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Thema: "Pferdetaktik" - Soll und Realität

  1. #11
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    Standard Einheitliche Farbe in Herden

    Das mit der einheitlichen Farbe und der Auswirkung auf das "Pferdegemüt" lässt mich ja nicht los ... daher habe ich mal etwas "gegoogelt" und folgende Hinweise gefunden:

    In der Natur waren Pferde als Fluchttiere darauf angewiesen, sowohl aus ihrer Umgebung als auch aus der Herde nicht zu sehr herauszustechen.
    (Quelle: http://fellfarben_der_pferde.know-library.net/)


    Wildpferde sind als Pflanzenfresser und Beutetiere darauf angewiesen, möglichst wenig aufzufallen. Daraus resultiert eine einheitliche Tarnfarbe, wie sie bei vielen herdenbildenden Beutetieren anzutreffen ist. Die Färbung der Tiere ist einheitlich, damit einzelne Exemplare nicht aus der Herde herausstechen, und sie ist tarnend, um sich möglichst wenig vom Lebensraum abzuheben.
    (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fellfarben_der_Pferde)

    Für die Aussage von Pferdehaltern, dass sich gleichfarbige Pferde besonders zueinander hingezogen fühlen, konnte die Marburger Verhaltensforscherin keine Anhaltspunkte finden. Zwar orientierten sich einige Pferde an der Fellfarbe, wenn sie neu in eine Herde kamen. Sobald sie sich jedoch besser kannten, spielten weniger augenfällige Eigenschaften eine grössere Rolle.
    Allerdings untersuchte Frau Wasilewski nur Herden mit Stuten und Kastraten. Eine frühere Studie freilebender amerikanischer Pferde hatte nämlich ergeben, dass manche Hengste ihren Harem gezielt nach der Fellfarbe zusammenstellen. Als Ursache für dieses Verhalten vermutet man die Prägung des Fohlens auf die Fellfarbe der Mutter, woraufhin einige Pferde diese Farbfixierung entwickeln. Auch Züchter berichten immer wieder, dass sich bestimmte Stuten nur von gleichfarbigen Hengsten decken lassen, während sie andersfarbige als Paarungspartner strikt ablehnen. Auch von «Rassevorurteilen» bei Pferden hört man immer wieder. Dieser vermeintliche «Rassismus» bei Pferden hat vermutlich jedoch weder etwas mit der Rasse, noch mit der Farbe des Fells zu tun. Vielmehr entscheiden hier andere Kriterien wie die Bewegungsaktivität oder die Individualdistanz, die oftmals zu verschieden sind, über Sympathie und Antipathie.
    (Quelle: http://www.kavallo.ch/artikel.asp?artikelID=275)

    Ich hab mal gelesen, dass sich viele (lange nicht alle!!!! gibt auch Shetty- und Shire-Freundschaften) Pferde ihre Freunde nach der Rasse oder der Farbe aussuchen! Wir hatten das ganz extrem in Österreich (als mein Pony dort stand). Die Füchse standen auf einem Haufen, die dunklen auf einem und die Ponys in der anderen Ecke! Meine Kleine war leider die ganze Zeit "alleine", was auch an ihrer Fellfarbe (Schecke) liegen kann! Auch in meinem alten Stall stehen oftmals die dunklen und die hellen Pferde zusammen! Ich selber versteh das nich so ganz, weiß auch die genaueren Gründe für so ein Verhalten nicht (müsste ich den Artikel raussuchen)...
    (Quelle: http://www.razyboard.com/system/more...3945126-0.html)

    Nun ja, nix Genaues weiß man nicht ... die wohl instinktive Zusammenrottung unter gleichfarbigen Pferden ist recht plausibel, da ja andersfarbige Tiere dann auch auffälliger für die natürlichen Feinde wären ... aber ob dadurch auch die Herde insgesamt "unruhiger" (weil höhere Gefahr) wird, das wäre jetzt noch zu klären ...

    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  2. #12
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    Springsportreiterei kann man wohl gar nicht mit der Militärreiterei der napoleonischen Zeit vergleichen, klar ein Pferd bleibt ein Tier - auch im 18. JHDT aber Schlüsse von einem Reitttunier- von hochgezüchteten Modellathleten - auf Gebrauchspferde der napoleonischen Zeit, sind doch nur sehr bedingt zu ziehen.

