Seite 1 von 6 12345 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 51

Thema: "Pferdetaktik" - Soll und Realität

  1. #1
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.207

    Standard "Pferdetaktik" - Soll und Realität

    Als beeindruckter Besucher der gerade in Mannheim stattfindenden Europameisterschaften für Springreiten konnte ich am Freitag Abend den Übungen für eine Gala mit einem Programmpunkt - der Quadrille aus schätzungsweise 100 Hengsten der besten Staatsgestüte Europas - beiwohnen.

    Dabei ist mir aufgefallen, dass es selbst diesen absoluten Reitprofis (wie gesagt: alle bei Staatlichen Gestüten, wie z.B. Marbach in Württemberg, angestellt) nicht gelang, ihre Pferde in "Reih und Glied" zu formieren ... die Linien hatten einen deutlich erkennbaren "Schlangencharakter". Und das Beste: als die Hengste dann endlich in Reihen hintereinander formiert wurden und standen, war keinesfalls "in Ruhe" gegeben, ständig scherte ein Pferd mit Reiter aus, ein anderes bäumte sich etc. etc.

    Da stellt sich für mich als Reitanfänger (ich saß bisher nur zweimal auf dem Rücken dieser stattlichen, beeindruckenden Lebewesen) die Frage: die Kavalleriereglements waren ja ganz nett "gemeint", an einer ordnungsgemäßen, akkuraten Ausführung konnte doch angesichts der "Eigendynamik" der Pferde nicht gedacht werden. Und die netten Gemälde mit den Kavalleristen, die so schön in Reih und Glied dastehen, halte ich seit Freitag für absolute Legende!

    Übrigens haben die Holländer mit phantastischen Ritten gewonnen ... und dann gemeinsam mit den Vizeeuropameistern aus Deutschland und den drittplatzierten Engländern mehrere Ehrenrunden gedreht. Dabei ist mir aufgefallen, dass diese Pferde absolut nicht "zu beherrschen" sind, die haben einen Elan und eine Springfreude, dass z.B. direkt vor mir an der Bande ein imposanter grauer Wallach eines Holländers auskeilte - Wahnsinn!

    Während des Turniers habe ich mich schon eine "Sturmtruppe" für Karrees aus diesen "Springmaschinen" zusammenstellen lassen ... die hätten sicher die Hürde der Infanteristen übersprungen und wären ins Karree eingedrungen (hat man damals nicht an solche ausgewählte Pferde gedacht?) ... wie einen das Hobby verderben kann und selbst bei solchen Anlässen taktische Finessen auserkoren lässt

    Ich denke, hier sind mal wieder die Kavallerieerfahrenen wie z.B. Cuirassier gefragt ...

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  2. #2
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    Es waren wie du schriebst eine Menge Hengste dabei. Die sind in der Regel ziemlich temperamentvoll und wurden nicht als Militärpferde benutzt, da sie zu schwer zu kontrollieren sind. Ich frage mich allerdings, ob die Gestütspferde ein ähnlich intensives Training wie langjährige Kavalleriepferde haben. Vermutlich nicht, denn die Hengste hier in Moritzburg können auch nicht das ganze Jahr trainiert werden, da sie schließlich hauptsächlich auf dem Deckstationen gebraucht werden. Ihre Trainingsphase ist also doch ziemlich kurz. Geometrisch hat man sich die Formationen sicher nicht vorzustellen. Halbwegs lenkbar sollten sie aber doch gewesen sein. Bei neueingestellten Pferden und schlechten Reitern war die Kavallerie sowieso ziemlich wertlos. Man fragt sich ernsthaft, wozu überhaupt immer wieder so viele improvisierte Kavallerieeinheiten aufgestellt wurden. Am besten ließen sich wohl noch ziemlich erschöpfte Tiere im Griff behalten, die dann aber kaum mehr einen Galopp auf dem Schlachtfeld hinbekamen. Es ist sicher auch so häufig mal ein Pferd einfach ausgetickt.
    Ein kleines Beispiel:
    Neulich las ich einen Aufsatz über das preußische Dragonerpferd "Adam", das viele Jahre im Dienst blieb und nur 2-3 Reiter duldete. Dem letzten musste es bei seiner Versetzung zur Gendarmerie ausnahmsweise mitgegeben werden, weil keiner sonst damit klar kam. In seinem ganzen Leben wurde es nur ein einziges Mal beschlagen, dann ließ es keinen Schmied mehr an sich ran. Als Kampagnenpferd war "Adam" dafür überragend.

  3. #3
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.696

    Standard

    Du würdest ja auch nicht einen Formel I Wagen mit einem normalen PKW verlgeichen wollen?

  4. #4
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.207

    Standard

    Zitat Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
    Du würdest ja auch nicht einen Formel I Wagen mit einem normalen PKW verlgeichen wollen?
    Fragt sich, wem Du die Formel-1-Fähigkeit attestierst

    Aber das zitierte (erfahrene) Pferd von Gunter belegt, wie ich finde, die "Unberechenbarkeit" und v.a. Unbeherrschbarkeit der Pferde, auch (oder gerade?) in Armeediensten.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  5. #5
    Registriert seit
    20.10.2006
    Ort
    Bielefeld
    Beiträge
    342

    Standard

    das bittere ist...selbst der ruhigste 4beiner kann auch mal austicken...man schaue sich nur die geburtstagparade der queen an, da konnte man diese jahr 1-2 pferde ohne reiter sehen...die im glied standen..*))

    leichter ist es, man hat pferde einer farbe in einer truppe, das macht es dann sehr leicht. mit hengsten ist es generell ein grosse kunst, hab vor 3 jahren ne hengstshow besucht, auf einer entfernten weide grasten stuten!...die hengste sind nach dem einmarsch auf den platz völlig ausgetickt und durch die zuschauer zu den stuten galoppiert. show war dann nach 1 minute zuende*)
    kam beim publikum doll an...*

    habe 3 schwere unfälle hinter mir, seitdem reitet aufm reenactment auch ein wenig die angst immer mit...(...nun ja, ein angriff in linie löst sich spätestens beim verstärkten trab auf und wird zur welle... meine meinung....
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

  6. #6
    Registriert seit
    20.10.2006
    Ort
    Bielefeld
    Beiträge
    342

    Standard

    ps: in der göhrde werden wir sehen, was von unserer exerzierplatzreiterei übrig bleibt... und wie weit wir in geschlossener formation kommen....****
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

  7. #7
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.207

    Standard

    Cuirassier,

    danke für den Kommentar von einem der wenigen Reenactment-Reiter ... ich denke, das bestätigt mein Empfinden rein als "Beobachter" ... die Hengststory ist klasse - hätte mir auch gefallen, allerdings wäre ich ungern Reiter auf diesen Jungs gewesen

    Das mit den gleichen Farben finde ich aber interessant ... sind die Jungs/Mädels dann "sedierter", oder warum soll es dann einfacher sein, das große Rudel unter Kontrolle zu bringen?

    Wenn Du die Kracher bei der Springreiter-EM gesehen hättest, wäre Deine Angst sicher noch begründeter ... wie gesagt, gerade die Holländer sowie der aktuelle Weltmeister aus Belgien haben echte "Kawenzmänner" unter ihren Beinen, die kaum zu bändigen waren ... erstaunlich dass die (eingedeutschte) Meredith Michaels-Beerbaum Europameisterin für Deutschland wurde, und das auf einem eher zierlichen Pferd.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  8. #8
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.207

    Standard Ausfälle durch Unfälle

    Dein Kommentar bzgl. der 3 Unfälle, Cuirassier, bringt mich gleich zur nächsten Frage ... mich würde ja schon mal interessieren, wie viele Reiter ohne Feindeinwirkung allein durch "Fallen vom Pferd" (und ich glaube, da fällt man schon recht tief) verletzt wurden und daher auf die "Abwesenheitslisten" gesetzt werden mussten.

    Haben die Kavallerie-Einheiten von vornherein bzgl. der Rekrutierung von Soldaten mit diesem "Ausschuß" gerechnet?

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  9. #9
    Registriert seit
    20.10.2006
    Ort
    Bielefeld
    Beiträge
    342

    Standard

    ..die unfälle hatte ich aber als privatreiter*) trotzdem nicht schön...

    zu den farben, regimenter haben von je her gerne immer nur eine farbe genommen, die engl. dragoner z. bsp. die legend. grauschimmel...oder irische rappen bei den lifes und blues & roayls. preuss. dragoner dunkel-oder ritfüchse usw. das hat einen natürlichen grund; eine herde einer farbe fühlt sich stark...geht uns menschen nicht soviel anders...?!
    viel farbe, viel unruhe....
    das selbst ruhige pferde sich erschrecken hat oft einen banalen grund, pferde können auf 400mtr super scharf sehn, aber nicht auf 4 mtr. , können die pupille nicht richtig focussieren...ist klar, gefahr soll früh erkannt werden damit genug zeit zur flucht bleibt.was für reiter halt schlecht*)
    ich persönlich fühl mich aufm! pferd sicherer als daneben....immerhin hat meiner mit sattel stockmass 185-190 auf 700 kg...das ist schon kraftbolzen..*)

    in HH ist um 1809? bin mir nicht sicher ein reiterregiment aufgestellt worden, ( selbige konnten nicht reiten und sind zum gelächter der bevölkerung ständig vom pferd gefallen, müsst ich raussuchen)

    beim einmarsch in paris 1814 sind viele reiter auf dem glatten kopfsteinpflaster ausgerutscht, und es gab viele verletzte

    die preuss. kürassiere hatten sich 1814 bekanntlich mit kürassen versehen, aber keinerlei erfahrung damit...das diese auch passen müssen, auch da gab es bei abwürfen viele verletzte....und sogar tote, wegen der kürasse.

    zuletzt, um 1780 gibt es eine odre vom preuss. könig, den reiterunterricht zu entschärfen...es gab zuviele verletzte und tote !! beim reitunterricht...
    gruss uwe
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

  10. #10
    Registriert seit
    01.10.2006
    Beiträge
    1.558

    Standard

    Kanst Du mir die Quelle für die einheitlichen Farben bei den preußischen Dragonern nennen ?

    Die frühesten Belege, die ich für ein eskadrons- oder zugweises Sortieren der Pferde innerhalb preußischer Kavallerie-Regimenter kenne, stammen alle aus den Jahren 1815 (nach dem Feldzug) und 1816.

    Bei der Artillerie wurden die einzelnen Züge (je 2 Geschütze) gerne mit Pferden derselben Farbe bespannt (hab je einen Beleg für Sachsen und Preußen), doch diente das anscheinend vor allem dazu, den Geschützzug schon von weitem erkennen zu können.

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •