Seite 3 von 6 ErsteErste 123456 LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 51

Thema: "Pferdetaktik" - Soll und Realität

  1. #21
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.211

    Standard

    Zitat Zitat von CarpeDiem Beitrag anzeigen
    Einige Postings zeigen mir aber, dass die Kavallerie als Waffengattung bei den Schreibern aber auch völlig unbekannt ist bzw. man von dem Zusammenwirken von Reiter und Pferd nicht die geringste Ahnung hat.
    Wenn ich hier mit meiner naiven Fragestellung etwas Befremden ausgelöst haben sollte, dann Entschuldigung ... aber es ist nun mal so, dass das Reiten in diesen Breiten und v.a. Zeiten ziemlich selten ausgeübt wird ... wie soll daher auch ein Eindruck vom Zusammenspiel der Pferde mit den Reitern entstehen?

    Aber gerade über die Beobachtung des hinlänglich beschriebenen Events hier in Mannheim habe ich mir ja erst die Gedanken machen können, wie bzw. ob Pferde überhaupt derart unter Kontrolle zu halten sind ... und siehe z.B. Cuirassiers Stellungnahme, die meine "Laienschlüsse" zumindest teilweise bestätigte.

    Oli, danke für den (erneuten) Hinweis auf den Film, den ich mir jetzt endlich mal auf DVD besorgen sollte ...

    Schöne Grüße
    markus stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  2. #22
    Registriert seit
    20.10.2006
    Ort
    Bielefeld
    Beiträge
    342

    Standard

    besorgt euch die dvd..the queens cavalry..bei amazon. ein echter augen-und ohrenschmaus , auch für nichtreiter. da wird vieles klar.

    übrigens, die heutigen züchtungen haben wenig mit den alten rassen zu tun.
    die heutigen normalen reitpferde sind bei weiten nicht so nervenstark wie damals. aber man kann alles trainieren.))))

    ps...pferde lieben eichenlaub. es gibt immer ein paar lützower/ tiroler jäger deren hüte voll davon sind. sollten pferdenähe meiden...
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

  3. #23
    Registriert seit
    01.10.2006
    Beiträge
    1.560

    Standard

    Hie zwei Bilder dazu.

    Parade im Schritt:



    aus:

    http://www.deutsche-schutzgebiete.de...aunschweig.htm

    Und Beginn des Angriffs im Trab (?):



    aus:

    http://www.zietenhusar.de/dienstfotos.html

    Wenn es schneller wird, wird es vermutlich noch unordentlicher ...

  4. #24
    Registriert seit
    23.10.2006
    Beiträge
    10

    Standard

    Bezüglich der Einhaltung der Formation

    Wie oben erwähnt bestand der übliche Kasernernalltag aber auch der überwiegende Teil des Feldaltags für das Pferd im Formationsreiten bzw. im Training bspweise an Hauständern, in Parcours mit Mohrenköpfen aus Papmasche bzw. am eisernen Hannes zum Lanzenstechen, ja sogar das Schießen mit der Pistole aus dem Sattel und das Laden derselben im Trab (kaum vorzustellen heute) wurde geübt.
    Die Pferde wußten innerhalb der Eskadron, des Zuges wo sie für gewöhnlich standen und zu gehen hatten, ein trainiertes Pferd führt einstudierte Bewegungsabläufe selbstständig und zum teil auch zum Spass aus (siehe unsere Pferde beim Mohrenköpfen - immer die richtige Distanz ohne zu lenken oder die Cuttingpferde beim Westernreiten - diese jagen aus eigenem Antrieb, ja purem Spaß die Kälber, und somanches Stierkampfpferd weiß automatisch wie es dem Stier auszuweichen bzw. diesen zu stoßen hat)

