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Thema: Französische Artillerie

  1. #1
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    Standard Französische Artillerie

    Hallöchen,

    nachfolgende Anfrage ist offensichtlich epochenübergreifend, hat ihre Wurzel aber im 3ieme Empire:

    Im Park des Schlosses Schönhausen (Geburtsort Bismarcks) stehen 4 Kanonen, die, entsprechend der Museums-Legende, dem Reichskanzler aus der französischen Beute geschenkt wurden. (die Lafetten sind laienhafte Nachbauten der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts).

    Die Geschütze weisen nun folgende Jahreszahlen auf (von vorn nach hinten):
    1856 / 1713 / 1745 / 1862. Die beiden Kanonen aus dem 19.Jh. könnten wohl 6 Pfünder sein; die großen sind (laienhaft geschätzt) 12 Pfünder.

    Die beiden kleinen Kanonen haben gezogene Läufe aber keine erkennbare Möglichkeit, die Kammer zu öffnen.
    Das bringt mich zur Frage an die Artillerie-Wissenden: Wie lädt man denn einen gezogenen Vorderlader?

    Und nun wird's richtig seltsam:
    Beide große Kanonen tragen den Wahlspruch des Sonnenkönigs NEC PLURIBUS IMPAR, das Stück mit der Jahreszahl 1745 obendrein ein REPUBLIQUE FRANCAISE [!] und hat einen gezogenen Lauf [!].

    Weitere Frage: Gezogene Geschützrohre vor 1750?

    Wenn die großen Rohre tatsächlich aus dem 18.Jh sind, waren die dann 1870 im Einsatz? Oder stammen sie aus einem ausgeräumten französischen Museum resp. Zeughaus?

    Traut sich jemand eine Deutung zu?

    Gruß
    Jörg
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  2. #2
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    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Die beiden kleinen Kanonen haben gezogene Läufe aber keine erkennbare Möglichkeit, die Kammer zu öffnen.
    Das bringt mich zur Frage an die Artillerie-Wissenden: Wie lädt man denn einen gezogenen Vorderlader?
    Ich würde sagen wie beim Minié-gewehr (nur X-mal grösser)
    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Und nun wird's richtig seltsam:
    Beide große Kanonen tragen den Wahlspruch des Sonnenkönigs NEC PLURIBUS IMPAR, das Stück mit der Jahreszahl 1745 obendrein ein REPUBLIQUE FRANCAISE [!] .
    Nicht ungewöhnlich bei der Lebensdauer der Kanonen.
    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Weitere Frage: Gezogene Geschützrohre vor 1750?
    Würde eher sagen nachgebohrt.
    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Wenn die großen Rohre tatsächlich aus dem 18.Jh sind, waren die dann 1870 im Einsatz? Oder stammen sie aus einem ausgeräumten französischen Museum resp. Zeughaus?
    Sicher nicht bei der kaiserlichen Armee, aber vielleicht waren die noch als Reserve in den Depots und wurden den neuaufgestellten republikanischen Einheiten ausgegeben?
    Oder ganz einfach: In Metz aus dem Fundus der Artillerieschule geklaut.
    Je l'ay emprins

  3. #3
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    Ich würde sagen wie beim Minié-gewehr (nur X-mal grösser)
    @ Wufi,
    die anderen beiden Argumente leuchten mir ein.
    Vom Minie-Gewehr weiß ich so viel, daß der Gasdruck der Pulverladung den becherförmigen Boden des Minie-Geschosses aufweitet und es in die Züge damit drückt.
    Bei einem nach gleichem Prinzip funktionierendem Geschütz braucht man also ein Geschoß, dessen Boden so weich ist, daß der Gasdruck ihn verformt.
    Gab es so was? Gußeisen / Stahl scheinen mir nicht in Frage zu kommen.

    Gruß
    Jörg

  4. #4
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    War auch eher geraten, die erste Antwort.

    Na ja es gibt zwei Möglichkeiten ein Geschoss in die Züge zu "drücken", entweder dehnt sich das Geschoss von innen aus, oder es wird durch die Ladung der Länge nach zusammengestaucht.
    Letzteres scheint realistischer für Artillerie.
    Je l'ay emprins

  5. #5
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    Guten Tag die Herren,

    die Ladung eines gezogenen Vorderladers erfolgt gleich zu einem glatten Exemplar. Da hat sich im Prinzip nichts geändert. Sogar das Zuhalten des Zündloches erfolgte noch 1870 (siehe dazu die Aussagen eines Beteiligten in den Ausarbeitungen von Dr. Christ). Übrigens hatten die Geschosse sog. Bleiwarzen, die sich beim Abschuß in die Züge drückten. Die Zündung war ein anderes leidiges Problem. Was das Alter der Kanonen betrifft, so ist es durchaus möglich, dass man später die Züge nachträglich angebracht hat und dann zur Verteidigung von Festungen benutze. Man hat damals alles genommen, was noch zum Schießen taugte (siehe auch die Infanterie) und die Republik hatte ein buntes Gemisch von Waffen. Hier wurden zahlreiche Perkussionsflinten zu Hinterladern umgebaut, teilweise sogar so ausgegeben (zumindest zum Üben). Im Hof des Museums in Rastatt stehen auch noch solche Veteranen inklusive kleinen Messingtafeln, die berichten, wann und wo sie erbeutet wurden. Ein echtes Exemplar (angeblich sogar der Vierpfünder, den die 5. Jäger am 4.8.1870 bei Weißenburg eroberten) kann man in Schloß Krobnitz/Lausitz (gehörte ehemals Familie Roon) sehen, allerdings in preußischem Hellblau : -((.

    Beste Grüße!

    Detmar

  6. #6
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    Detmar - schönen Dank für die erhellenden Worte.

    Jörg

  7. #7
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    Guten Morgen Jörg,

    anbei mal ein paar Bilder, sie zeigen einmal die Projektile als Zeichnung sowie im Original und dazu eine Abbildung der von der kaiserlichen Armee benutzen Geschützrohre. Anhand derer ließe sich auch bestimmen, welches Kaliber dort im Schloßhof steht. Später (unter der Republik) kam dann noch eine Menge eigener und ausländischer Typen dazu.

    Beste Grüße!

    Detmar
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