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Thema: Wirkung von Regen und Nässe auf Schußwaffen

  1. #21
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    Major von Thiele kommandierte das in Löwenberg formierte 2. Bataillon des 14. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiments.

  2. #22
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    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    Murat,
    ich denke nicht, dass das so ein großes Problem war. Schließlich wurde da nicht einfach Pulver aufs Zündloch geschüttet, sondern der Zündsatz dürfte sich ein einer Art Röhre befunden haben, die ins Zündloch gesteckt wurde. Es kam natürlich darauf an, welche Qualität das ganze hatte. Versagte da mal mal was, zog man das Teil einfach raus und setzte ein neues ein. Es gab da auch spezielle Typen, die bei Regen benutzt wurden.
    Oh, entschuldigung, das wusste ich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass man an Land genauso wie auf See vorging, nämlich, dass man das Pulver aus einem Pulverhorn so ins Zündgatt schüttete, nachdem man die Kartusche durchstochen hatte.


    Gruß,
    Marshall Murat
    "Revolution: eine Meinung, die auf Bajonette trifft."
    Napoleon Bonaparte (1769-1821)

  3. #23
    Avatar von Gunter
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    Murat,
    interessant wäre dabei die Frage, warum man auf See keine kompakten Zündsätze benutzte. Vielleicht weil die Röhre beim Schuss rausflog und dann ggf. noch glimmte. Das lose aufgeschüttete Pulver verbrannte vermutlich stattdessen vollständig. Ich bin allerdings kein Experte auf dem Gebiet.

  4. #24
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    Sanctas simplicitas, was für Vorstellungen über die Artillerie!

    1) Feldgeschütze: Die Zündung der Kanonen und Haubitzen (nicht der Mörser) erfolgte über Schlagröhren oder Stoppinen, die oben mit Wachspapier oder einem anderen Papier umwickelt waren. Die Anfeuerung, auch Näpfchen genannt, konnte einen Satz mit einer weniger feuchtigkeitsempfindlich Beimengung von Phosphor enthalten. Erst kurz vor dem Schuß wurde die Schlagröhre aus der Schlagöhrentasche gezogen, in das Zündloch gesetzt und das Papier von die Hülse abgezogen. außerdem soll es üblich gewesen sein, daß Zündloch mit der Hand (!) abzudecken. Die bei den Engländern üblichen blechenen Schlagröhren dürften am wenigsten empfindlich gewesen sein. Weiter waren Hülsen aus Holz oder Schilf üblich. Da Steinschlösser bei kontinentalen Armeen (Außer Hannover bis 1803) nicht verbreitet waren, brauchen sie hier nicht betrachtet zu werden. Letzte Sicherheit gegen Regentropfen dürfte es hier auch nicht gegeben haben - Literaturstellen hierzu wären hilfreich.

    2) Belagerungen: Zündung über Zündkraut war nur bei Mörsern (siehe Zündmuschel), gelegentlich bei schweren Belagerungsgeschützen, üblich, wo keine hohe Schußkadenz, sondern der genau gerichtete Schuß gefordert war. Bei schwerem Regen war dann ein Feuern nur aus Kasematten oder gedeckten Batterien (ähnlich wie bei den Schiffsgeschützen unter Deck) möglich.

    3) Bei Regenwetter war es üblich mit Zündstöcken (auch Zündlichter genannt, engl. fast match), nicht mit den empfindlicheren Lunten (engl. slow match) zu zünden. Durch eine Beimischung von Phosphor brannten diese auch unter Wasser - allerdings laut Scharnhorst je nach Satz nur ca. 7-15 Minuten. Der Zündstock brennt mit so hohen Temperaturen (weiße Glut!), daß er durch seine Hitze selbst ein angefeuchtetes Näpfchen gezündet haben dürfte.

    4) Die Lunten oder Zündstöcke wurden am Luntenspieß entzündet - es kam also darauf an, diesen weiter unter Glut zu halten. Auch hier war ein weniger feuchtigkeitsempfindlicher Satz üblich. In wieweit noch Luntenberger bei den verschiedenen Artillerien üblich waren, wäre zu klären (z.B. Rußland).

    5) Um Feuerbereitsschaft herzustellen, wurde gleich bei Beginn der Gefechts der Befehl "Lunten an" gegeben. Bei Regen für Geübte wohl auch kein Problem.

    6) Die kartuschierte Munition mit den Treibladungen wurde ja in regengeschützen Munitionswagen oder Kastenprotzen transportiert; die Treibbeutel waren durch Leinenanstrich o.ä. zusätzlich vor unmittelbar eindringenden Regen geschützt. Allerdings konnte die Wirksamkeit der Treibladung durch die Luftfeuchtigkeit, die nur schwer herausgehalten werden konnte, beinträchtigt werden. Meist wogen wohl die mechanischen Schäden durch den Transport schwerer, da die Körnung durch das Stampfen und Rütteln verlorengehen konnte. Schlecht gemahlenes Pulver konnte sich auch wieder in seine Bestandteile zersetzen...

    Man sieht, daß viele Faktoren die Feuerbereitschaft und Wirkung der Artillerie beinträchtigen konnten - allerdings weitaus weniger, als bei der Infanterie.

    LB
    Geändert von Blesson (25.06.2007 um 21:41 Uhr)

  5. #25
    Avatar von Gunter
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    Vielen Dank für die fachkundige und übersichtliche Erklärung. So ganz falsch lag ich ja nicht. Ich meine gelesen zu haben, dass die Russen ihr patronierte Munition in Blechhülsen steckten um die Form der Kartuschen zu erhalten.

  6. #26
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    Die einschlägigen Verdächtigen zeigen jedenfalls für die russische Artillerie Luntenberger aus Messing.

    Jörg

  7. #27
    Avatar von Gunter
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    Die Russen hatten ohnehin die vermutlich eine der modernsten Artillerien der damaligen Zeit. Das ganze französische Gribeauvalzeug war dagegen längst veraltet. Selbst einen Vergleich mit den Briten brauchten die Russen nicht zu scheuen, wenn man die Artillerie mal unfassend hinsichtlich Technik, Organisation, Taktik usw. betrachtet.

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