Aus "Auf dem Weg zur Völkerschlacht - Sachsen in Russland 1812" diese Textpassage:
Seit dem 1. Dezember herrschte eisige Kälte, weit unter zehn Grad Celsius und trotzdem gelang es Reynier, seine Truppen wenigstens mit dem Notwendigsten zu versorgen, das zum Überleben erforderlich war. Die Weihnachtstage verliefen unspektakulär, jeder war mit seinen Gedanken in der Heimat und hatte die Hoffnung, diese auch wieder zu sehen. Das, was wirklich etwas Besonderes war, wurde aufgetragen. In der Regel war es der kostbar gewordene Branntwein, den sächsische Offiziere mit ihren Soldaten teilten und dabei Gedanken nachhingen wie: „Heute ist Weihnachten. In Sachsen werden sie Butterstollen essen und Kaffee dazu trinken. Wir laben uns an Kommissbrot und dem verbliebenen Branntwein.“ Provisorische Christbäume wurden eine Vielzahl errichtet. Aus den Berichten der Überlebenden ist zu entnehmen, wie sich der Alltag mit den Geschwächten gestaltete. Die gebauten Schlitten erleichterten den Transport ungemein, der wohl einzige Vorteil von Kälte und Schnee. Die Kranken wurden aufgeladen und über den Tag gezogen. Die Mehrzahl starb bei diesen Transporten. Im neuen Quartier angekommen, wurden die Hilfsbedürftigen in Häuser gebracht, die Toten aufgeschichtet und mit Stroh bedeckt. Diese blieben liegen, wenn der Marsch am Folgetag weiter ging. An eine Beerdigung war nicht zu denken, weil der Frost den Boden steinhart werden ließ. Tragisch endete der Dezember für 53 sächsische Soldaten, die in den Kämpfen im November so schwer verwundet oder später erkrankt waren, dass sie nicht weiter transportiert werden konnten. Sie mussten den Russen in deren Obhut übergeben werden. Die Wahrscheinlichkeit dürfte sehr hoch gewesen sein, dass kaum einer von ihnen das Frühjahr erlebte. Das Jahr 1812 ging zu Ende.