  3. #13
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    Zitat Zitat von Cuirassier Beitrag anzeigen
    zu den farben, regimenter haben von je her gerne immer nur eine farbe genommen, die engl. dragoner z. bsp. die legend. grauschimmel...oder irische rappen bei den lifes und blues & roayls. preuss. dragoner dunkel-oder ritfüchse usw. das hat einen natürlichen grund; eine herde einer farbe fühlt sich stark...geht uns menschen nicht soviel anders...?!
    viel farbe, viel unruhe....
    Der Name Scots Greys kommt allerdings nicht von den Grauschimmeln sondern von der Uniformfarbe zum Zeitpunkt ihrer Aufstellung im 17. Jhd wobei die Pferde damals auch noch keine Schimmel waren. immerhin heissen die Blues ja auch Blues obwohl ihre Pferde nicht Blau waren.

    ich habe mal gehört dass die Einheitlichen Farben der Pferde bei Regimentern erst von Napoleon so eingeführt worden sei, bin mir aber nicht sicher... soweit ich weiss wurden die Musketiere des Maison du Roi tatsächlich nach der Farbe ihrer Pferde in Noir und Gris eingeteilt.

  4. #14
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    Zitat Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
    Springsportreiterei kann man wohl gar nicht mit der Militärreiterei der napoleonischen Zeit vergleichen, klar ein Pferd bleibt ein Tier - auch im 18. JHDT aber Schlüsse von einem Reitttunier- von hochgezüchteten Modellathleten - auf Gebrauchspferde der napoleonischen Zeit, sind doch nur sehr bedingt zu ziehen.
    Hans-Karl, direkte Schlüsse, dass es so und nicht anders gewesen sein soll, habe ich doch nicht gezogen ... aber es war für mach als "Pferdenovize" einfach unglaublich, die Unbeherrschtheit der Pferde zu sehen.

    Und letztlich hat ja Cuirassier, der immerhin bei Reenactments zu Pferde vorgeht, meinen Eindruck bestätigt.

    Die Viecher sind eben zu einem gewissen Grad unberechenbar - gut, abhängig von Geschlecht (Jungs schlimmer als Mädels bzw. Kastraten), von Statur (ich denke, so ein Normannischer Ackergaul ist nicht ganz so heißblütig wie ein Araber ), aber auch der von Gunter erwähnte Ermüdungsgrad (andererseits frage ich mich auch, ob dann nicht der "Eselseffekt" der schlichten Verweigerung aufgrund von Müdigkeit auftritt).

    Ich glaube einfach, und das bisher Gelesene bestätigt mich, dass die Kavallerie nicht so "kompakt" und geschlossen agieren konnte qua "Unsicherheitsfaktor" Pferd ... und der von mir auch angesprochene "Verlust" an Reitern aufgrund von Unfällen wäre auch noch ein interessanter Untersuchungsgegenstand (Cuirassier hat ja schon einige interessante Beispiele gebracht).

    Schöne Grüße von einem mehr denn je "überzeugten" Fußgänger
    Markus Stein
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  5. #15
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    Nimm dann mal so einen Zossen, der so ca 2000 km Marsch hinter sich hat, schlecht ernährt, zig kg mit sich herumschleppend, ich denke das beruhigt dann auch etwas mehr als voll im Saft stehende Turnierpferde.
    Stillgestanden werden die Gäule damals natürlich auch nicht sein.

  6. #16
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    AU das tut weh

    Wer der Formel 1 ist ?

    Im Bezug auf Reenactmentreiterei oder kavalleristische Eignung sicher nicht die deutschen Warmblut-Turnierkracher.

    Diese Pferde sind sicher erstklassig in dem Bereich für den sie gezüchtet und gehalten werden, doch frag einmal einen "Turnierreiter" wann er das letzte mal in eine Menschenmenge geritten ist? oder überhaupt das Dressurviereck bzw. den Sprungplatz verlassen hat? Diese Pferde sind für uns nicht zu gebrauchen, denn da sie es nicht anders kennen, scheuen sie vor allem und jedem - und zeigen dabei die von dir Markus so trefflich beschriebenen Verhaltensweisen.

    Ein Polizeipferd, ein Reenactmentpferd, ja sogar ein einfaches mittelmäßig ausgebildetes Wanderreitpferd ist gegen fast jeden nochsoteuren Turnierüberdrüberkracher im Ernstfall vorzuziehen. Wenn diese Superpferde nur eine Maus sehen oder etwas kracht/Quietscht, kann es sein dass sie scheuen und unkontrollierbar davonrennen.

