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Thema: Napoleonische Gardes d'honneur

  1. #11
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    Ein sehr schönes Buch über die Garde d'Honneur ist >De Nederlanders in Napoleons Garde d'Honneur< von W.F.Lichtenauer, 1971 erschienen. Darin findet man auch sehr schöne farbige Abbildungen aus das Tagebuch einer dieser Garden. Das Studium ist sehr ausführlich, was wohl möglich war, weil so viele Dokumenten (Briefe, Tagebücher) erhalten sind in diese "gegoede" Familien.


    bataaf.

  2. #12
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    @Jules Salmo

    Des Kapitäns Kaufmann Stiefsohn Kopp aus Koblenz war auch dabei.
    Röhrig war zu dieser Zeit Sergent - Major einer Voltigeur Kompanie im 150e de ligne - aber der Stiefsohn des Kapitäns war bei den GdH

  3. #13
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    Kurzer Abriss der Geschichte der 4 Regimenter.
    Nach dem Russlandfeldzug reorganisierte Napoleon seine Armee, wobei der Ersatz der untergegangenen Kavallerie das größte Problem darstellte. Aus diesem Grund suchte Napoleon nach immer neuen Quellen an "Humanmaterial", welches möglichst kostengünstig die Lücke in der berittenen Truppe schließen sollte. Ein großes unerschlossenes Reservoir waren der alte Adel, sowie die Söhne der Beamtenschaft und des begüterten Bürgertums. Napoleon packte diese Personengruppe bei der Ehre und erwartete, dass aus diesen Kreisen vier Regimenter leichter Kavallerie aufgestellt wurden, welche sich idealerweise auf eigene Kosten kleiden und bewaffnen sollten. Um die Entscheidung für diese Truppe zu erleichtern, wurden diese Regimenter Bestandteil der Kaisergarde (ich meine sogar, der Mittleren Garde, weiß es aber nicht genau).
    1806 / 1807 gab es einen ähnlichen Ansatz mit den Gendarmes d'Ordonnance, allerdings mit dem Unterschied, dass diese Truppe nur für einen Feldzug Bestand haben sollte und die Angehörigen nach Ablauf dieses Feldzugs das Offizierspatent für die reguläre Armee erhalten konnten (was auch in größerem Umfang angenommen wurde).
    Zurück zu den 4 Regimentern von 1813 / 1814. Jedes Regiment rekrutierte sich aus Einwohnern bestimmter Militärdivisionen, womit ein regionaler Zusammenhang und ggf. auch ein gewisser sozialer Druck ausgeübt werden konnte. Da der gleiche Personenkreis auch häufig die lokalen Ehrengarden stellte (rein repräsentative Einheiten, welche anlässlich Hohen Besuchs, oder zu bestimmten Feierlichkeiten zusammentraten), ergeben sich hier gewisse Überschneidungen zwischen beiden Formen der Ehrengarden.
    Es finden sich etliche Fälle von eher erzwungener "Freiwilligkeit", ebenso waren auch nicht alle Soldaten Angehörigen der begüterten Klasse und konnten sich somit selbst kleiden und rüsten, sondern es wurden auch Gardisten von den Gemeinden gestellt und aus der Gemeindekasse die Kosten bestritten.
    Ab 1814 fanden sich viele Ehrengarden in einem Cordon entlang der Rheins in belagerten Städten wieder, z. T. mit der Aufgabe, die lokalen Nationalgarden im berittenen Dienst zu unterrichten, bzw. um während der Belagerung ein berittenes Element zur Aufklärung zur Verfügung zu haben. Im Martinet (Verlustliste der Offiziere) findet sich ein Capitaine sowohl im 4. Rgt., als auch in der Landauer Nationalgarde wieder.
    Trotz dieses weitgehend unmilitärische Hintergrunds der Soldaten (die Offiziere, Trompeter und Unteroffiziere entstammten zu einem großen Teil der Kaisergarde) schlugen sie sich doch recht wacker, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie sich als Angehörige der Kaisergarde fühlten (und auch waren).

