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Thema: Geschützmunition auf Festungsanlagen

  1. #1
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    Standard Geschützmunition auf Festungsanlagen

    Hallo Leute,

    während des Baus eines Probedios zu meinem Dioramenprojekt ist eine interessante Frage aufgekommen, die ich aus meinen Büchern nicht beantworten kann. Wie wurden die Geschütze mit der benötigten Munition versorgt und wo und wie wurde diese bereit gestellt? Ich weiss aus dem Handbuch des Batteriebaus von F. Rouvroy, daß Belagerungsstellungen pro Batterie ein Pulvermagazin hatten, welches immer mit der benötigten Pulvermenge für einen Tag gefüllt wurde. Ich weiss auch, dass in den Munitionsmagazinen der jeweiligen Festungen fertige Ladungen für Kanonen, sowie Bomben und Granaten für die Haubitzen und Mörser hergestellt wurden. Wie wurden diese aber an den Geschützstellungen gelagert? Gab es kleine Erdbunker, wie bei Belagerungsstellungen, oder hat man die Munition weiter weg gelagert und hat sie dann wie auf Schiffen mit Pulveräffchen zum Geschütz expediert?

  2. #2
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    Gute Frage. Als erstes wären der Zeitschnitt und der Ort zu nennen, damit wir nicht im Dunkeln tappen. Geht es um die Aufstellung auf dem Wall oder in Kasematten?

    Allgemein gesagt, konnte die kartuschierte Bereitschaftsmunition in "kleinen Pulvermagazinen", d.h. Hohltraversen gelagert werden (ist aber eher nach 1815 die Regel) oder zur Armierung die Blendungen hinter der Brustwehr. Waren diese nicht vorhanden, wurden die Geschosse vermutlich in Kästen (wie bei der Feldartillerie) zur Geschützstellung gebracht. Mörser und Haubitzen hatten natürlich keine Kartuschierte Munition, hiere waren bekanntermaßen Bomben und Pulversäcke (Treibbladung) getrennt. Möglicherweise wurde für den Wurf auch mit losen Pulver geladen, um die Reichweite einzustellen. Das scheint ausreichend gewesen zu sein, da ja auf dem Wall nicht mit hoher Kadenz wie bei der Feldartillerie gefeuert wurde.

    Kurioserweise finde ich nichts dazu im pr. Standardwerk v. Scharnhorst "Handbuch der Artillerie", dafür aber im Hoyer, Lehrbuch der Kriegsbaukunst, Angriff und Verteidigung der Festungen, $460 ff.

    Die Anforderungen waren: Bombenfeste Decken bei den Traversen oder Blockhäusern, ggf. auf der Stirnseite mit Erdaufwurf verstärkt. Evtl. wurde 12" Balken an die Stadtseite des Walls gelehnt und die Munition darunter gelagert? Vom Fort zinna wissen wir, daß sich hier mangels anderer Gebäude die Mannschaftsquartiere befanden. Wallnahe Gebäude, die mit bombenfest gemacht wurden, konnten ebenfalls als prov. Munitionsmagazin dienen. Die Decken wurden mit Strauchholz, Mist und Erde gesichert. Kleine, überdeckte Kriegspulvermagazine auf dem Wallgang wurden auch aus Großen Schanzkörben konstruiert, um Platz zu sparen. Diese waren also typisch für die Armierung, zu Friedenszeit waren (noch) keine permanenten Einrichtungen wie Hohltraversen gebaut.

    Gemauerte (Kriegs)Pulvermagazine permanenter Bauweise (meist in den Bastionskehlen) waren immer bombenfest, dienten aber nur der Lagerung des Pulvers in ca. 1 Zentner schweren Fässern, nicht der kartuschierten Munition, was immer strikt getrennt gehalten werden sollte. Bei der Armierung wurden hier auch Blendungen und Erdaufwürfe vorgesetzt.

    Die Munition selbst wurde in sog. Laboratorien gefertigt, die typischerweise in den Kehlkasematten der Bastionen untergebracht waren.

    Siehe auch Hoyer, Wörtbuch der Artillerie, "Kleineres Magazin mit fertiger Munition", S. 692
    Geändert von Blesson (25.03.2018 um 22:17 Uhr)

  3. #3
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    Erstmal vielen Dank.

    Zeitraum ist 1813, Belagerung von Wittenberg, Aufstellung auf dem Wall.

    Das mit den Kisten habe ich auch so angenommen, denn wie schon richtig bemerkt ist bei Scharnhorst dazu nichts zu finden. Ich habe das dann in dieser Weise auch in einem Probedio dargestellt. Da ich den Hoyer auch habe, werde ich da auch noch mal nachlesen.

