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Thema: Eingliederung der Musspreußen 1815

  1. #1
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    Standard Eingliederung der Musspreußen 1815

    Salut,

    verfügt jemand über Literatur/Quellen über die Eingliederung der 1815 an Preußen abgetretenen Soldaten der regulären sächsischen Armee. Mir ist bisher nur bekannt, dass das 12. Husarenregiment seinen Stamm auf die sächsischen Husaren zurückführen kann und dass die Masse der Truppen dem IV. Korps zugeteilt wurde. Aber welchen Regimentern?

    Beste Grüße

  2. #2
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    In Das preußische Heer der Befreiungskriege, Bd. 3, S. 162 bis 165, stehen Details zur Verteilung.

  3. #3
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    Auf S. 162 gibt es übrigens einen Fehler: Die ehemals sächsischen Kürassiere kamen zum preußischen 4. Kürassier-Regiment. Sie trafen am 14. September 1815 beim Regiment in Fourgères ein, 150 Mann stark, scheinen sich aber nicht wohl gefühl zu haben: "Sie kommen in die Kaserne. Förmliche Empörung, in der Nacht zerschlagen sie alle Fenster und Geschirre, der Gehorsam wird am folgenden Mittag wieder hergestellt." Sie wurden dann "gleichmäßig auf die drei alten Eskadrons vertheilt und demnächst durch Abgaben die 4. Eskadron in der Weise formirt, daß sie zu drei Vierteln aus altpreußischen und zu einem Viertel aus sächsischen Kürassieren bestand".

    (von Mutius, Jugend Mutius, S. 306, und Hiller v. Gaertingen & Schirrmeister, Geschichte Kürassier-Regiments Nr. 7, S. 12)

  4. #4
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    Hier der Auszug aus der Geschichte der Preußischen Armee, herausgegeben vom Generalstab, den Oli meinte.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
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  5. #5
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    Hier noch eine Wiedergabe der AKO vom 21. Juni 1815:

    Bestimmung über die in diesseitige Dienste übernommenen sächsischen Truppen. Cab. Ord. vom 21ten Juni 1815.

    1. Die bei der Trennung der Sächsischen Truppen, in Meinem Diente übergehende Infanterie, soll bei den Ersatz Batailonen vertheilt, u. zur Ergänzung der Armee verwendet werden. Diese Bestimmung findet auch auf die Leute der Sächsischen Garde und Grenadier Bataillone Anwendung. Bei guter Führung solle sie zuerst, und zwar zu den Garden und Grenadier Regimentern ausgezogen werden.

    2. Die Leute des sächsischen Jägerbataillons, des Banners, der freiwilligen Sachsen, vereinigen sich mit den Jäger Compagnien der vormals deutschen Legion, zu einem Bataillon.

    3. Von der Cavallerie gehen die Leute u. Pferde zum Kuirassier Regiment No. 4 über. Die Ulanen werden getheilt, u. stoßen zu Hälfte zu den Hellwigschen Schwadronen, wodurch das 7te Ulanen Regiment gebildet wird. Die andere Hälfte wird zur Verstärkung des neu errichteten 4ten Ulanen Regiments benutzt.

    4. Der Stamm des 12 Husaren Regiments, soll aus den Landwehr Cavallerie Regimentern des 5ten u. 6ten Armee Corps ausgezogen u. errichtet werden.

    5. Die nicht zum Felddienst brauchbaren Leute und Pferde, gehen zu den Reserve-Schwadronen der Regimenter über.
    Sie wurde bezüglich der Kavallerie mit einer Kabinetts-Ordre vom 6. August 1815 modifiziert, die dem nachstehenden Vorschlag Blüchers vom 8. Juli 1815 folgte:




    Euer Königliche Majestät haben mir, theils Allerhöchst Selbst durch die Cabinets-Ordre vom 20. v. Mts. [Juni 1815] bekannt gemacht, theils durch das Kriegsministerium unter'm 23. ejusdem [Juni 1815] bekannt machen lassen, auf welche Art die von der Sächsischen Armee Preußisch gewordenen Mannschaften in den Regimentern vertheilt werden sollen.

    Ich erkenne es mit dem allertiefsten Danke, daß Eure Königliche Majestät bei diesen Bestimmungen meine früheren Vorstellungen allergnädigst berücksichtigt haben, muß es aber demungeachtet wagen, gegen diese Bestimmungen hinsichts der Sächsischen Kavallerie allerunterthänigst Fürbitte zu thun. Nachdem diese Kavallerie sich nämlich am 16. v. Mts. [Juni 1815] unter der Anführung des Oberstlieutenants von Czettritz von den sächsisch verbliebenen Mannschaften getrennt hatte, konnte sie nach unserer verlornen Schlacht zögern, sich mit dem 3. Armee-Corps zu vereinigen, um an den Schicksalen geschlagener Truppen nicht Theil nehmen zu dürfen, sie eilte aber vielmehr diese Vereinigung zu bewerkstelligen und gelang es ihr so an den Gefechten des 3. Armee-Coprps bei Wauke und Namur den thätigsten Antheil zu nehmen. Nach dem Zeugnisse des General-Lieutenants von Thielemann sowohl, als des Brigadiers und der Commandeure der Reserve-Kavallerie hat sich die Sächsische Kavallerie durch Thätigkeit und Tapferkeit ausgezeichnet und hat dadurch allerdings auch zu den glücklichen Erfolgen dieses Krieges beigetragen, sie hat demnach auch meiner Ueberzeugung nach ein größeres Recht, ein selbständiges Ganze zu bleiben als irgend ein Kavallerie-Regiment des 5. und 6. Armee-Corps, aus welchen jetzt die beiden Linien-Regimenter formirt werden sollen.

