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Thema: Der Amerikanischer Bürgerkrieg...

  1. #11
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    Die höheren Of. hatten sicherlich Erfahrung aus dem Mexico-Krieg 1848.
    Sonst gabs wohl nur wenig Erfahrung, da die US_Armee vor dem Krieg auf Minimal-Bestand gehalten wurde (aus politischen wie finanziellen Gründen).

    Grosse Teile der Armeen bestanden (im Süden bis 1862) aus Freiwilligen, die nur für einen gewissen Zeitraum verpflichtet waren. Ausserdem waren grosse Teile der Armeen den Einzelstaaten unterstellt und die Milizen (die grossen Teil ausmachten) kämpften nur in ihrer jeweiligen Heimat.

    Also was Organisation, Ausrüstung und Ausbildung anbelangte, so muss man glaub ich sagen, dass ein Vergleich mit Trppen der Nap. Zeit schlecht ausfallen würde.
    Die Kiegstechnik (Eisenbahn mal ausgenommen) war sicherlich noch noch mit Nap. Zeit vergleichbar.
    Die erwähnten Grabenkriege etc. bei einer Belagerung, kannte man ja schon (z.B. Sarragossa)
    Nur wo moderne Befestigungen und mod. Artillerie war kann man glaub ich von einer neuen Qualität sprechen (Belagerungen an der Küste), die man mit den neuen Erfahrungen aus dem Krimfeldzug vergleichen kann.

    Zu Longstreet:
    Ich würde ihm vorwerfen zu wenig bei Lee insistiert zu haben, dass er die Idee mit seinen Leuten mal kurz Quer über ein offenes Feld zu latschen und dabei vollem generischen Inf.- sowie Art.feuer ausgesetzt zu sein, für Wahnsinn hielt (er sollte ja recht behalten).
    Je l'ay emprins

  2. #12
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    Standard Neues Unterforum

    Hallo,

    da dieser Thread eine neue Thematik anstößt, habe ich ein neues Unterforum mit Titel "Einflüsse und Auswirkungen" gebildet und dieses sehr interessante Thema (Danke Threepwood ) hierher verschoben ... jetzt aber back to topic

    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  3. #13
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    @Threepwood,
    die Kriegserfahrung dürfte erst so richtig um die Mitte des Krieges wirksam geworden sein, nicht zuletzt auch bei den höheren Kommandostellen, wo dann langsam (vor allem im Norden) nicht mehr so viel Fluktuation herrschte wie noch am Anfang. Man kann Gettysburg schon als einen guten Zeitpunkt dafür nehmen. Die Erfahrungen in Mexiko lagen schon eine ganze Weile zurück und betrafen nur eine kleine Minderheit.

    >Wie viele Schlachten wird wohl das durchschnittliche Regiment während des ganzen Krieges mitgemacht haben? Sicher sind da auch Veteranen dabei, aber während der napoleonischen Epoche haben Soldaten ihr halbes Leben gekämpft.<

    Das ist eine schwierige Frage, da viele Regimentern nur für eine begrenzte Zeit existierten und aus verschiedenen Gründen aufgelöst wurden. Gerade im Norden gab es weit weniger Kontinuität als im Süden. Grundsätzlich ist die Frage aber weniger in Bezug auf die Einheiten als solche sondern auf konkrete Soldaten interessant. Es ist anzunehmen, dass nur wenige den Krieg komplett mitgemacht haben und erst recht nur ein kleiner Teil, der immer bei seiner Einheit präsent war.

    Die Schießleistungen im Krieg sind eigentlich immer vergleichsweise schlecht. Höchst aufschlussreich finde ich die Berechnung von Junckelmann, der angibt, dass im ACW nahezu 300 Schuss gebraucht wurden, um EINEN Gegner außer Gefecht zu setzen. Heutzutage werden Tonnen an Munition abgeworfen und manchmal bewirkt das auch garnichts.