    DSCF5065.jpg
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  4. #4
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    Hallo Mr. Pett,

    das Probediorama sieht sehr vielversprechend aus. Bitte Bilder vom fertigen zeigen

    Cordialement
    fusilier
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    Les Grognards de la Somme
    4éme régiment d'infanterie de ligne 2éme bataillon
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  5. #5
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    Hallo fusilier

    Ja, mach ich gerne. Bin gerade dabei die Voltigeure, die das Glacis verteidigen, zu bemalen. Die Wallkrone ist schon bemannt. Wenn es fertig ist, stell ich mal ein paar Bilder ein. Das *richtige* Diorama wird allerdings noch so 5 oder 6 Jahre dauern. Das wird dann 2,5 x 1,5 Meter gross. Bin gerade dabei durch Probedioramen herauszufinden, wie es für mich persönlich am besten geht, welche Figuren mir am besten gefallen usw. usf.

  6. #6
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    Mit Verlaub, die Scharten sind zu breit und zu tief, und die Brustwehr ist zu schwach. Bei den Geschützen auf den hohen Rahmlafetten noch einmal genauer recherchieren, so sahen die nicht aus. Außerdem mußt Du dich entscheiden, ob du Küstenlafetten oder Festunslafetten zweigen willst. Dieser Konstruktionstyp war eigentlich nur am Saillant üblich, und ich habe keinen Nachweis gefunden, dass diese überhaupt in Wittenberg (einer veralteten FEstung III. Ranges) überhaupt eingesetzt wurden. Selbst für Torgau gibt es keinen direkten Nachweis. Es sind also die einfachen Walllafetten oder sogar Feldlafetten viel wahrscheinlicher.

    Mal in das Dresdner Diorama schauen, die haben das ganz gut gemacht.

  7. #7
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    Hallo Blesson

    Vielen Dank für die Hinweise. Das es sich hier um Küstenlafetten handelt war mir nach Lektüre der Ospreybücher über napoleonische Belagerungs- und Festungsartillerie bewusst. Ich wollte mir eigentlich Gribeauvallafetten herstellen lassen, da diese nach meiner Lektüre (ich glaube Archäologie in Sachsen Amhalt - Preussische Kriegszeiten, finde aber die Passage auf die Schnelle nicht) in Torgau zum Einsatz kamen. Mit den Scharten war eigentlich auch klar. So wie die ausgeführt sind, war die Bedienungsmannschaft nicht sehr geschützt. Die schwache Brustwehr war dem Platz geschuldet, denn ich habe dies Probestück einfach auf irgendeine Holzplatte gebaut, die mir grad zur Verfügung stand. Bist du sicher, daß die Gribeauvalsche Festungslafette nur am Saillant stand? Im Osprey ist auf Seite 15 eine Abbildung, die Festungslafetten nebeneinander zusammen mit einem Mörser zeigt. Kann natürlich auch künstlerische Freiheit gewesen sein.

  8. #8
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    Osprey u.dgl. taugen nur für erste Informationen. Richtiger sind die zeitgen. Lehrbücher, wie zum Beispiel, Scharnhorst, Rouvroy und Hoyer.


    Was für die Dotierungen von Küstenbatterien am Atlantik und der franz. Festungen I. Ranges zutreffen kann, trifft auf die franz. Festungen II. und III. Ranges sicher nicht mehr zu, und noch weniger für improv. Befestungen, wie die Kampagnefestungen Torgau, Dresden, Wittenberg.

    Scharnhorst, Artillirie I, schreibt ab 206: "doch sind in jeder Festung bisher noch mehr Geschütze auf gewöhnlichen, als auf Gribeauval-Laffeten (hohen Rahmlafetten). Sie sind, soviel man weiß, von keiner andern Artillerie nachgeahmt."

    Dies macht es noch weniger wahrscheinlich, daß die o.g. Kampagnefestungen, die ja überwiegend mit sächs. Material dotiert waren, mit Geschützen auf Rahmlafetten versehen waren.

    Die besten Quellen sind die Relationen der Belagerungen und die Armierungspläne. Bei Torgau werden z.B. bei der Armierung nur "Verlängerungslafetten" genannt. Das Übergabeprotokoll nennt ebenfalls keine hohen Rahmlafetten.
    Geändert von Blesson (02.04.2018 um 16:43 Uhr)

  9. #9
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    Erstmal danke für die informative Diskussion. Das rückt einiges ins rechte Licht.

    Laut Vogel war Wittenberg mit 96 *mehrentheils sächsischen Geschützen* dotiert. Von daher werde ich dann wohl zu sächsisch angestrichenen Geschützen greifen.

  10. #10
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    Weitere empfehlenswerte Literatur:

    Smoothbore Ordnance Journal, Hrsg. Stephen Summerfield, z.b. https://www.academia.edu/36361000/PR...TILLERY_SOJ-06
    Scharnhorst, Artillerie I-III, Ausgabe 1815
    Hoyer, Wörterbuch der Artillerie
    Rouvroy, Vorlesungen zur Artillerie, 2. Auflage
    Geändert von Blesson (09.04.2018 um 21:43 Uhr)

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