    Ew. Königlichen Majestät darf ich es unter solchen Umständen allerunterthänigt anheimstellen, ob nicht nach der ersten Bestimmung jetzt aus den Husaren und Ulanen 2 Regimenter gebildet und mit den letztern die Hellwig'schen Escadrons zur Formation des 7. Ulanen-Regiments vereinigt werden könnten. Das Husaren-Regiment würde sodann durch 2 vollständige Escadrons der Landwehr-Kavallerie-Regimenter des 5. und 6- Armee-Corps complettirt werden können, worauf sodann noch einige Mannschaften für die Reserve-Escadrons übrig bleiben.

    Wenn Allerhöchstdieselben diesen meinen allerunterthänigsten Vorshlag genehmigen wollten, so würde ich jetzt im Stande sein, die Regimenter hier auf feindlichen Kosten uniformiren zu lassen, daher ich submittiren muß, die neu zu formirenden Husaren-Escadrons hierher zu dirigiren.

    Die sächsischen Offiziere, welche wohl vorzüglich das gute Benehmen der sächsischen Kavallerie veranlaßt und den dringenden Wunsch geäußert haben, mit ihren Leuten vereinigt zu bleiben, verdienen auch wohl die Gewährung ihrer Bitte, daher ich dieselbe Ew. Königlichen Majestät zur allergnädigsten Berücksichtigung erfurchtsvoll empfehlen darf. Die sächsische Cürassier-Escadron hatte den Befehl erhalten, sogleich zum 6. Armee-Corps abzumarschieren. Der sie führende Rittmeister Gr. von Oertzen, konnte aber dem Drange, an dem nahen Kampfe Theil zu nehmen, nicht widerstehen und fand ich daher dieselbe zu meiner Verwunderung erst auf feindlichem Gebiete beim 3. Armee-Corps. Ich konnte ein solches Verfahren neu vereinigter Truppen nicht tadeln, beabsichtige jedoch, sie jetzt nur so lange noch hier zu behalten, bis sie mit dem 4. Cürassier-Regimente gleich montirt und dadurch noch mehr nationalisiert sein wird.

    Schließlich füge ich eine Liste der bei den sächsischen Husaren und Ulanen befindlichen übergetretenen Offiziere bei. [fehlt]

    St. Cloud, den 8. Juli 1815.

    gez. von Blücher

  6. #6
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    Mir erschließt sich die Aufführung von Landwehr-Kavallerie-Regimentern inBezug auf Sachsen nicht. Sachsen hat – dem Namen nach - kein einzigesLandwehr-Kavallerie-Regiment aufgestellt.

    Wenn ich nichtirre, hat es nur 1 Escadrons Landwehr-Dragoner gegeben, die auch noch zumBanner gezogen wurden. Sollte die Banner-Kavallerie unter den Wirkungskreisdieser AKO fallen, so sprechen wir von max. 4 Eskadrons (auf dem Papier!)Landwehrkavallerie.

    Etwas off topic:

    Schön insGesamtbild (bzw. mein Gesamtbild) passen die Ausführungen von Oli zu den Kürassieren. Als Neupreußen aufdem Schlachtfeld stehen sie ihren Mann, so dass der unter Sachsenphobieleidende Alterspräsident gewisse Gnadenbezeugungen nicht verwehren kann (da sindes ja dann auch schon fast Preußen). Aber bei mehreren Neupreußen (da sind esdann wieder Sachsen) auf einen Haufen – und noch dazu, wenn diese sonst nix zutun haben – da ist der Exzess praktisch vorprogrammiert. Da hilft nur verteilenund preußisch sozialisieren.
    Mussten dieneupreußischen Soldaten eigentlich auch so ein Zeichen tragen, wie die Einwohnerder neupreußischen Provinzen?
    Sorry, ichschweife ab. Uns ja, ich bin in dieser Angelegenheit als befangen anzusehen.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  7. #7
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    Die Errichtung des 1. und 2. Thüringischen Landwehr-Infanterie-Regiments sowie des Thüringischen Landwehr-Kavallerie-Regiments wurde erst am 25. Juni 1815 befohlen. (Pr. Heer d. Befr.kr., Bd. 3, S. 464 f., 488)

    Diese drei Regimenter waren also keine aus sächsischen Diensten übernommene Einheiten.

    Nach der preußischen Stammliste von 1822, S. 309, wurde das Thüringische Landwehr-Kavallerie-Regiment aus "Mannschaften der Königl. Sächsischen Cav.-Depots, Eingebornen des Herzogthums Sachsen, und aus dem Thüringschen Kreise" gebildet, also aus lauter Beutepreußen.

  8. #8
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    Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Was die sächsische Landwehrkavallerie betrifft, so scheinen zumindest Depots eingerichtet worden zu sein. Ich habe neulich erst in Merseburg Listen der Aufgebote des Thüringer Kreises eingesehen. Wenn ich mich recht erinnere, wurden etwa 20 bis 30 Mann aus verschiedenen Ämtern für die Kavallerie eingeteilt. Ob diese an die besagte Eskadron abgestellt wurden, weiß ich nicht, es erscheint mir aber plausibel, dass sie dann den 12. Husaren zugeteilt wurden.

  9. #9
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    Worauf begründet sich Deine Annahme, dass Landwehr-Kavallerie-Depots eingerichtet wurden? Geben diese Quellen auch etwas zum Bestand der Depots?
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  10. #10
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    Nein, sie geben nur an, dass eingezogene Rekruten an die Landwehrkavallerie abgegeben wurden, also vermutlich an das Depot in Weißenfels abgestellt wurden.

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