    Es gibt diesbezüglich einiges an Geschichten, das Pferde auch noch ohne Reiter ihren Platz in der Formation hielten:
    Ein Regimentsarzt bestand darauf, eine zwar hübsche, jedoch bei der Mannschaft als eigenwillig bekannte Stute als Reitpferd zu okkupieren - nun begab es sich, das ebendieser Regimentsarzt, just zu jenem Zeitpunkt seine Lektionen in der Reitbahn absolvieren wollte, als das Regiment im freien Felde exerzierte - jedes exerzieren endete zu dieser Zeit mit einer "Attacke", welche natürlich von den Trompetern entsprechend angekündigt wurde gggg* Tja die gute Stute hörte die Signale, entledigte sich etwas unsanft des Medikus, welcher in seiner Ehre gekränkt auf seinem Hoseboden im Sand landete, und die Stute gallopierte zum Regiment, ordnete sich an ihrem angestammten Platze ein und ritt die Attacke mit.
    Werde diese nette Anekdote heraussuchen und Interessierten zukommen lassen

    Es gibt auch Schilderungen in denen sogar schwer verletzte Pferde, auf drei Beinen humpelnd, sich auf das Trompetensignal "Sammeln" wieder in die Formationen eingereiht haben. - für einen Tier und Pferdefreund ein schrecklicher Gedanke, aber bezeichnend für die Ausbildung die diese Tiere damals hatten.
    Geändert von KAVALLERIST (21.08.2007 um 16:02 Uhr)

  5. #25
    Registriert seit
    20.10.2006
    Ort
    Bielefeld
    Beiträge
    342

    Standard

    in preussen wurde das schiessen mit der pistole zumeist auf alten, tauben oder halt megabraven pferden geübt, da pferd und pistole halt oft ” bockten”.
    es war mehr eine formale übung....die pistole spielte keine grosse rolle.

    hab aber noch unterlagen, wie pferde schussfest gemacht werden....um 1870 rum...

    um 1900 war die lebenserwartung eines reitpferdes um 10 jahre höher als heute, war ja selber lange zeit dressurreiter . die meisten sportpferde werden von ihren besitztern oft als sportgeräte behandelt. hochleistungsportler, die 24 std auf m klo ( box) eingesperrt werden und dann 1-2 std. am tag superleistungen bringen sollen....das war früher anders. bei der kavallerie gilt und galt...erst das pferd, dann der reiter. die wurden gehegt u gepflegt, wenn auch die ständerhaltung heutzutage abzulehnen ist.

    formationsreiten ist wie das exerzieren bei der infanterie....üben, üben üben...dann kommt ein neues pferd in die kolonne und nix geht mehr*)
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

  6. #26
    Registriert seit
    23.10.2006
    Beiträge
    10

    Standard

    Kann da Uwe nur zustimmen,
    in der österr. Armee wurden die Kavalleriepferde mit ca. 16 Jahren ausgemustert - durchwegs gesund und meist mit Gewinn für den Ära verkauft- diese Pferde galten als gehegt und gepflegt, erstklassig ausgebildet und eben nervenstark.

    Leider war das Schicksal der Pferde in der Privatwirtschaft (Fuhrleute, Bauern, etc...) damals ein eher schlechtes - arbeiten bis zum umfallen, in den ärmeren SChichten, oft wenig Futter, Schläge, kein Tierarzt etc.
    Somancher Rittmeister kaufte besonders liebe Pferde der Armee ab anstelle es in die Auktion zu geben bzw. es eher zu erschießen.

    Dagegen lebte es sich als Kavalleriepferd wie Gott in Frankreich: viel und gutes Fressen, luftige Stallungen (große hell getünchte Gewölbe) penible Sauberkeit, Pferdetierarzt, eigener Hufschmied im Regiment, wenn ein Pferd Blessuren davontrug konnte sich sein Reiter auf empfindliche Strafen gefasst machen. Sobald die Rossknödeln ins Stroh fielen wurden diese von der Stallwache entfernt (wurde oft verkauft), und wenn ein Pferd zu strahlen(=pinkeln) begann, wurde ein Gefäß an einem Stiel untergehalten, damit ja nicht das Stroh durchfeuchtet wurde.
    Im Einsatz freilich wurde wie von der Mannschaft das letzte von den braven Vierbeinigen Kameraden abverlangt.

