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Thema: Wiener Linien 1809

  1. #1
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    Standard Wiener Linien 1809

    Ich sitze aktuell über dem Tagebuch der Brigade Lecoq geführt im Feldzug von 1809.

    Beim 2ten Juli ist u.a. vermerkt:

    Die Mannschaft war sehr fatiquiert. Um ½ 12 Uhr wurde wieder aufgebrochen. Von hier bis Wien ist die Chaussee mit schönen Landhäusern garniert, auch lag rechts in einer kleinen Entfernung das kaiserliche Lustschloss Schönbrunn. Die Brigade erreichte die Mariahilferlinie, defilierte durch die Mariahilfer Vorstadt bis zum Glacis, passierte die St. Mxxxxxxsterlinie, ging durch Simmering und schlug sich dann links weg nach Ebersdorf zu.

    Der Tagebuchschreibende hat zu meinem Leidwesen eine Sauklaue. Die Mariahilfer etc. konnte ich mittels i-net noch zuordnen, aber bei St. Mxxxxxxxxxxxxsterlinie komme ich nicht weiter.

    Kann mir der werte Corporal oder ein anderer Kaiserlicher hier hilfreich zur Seite stehen?
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  2. #2
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    Wenn Du Dir den Stadtplan von Wien 1809 (https://upload.wikimedia.org/wikiped...tplan_1809.jpg) anschaust - vergrößern! - siehst Du oben rechts die (nicht nach mir benannte) "St. Marcuslinie", das könnte die Lösung sein, wobei ich nicht weiß, ob das auch die Richtung auf Simmering ist. Die "Linien" waren wohl Markierungen der äußeren Befestigungslinie Wiens (unten links findest Du die Mariahilfer Linie).

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  3. #3
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    Zuerst mal Chapeau für den Plan - was es nicht alles im Internet gibt ...

    Nach den Richtungsangaben hätte ich auf St. Marx getippt. So heißt die Gegend zumindest heute (in meiner Generation primär wegen des früheren Schlachthofes bekannt), 1809 scheint dann St. Marcus plausibel. Die heutige Bezeichnung (die ja wirklich etwas komisch klingt, nicht wahr) ist dann offenbar eine dialektische Verzerrung. Der beschriebene Weg passt jedenfalls.
    Der "Linienwall" war eine äußere Befestigungsanlage, sie entspricht dem heutigen Gürtel. Zwischen Ring (wo früher die innee Befestigung vaubanscher Art war) bis zum Gürtel waren früher die "Vorstädte", deren Namen großteils den heutigen Bezirken 3 bis 9 entsprechen. St. Marx ist heute ein Teil des 3. Bezirks, der Landstrasse heißt, und an den sich außerhalb des Gürtels Richtung Süden Simmering anschließt.
    Geändert von corporal (29.08.2018 um 06:54 Uhr)

  4. #4
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    "St. Marcuslinie" dürfte stimmen. Auf dieser Karte der Region um Wien von 1788 (Südwesten ist oben, also um 180° drehen, um dieselbe Ausrichtung wie beim Stadtplan von 1809 zu erhalten), sieht man, dass die Strasse durch die St. Marcuslinie direkt zum Dorf Simmering führt und von da eine Strasse links nach Ebersdorf abbiegt (wie im genannten Tagebuch beschrieben):

    http://antiquariat-paulusch.de/wordp...7/14611G_1.jpg
    Geändert von Tellensohn (29.08.2018 um 12:57 Uhr)

  5. #5
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    Wenn die Herren Sachsen sich etwas verweilt hätten,
    hätten's am Grabe Mozarts in St.Marcus ein Gedenkminütlein halten können....

    Gehört nicht hier her, schon klar.
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    is from an oncoming train.

  6. #6
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    Marx ist eine Kurzform des Namens Markus.
    Darüber bin ich gestolpert, als ich etwas über die Fechtschule der Marxbrüder gelesen habe, hier wurde über verschiedene Schulen berichtet; die Marx/Marcks (Markus) Brüder, die Lux/Luks (Lukas) Brüder.
    Markus und Marx meint dasselbe, daher auch St. Marx.
    Ist für uns halt ungewohnt.


    Grüße

    Chasseur

  7. #7
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    Vielen Dank für Eure Unterstützung.

    Mit diesem Wissen kann ich den Eintrag mit St. Marchusterlinie entziffern.

    Nun, die nicht ganz exakte Namensangabe darf man dem Verfasser nicht verübeln, da Ortseingangsschilder und touristische Hinweistafeln eher nicht vorhanden gewesen sein dürften.
    Auch ist anzunehmen, dass es der gemeine sächsische Musketier einfach aus Mangel an Gelegenheit nicht so mit Mozart hatte.
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  8. #8
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    Zitat Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
    Auch ist anzunehmen, dass es der gemeine sächsische Musketier einfach aus Mangel an Gelegenheit nicht so mit Mozart hatte.
    Der gemeine sächsische Musketier vielleicht nicht, aber was ist mit dem gemeinen sächsischen (Regiments-)Musiker? Philippe-René Girault, vom 93. französischen Linieninfanterieregiment, und drei seiner Kollegen haben ja damals auch die Gelegenheit beim Schopf gepackt und, einfach mal so, - den noch lebenden - Joseph Haydn besucht.

    https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bp...6.item.r=haydn

    Ok, vielleicht hat ja doch der eine oder andere sächsische Musiker heimlich Mozarts Grab besucht, aber keiner hat's aufgeschrieben....

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