässige Musiker, unter ihnen der Chef de musique. Der Rest sind zusätzlich verpflichtete inoffizielle Musiker. Dazu kommen 17 "musiciens-soldats" (also Soldaten, die reglementswidrig als Musiker eingesetzt wurden) mit Säbel, die Exoten teils auch nur mit Dolch. Bommer scheint die "musicien-soldats", speziell vielleicht die, die "türkische" Instrumente spielten, als "Janitscharen" zu bezeichnen. Ob diese Bezeichnung Bommers ein in der französischen Armee gebräuchliches "Janissaires" für diese Musiker widerspiegelt (was ich für einigermassen wahrscheinlich halte) oder eher deutschem Sprachgebrauch entspricht, muss ich noch abklären.


    Bildlegende Anhang (Musikkorps; NB: die Bezeichnung der Instrumente ist im Französischen und Deutschen oft unterschiedlich und einige Instrumente werden oft zusätzlich speziell bezeichnet, oft ist der Sprachgebrauch uneinheitlich; z.B. wird manchmal ein Horn mit Drachenkopf "Buccin" genannt, dann wieder eine Posaune mit Drachenkopf, manchmal zur Verdeutlichung die Posaune "Buccin à coulisse" (Buccin mit Zug), etc.)

    Unteres Glied, von links nach rechts:
    1 x Chef de musique (mit clarinette en Fa/F-Klarinette)
    1 x Clarinette en Fa/F-Klarinette (melodieführendes Instrument; vgl. Sabon)
    7 x Clarinettes en Ut/C-Klarinetten (oft häufigstes Instrument des Musikkorps; vgl. Kastner)
    1 x Flûte traversière/Querflöte
    1 x Flûte Piccolo/Piccoloflöte

    Zweitunteres Glied, von links nach rechts:
    2 x Basson/Fagott
    2 x Hautbois/Oboe
    2 x Serpent (Bass und Tenor)
    2 x Cor naturel/Waldhorn (mit Stimmbögen)
    1 x Cor de chasse/Jägerhorn
    1 x Cor Buccin/Horn mit Drachenkopf

    Zweitoberes Glied, von links nach rechts:
    1 x Trompette/Trompete
    1 x Trompette à coulisse/Zugtrompete
    2 x Serpent droit/Basshorn (mit üblichem Schalltrichter) und "Russisches Fagott" (?) oder "Drachen-Bass" (mit drachenkopfförmigem Schalltrichter)
    2 x Trombone/Posaune (einmal mit nach hinten gerichtetem Schalltrichter, einmal mit traditionell angebrachten Schalltrichter)
    2 x Buccin à coulisse/auch (Zug-)Posaune, aber mit drachenkopfförmigem Schalltricher, verschiedene Tragweisen
    1 x Cor Tuba curva/Tuba Curva, dem römischen Cornu nachempfunden; es gab auch welche ohne Strebe)
    1 x Tambour militaire/Kleine Trommel (Militärtrommel, immer mit Schnarrsaite)

    Oberes Glied, von links nach rechts:
    1 x Cymbales/Becken
    1 x Triangle/Triangel
    1 x Tambour basque (auch Tambour turc)/ Tambourin (oder Schellentrommel), Version 1: in der einen Hand gehalten und mit der anderen Hand geschlagen
    1 x Chapeau chinois/Schellenbaum; lange Version; einige Schellenbäume sollen über einen Rotations- oder Kurbelmechanismus verfügt haben, durch den die Glöcklein zum kontinuierlichen Bimmeln gebracht werden konnten; der hier wird aber einfach von Hand auf und ab geschüttelt bzw. um die eigene Achse gedreht (bis jetzt habe ich noch keine exakte Darstellung des Rotations-/Kurbelmechanismus gefunden bzw. einen entsprechenden Mechanismus, der unzweifelhaft aus der Zeit stammt, daher hier auch nicht dargestellt)
    1 x Grosse caisse/Grosse Trommel (ohne Schnarrsaite); wurde im Gegensatz zu heute sehr tief hängend, meist mit leichter Neigung von links unten nach rechts oben getragen und (normalerweise) das obere Fell mit einem Schlegel, das untere mit einem Wischer oder Besen geschlagen
    1 x Caisse roulante/Wirbeltrommel (Rührtrommel ohne Schnarrsaite, auch "Tenortrommel"); die "caisse roulante", die häufig eine längliche Form aufweist, wird in der Literatur oft fälschlicherweise als "caisse claire" (Trommel mit hellem, lautem Klang, der Begriff ist offenbar modern) bezeichnet, die normale Militärtrommel dagegen oft als Caisse roulante. Das ist Unsinn. Bardin unterscheidet zwei Arten von "caisses": "caisse roulante" und "caisse de tambour". Letzteres bezeichnet die "Militärtrommel", die immer mit einer Schnarrsaite versehen ist und eben deshalb laut/hell klingt (muss sie ja auch, damit man sie gut hört). Auf sie würde der moderne Begriff "caisse claire" in der Tat zutreffen. Die "caisse roulante" dagegen klingt dumpf, da keine Schnarrsaite vorhanden ist, und sie weist eine reduzierte Verschnürung auf. Bardin sagt, dass sie nur in den Militärkapellen gebräuchlich ist, als "basse" (akustischer Bass), und von der Form her wie eine Militärtrommel oder länglich aussieht (vgl. Carle Vernets Illustrationen zu Bardins Uniformenprojekt; da sieht man auf demselben Bild eine "grosse caisse" und eine "caisse roulante". Beide haben sie keine Schnarrsaiten)
    1 x Chapeau chinois/Schellenbaum; diesmal eine kurze Version, von farbigem Musiker getragen
    1 x Tambour basque (auch Tambour turc)/ Tambourin (oder Schellentrommel), Version 2: Trommel mit Griff und mit Schlegel geschlagen, hier von einem farbigen Musiker getragen
    1 x Jeu de timbres (oder timbre d'harmonie)/Glockenspiel, hier von einem farbigen enfant de troupe gespielt
    1 x Cymbales/Becken, hier von einem orientalischen Musiker geschlagen

    Anhang 3402
    Geändert von Tellensohn (21.03.2015 um 11:03 Uhr)

  3. #3
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    Teil 3: Formation

    Was die Formation der Tête de colonne während des Defilierens angeht (im Marsch, nicht wenn sie während des Vorbeimarschs der übrigen Truppe gegenüber einer die Parade abnehmenden Person positioniert ist), besteht m.E. einige Unklarheit. Meine Formation stellt auf jeden Fall nur eine Annäherung dar und ist idealisiert, das ist mir klar. Aber wie gesagt, hier und heute bin ich der Regimentskommandeur ...

    Nach Bardin war spätestens im Kaiserreich die Abfolge Sapeurs - Tambour Major - Spielleute - Musiker üblich. Es gibt aber auch Darstellungen, die immer noch die im Ancien Régime übliche Abfolge zeigen (Musiker vor Tambouren).

    Die Sapeurs marschierten nach Bardin in Linie zu zwei Gliedern, der Caporal Sapeur rechts neben dem 1. Glied der Sapeurs des 1. Bataillons. Meine Sapeurs marschieren also provisorisch in Linie zu zwei Gliedern, jene des 1. Battalions jeweils rechts (2 vorn, 2 hinten), jene des 2. in der Mitte, jene des 3. links (jeweils 2 vorn, 2 hinten), der Sergent Sapeur rechts vom 1. Glied.

    Dahinter der Tambour Major.

    Dahinter - ganz provisorisch - jeweils in Linie zu zwei Gliedern die Spielleute eines jeden Bataillons. Da ich mich bei den Grenadieren und Voltigeurs für die Option 2 + 1 entschieden habe, ergibt sich die Zahl 18 pro Bataillon. Die Option 1 + 1, also 16 pro Bataillon liesse sich systematischer aufstellen. Aber was soll's. Bardin sagt, dass bei manchen Regimentern die Tambouren im ersten Glied stehen und die Pfeifer dahinter (um sie zu "verstecken" , da meist inoffiziell?), was eine Unsitte sei. Die Pfeifer gehörten vor die Tambouren. Ich folge jetzt mal Bardins Anweisung so gut es geht und stelle provisorisch ins jeweils erste Glied eines jeden Bataillons (von rechts) 1 Grenadiertambour, 1 Grenadierpfeifer, 4 Füsilierpfeifer, 2 Voltigeurhornisten, 1 Voltigeurtambour; ins zweite Glied 1 Grenadiertambour, 8 Füsiliertambouren (bei 16 Mann ginge es schöner: ins erste Glied 1 Grenadiertambour, 1 Grenadierpfeifer, 4 Füsilierpfeifer, 1 Voltigeurhornist, 1 Voltigeurtambour; ins zweite Glied 8 Füsiliertambouren). Der Caporal Tambour marschiert rechts neben dem 1. Glied der Spielleute des 2. Bataillons.

