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Thema: was genau war die Aufgabe des dritten Rangs..

  1. #1
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    Standard was genau war die Aufgabe des dritten Rangs..

    ..beim Feuern von Salven?
    Klingt vielleicht auf Anhieb einfach. Doch habe ich dazu Widersprüchliches gelesen.

    Einmal gibt es da die Variante, bei der die erste Reihe vor der Linie niederkniet, wodurch auch die dritte Reihe freie Schussbahn zum Feuern hatte. Auf diese Weise konnte die ganze Linie synchron feuern und nachladen. Allerdings hat sich das in der Praxis kaum durchgesetzt (wenn meine Info stimmt), weswegen es zuletzt bei den Preussen aus den Reglements gestrichen wurde.
    Was aber machte dann aber der dritte Rang während die ersten beiden feuerten? Spielten die von da an keine Rolle mehr ausser rumstehn und Lücken auffüllen?

    Anderswo habe ich gelesen, die Aufgabe des dritten Ranges war es, die Musketen der vorderen Reihen nachzuladen. Jetzt stellt sich mir als Taktik-Laien ohne Fronterfahrung die logische Frage, wie genau dieser Ablauf bewerkstelligt worden sein soll, da ja dann drei Musketen zwischen den Rängen zirkulieren müssten.

    Oder hat der dritte Rang nur die Musketen für den zweiten Rang nachgeladen?
    Ich finde die Variante zweifelhaft, denn nur der zweite Rang hätte dadurch einen Geschwindigkeitsvorteil gehabt und die ganze Linie wäre aus dem Rythmus gekommen.

    Wenn aber der dritte Rang doch für die beiden vorderen mit nachgeladen hätte, wäre das angesichts des Hin- und Herreichens der Musketen nicht weniger kompliziert. Da frage ich mich, wo bei dieser Variante der Geschwindigkeitvorteil liegt. Denn hätte nicht mindestens einer der beiden vorderen Ränge komplett nachladen müssen?

    Oder hat der dritte Rang etwa den beiden vorderen Ränge die Aufgabe einfach abwechselnd abgenommen, damit die vorne zwischendurch mal eine Pause hatten?


  2. #2
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    Über den Sinn und den Unsinn des 3. Gliedes hat es nachnapoleonisch eine große Diskussion gegeben - die einen halten ihn für überflüssig, andere dagegen als nützlich.

    Wie das 3. Glied die Gewehr lädt und übergiebt - kann man gut im Exerzierreglement von 1791 nachlesen.

    Das 3. Glied war weiterhin eine sehr nützliche Reserve und die Frontbreite des Bataillons aufrecht zu halten.

    Dazu wurde es in verschiedenen Armee als Plänkler eingesetzt, wie z.b. Österreich oder auch Preußen.

  3. #3
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    Hallo Chretzel,

    für die Preußen kann ich antworten:
    ab 5.Okt.1805 trat das 3.Glied auf den Befehl CHARGIRT einen Schritt zurück und blieb mit geschultertem Gewehr stehen. es diente tatsächlich zur Auffüllung der Verluste in den vorderen Gliedern.
    Mit dem Reglement von 1812 bekam es zusätzlich regulär die Aufgabe, Tiralleurs für das zerstreute Gefecht abzustellen.

    Beim Feuerkampf im Karrée lud das 3.Glied (das 1.feuerte ja nicht) die Gewehre des 2.Gliedes. (liest sich in meinem über 20 Jahre alten Konspekt des Heftes "1812" des "Großen Generalstabs" so:
    "1.Glied fällt das Gewehr, 2+3 machen fertig. Alle Leute d.2.Gliedes schlagen an und feuern, geben die Gewehre mit rechts schnell ins 3.Glied u. erhalten das gelandene Gewehr, feuern, laden selbst, feuern, geben das Gewehr nach hinten usw.")

    Gruß
    Jörg

  4. #4
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    Besten Dank!

    Das Exerzierreglement von 1791 sollte ich mir wohl mal anschaun. Hoffentlich gibts da auch Bilder

    Dass das erste Glied zu napoleonischen Zeiten nicht mehr auf die Kniee ging, stimmt also?

  5. #5
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    Dass das erste Glied zu napoleonischen Zeiten nicht mehr auf die Kniee ging, stimmt also?

    Die Antwort ist sicher ein klares JEIN:

    (Schwarz, Gefechtsformen, S.374) "Wie berichtet, kämpft die [frz.] Garde in Ostpreußen 1807 mit dem Stolz der Elite in der Winterkälte mit vorschriftsmäßig gerolltem Mantel am Tornister. Es fällt das erste Glied, noch nach altem, schwierigem Brauch, nicht einmal mehr im Reglement von 1791 gefordert, zum "Fertig" aufs Knie. Peinlich geregeltes Linienfeuer, das Fallen aufs Knie, Ablegen des Mantels, Stolz und Können selbstbewußter Garden! Marmont berichtet, daß die Marinetruppen bei Möckern 1813 allein noch neben der alten Garde die Gefechtsformen in Linie beherrschen. Bei Möckern stehen sechs Bataillone der Marine noch in linearer Aufstellung und es werden im Kartätschfeuer des Feindes die vorgesehenen Formveränderungen und Richtungsänderungen vorgenommenen. Die Marineinfanterie wird wegen der Beherrschung der schwierigen Gefechtsformen vom Feinde für eine Gardetruppe gehalten, eine genommenen Fahne als "Gardefahne" bezeichnet. Ein Fingerzeig auf die Bewertung der linearen Aufstellung."
    [Der Glaubenskrieg um die "Garde-Marine" bei Möckern dürfte jedem Zinnfigurensammler geläufig sein ]

    Außerdem fällt das erste Glied der Engländer zumindest im Karree noch 1815 auf die Knie.
    Weitere Kniefälle anderer Nationen sind mir momentan nicht geläufig.

    Gruß
    Jörg

  6. #6
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    für Österreich:

    a.) 3. Glied zum Plänkeln eingesetzt,

    b.) in der Line geht das 3. Glied in "Hahn in Arm" und feuert nicht

    c.) kann zur Bildung einer Avantgarde verwendet werden.

    d.) zur Bildung einer Reserve (als eigner Truppenkörper)

    e.) zur Verlängerung der Front

    f.) zur Formierung einer Flanke

    g.) Als Deckung einer Kolonne
    Geändert von Haraldzzz (02.05.2008 um 19:23 Uhr)
    gruz zzz

    k.k. Infanterieregmeint No. 3 Erzherzog Carl
    I. Grenadier-Comapgnie
    www.ir3.at

  7. #7
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    Hm, Schwarz, Quelle? - wo kämpfte denn die Garde 1807 im Feuer? Gerollter Mantel bei Eylau, woher hat er das denn?

    Richtigerweise fiel ja das 3. Glied ja sogar im 7 JK kaum noch auf die Knie. Dennoch gibt es immer mal wieder hier und da einen Hinweis, dass dies doch geschehen ist, auch bei den Franzosen zumindest bis 1807.

    Pelotonfeuer, wo alle 3 Glieder gleichzeitig feuerten war aber bei den Franzosen eher die Ausnahme und es wurde das zweigliedrige Feuern meistens praktiziert, des 3. Glied sollte theoretisch dann laden und mit dem 2. Glied die Waffen tauschen, ob es jeh gescha im Feld??

    Bonaparte hat ja auch ganz offiziell das Niederknien dies 1. Gliedes in Ägpten verboten.

    Das 3. Glied schoss eben auch oft mit, halt mehr oder weniger in die Luft, oder eben gar nicht. Dann bildete es eine Gefechtsreserve und füllte die Lücken der vorderen Glieder aus, sodaß eine reguläre Frontbreite erhalten bleiben konnte. Außerdem konnten schwache Bataillone eben von 3 Gliedern auf 2 Gliedern aufgestellt werden um so die übliche Frontbreiten aufzustellen.

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