    Gruß
    Kavallerist
    Geändert von KAVALLERIST (21.08.2007 um 19:19 Uhr)

  7. #27
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
    Registriert seit
    01.10.2006
    Ort
    Sachsen
    Beiträge
    1.418

    Standard

    Nochmal was zum Thema Risiken des Reitens. In den Sanitätsberichten zu 1870/71 wird deutlich, dass grundsätzlich alle Berittenen stärker gefährdet waren. Einerseits mag das am größeren Ziel bei Beschuss gelegen haben. Das dürfte aber nicht die einzige Erklärung sein. Da werden sich auch Unfälle eine große Rolle gespielt haben. Zudem war die Mortalität bei Reitern im Vergleich zu den Fußtruppen relativ höher, was ja auch logisch erscheint. Zum einen durch die erhöhte Unfallgefahr, zum anderen wurde ein Reiter ja nicht nur von Projektilen getroffen, er fiel zusätzlich ja auch noch vom Pferd.

    Grüße,

    Gunter

  8. #28
    Registriert seit
    30.09.2006
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2.211

    Standard

    Danke für Euren sehr informativen Ergänzungen zum Reiten, zum Halten der Pferde damals ... ich denke, da gab es natürlich Unterschiede - man denke nur an den "Neid" der Englischen Kavallerie gegenüber den vorzüglich gepflegten Pferde der KGL.

    Die Anekdote mit dem "Medikuspferd", das sich wieder einreiht ist sehr amüsant ... wenn Du willst, Kavallerist, kannst Du es hier per Scan reinstellen ... interessiert sicher einige hier.

    Das mit der höheren Verlustrate bei den Reitern leuchtet ein, allein würde mich noch interessieren, ob man von vornherein bei der Ausbildung der Rekruten (nicht der Pferde) an unfallbedingte Verluste eingerechnet hat.

    Es grüßt ein sich nunmehr besser in die Reiterei hinein denkender
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  9. #29
    Registriert seit
    09.10.2006
    Ort
    Den Haag
    Beiträge
    389

    Standard

    Guten Morgen liebe Pferdeliebhaber,

    Halb-off-topic: In einem Fernsehbericht ueber Rennpferde (den ich in Schottland gesehen habe), wurde behauptet, dass Pferde pinkeln muessen, wenn man ihnen ins Ohr pfeift. Anscheinend wird dieser Reflex dazu genutzt, Dopingproben zu nehmen - der Pruefer geht hin, pfeift dem Pferd ins Ohr, haelt ein Eimerchen unter, und hat prompt die schoenste Urinprobe.
    Ich habe schon meine Reitlehrerin gefragt, ob das stimmt, aber sie hatte noch nie etwas davon gehoert. Und selbst moechte ich es auch nicht ausprobieren (weder moechte ich angepisst, noch sonstwie demoliert werden - wer weiss, was dann passiert! Das Pferd, das ich gewoehnlich reite, ist etwa zehn Meter gross, zehn Meter breit, hat Hufe wie Suppenteller und wiegt stattliche 900 kg - dem pfeife ich nicht ins Ohr.)
    Also, ihr Reiter und Pferdefreunde: Stimmt das? Muessen Pferde wirklich pinkeln, wenn man sie anpfeift, und wenn ja, warum?

    Auf Erleuchtung hoffend,
    Gnlwth

  10. #30
    Registriert seit
    22.03.2007
    Beiträge
    15

    Standard

    Jeder dieser Dopingprobenentnehmer hat seine eigenen Praktiken entwickelt um das Pferd zu veranlassen Wasser zu lassen. Dazu gehört sicherlich das Pfeifen. Ob dies in das Ohr geschehen muss, ist mir nicht bekannt. Ist das Pferd trotz aller angewandter Tricks nicht dazu zu bewegen, dann wird eine Blutprobe entnommen. Diese ist aber in der Analyse auf verbotene Substanzen wesentlich weniger aussagekräftig als die Urinprobe.

    Dass Ihre Reitlehrerin davon noch nichts gehört hat, halte ich für absolut richtig. Dopingproben stehen im Reitsport erst am Anfang. Sehen Sie sich einmal das Hickhack im Spring- und Dressursport an. Der Rennsport verfügt dagegen über ein höchst effektives System.

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •