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Thema: Festungsmauern

  1. #11
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    Jetzt hab ich's!
    Vielen Dank nochmals!
    Irgendwann werde ich - wenn es halbwegs ansehnlich ist - Bilder von meinen simplifizierten Modellen einstellen.

  2. #12
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    Und wieder bin ich am Ende mit meinem bescheidenen Festungslastein ...

    Eine der empfindlichsten Stellen so einer Festungsanlage waren doch sicher die Tore. Da gibt es kaum für mich erreichbares Material. Ich nehme an, man hat sie aus massivem Holz gefertigt. Das wäre aber doch trotzdem für Artillerie recht leicht "aufzumachen". Wie hat man die Tore also geschützt. Gab es zur napoleonischen Zeit noch (zusätzliche) Zugbrücken über den Graben? Wurden vor den Toren Erd- und Steinwerke errichtet, um einen direkten Beschuss hintanzuhalten?

    Danke herzlich für GENIE-ale Hilfe!

  3. #13
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    Standard Vom Laien

    @Corporal,
    ganz sicher wird gewissen Experten schwummerig bei der folgenden Erklärung, aber für´s Erste:

    Wenn Du die Grundrisse von Festungen betrachtest, stellst Du fest, daß die Torpassagen sich wie Schlangenlinien vom äußersten Glacis bis durch den Hauptwall winden. Dabei durchschnitten sie die dem Hauptwall vorgelagerten detachierten Werke und wurden regelmäßig über eine Reihe von Zugbrücken oder solchen, die nur aus Balken bestanden und im Ernstfalle abgeworfen werden konnten, geführt. Direkter Beschuß war also nicht möglich.
    Um ein Tor unter Beschuß zu nehmen, hätte der böse Feind mehrere separat verteidigte "Außen"werke erobert müssen und sich dann mit seinem Geschütz in Kernschußweite für die Musketen auf dem gedeckten Weg des Hauptwalles befunden.

    Gruß
    Jörg

  4. #14
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    Da soll mal wer sagen, die von der Infanterie wüßten nicht auch eine Menge ...
    Mein modellorientierter Blick hat mich vergessen lassen, dass so eine Befestigungsanlage ja aus vielen gestaffelten Werken besteht. So erklärt sich die Sache - wenngleich die halbwegs korrekte Darstellung im Massstab aus Platzgründen kaum gelingen wird.

  5. #15
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    @ Corporal,
    später fiel mir noch ein Tip ein:
    Such Dir auf Google Earth die holländische Festung Bourtange.
    Die ist zwar etwas älter, aber auf dem Luftbild kannst Du sehr schön erkennen, wie die Zuwegung durch die äußeren Werke geht, dann um diverse Kurven und schließlich über eine Brücke, wieder um Kurven und eine zweite Zugbrücke zum Tor.
    Wer den ersten Wall überwunden hätte, hätte keine Chance, im direkten Schuß das Tor zu bepflastern. Es im indirekten Schuß zu erreichen, wäre auch nicht ganz einfach.

    (Bei Bedarf auch gern weiteres Bildmaterial.)

    Gruß
    Jörg

  6. #16
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    Ich möchte die Ausführungen noch für die Zeit 1700-1820, also der Periode der bastionären Befestigungsmanier, ergänzen. Torbauten sind schon ein Thema mit verblüffender Vielfalt, wo sich die ganze Rafinesse der Bautechnik austoben kann, so daß ich hier aus der LaMäng nur einige Hauptlinien hervorheben will.

    Grundsätzlich sucht man bei Festungen in der Ebene die Tore des Hauptwalls der direkten Sicht und damit dem Beschuß der Belagerungsartillerie zu entziehen. d.h. die Sicht wird verdeckt 1. durch das Glacis und 2. durch Vorwerke, klassischerweise einem Ravelin (Wallschild), durch welches die Zufahrten geleitet werden. Siehe beigefügte Abbildung zur Belagerung von Freiburg 1744.

    Die Sohle des Tores liegt im allgemeinen auf der Höhe des Bauhorizontes, also auf ebener Erde. Daher waren immer Brückenkonstruktionen notwendig, die über den trockenen oder nassen Graben geführt wurden. Der Abschnitt vor dem Tor wurde durch Klappbrücken, Zugbrücken und verwandte Konstruktionen gesichert, so daß eine direkte Annähnerung bei aufgezogener Brücke nicht möglich war. Das Tor konnte durch weitere zusätzliche Torflügel oder Fallgatter verstärkt werden. Der Tunnel wurde i.a. gekrümmt durch den Wall geführt, um den direkten Durchschuß zu erschweren.

    In aller Regel liegt das Tor in der Mitte der Kurtine, also dem Wallstück, welches zwei Bastionen verbindet. Die Deckung des Tores erfolgte durch die Flankenbatterien der benachbarten Bastionen, ggf. auch Dechargengalerien.

    Erst in der Epoche nach 1815 wurden die Tore auch auf das Niveau der Grabensohle abgesenkt. Diese Tore wurden in der Regel dann durch einen kleinen zusätzlichen Graben, dem Diamantgraben geschützt. Ihr Aufgabe war es, schnelle Ausfälle in das Vorfeld zu erleichtern. Sie waren der Sicht des Vorfelds völlig entzogen, wurden also dem Angreifer erst bei der Krönung des Glacis sichtbar.

