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Thema: Die "gewöhnliche Postcharte von Deutschland" ?

  1. #1
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    Standard Die "gewöhnliche Postcharte von Deutschland" ?

    Aus einer Mitschrift einer Vorlesung Scharnhorsts in Berlin über reine und angewandte Taktik, aus dem Jahre 1802 oder 1805 (Scharnhorst, Private und dienstliche Schriften, 2005, Bd. 3, S. 434, No. 90):

    Gesetzt man wolle [...] von Berlin nach der Gegend der Weser zwischen Nienburg und Hameln marschiren, so würde man zur Entwerfung der Marschrouten auf der gewöhnlichen Postcharte von Deutschland finden, daß man bei Stendal und bei Magedeburg die Elbe passiren [...] könnte.
    Gab es DIE gewöhnliche Postcharte von Deutschland, oder gab es es mehrere verschiedene, ähnlich wie es heute verschiedene Autobahnkarten Deutschlands gibt ?

    Ich nehme an, es handelt sich bei dieser gewöhnlichen Postkarte um eine Überblickskarte von Deutschland ?

    Ist vielleicht irgendwo ein Nachdruck einer solchen Karte erhältlich ?

  2. #2
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    Postroutencharten waren meist Beilagen zu Reisebeschreibungen, siehe z.B.

    Ludewigs Wilhelm Gilberts Handbuch für Reisen durch Deutschland, Leipzig im Schwickertschem Verlage 1791
    Den Maßstab der mir vorliegenden gefaltete Karte schätze ich auf ca. 1:5.000.000, da nicht explizit angegeben. Die Legende beschreibt fahrende, reitende und extra Posten. Erstere Routen dürften in der Regel den großen Heeres- oder Kaiserstraßen folgen. Entfernungsangaben an den Strecken in Meilen (preuß. oder geographische?). Eine Tagesreise entspricht ca. 3-4 preuß. Meilen bei mittelmäßigen Chausseen. Projektionsart nicht angegeben, Längen- und Breitengrade in Grad. Die Charten enthalten als als Geländemerkmale Gewässer, Hauptgebirge und Küstenlinien. Chausseen, bedeutende Städte und Festungen werden durch Signaturen gekennzeichnet. Grenzen sind grenzkoloriert dargestellt.

    Vorgänger dieses Werks sind Büsching und Norrmann.

    Vorlagen der Charten stammten meist aus dem Homannschen Verlag in Nürnberg, dem geographischen Verlag in Jena, der Schrobschen Buchhandlung zu Berlin, die ihre eigenen Kartographen und Stecher beschäftigten. Möglicherweise gilt dies auch für den o.g. Leipziger Verlag.

    Stabsoffiziere dürften typischerweise eines der o.g. Werke mit sich geführt haben, da topographische Karten (hist. Specialcharten) oder Generalcharten (ca. 1:100.000) sicher nicht ohne weiteres zu beschaffen und zu kostspielig waren, wenn sie denn überhaupt als gestochene Charten existierten (siehe Campagne 1806 in Thüringen).

    Die oben erwähnten Elb-Übergänge bei Stendal und Magdeburg sind auf meiner Charte zu finden. Allerdings kein Hinweis, ob es sich um Brücken, Fähren oder Furten handelt - dies findet man in den o.g. Charten kleineren Maßstabs - in dieser Region also auf der Schmettausche Charte.

    Reproduktionen für das ganze deutsche Reich sind mir nicht bekannt, nur einzelne Fürstentümer. Evtl. bieten die Landesvermessungsämter diese an.

    LB
    Geändert von Blesson (11.04.2007 um 23:23 Uhr)

  3. #3
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    Reproduktionen von Post Carten gibt es.

    Zum 500 Jahre Post.
    Facsimile 1992 von Archiv Verlag Braunschweig:
    Neue und vollstandige Post-Carte durch ganz Deutschland.... Anno 1808.

    Ausserdem habe ich : Carte des Postes D'Allemagne et des États Voisins.
    Paris 1805. Auch ein nachdruck.

  4. #4
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    die o.g. Reproduktionen scheinen leider vergriffen zu sein - jedenfalls in ZVAB und Eurobuch.

    LB

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