    PS. Wir reiten mit unseren Pferden durch Menschenmengen, stehen still, wenn Infanteriekarres meinen sie müssen uns zurückdrücken(mit gebrüll und geschubse) und so manches Pferd hat erkannt, das diese gefleckten Dinger die die Fußlatscher am Rücken mitschleppen oft Fressbares beinhalten gggg*
    Ein Angriff auf Infanterie die brüllt und feuert (solange man nicht näher als ca. 25 m kommt) ist auch kein Problem und das abbremsen und heranreiten auf Säbelkontakt ist auch schon Routine -
    Wenn nun unsere Freizeit und Reenactmentpferdchen so brav mitspielen, warum sollten dann echte Kavalleriepferde, die täglich, von 6.00 Uhr früh an in Formationen und in einzelnen Übungen darauf gedrillt wurden, das nicht ebenso und nicht viel viel gelassener Durchgeführt haben?

    Pferde sind Fluchttiere ja, aber sie sind noch viel mehr Herdentiere und Gewohnheitstiere.
    Pferde fürchten das Ungewisse, alles was sie nicht kennen, aber ein Militärpferde kennt Infanterie, Fahnen, Trommeln, Gebrüll, Geschützdonner etc.
    Und da es bis zu dem Zeitpunkt da es im Ernstfall getroffen wird, mit diesen Geräuschen und Eindrücken nichts negatives verbindet, kennt es beim Angriff auf Infanterie sicher weniger Furcht als sein Reiter, der ja denken kann.
    Mfg
    Kavallerist
    Geändert von KAVALLERIST (21.08.2007 um 12:39 Uhr)

  7. #17
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    Hallo Kavallerist,

    Danke für diesen sehr interessanten Eindruck vom Reenactment ... natürlich war mir klar, dass Hans-Karl auf den "sinnlosen" Vergleich von Turnierpferden mit Militärpferden hinwies ... und da hat er ja auch Recht.

    Btw. und off-topic: Das Schreckhafte kostete Ludger Beerbaum die Silbermedaille, denn vor der Haupttribüne war eine bewegliche Kamera angebracht, die normalerweise hinter den Reitern "mitfuhr" ... allerdings bremste Beerbaum kurz vor einem Hindernis ab, sein Wallach erschrak vor der plötzlich auftauchenden Kamera, bewegte sich von dort fort, also schräg über das Hindernis ... und Beerbaum hatte den einzigen Abwurf in seinen 4 Läufen.

    Aber zurück zum Thema ... das mit der zusammen bleibenden Herde leuchtet mir ein - aber wie sah es dann aus Eurer Reitererfahrung z.B. bei Bewegungen aus? Haben sich die Mädels und (kastrierten) Jungs dann noch in "Reih und Glied" halten lassen? Und vor allem finde ich nach wie vor interessant, inwiefern der "Ausschuß" an verletzten Reitern durch ggf. höhere Rekrutenzahlen kompensiert wurde?

    Das waren die Fragen, die sich mir im Rahmen des Reiterwettbewerbes stellten ... schöne Grüße
    markus stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  8. #18
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    Zitat Zitat von KAVALLERIST Beitrag anzeigen
    und so manches Pferd hat erkannt, das diese gefleckten Dinger die die Fußlatscher am Rücken mitschleppen oft Fressbares beinhalten gggg*
    DAS würde ich ja gerne mal auf einem Photo sehen ... grandios, sich das vorzustellen

    Markus Stein
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  9. #19
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    Danke Kavallerist, dass Sie hier einige Dinge wohltuend zurecht gerückt haben. Immer und überall kommt es darauf an für welche Dinge die Pferde "benutzt" wurden bzw. werden. Sicherlich war die Verwendung in kriegerischen Handlungen, eine Verwendung der lebenden Kreatur die nicht ohne weiteres zu bejahen ist.

    Einige Postings zeigen mir aber, dass die Kavallerie als Waffengattung bei den Schreibern aber auch völlig unbekannt ist bzw. man von dem Zusammenwirken von Reiter und Pferd nicht die geringste Ahnung hat.

    Ich will hier keinesfalls eine besserwisserische Diskussion vom Zaune brechen. Nur wir in Deutschland haben da leider keine Tradition. Dies sieht man alleine daran, dass in vielen Nationen bei einem Verstorbenen, das Sinnbild des gefallenen Reiters, dessen Pferd ihn aus dem Getümmel der Schlacht nach Hause trägt, die höchste Ehrung posthum darstellt.

  10. #20
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    Wenn man sehen möchte, was mit gut ausgebildeten Pferden möglich ist, ist zum Beispiel ein Blick auf Manöver-Photos der Kaiserzeit hilfreich.

    Und im hier im Forum bereits erwähnten Film "The Charge of the Light Brigade" (1968) http://www.imdb.com/title/tt0062790/ sind auch einige Szenen zu sehen, bei denen es der Kavallerie gelingt, im Stand und zumindest auch im Schritt die Formation zu halten.

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