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Thema: Laden des sächsischen 4pfünder Geschützes

  1. #1
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    Standard Laden des sächsischen 4pfünder Geschützes

    In der neuen Ausgabe von Scharnhorsts Schriften, Bd. 4, S. 94 [No. 49], steht bei ein paar kurzen Bemerkungen zur sächsichen Artillerie aus dem Jahre 1805 oder 1806:

    Die einzige existierende Art des Durchfallens bei dem Laden des 4lbdr.
    Kann mir jemand erklären, was diese kryptische Notiz bedeutet ?

    Im Handbuch der Artillerie, Bd 2, S. 515-520, steht hierzu nichts.
    Geändert von Sans-Souci (09.05.2007 um 17:51 Uhr)

  2. #2
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    Scharnhorst bezieht sich auf den leichten 4 Pfünder – auch „Schnellfeuergeschütz“ genannt – der bei der sächsischen Infanterie als Bataillonsgeschütz – letztmalig im Feldzug von 1812 – eingesetzt wurde.
    Diese Geschütze hatten an Stelle des Maschinen- (oder Mittel-) Riegels einen herausziehbaren Metallbolzen. Wurde dieser herausgezogen konnte das Rohrende bis an die Achse herabsinken bzw. fallen. Das Rohr kam dadurch in eine fast senkrechte Stellung und die Patrone konnte von oben eingesteckt werden und sank durch die Schwerkraft auf den Rohrboden (Das zeitaufwendigere Einschieben der Ladung konnte also unterblieben und vom „Arbeitsschutz“ her musste der Mann am Ansetzte/Wischer keine Angst um seine Hände und Arme haben).
    Mittels zweier Maschinenleinen wurde das Rohrende wieder nach oben gezogen.
    Das Rohr selbst hatte keine Traube sondern nur drei Metallstifte, von denen der obere in die Federklinke (diese Klinke wurde nach Herausziehen des o.g. Metallbolzens nur zurückgezogen, um das Rohr herabsinken zu lassen) der Richtmaschine einschnappte, während die beiden unteren als Anschläge dienten.
    Die Richtmaschine selbst bestand aus der Vorrichtung für die Rohraufnahme und einer Zahnstange, welche letztere über ein „Getriebe“ mittels einer seitlich an der Lafettenwand abgebrachten Kurbel in der Höhe verstellt werden konnte.
    Das 4pfündige Granatstück hatte im Übrigen dieselbe Einrichtung.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  3. #3
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    Vielen Dank, sowas hatte ich schon fast vermutet - aber mir erschien der Vorteil des einfacheren Ladens mehr als aufgehoben durch den zusätzlichen Arbeitsaufwand, um das Rohr zum Feuern wieder in eine horizontale Lage zu bringen.

    Vermutlich nahm man aber die raschere Ermüdung der Bedienungsmannschaft zugunsten der Feuergeschwindigkeit gerne in Kauf ?

    Gibt es zeitgenössische Urteile über diese Durchfall-Einrichtung, und wie sie sich im Gefeht bewährte ? Hat man die leichten 4pfünder bis 1812 benutzt, weil sie da waren, oder empfand man sie tatsächlich als vorteilhaft ?

  4. #4
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    Das nach oben ziehen des Rohres verlangte in der Tat einen kräftigeren Soldaten. Der Schwenkwinkel war aber kleiner 90º, so dass das Heraufziehen relativ schnell gegangen sein dürfte.
    Der von Artilleristen vorgebrachte Nachteil dieser Richteinrichtung war das Richten in lediglich 1/4º-Schritten, da die Zahnstange keine Zwischenschritte zuließ. Ob das nun für ein Bataillonsgeschütz wirklich ein k.o.-Kriterium ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
    Diese Bataillonsgeschütze führte die sächsische Infanterie bis 1806 (ob auch 1807, da müsste ich nachsehen), schaffte sie danach auf französischen Druck ab und führte diese 1812 auf französischen Druck wieder ein. 1812 wurden sie definitiv deshalb genommen, weil sie a) nun einmal da waren und b) von den neuen 6-Pfündern noch nicht genügend gegossen waren, um alle 12 6pfd. Fußkompanien mit Geschützen auszurüsten.
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  5. #5
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    Scharnhorst schreibt sehr wohl etwas in seinem Handbuch für Offiziere, Theil Artillerie, allerdings an einer etwas unerwarteten Stelle, nämlich bei der Diskussion über die Kartätschladungen:

    §37 Vor- und Nachteil der verschiedenen Hülsen

    Bei den 4-pfündigen Kanonen der sächsischen Artillerie war [...] eine besondere Vorrichtung angebracht, daß durch das Abziehen der Klinke das Bodenstück des Rohres bis zur Achse hinunter fiel, und bei dem schnellen Feuer die Kartätschpatrone von selbst in die Seele hinunterglitt. Diese und des Vortheils der größeren Geschwindigkeit des Ladens ungeachtet, hat man dennoch den Gebrauch der Lademaschine wieder verlassen; vielleicht, weil man einen geringeren Werth auf Ein Menschenleben setzen zu müssen glaubte?
    LB
    Geändert von Blesson (03.06.2007 um 22:30 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Blesson,

    bist Du Dir sicher, dass dies Scharnhorst eingebracht hat, oder hatte da der Herr Hoyer seine Finger in Spiel?
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  7. #7
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    Zitat Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
    Hallo Blesson,

    bist Du Dir sicher, dass dies Scharnhorst eingebracht hat, oder hatte da der Herr Hoyer seine Finger in Spiel?
    Das mag wohl sein, denn im Text von 1815 sind die Ergänzungen v. Hoyers nicht von den originalen Beiträgen Scharnhorsts zu unterscheiden. So erklärt sich wohl auch die Bemerkung, daß die Ladeweise außer Gebrauch gekommen sei, wenn wir, wie oben bemerkt, den letzten Einsatz 1812 zu verzeichnen haben.

    Gleichwohl können wir mit Sicherheit davon ausgehen, daß Scharnhorst das sächs. 4-pfündige Geschütz sehr wohl kannte, sogar als so allgemein bekannt voraussetzen durfte, wie das einleitende Zitat von Oli zeigt.

    LB

  8. #8
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    Da habe ich mich doch schon lange gefragt was es damit auf sich hatte. Im Gohlke ist diese Zeichnung eines Geschützes von 1732.
    Das System scheint also länger in Gebrauch gewesen zu sein.

    Obmaus'sche Geschwindschußmaschine genannt.
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