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Thema: Die preußische Angriffskolonne 1812-1815

  1. #11
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    Der Stoß einer Angriffskolonne war nicht das stärkste Element offensive Element in einem Angriff - gerade die Angriffskolonne - die klassische colonne d'attaque - konnte jederzeit wieder in einer Linie deploiren - man behielt sich sozusagen eine zweite Chance.

    Gerade die colonne d'attaque bietet eine enorme Flexibilität taktischer Formationen, nämlich Linie und Karree.

    Es griff ja auch nicht nur eine colonne d'attaque an, sondern vielleicht ein ganzes erstes Treffen in colonne d'attaque.

    Das entscheidene eines Angriffes war, reichte die Drohung des Angriffes aus - um den Verteidiger in die Flucht zu schlagen, da war es egal ob der Angriff in Linie oder in Kolonne erfolgte.

  2. #12
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    Zitat Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
    Der Stoß einer Angriffskolonne war nicht das stärkste Element offensive Element in einem Angriff - gerade die Angriffskolonne - die klassische colonne d'attaque - konnte jederzeit wieder in einer Linie deploiren - man behielt sich sozusagen eine zweite Chance.

    ............

    Das entscheidene eines Angriffes war, reichte die Drohung des Angriffes aus - um den Verteidiger in die Flucht zu schlagen, da war es egal ob der Angriff in Linie oder in Kolonne erfolgte.
    Wenn es gestattet ist, teile ich diese Ansicht nicht umfänglich.
    Sicher, die Evolution von Linie in Kolonne & zurück war möglich und wurde sicher angewendet.
    Ob es aber nach einem erfolglosen Stoß einer Kolonne noch eine zweite Chance in Form des Deploirens in die Linie gab, wage ich zu bezweifeln.
    Weiterhin war es wohl auch damals nicht immer möglich einen Feind durch die nackte Drohung einer Angriffsformation in die Flucht zu schlagen.

    Scharnhorst wies in seinen militärtheoretischen Schriften darauf hin, dass der Angriff der Kolonne einen wesentlichen Vorteil gewährte um einen Sieg über den Feind zu erringen.

    ( Quelle . Usczeck /Scharnhorst Theoretiker-Reformer-Patriot S.100-101)

    Das erscheint in sofern logisch, um vor allem entscheidente Schläge entlang einer günstigen Operastionslinie ( Hauptschlagrichtung ) zu verwirklichen.
    Ziel war es also aus meiner Sicht, die feindlichen Linien zu durchbrechen, um sie danach zu zerschlagen.
    D.h. die Überlegenheit durch die Konzentration von Kräften & Mitteln in einer ausgwählten Richtung.
    Das " Schieben " der Linien hatte lediglich einen Abnutzungseffekt für beide Seiten zur Folge.
    Einen entscheidenden Sieg brachte diese Form der taktischen Handlungen wohl nach 1800 nicht mehr !?
    Zumal es kaum noch große geschlossene Linien gab, sondern die Handlungen in Divisionen.
    Die wiederum Angriffskolonnen erst effektiv ermöglichten.

  3. #13
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    Ich habe jetzt mal in den Schwarz (Gefechtsformen der Infanterie in Europa) und den Rüstow (Geschichte der Infanterie) geschaut - dort wird die zwar die Geschwindigkeit der Kolonnenformation über die Mitte hin gewürdigt, aber nirgends auf einen "überraschenden Moment" eingegangen. Das leuchtet mir auch insofern nicht ein, als eine Migration von einer Linie zur Kolonne doch etwas Zeit bedarf und vom Gegner in Sichtweite sicher nicht verborgen werden konnte. Aber über die genaue Dauer zur Formation einer (Bataillons-) Kolonne kann hier sicher einer der Reenactor Auskunft geben, da die es live einstudieren dürfen.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  4. #14
    Avatar von Gunter
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    Ich stimme Markus zu, die Formation von Linie in Kolonne in der Nähe des Gegners ist doch unwahrscheinlich. Angriffe in Kolonne erfolgten mittels bereits in Kolonne anmarschierten Bataillonen. Anders sah die Sache mit der Linie aus, das war die normale Gefechtsformation, auf die sich auch die Grundaufstellung und Organisation der Bataillone bezog. In der Regel wurde in Kolonne angerückt, weil man so besser auf dem Gefechtsfeld manövrieren konnte, dann sollte in Linie umformiert werden um zu kämpfen. Das gelang natürlich nicht immer, oder man ließ diesen Schritt aus verschiedenen Gründen aus.

    Grüße

    Gunter

  5. #15
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    Wie auch immer, Scharnhorst nutzte den Begriff des Überraschungsmomentes beim Einsatz der Angriffskolonne.

    Wie muß man sich das vorstellen ?

    Aus meinem Verständnis her konnte so eine " überaschender Stoß " sowohl zum Beginn eines Gefechtes erfolgen, als auch im Verlaufe der Gefechtshandlungen.
    Hier mußte man verschiedene Faktoren berücksichtigen !
    Einmal die Disposition des Feindes, sowie seine Stärke und vor allem das Gelände.
    Letzteres aus meiner Sicht ein entscheidenter Faktor für überraschende Schlägen !
    Denn die Entwicklung einer Angriffskolonne mit nachfolgendem Stoß, was wie richtig erkannt Zeit und Raum erfordert, kann nur überraschend erfolgen, wenn weitestgehend gedeckt vorgegangen wird.