    Die Wälle der Vorwerke, wie z.B. die Raveline, die von den Durchfahrten zerschnitten wurden, hatten in der Regel keine permanenten Torbauten, deren Aufzug ja ohnehin zu hoch für die dahinterliegenden, überhöhenden Werke gewesen wäre. Sie wurden durch Gattertore, vorgelegte spanische Reiter, KLappbrücken etc. gesichert. Die Durchfahrten wurden seitwärts gelegt, so daß sie frontal nicht einzusehen waren. Die Tore und Durchlässe folgen also dem Prinzip der abschnittsweisen Verteidigung. Die Deckung der Durchfahrten erfolgte durch frontales Feuer vom Wall des Vorverks und durch flankierendes Feuer der seitwärts liegenden Werke (z.B. einer Bastion) bzw. durch den gedeckten Weg.

    Bei den selbständigen Außenwerken befanden sich die Tore auf der Kehlseite, d.h. sie waren von der Feindseite abgekehrt, waren in der Regel durch die dahinter liegenden Werke oder durch das Gelände gedeckt.

    Bei Belagerungen wurden Tore (und Poternen) zur Kommunikation mit den Vorwerken und für die Ausfälle genutzt. Tore einer angegriffenen Fronte pflegte dann zu verfüllen, daher auch die Versatzfalze in den Torbogen.

    Mir ist aus der Kriegsgeschichte nur 1 Fall bekannt, wo der Angreifer suchte, das Tor im direkten Beschuß zu zerstören (Toul, 1870). Tore konnten auch durch Petarden gesprengt werden, hierfür ist mir aus der Kriegsgeschichte 1789-1815 kein Beispiel bekannt.

    LB
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    Geändert von Blesson (25.03.2008 um 23:53 Uhr)

  7. #17
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    Ich kann nur ein schlichtes Danke schreiben für all die aufgewendete Mühe.
    Es wird aber sicher nicht nur mich interessiert und weitergebildet haben ...

  8. #18
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    Darf ich schon wieder was fragen?
    Nach eifrigem Herumgoogeln bin ich noch immer auf keinem grünen Zweig mit der Frage, wie man denn auf den Wallgang hinaufkam. Über eine Rampe? Stiegen - aus Stein, aus Holz? Wurden schwere Sachen (Kanonen uä) mit Flaschenzügen aufgezogen?
    Aus einem der bisherigen Bilder wäre auf eine Rampe zu schließen - aber ich will's mal wieder ganz genau wissen ...
    Danke für jede Hilfe!

  9. #19
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    So aus der LaMäng im Telegrammstil:

    wir haben den ganzen Zoo der konstruktiven Möglichkeiten, je nach Epoche, Finanzmitteln, verfügbaren Materialien, Handwerkskunst und Wissen des Ingenieurs. Die Zugänge befanden sich immer auf der Kehlseite der Werke, also:

    Bei Geschützen:
    Auffahrten (Rampen) mit einer Steigung 1:4 oder weniger an der Innenseite der Wallböschung. Das Hinaufziehen konnten durch Seilzüge oder Umlenkrollen unterstützt werden, meist war allerdings menschliche Kraft gefordert, da der Raum für das Maneuvrieren mit bespannten Protzen i.d.R. nicht ausreichte. Die Fahrspuren konnten durch Bohlen oder ausgelegte Platten befestigt werden.

    Diese ERd-Rampen sind z.b. in den Kehlen der Halbbastionen des Kronwerks von Bourtange deutlich zu sehen. Bei den Außenwerken bevorzugt man aus Kostengründen eigentlich immer Erdrampen, nicht zuletzt, um die Splitterwirkung der gemauerten Rampen oder der Bomben zu mindern.

    Bei großen gemauerten Werken (i.d.R. Reduits, Kehlkasernen etc.) konnten die Auffahren auch in den Gebäuden liegen (mir allerdings nur aus der 2. Hälfte des 19. JH bekannt).

    Wenn aus Platzgründen keine Auffahrt konstruiert werden konnte, dann wurden die Geschütze per Kran, Flaschenzug oder Rollen auf das Verdeck befördert - leichte Geschütze als ganzes, schwere Geschütze in Einzelteilen - Rohr, Laffette, Räder, Ladezeug etc.

    Bei einigen Höhenfestungen auch Schrägauffahrten mit einem Göpelwerk über den Hang.

    Bei der Infanterie:
    Wallgang und Schützenauftritt (hinter der Brustwehr) konnten meist direkt vom Terreplein über die leicht geneigte Böschung (1:1 bis 1:2) betreten werden - gesonderte Rampen sind hier nicht notwendig. In Erde geböschte Wälle konnten direkt vom Terreplein aus bestiegen werden.

    Dann haben wir noch abwerfbare Stege aus den dahinterliegenden Werken, welche den Graben überquerten; diese endeten allerdings meist auf der Höhe des Terrepleins, nicht auf dem Wallgang, wo sie zu exponiert gewesen wären.

    Desweiteren kennen wir in der gemauerten Conterescarpe eingelassene Treppen (z.B. bei Ravelins der Vauban-Festungen).

    Wendeltreppen von den unteren Geschossen auf das Verdeck. Auch improvisierte Zugänge durch Leitern.

    Bei älteren Festungen aus dem 16.-17. JH auch Treppentürme.

    LB

  10. #20
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    Schön langsam entwickelt sich diese Kolumne zu einem Buch über Festungswesen ...
    Vielen Dank wieder für die umfassende und neuerlich hochinteressante Darstellung.

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