    >Lee wird in den Staaten, nicht nur im Süden, als großer General dargestellt. Tatsächlich las ich, dass ihm die Niederlage von Gettysburg kaum angelastet wurde. Ist Longstreet der amerkanische Grouchy?<

    Longstreet hat keine Schuld. Vielleicht hätte er sich noch nachdrücklicher weigern sollen, den Angriff durchzuführen. Sonderlich schlau war das von Lee sicher nicht, einfach übers freie Feld anzugreifen. Er hat sowas mehrfach ohne Erfolg immer wieder mal versucht. In Bezug auf Longstreet stellt sich die Frage, wie weit er denn eigentlich gehen konnte, ohne sich der Befehlsverweigerung schuldig zu machen? Gettysburg war für den Süden in mehrerlei Hinsicht eine Katastrophe. Quasi auf dem Höhepunkt der Invasion in den Norden eine Niederlage einzustecken, bedeutete, dass alles umsonst gewesen war und man von vorn beginnen musste und das unter schlechteren Umständen. Ein Sieg in der Feldschlacht war praktisch nicht mehr möglich. Dadurch wurde der Krieg zwar nicht entschieden aber ein Sieg des Südens immer unwahrscheinlicher.

    Man kann darüber ohnehin spekulieren, was passiert wäre, wenn der Süden militärisch gesiegt hätte. Denkbar ist eine dauerhafte Spaltung des Landes in zwei Teile aber vermutlich hätte es wegen der Grenzstaaten früher oder später immer wieder militärische Auseinandersetzungen gegeben. Ein großer Sieg des Südens im Osten konnte nur den Kampfeswillen der Nordbevölkerung senken, bzw. auf eine Abwahl des Präsidenten Einfluss nehmen. Die Ausbreitung der Sklaverei war sowieso nicht mehr möglich, da trotz allem die meisten Gebiete unter der Kontrolle des Nordens standen. Im Grunde war der Norden in allem viel zu stark, um sich vom Süden irgendetwas diktieren zu lassen. Der Krieg wurde letztlich aus dem Westen entschieden, den die Zerschneidung der Konföderation in einen Ost- und Westteil und der anschließende Marsch Shermans an die Küste, der nochmals eine Querteilung vornahm, waren entscheidend und nicht die Massenaufmärsche im Osten.

    Grüße,

    Gunter

  4. #14
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    Zur Trefferleistung, alle mir bekannten Quellen beklagen die schlechte Ausbildung und den Mangel an Schießausbildung der Truppen, eben Paddy Griffith oder auch in "Billy Yank" nachzulesen, die Home Guards waren wohl eben mehr Paradeeinheiten.
    Wie Gunter erwähnt waren die Trefferleistungen mit denen der napoleonischen Kriege zu vergleichen, trotz eines besseren Gewehrs, lag wohl auch noch an der anfänglich völlig veralterten Taktik, nochmal in Reih und Glied schießend trifft man fast nichts, egal mit was für einer Waffe, kann man ja schön in meinen 2 Artikeln in der Depesche nachlesen.
    Die Kriegstechnik und -taktik war eben nicht mehr mit der napoleonischen zu vergleichen - nur ansatzweise - Feldbefestigungen gab es eben nicht nur bei Belagerungen sondern die wurden eben im freien Feld gebaut - sobald man wußte hier wird man kämpfen müssen - oder sogar während des Gefechts, sehr gut zu sehen bei Shermans Feldzug gegen Atlanta.
    Zur Qualität des Soldaten, ich finde es immer müßig die vergleichen zu wollen, mit europäischen, aber in der Berreitschaft sich abschlachten zu lassen - standen die Amerikanern den Europäern nicht nach, was ja die hohen Verluste auch zeigen.
    Man sieht ja auch im Krim Krieg wie schwer sich europäische Armeen in etwas unwirtlicheren Gegenden getan haben, Nachschub.

  5. #15
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    Zu Longstreet, der scheint ja auch wegen seiner politischen Haltung - nach dem Krieg recht viktimisiert worden zu sein, da gibt es interessante Internet Seiten, muss man halt suchen.
    Trotzdem war er nur ein Unterführer, siehe auch sein nicht gerade brilliantes Abschneiden im Westen.
    Lees Dominanz im Osten verhinderte sogar den Süden im Westen - durch Konzentration der Kräfte einen Erfolg zu finden, das sah auch Lee nicht - schon ein großer Unterschied zu Grant.