    Nach Bardin marschierte der Chef de musique bei grösseren Militärkapellen "en tête et hors", also an der Spitze und ausserhalb des Musikkorps. Wie das genau zu interpretieren ist, bleibt m.E. offen. Rigo sieht den Chef de musique links vom 1. Glied der Musiker. Keine Ahnung, woher er das hat. Ich bilde mir ein, ein rechts und vor dem Musikkorps marschierender Chef de musique würde seine Musiker an dieser Position am besten überblicken und von ihnen am ehesten gesehen werden. Daher habe ich ihn vorne rechts vor dem Musikkorps Aufstellung nehmen lassen. Er hat keinen Dirigentenstab (damals nicht üblich), sondern benutzt zum Dirigieren seine Rechte, allenfalls sein Instrument - in diesem Fall eine kleine F-Klarinette, die er unter den linken Arm geklemmt hat (Chefmusiker spielten aber auch andere Instrumente, die sich zum Dirigieren nicht eigneten, so z.B. das Fagott [ein Chefmusiker des 69e de Ligne; nach dem Zeugnis Sabons]). In der Linken hält er ausserdem ein kleines Notenbüchlein.


    Dahinter in Linie zu vier Gliedern à 10 Musikern das Musikkorps.


    Und noch ein letzter Hinweis: Nach Bardin war es im Ancien Régime üblich, dass Spielleute (Tambouren) zusammen mit der Musik spielten. Das sei jetzt anders. Spielleute und Regimentsmusik wechselten sich ab. Nun, allein schon die Memoiren Coignets zeigen, dass auch in diesem Bereich nicht alles so eindeutig war. Bei Austerlitz spielten Tambouren und Musiker zusammen...Wie dem auch sei. Meine Spielleute und Musiker spielen gemeinsam. Das hab ich so verordnet...


    Anhang: Defilierende Tête de colonne, provisorische Formation

    Anhang 3403
    Geändert von Tellensohn (05.12.2014 um 07:42 Uhr)

  4. #4
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    @Tellensohn,

    meinen Respekt für die investierte Arbeit, sowohl in Recherche und Rekonstruktion,
    wie in die Figurenumbauten.

    Jörg
    The light at the end of the tunnel
    is from an oncoming train.

  5. #5
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    Hallo Jörg,

    Vielen Dank für die anerkennenden Worte. Ich hoffe, dass ich irgendwann auch für die Bemalung und Aufstellung der Figuren in einem kleinen Diorama Zeit finde. Eigentlicher Antrieb für die Rekonstruktion dieser Tête de colonne in 1/72 war mein jahrelanger Frust darüber, dass sich bisher kein Hersteller bemüht - oder getraut - hat, auch mal so was zu produzieren. Speziell vor Regimentsmusiken scheinen sie eine Heidenangst zu haben. Am nächsten kam eine metallene Gardemusik von Minifigs (S Range) aus den frühen 70ern, glaube ich. Aber die hat ihre Mängel (zu kaufen gibt es sie ohnehin schon längst nicht mehr). Wenige andere Hersteller haben auch eine Handvoll Musiker hergestellt (teils ganz brauchbar, teils hanebüchen), aber keine ganzen Musikkorps. Ich denke, ich wollte einfach mal zeigen, dass man könnte, so man wollte.

    Gruss, T.
    Geändert von Tellensohn (05.12.2014 um 13:42 Uhr)

  6. #6
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    Sehr schöne Zusammenstellung, Tellensohn ... hast Du nicht Lust, für die Homepage einen kompletten Artikel über die Regimentsmusik französischer (Linien-) Infanterieregimenter zu erstellen? Das kann gerne zu Beginn die Organisation & Aufstellung sein, das weite Feld der Uniformierung kann natürlich auch gerne sukzessive erarbeitet werden

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  7. #7
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    Standard Und wieder ging der Schuss nach hinten los...

    Verflixt, da hab' ich doch diesen Thread eröffnet nicht zuletzt in der Hoffnung, irgendwelche professionellen Figurenhersteller zur Anfertigung von Musikerfiguren verleiten zu können, um mir und anderen Interessierten das mühselige Zusammenwursteln von ebensolchen und damit (nebst blutigen Fingern) Mehrarbeit in Zukunft ersparen zu können (s. Anhänge), schon will man mich stattdessen in die Pflicht nehmen und (nebst zu potentiellen Gichtfingern) zu noch mehr Mehrarbeit verdonnern...

