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Thema: preußische Infanteriemäntel 1806

  1. #1
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    Standard preußische Infanteriemäntel 1806

    In den Unterlagen wegen Verpflegungslieferungen, die ich mir im Landeshauptarchiv in Magdeburg habe kopieren lassen, befindet sich auch die Kabinettsordre vom 27.09.1806 und der Spezialbefehl vom 07.10.1806 u.a. zur Anschaffung der Mäntel für die Infanterie.

    Danach sollten die Provinzen die benötigten Materialien für die bei ihnen in den Friedensgarnisonen stehenden Regimenter beschaffen.

    Als Material sollte graues oder weißes Tuch oder auch andere wollene Zeuge als Tuch angewendet werden.
    An Bedarf für einen Mantel wurden 5 Berliner Ellen Tuch (1 7/8 Ellen breit) und ½ Elle Leinwand festgelegt.

    Ein Infanterie-Regiment inkl. der Grenadiere und exkl. des 3.Bataillons und der Depotkompanien sollte 2.407 Mäntel, ein Füsilier-Bataillon 696 Mäntel erhalten.

    Ist bekannt, ob und wenn ja in welcher Inspektion diese Kabinettsordre 1806 zur Ausführung gelangt ist?

    Ich weiß, ich bin ländertechnisch auf Abwegen, aber es interessiert mich wirklich.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  2. #2
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    Auf eine ähnliche Anfrage beim Modellfiguren Forum habe ich folgendes geantowrtet

    Hab mal gerade im Kling nachgelesen, 1807 wurde versucht so viel Mäntel wie möglich bei der Infanterie abzugeben, die konnten verschiedene Farben haben.

    So beim 2. Pommerschen Reservebataillon - die Mäntel waren von weißem Tuch, das gab Probleme der Verwechslung mit Rheinbundstaaten, Polen und Württemberger, daher sollten dann die Mäntel grau gefärbt werden.

    Bei der Übergabe von Breslau: Die Soldaten trugen über ihre Uniform theils weiße, geärmelte, vorn zusammengeknöpfte weite Überröcke mit blauen Kragen oder dieselben Mäntel aus blauem Tuch mit roten Kragen, beyde von Koth beschmutzt, ...

  3. #3
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    Besten Dank.

    Der Spezialbefehl vom 07.10.1806 besagt auch, dass den Obrigkeiten Probemäntel zugehen sollten. Das ist aufgrund des Ganges der Ereignisse wohl ins Stocken geraten oder erst gar nicht zur Ausführung gelangt, so dass die Kabinettsordre nach bestem Wissen und Gewissen wortgetreu umgesetzt wurde (insofern die zusammengetragenen Tuchvorräte keine neuen Herren gefunden haben).
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  4. #4
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    Des Interesses halber - kannst du die Kabinetsordre hier wörtlich bringen?
    Wäre eine gute Ergänzung zum Kling.

  5. #5
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    Mache ich. Wird aber eine Weile dauern, da ich den Ordner auf unserem Himmelfahrt-Sammler-Treffen gerade verborgt habe.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  6. #6
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    Ich habe in Kugler und Menzel, Geschichte des Preußischen Staates und Volkes, Zweiter Theil, Berlin 1848, S. 717 f. noch diese Bemerkung zur möglichen späteren Verwertung dieser Kollekten gefunden:

    Erst beim Beginn des Herbstfeldzuges von 1806 wurden Sammlungen im Lande veranstaltet, um Tuch zu Mänteln für die Soldaten anzuschaffen. Bei der Umständlichkeit, mit welcher hierbei zu Werke gegangen wurde, blieb jedoch der größte Theil dieses Tuches in den Magazinen und diente nachher zur Bekleidung der Feinde.
    Nach Jany (Bd. 3, S. 475) konnten aber später zumindest die Truppen in Ostpreußen und Schlesien von den freiwilligen Beiträgen für die Mäntel profitieren.

    Hier noch der Text der Kabinetts-Ordre vom 27. September 1806 und eine Anmerkung zur Umsetzung (keine Ahnung, weshalb dis Scans mit so ausgesucht schlechter Qualität gemacht worden sind):

    https://digital.zlb.de/viewer/readin...1905_9_147/41/

    Den Spezialbefehl vom 7. Oktober 1806 kenne ich nicht - wär schön, den Wortlaut zu erfahren.
    Geändert von Sans-Souci (04.06.2019 um 04:58 Uhr)

  7. #7
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    Und hier die versprochene Abschrift (wollte ich als docx bzw. pdf anhängen, klappte aber nicht , dann halt als Volltext)


    Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm König von Preußen pp.
    Unsern gnädigen Gruß zuvor – Beste hochgelehrte Räthe, Liebe Getreue! Aus abschriftlich anliegender Kabinettsordre von 27n v.M. mit der eigenhändigen Nachschrift Unserer Allerhöchsten Person, erseht Ihr, das wir Höchstselbst den Wunsch hegen, die Infanterie mit Mänteln, die Kavallerie mit Überhosen zur Wintercampagne zu versehen. Die nähern Bestimmungen in Ansehung der Subsorigtion (?) der Beiträge, der Anfertigung dieser Bekleidungen und deren Uebersendung wird Euch das General-Departement bekannt machen. Um aber keine Zeit zu verlieren, befehlen Wir Euch, sogleich den Betrag des dazu brauchbaren Tuches in Euren Städten auf und in Beschlag zu nehmen und das, was noch fehlt, bestellen zu lassen. Hierbei bemerken wir:

    1. Dass Ihr für den Bedarf der in Eurer Provinz in Friedensgarnison stehenden Truppen Rat schaffen müsst.
    2. Dass zu einem Mantel 5 Berliner Ellen Tuch von 1 7/8 Ellen Breite nebst ½ Elle Elle Leinwand erfordert werden.
    3. Dass Ihr nächstens einen Probemantel erhalten sollt
    4. Dass die Elle Tuch unter dem Preise von 20 Gr. nicht genommen werden kann, da solche sonst nicht gut genug sein kann.
    5. Dass für ein Regiment Infanterie mit Inbegriff der Grenadier, nich aber aber der 3n Musketier-Bataillons und Depot-Kompanien, 2.407 Mäntel, für ein Füsilier-Bataillon 696 erfordert werden.
    6. Dass Ihr den Betrag des Bedarfs zu den Ueberhosen noch näher erfahren sollt, vorläufig aber selbst mit Kavallerie-Offiziere Euch darüber besprechen könnt.
    7. Dass Tuchmacher, welche Montur-Tücher für das 2e Departement des Ober-Kriegs-Kollegii in Bestellung genommen haben, die Manteltücher nicht anfertigen dürfen, wenn sie nicht die Vollendung jener Bestellung zur bestimmten Zeit dennoch den Magisträten des Orts nachweisen können.
    8. Dass soviel als möglich der Bedarf in der Provinz oder doch im Einlande geschafft, auch nur im Notfall zur Wahl anderer Zeuge, als Friese und Moltons oder Wolle geschritten werden muss.

    Das Uebrige wird Euch Unser General Departement eröffnen. Wir erwarten aber Eure Anzeige, was Ihr hierauf verfügt habt und wann Ihr den Bedarf besonders für die Infanterie zu schaffen denkt, empfehlen Euch alle mögliche Beschleunigung und sind Euch mit Gnaden gewogen.
    Gegeben Berlin den 7n Oktober 1806
    Auf Seiner Königl. Majestät Allerhöchsten Spezial-Befehl
    Angern (?)
    An
    die Krieges und Domainen
    Kammer zu Halberstadt
    Angehängte Dateien Angehängte Dateien
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  8. #8
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    Na gut, das Anhängen hat doch geklappt, nur hat er mir das nicht angezeigt, putzig.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  9. #9
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    Vielen Dank ! Der Beitrag aus dem Hohenzollern-Jahrbuch 1905 mit der Kabinetts-Ordre vom 27. Sepember 1806 ist hier, lesbarer, nochmal abgedruckt:

    https://books.google.de/books?id=BQy1xb3jJgsC&pg=PA80

  10. #10
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    Hier noch die resultierende Aufforderung des Berliner Magistrats vom 30. September 1806:

    https://books.google.de/books?id=crn...PP53&dq=Wunsch
    Geändert von Sans-Souci (08.09.2019 um 13:09 Uhr)

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