  6. #16
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    Der Krieg wurde auch nicht im Osten, sondern im Westen verloren. Als der Süden dies bemerkte, war es schon zu Spät, um noch irgentetwas dagegen unternehmen zu können.

  7. #17
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    Hallo ein sehr umfangreiches Thema.
    Prinzipiell war die taktische Ausrichtung 1861 sehr stark von den napoleonischen kriegen geprägt, da diese feldzüge das Standartprogramm an den diversen Militärakademien waren.
    Allerdings, wie schon so oft erwähnt, hat die Waffentechnik einen großen Sprung nach vorn gemacht, insbesondere in Bezig auf die Ballistik. das hatte natürlich ab 1863 zunehmend Auswirkung auf die Taktik.
    Kavallerietechnisch gesehen ist der Bürgerkrieg fr mich die interessanteste Epoche, da die Kavallerie hier ihr Maximum an Effektivität erhielt. Die sogenannten "Raids" gab es ja in napoleonischer Zeit schon, besonders im 1813er Feldzug durch die Streifkorps.
    Der Einsatz als Schlachtenkavallerie ist so ein Punkt, in dem sich die Gelehrten Streiten. Zum einen muss man die geographische Struktur in Amerika bedenken: es gab mehr Wälder, als in Europa und gerodete Flächen waren oft durch Zäune eingegrenzt, die ein Hinderniss für die Kavallerie darstellten. Besonders aus diesem Grund viel ihr Einsatz oft aus, wobei ich ja der Ansicht bin, dass der Einsatz des 10.000 Mann starken Kav.Korps Stuart bei Gettysburg effektiver gewesen wäre, als der Einsatz von Infanterie, da Kavallerie dieses Feld wesentlich schneller überwunden hätte.
    Aber Zäune und mauern verhinderten auch dort diesen Einsatz.
    Desweiteren darf man, trotz der oft unabhängigen Einsätze nie vergessen, welch enorme Bedeutung die Kavallerie für die Aufklärung hatte. Das Fehlen von Stuarts Korps vor Gettysburg veranschaulicht auch dies sehr deutlich.

  8. #18
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Alex,
    die Kavallerieraids im ACW waren schon einige Nummern größer als die Streifkorpsaktionen 1813.
    Bei Gettsyburg konnte die Kavallerie beider Seiten garnichts reißen. Ihre Geschwindigkeit hätte nur dazu geführt, dass die Leute und Pferde noch schneller starben als die Infanterie. Stuarts Truppe ist ja durchaus aufgetaucht und hat mitgekämpft aber eben nicht an der Stelle von Picketts Charge.

    Grüße,

    Gunter

  9. #19
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    Kavallerie im Sinne der Napoleonischen Kriege gab es im Bürgerkrieg nicht mehr. Die Kavallerie muß man eigentlich als berittene Infanterie ansehen. In diesem Konflikt ging es haupsächlich darum, schnell von A nach B zu kommen.
    Das einzige große Kavalleriegefecht fand 1863 bei Brandy Station statt, von einigen Scharmützeln mal abgesehen.

  10. #20
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    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    Alex,
    die Kavallerieraids im ACW waren schon einige Nummern größer als die Streifkorpsaktionen 1813.
    Das weis ich. Sie funktionierten aber nach einem ähnlichen Prinzip.
    Was die Kavallerie ( wir reden von 10.000 Mann) bei einer geschlossenen Attacke hätte bewirken können ist sicherlich Spekulation, aber meines Erachtens nach mehr, als die ebenso starke Infanterie. Auch wenn es sicherlich ein Todesritt gewesen wäre.

    @Peter
    Nicht ganz richtig. Sicherlich gab es kaum noch reine Reitergefechte ( es gibt schon noch mehr Ausnahmen, als Brandy Station, allein das Kavalleriegefecht unter Stuart am dritten Tag von Gettysburg war ein klasisches Melee).
    Gerade im Westen unter Männern wie Forrest und Wheeler wurde die Kavallerie sicherlich stark als berittene Infanterie eingesetzt. Stuarts Korps im Osten war dagegen noch ein klassisches Aufklärungskorps, dessen Aufgabe darin bestand, den Gegner zu lokalisieren. Das ist immer noch das Konzept leichter Kavallerie aus napoleonischer Zeit.

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