    Aber jetzt mal ernsthaft:

    @Admin

    Vielen Dank für die Blumen, Markus. Lust hätt' ich ja schon, bloss fehlt mir gegenwärtig einfach die Zeit. So ein Artikel müsste ja schon gründlich erarbeitet und annotiert, idealerweise auch umfangreich bebildert werden. Zur Zeit für mich definitiv kein Thema. Würde aber gerne Dein Angebot im Hinterkopf behalten und zu einem günstigeren Zeitpunkt allenfalls darauf zurückkommen.

    Beste Grüsse, T.

    Anhang 3404 Anhang 3405

  8. #8
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Respekt, das ist echt der Hammer! Jetzt weiß ich auch, wer die ganzen Figuren weggekauft hat, allein wegen der Stutze Wieso setzt du dich nicht einmal mal mit Francesco Messori in Verbindung? http://www.franznap.com Er arbeitet sonst nur mit den Besten zusammen.

    Grüße

    Gunter

  9. #9
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    Zitat Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen

    Vielen Dank für die Blumen, Markus. Lust hätt' ich ja schon, bloss fehlt mir gegenwärtig einfach die Zeit. So ein Artikel müsste ja schon gründlich erarbeitet und annotiert, idealerweise auch umfangreich bebildert werden. Zur Zeit für mich definitiv kein Thema. Würde aber gerne Dein Angebot im Hinterkopf behalten und zu einem günstigeren Zeitpunkt allenfalls darauf zurückkommen.

    Beste Grüsse, T.
    Hi Tellensohn,

    lass Dir Zeit - ich kenne das ja selbst mit den vielen Plänen; ich habe bspw. davon geträumt (und träume immer noch) die Große Armee, bzw. die darin beteiligten Truppen, in Figuren (jetzt wegen der Augen in 28mm) darzustellen. Aber Ziele muss man ja haben.

    Jedenfalls würde ich - und ich bin sicher auch zahlreiche andere Nutzer auch - mich über eine fundierte Abhandlung zu den Tetes de colonnes freuen. Melde Dich einfach, wenn erste Teile veröffentlichungswürdig sind.

    Bis bald
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  10. #10
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    @Gunter

    Danke Gunter

    Auch wenn ich reichlich Voltigeurköpfe, -tschakos und -stutze verwendet habe (so viele waren's nun auch wieder nicht), für das Verschwinden des Zvezda-Sets 8042 bin ich nicht verantwortlich (am meisten habe ich Zvezda 8030 und Italeri 6092 benötigt), das ist allein das Verdienst des Herstellers. Der tut ja inzwischen sein Möglichstes, damit der Massstab 1/72 bald zu Grabe getragen werden kann...

    Tja, Francesco Messori ist ein natürlich ein richtiger Modelleur. Weiss nicht, ob er in diesem Forum auch angemeldet ist. Falls ja, kann er ja sehen, was ich so gemacht habe. Wenn er in der Richtung professionell was machen will, liegt es an ihm, die Initiative zu ergreifen. Ich kann eigentlich nur sagen: "Jetzt mach mal, alter Schwede, du packst das schon!". Dank Internet stehen heute eigentlich jedem alle möglichen Informationen zur Verfügung, man muss nur die richtigen Stichwörter eingeben. Schnell wird man aber auch erkennen, dass trotz Informationsflut manche Fragen nicht rundum zufriedenstellend zu beantworten sind. Der Teufel steckt halt im Detail. Nicht mal zu den bestdokumentierten Musikern der Gardegrenadiere gibt es vollständige und widerspruchsfreie Angaben. Da muss man sich dann halt zu Entscheidungen durchringen, die einem keiner abnehmen kann. Soweit möglich, stehe ich natürlich gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

    Würde mich im Modellieren vielleicht sogar selber mal versuchen, wenn ich noch jünger wäre und nicht anderweitig noch allzu vieles zu erledigen hätte (wie schon des öfteren moniert: tempus fugit). Unter den gegebenen Umständen, so fürchte ich, werde ich wohl ein dilettantischer Bastler bleiben müssen, wenn auch einer mit einem gewissen Hintergrundwissen die Quellen betreffend und - so hoffe ich - einem Auge für passende Figuren und die richtigen Proportionen. 3D-Drucktechnik ist auch ein interessanter neuer Bereich, den ich nicht verstehe und Jüngeren überlassen muss. Die umgebauten Figuren einfach scannen und drucken wäre schön, ginge ja leider aber sowieso nicht, weil sie nicht zu 100% auf meinem Mist gewachsen sind.


    Grüsse, T.

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