  4. #14
    Avatar von Gunter
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    Ich weiß leider auf die Schnelle nicht mehr wo das zu lesen war, aber der "freiwillige" Eintritt in die Ehrengarderegimenter war die letzte Eskalationsstufe, nachdem man alle Möglichkeiten der Befreiung vom Militärdienst ausgeschöpft hatte. Da ist schon deutlicher Druck ausgeübt worden. Zur Mittleren Garde dürften die meiner Ansicht nach nicht gehört haben. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten die beiden Füsilierregimenter der Garde zur Mittleren Garde. Diese hatten früher eine ähnliche Funktion bei der Infanterie gehabt, d.h. Söhne begüterter Familien an die Armee und den Kaiser zu binden, da gehörten sie aber noch zur Jungen Garde. Das Konzept wurde dann auch aufgegeben, wahrscheinlich erhielten sie ihren Ersatz dann einfach von den anderen Einheiten der Jungen Garde, spätestens als sie Mittlere Garde wurden.

    Grüße

    Gunter

  5. #15
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    Soviel ich weiss, gibt es keinen formellen Beleg dafür, dass die Ehrengarden zur Garde gehörten (Mittlere, Junge, was auch immer...) . Sicher ist nur, dass sie der Garde angeschlossen waren. Unter Historikern scheint man sich nicht wirklich einig zu sein, ob sie deshalb auch schon ganz offiziell Bestandteil der Garde waren. Tulard sagt, dass sie "firent partie intégrante de la cavalerie de la Garde impériale", und dass es für die jungen Leute, die in sie eintraten, "une affectation dans la Garde impériale" gab (Dictionnaire Napoléon). Pigeard (im Vorwort zu einem Artikel von Croyet) schreibt: "Eurent-ils l'honneur de faire partie de la célèbre Garde impériale ou furent-ils des Gardes d'honneur de l'Empire? Nous seront tentés de répondre par la négative à ces deux questions et pourtant ces régiments furent les deux en même temps, ou presque. Gardes d'honneur, faisant partie de la Garde impériale, la question est débattue et discutée depuis longtemps. A ce jour, nous n'en avons pas la preuve formelle émanant d'une source écrite indiscutable; tout au plus, comme diraient les juristes, un commencement de preuve par écrit..." (http://assosehri.fr/labibliothequesc...-d-honneur.pdf).

    Also Zugehörigkeit zur Garde aufgrund eines "Anscheinsbeweises" ("commencement de preuve") als einigermassen sicher erachtet, aber nicht durch ein offizielles Dokument (Erlass, Verfügung, o.ä) bestätigt?
    Geändert von Tellensohn (30.11.2015 um 13:36 Uhr)

  6. #16
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    Der Befehl, daß die Ehrengarden fortan der Kaisergarde zuzurechnen seien, stammt vom 29, Juli 1813:

    https://books.google.de/books?id=nxQ...q=incertitudes

  7. #17
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    Standard Émile Marco de Saint-Hilaire

    Nun ja, Marco de Saint-Hilaire schreibt: "...Deux jours après (le 29) un second ordre les réunit à la Garde impériale..."

    Und im zitierten Befehl heisst es:"..., les gardes d'honneur feront désormais partie de ma Garde,..."

    Das kann man so auslegen, dass die Ehrengarden offiziell Teil der Garde wurden, man kann es aber auch als informelle Angliederung an die Garde interpretieren. Ich weiss nicht, was zutrifft. Ist mir auch wurscht.

    Interessant jedenfalls, was bei Saint-Hilaire sonst noch steht:

    "Nous transcrirons textuellement cet ordre encore manuscript, pour bien établir le rang que tinrent les gardes d'honneur dans l'armée et fixer les incertitudes de beaucoup de monde à cet égard, et plus particulièrement celles d'un grand nombre d'officiers de la vieille armée."


    Dass offenbar viele Offiziere der ehemals kaiserlichen Armee eine - zumindest offizielle - Eingliederung der Ehrengarden in die Garde anzweifelten, ist ja doch bemerkenswert. De Saint-Hilaire hält deren Zweifel einen angeblichen Befehl Napoleons entgegen, der aber offenbar nur in handschriftlicher Form existiert hat (haben soll). Eine genaue Herkunftsangabe bzw. einen Hinweis darauf, welche amtliche(?) Stelle das Papier aufbewahrt bzw. wo er es gefunden hat (haben will), fehlt auch. Oder hab ich da was übersehen?