    D.h. ein überraschender Stoß konnte entweder durch ein kühnes Manöver zu Beginn der Handlungen erfolgen oder aber aus dem zweiten Treffen heraus im Verlaufe des sich entwickelnden Gefechtes.

    Das werden wir so nicht in Regularien finden, befürchte ich.
    Das hing sehr stark von den entsprechenden Heerführern ab, deren Übersicht, Findigkeit , Kühnheit und Entschlossenheit.
    Also nur in Paxi der dokumentierten Handlungen.

    Ich selber habe unlängst in Leipzig bei der Gefechtsdarstellung in der Preußischen Brigade in einem " Bataillon " im Glied gestanden.
    Unser " Bataillon " formierte zweimal eine Angriffskolonne aus der Linie heraus.
    Die Einheit bestand aus vier Sectionen a 6-8 Rotten.
    Die Evolutionen erfolgten jeweils aus der stehenden Linie.
    Die gefühlte Zeit dabei war jeweils 2-3 Minuten.
    Vielleicht kann man das hochrechnen, ich weiß es nicht.

  6. #16
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    Ein Vorschlag:

    Zögen die Herren Diskutanten bitte mal die verschleiernde Wirkung des Schützengefechtes vor der Bataillonsmasse in Betracht?
    Hinter dem weißen Nebel konnte man eigentlich alles machen, ohne daß der Gegner es genau mitbekam.

    Zu den gefühlten Zeiten des Kameraden Suworow weichen meine ab.
    Meine Schätzung würde auf ca. 1 Minute laufen.
    Aber (hoffentlich weiß ich das nächstes Frühjahr noch): Wir sollten die Zeit mal stoppen!

    Von daher würde ich dem Bataillon zu 8 Zügen im Herbst 1813 vielleicht tatsächlich 2-3 Minuten für die Aktion geben (längere Wege)
    Wie bewerten wir dabei, daß im Herbst 1813 alle Aktionen "im Trabe" ausgeführt werden sollten (Quelle vergessen) ?

    Welche Möglichkeiten hatte ein Gegner noch, vor dessen Nase sich innerhalb
    von 2-3 Minuten eine Linie in eine Kolonne verwandelte, die dann im Geschwindschritt heranwalzte, selbst wenn er alles sehen konnte?


    Jörg
    The light at the end of the tunnel
    is from an oncoming train.

  7. #17
    Avatar von Gunter
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    Vielen Dank für die Erklärungen an Suworow und Jörg,
    es leuchtet natürlich ein, dass ein Bataillon in Linie hinter seinem Plänklerschirm in Kolonne umformieren kann, um dann nicht mehr einfach parallel wie die vorherige Linie zu agieren, sondern über einige Schwenks eine Schwachstelle in den gegnerischen Linien anzugreifen.

    Grüße

    Gunter

  8. #18
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    Welche Möglichkeiten hatte ein Gegner noch, vor dessen Nase sich innerhalb
    von 2-3 Minuten eine Linie in eine Kolonne verwandelte, die dann im Geschwindschritt heranwalzte, selbst wenn er alles sehen konnte?
    Ich versteh die Argumentation überhaupt nicht, das entscheidende ist doch, egal welche Formation, dass der Angreifende den Mut des Verteidigers todschlägt.

    Entscheidend ist doch das timing, und dann ist die taktische Aufstellung egal.
    Wie soll auch eine Kolonne einfach so herumhampeln um einen Schwachpunkt des Gegners zu finden, es wird doch wohl mehr als eine taktische Einheit verwendet worden sein - also mehr als ein Bataillon, ich da werden dann mehrere Angriffskolonnen in einer "Linie" im Abstand zum Deploieren aufgestellt gewesen sein, einfach mal so ausscheren, würde ja auch eine Lücke für den Gegner eröffnen.

  9. #19
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    HK,
    die Möglichkeiten sind natürlich sehr begrenzt sich seitwärts zu bewegen. Kleiner Fehler von mir mich nur auf ein einzelnes Bataillon zu beziehen. Ich meinte auch nicht, dass der Bataillonskommandeur sich nun in Ruhe mal eben eine Schwachstelle aussucht, sondern dass der Punkt von oben vorgegeben wird und ggf. von einer ganzen Brigade ausgeführt wird. Es hat ja auch nicht jedes Bataillon unabhängig über seine Formation bestimmt. Das ist alles im Gesamtzusammenhang zu sehen.

    Grüße

    Gunter

  10. #20
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    Genau so ist es - ein Angriff wird ja wohl von einer Division durchgeführt worden sein, wenn nicht ein ganzes Armeekorps.

    Für die Angriffskolonne spricht - gute Mobilität und eben auch taktische Flexibilität.

    Die preußische Brigade war ja auch - wenn ich mich recht erinnere - nach dem Reglment von 1812 in 2 Treffen in Angriffskolonnen aufgestellt, mit Landwehr dann in 3 ??

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