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Thema: Attaque en fronte

  1. #11
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    Gut, dann sind Deine Aufstellungen in diesem Punkt korrekt.

  2. #12
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    Liebe Germeinde,

    die beiden Journale von Bardeleben und Ploosen sind auch in unserem Buch "Belagerte Festungen zwischen Memel und Rhein 1813-14" zitiert und ausgewertet. Sie gehören damit zu den wenigen Belagerungsjournalen, die je vollständig gedruckt worden sind, denn diese schlummern meist nur als Manuskripte in den Archiven. Lesen hilft also…


    Zum Begriff „Attaque en fronte“: In den mir zugänglichen zeitgen. Wörterbüchern habe ich merkwürdigerweise nichts gefunden. Es gibt aber den Begriff „Attaque de front“, was Frontalangriff meint. Der sonst in der Literatur übliche Begriff ist „gewaltsamer Angriff“ bzw. „Attaque brusque“. „Front d’Attaque“ bedeutet dagegen die anzugreifende Festungsfront (Abschnitt zwischen 2 Bastionen).


    Sturmangriff auf eine Festung: Es geht hier nicht um die klassische Infanterietaktik, wie sie im pr. Reglement 1812 festgelegt wurde. Ziel eines Sturms ist nämlich, möglichst schnell in großer Masse das Glacis, den pallisadierten bedeckten Weg, den Graben und den Wall zu überwinden, und so das Kleingewehr- und Kartätschenfeuer zu unterlaufen. In der Regel wurde die Kolonne durch einen Ingenieuroffizier geführt.


    Wegen des durchschnittenen Terrains dürften die Kolonnen durch halbe Wendung der Linie mit 2-3 Mann Breite formiert worden sein, keinesfalls als Zug- oder Sektionskolonnen. Wittenberg wurde um Mitternacht erstürmt, da dürfte sich die geschlossene Ordnung ziemlich schnell aufgelöst haben. Von den vier Sturmkolonnen auf Wittenberg zu passieren waren eine Breche, ein Tor, Lücken in den Palisaden etc. Um engen Passagen zu bewältigen, dürfte auch der Reihenmarsch angewendet worden sein. Auch wurde der Wall mit Hilfe von Leitern erstiegen... siehe z.b. Plotho, S. 164:

    Für einen Ausfall aus der Festung galten ähnliche Regeln: Hier mussten sich die Infanterie aus den Toren und Poternen bzw. dem gedeckten Weg möglichst unbemerkt heraus entfalten, was am einfachsten durch eine Kolonne zu bewältigen war. Wälle, Gräben, Vorfeld etc. dürften von Trümmern aller Art übersät worden sein, welche die Bewegung geschlossener Verbände erschwerten: Faschinen, Schanzkörben, Hurten, Balken, Palisaden, Gesteinsbrocken, Geröll, Schutt, Kugeln…


    Das Feuergefecht dürfte deshalb i.d.R als zerstreutes Gefecht geführt worden sein.

  3. #13
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    Hallo Blesson,

    nur damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich habe dieses Thema nicht im Hinblick auf den Sturm der eigentlichen Festung erfragt, sondern im Hinblick auf die Rücknahme des Krankenhauses, welches am 01. Januar von den Preussen erst genommen wurde und danach dann mehrfach den Besitzer gewechselt hat, bis die Franzosen es dann schlussendlich aufgeben mussten. Nach Hoyers Angriff und Verteidigung der Festung, war der beste Zeitpunkt ein weggenommenes Werk zurück zu erobern unmittelbar nach dem Verlust desselben, bevor der Belagerer ein Logement errichten kann. Dazu trägt man einen Ausfall mit einer auf drei Kolonnen aufgeteilten Truppe vor. Ein Teil greift frontal an ( der erfragte Angriff), ein Teil verschafft sich direkt Zugang in das Innere des verloren gegangenen Werkes und der dritte Teil säubert die umliegenden Gräben vom Gegner. Also insofern ein klassisch vorgetragenes Manöver von den Franzosen.

  4. #14
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    Also noch einmal die beiden Literaturstellen:

    Plauzen, Nicolas von: Tagebuch [Belagerungsjournal] des Ingenieur-Obersten von Plauzen von der Belagerung der Festung Wittenberg in den Jahren 1813 und 1814; S. 161-172 - auch: Plauze, Chillot de; Ploosen, Nikolaus von, in: Plotho, Carl von: Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813-1814, Dritter Theil oder Zeitraum vom Januar 1814 bis zum Frieden von Paris; Band III, Berlin, 1817, 527 Seiten - mit 25 Beilagen und einem Plan von Wittenberg

    Bardeleben, M. v.: Das Tagebuch der Belagerung der Festung Wittenberg. I. Tagebuch von der Belagerungs-Artillerie. II. Die Dispositionen für die Artillerie.; Beilage XXV, S. 124-161, in: Plotho, Carl von: Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813-1814, Dritter Theil oder Zeitraum vom Januar 1814 bis zum Frieden von Paris; Band III, Berlin, 1817, 527 Seiten - mit 25 Beilagen und einem Plan von Wittenberg
    Geändert von Blesson (30.09.2018 um 21:12 Uhr)

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