    Tja, und da kommt dann wieder einmal die Frage nach der Zuverlässigkeit de Saint-Hilaires auf, der meines Wissens schon zu seiner Zeit als Schwätzer und Aufschneider galt, der gerne Fakten mit Fiction vermischte und auch mal das eine oder andere in seinem Sinne zurechtbog oder gar neu erfand. Zumindest für seine Angaben betreffend die "Märsche und Fanfaren der Kaisergarde" kann ich das bestätigen. Da werden fröhlich gut bezeugte authentische Stücke mit solchen vermengt, für deren Existenz es überhaupt keine zeitgenössische Quellen gibt. Die in seiner von 1847 datierten "Histoire..." aufgeführten Notationen sind typischerweise allesamt keine Originalpartituren, sondern von einem Alex. Soria (whoever he may be) "arrangiert" (und - so sieht's leider aus - exakt diese "Arrangements" sind dann von den Humbahumbatätärä-Bands des 20. Jahrhunderts für "moderne" Blasmusik "zurückarrangiert" worden. Da kann man sich ja denken, was dabei rauskommt...).

    De Saint-Hilaire geht zum Teil recht subtil vor. Z.B. führt er Stücke an, deren Namen zwar in zeitgenössischen Quellen auftauchen, für die aber das zeitgenössische Notenmaterial gar nicht überliefert ist.

    Das gilt z.B. für die "Regimentsmärsche" "La Grenadière", "La Carabinière", "Le Branle-bas des Marins de la Garde".

    Oder er verwendet Hinweise in der Art, dass die Einheit X in der Schlacht Y zu einem Marsch Z vorgegangen sei, so, dass er daraus einen ganz neuen Marsch kreiert. Beispiel: "Marche de la Garde consulaire à Marengo". Es fängt schon mal damit an, dass das ein Angriffsmarsch sein soll, bei ihm kommt der aber als langsamer Marsch im Viervierteltakt daher. Das ist schon deshalb unglaubwürdig, weil Tempo und Zweck des Marsches inkompatibel sind. Wie gesagt, keine zeitgenössische Melodie erkennbar. Das Ganze wird oft etwas "aufgepeppt", indem bekannte zeitgenössische Melodien in schnellerem Tempo als Trio eingefügt werden (jedenfalls von den "Traditionalisten" der Garde Républicaine u.a. so gehandhabt), im vorliegenden Fall jene Melodie, die bei Marengo vermutlich (und bei Austerlitz sicher, begleitet vom schnellen Trommelsignal "La Charge") tatsächlich gespielt wurde, nämlich "On va leur percer le flanc". Der Rest ist frei erfunden bzw. es wird dem angeblichen Komponisten Guiardel (ein kurzzeitig tatsächlich existierender Chef de musique der Konsulargarde) untergejubelt, er habe die ersten drei Takte der "Marche de la Garde consulaire à Marengo" dem Requiem von Jean Gilles (welches von 1700 datiert!) entnommen, was beweise, wie gebildet der betreffende chef de musique gewesen sei (so O-Ton eines Musée de l'Armée-Schreiberlings in einem "Spezialheft" des Museums über die Militärmusik). Na,"gebildet" dürften da vor allem die gewesen sein, die nachträglich aus dem einfachen "On va leur percer le flanc" einen (übrigens äusserst langweiligen) "Marche de la Garde consulaire à Marengo" konstruiert haben. Und wieder: Ein Marsch aus einem Requiem (Trauermarsch!) als Angriffsmarsch der Konsulargarde bei Marengo... Da hat scheinbar alles Denken ausgesetzt.

    Ein weiteres Beispiel für so einen Fake- Marsch ist "La Marche des bonnets à poil". Wieder ein langsamer Langweiler-Marsch, dem man als Trio "La Victoire est à nous" beigegeben hat. So wirkt doch alles viiieeel authentischer...

    Oder: "La Marche de la Vieille Garde à Waterloo", der auf Melodien aus Spontinis "Fernand Cortez" basieren soll. Mit Verlaub, ich bin zufällig mit den Melodien dieser Oper vertraut und auch wenn ich als Nichtmusiker nicht das absolute Gehör habe, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich da keinen Spontini höre (anders als etwa bei einer Reihe von Märschen, die in der Königlich Preussischen Armee-Marsch-Sammlung enthalten sind, und bei denen zurecht darauf hingewiesen wird, dass sie auf einschlägigen Melodien aus Spontinis Oper beruhen). Ich zweifle, wohlgemerkt, keinen Moment daran, dass bei Waterloo ein Marsch oder Märsche basierend auf Spontinis Melodien gespielt wurde(n), aber so, wie bei de Saint-Hilaire präsentiert, hat er/haben sie mit Sicherheit nicht geklungen.

    Die Liste liesse sich noch verlängern.


    Ein weiterer unsauberer Trick de Saint-Hilaires besteht darin, berühmte Komponisten als angebliche Komponisten bestimmter Märsche anzuführen. Beispiel: "La Marche des Pupilles de la Garde". Komponist sei Cherubini, der Marsch sei 1811 während eines Aufenthalts Cherubinis bei der Königin von Holland, Hortense de Beauharnais, entstanden. Tatsache ist, kein seriöses Verzeichnis der Werke Cherubinis, einschliesslich des von ihm selbst angefertigten, kennt einen "Marche des Pupilles de la Garde". Weiter ist nicht bekannt, dass Cherubini jemals die Königin von Holland getroffen hätte, die übrigens 1811 nicht mehr Königin war.

    Hier übrigens ein Link zu einem interessanten Artikel von Francis Pieters zu den tatsächlich von Cherubini komponierten Märschen und auch zu seinen Aufenthaltsorten während des Kaiserreichs...(http://www.igeb.net/pdf/MBlatt/MBlatt2013-2.pdf, S.32-37; sehr interessant die beigefügten Abbildungen: diverse Partituren von Märschen und eine von Cherubini selber angefertigte Darstellung der Janitscharen-Kapelle [des Fürsten?] von Chimay, deren Zusammensetzung im wesentlichen genau der einer durchschnittlichen Regimentskapelle jener Zeit entspricht).

    Ich frage mich, wann endlich auch in Frankreich seriöse Musikhistoriker ans Werk gehen, um dem von Garde Républicaine und Anverwandten, in der Folge leider auch von sonst sehr gut informierten Historikern, fröhlich weiter verbreiteten Traditionalisten-Humbug (der seinerseits, so scheint es, seinen Ursprung in der "Quelle" Marco de Saint-Hilaire hat) das längst verdiente Ende zu bereiten...



    Der Nicht-Historiker, sondern Schriftsteller und Feuilletonist Marco de Saint-Hilaire: Für mich ganz allgemein eine dubiose Figur, die ich nicht wirklich als zuverlässige Quelle zu akzeptieren vermag und die meiner Meinung nach sehr viel - zu viel - Schaden angerichtet hat in der Forschung, bis in die heutige Zeit.
    Geändert von Tellensohn (29.11.2015 um 16:29 Uhr)

  8. #18
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    Der Befehl, daß die Ehrengarden fortan der Kaisergarde zuzurechnen seien, stammt vom 29, Juli 1813:
    Hier wird sich ja auf einen Befehl Napoleons berufen, der müßte in der Correspondance de Napoléon Band 25 zu finden sein

  9. #19
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    Im Artikel von Croyet findet sich ein Hinweis auf ein möglicherweise von Saint-Hilaire unabhängiges Dokument zum angeblichen Befehl vom 29. Juli 1813. Von wann es datiert (zeitgenössisch oder später kompiliert? Im letzteren Fall: vor oder nach Saint-Hilaire/1847?) und was da genau drin steht, weiss ich leider nicht. Vielleicht hat ja jemand Lust, nachzuforschen. S.57, Anm.229: S.H.A.T. Xab 55 - wobei diese Signatur in der Bibliographie zum Artikel, S.75, seltsamerweise nicht aufgeführt wird. Dort findet sich lediglich: Service Historique de l'Armée de Terre XAB 53-XAB 54 (?).
    Geändert von Tellensohn (30.11.2015 um 14:07 Uhr)

  10. #20
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    Zitat Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
    Hier wird sich ja auf einen Befehl Napoleons berufen, der müßte in der Correspondance de Napoléon Band 25 zu finden sein
    Wenn ich das richtig sehe, findet sich da nichts. Die Einträge zum 29. Juli 1813 finden sich auf S.601-604. Die Gardekavallerie und Lobau werden im Eintrag 20316. (S.602f.) erwähnt. Nichts zu den Ehrengarden.

    http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt...f612.item.zoom

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