Colonel Noel

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  • Voltigeur
    Erfahrener Benutzer
    Tambour-Major
    • 29.10.2006
    • 305

    Colonel Noel

    Nachdem ich angefangen habe das Buch
    " Colonel Noel Souvenirs militaires d´un officier du premiere empire 1795 - 1832 "
    zu lesen, bin ich überrascht was er alles schreibt.

    Hier einpaar ausschnitte davon.:

    Seite 53, 1809
    Auf dem Weg von Wien nach Bayreut schreibt er, ich reiste alleine mit meinem Diener und wir waren in der selben Sicherheit als wären wir in Frankreich unterwegs. Am 24. August sind wir in St. Pölten, dort sah ich in einer Kaserne viele Österreichische Gefangene die von anderen Österreichischen Gefangenen die bewaffnet waren und auf Wache standen, bewacht wurden. Es war kein einziger Französischer Soldat in der Stadt.

    Sehr ungewöhnlich, davon hatte ich noch nie gehört.

    Seite 33, 1806 Belagerung von Gaete
    Die Belagerung dauerte von Februar bis Juli. Wir hatten in unserer Armee ein Bataillon von Negern, gute und brave Leute die glaubten sie würden ihren verletzten Kameraden einen gefallen tun, wenn sie sie töteten !
    Da wir einen grossen Munitions mangel hatten, zahlten wir 3 carlins pro feindlicher Kugel oder Bombe die man uns brachte.
    Unsere Neger liefen hinter den Kugeln her trotz dem risiko getroffen zu werden. Sie verfogten mit dem Auge die Flugbahn der Kugeln und sangen dabei " tre carlins, tre carlins ". Wenn die Bombe explodierte, sagten sie " Va te faire f... tre carlins.

    Das mit den Kugeln kennen wir bereits aus Ägypten, doch das 1806 ein Bataillon Schwarze in der Armee diente und ihre verletzten selbst umbrachte um ihnen leiden zu ersparen war mir neu.

    Ich werde dieses Thema weiter führen sobald ich wieder ungewöhnliches ober interessantes in diesem Buch finde.

    Grüsse vom Voltigeur
    Zuletzt geändert von Voltigeur; 06.01.2011, 12:50.
  • HKDW
    Erfahrener Benutzer
    Colonel
    • 02.10.2006
    • 2959

    #2
    ja - immer wieder überraschend was man so alles im Memoire liest, ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Kommentar

    • Voltigeur
      Erfahrener Benutzer
      Tambour-Major
      • 29.10.2006
      • 305

      #3
      Zwei episoden, eine interessant aber nicht unbekannt.

      Seite 34, 4. Januar 1807 Aversa
      Wir verbingen den Winter sehr angenehm, das Klima ist gut hier. Jeden Sonntag gehen wir zur Revue nach Neapel. Wir nehmen an jedem Fest teil,
      an solchen Veranstaltungen ist Uniform pflicht, wir möchten auch garnichts anderes tragen. Aber alle fantasien sind erlaubt um unsere Uniform zu verschönern so das wir sehr elegant sind.
      So tragen wir Halbstiefel aus rotem Maroquinleder mit goldenen Quasten und unsere Nankinhosen sind mit gold soutache und haben goldene Litzen.

      Es ist bekannt das reglement offen war, aber doch immer wieder schön zu lesen wie weit man da gehen konnte. ( es geht um die artillerie a cheval )

      Seite 35, 18 November 1807 Aversa
      Unser Regiment muss zur Italien Armee zurück, wir gehen nach Verona über Reggio und Mantoue. Im November ist diese Reise nicht so angenehm.
      Erstens wegen dem Klima und zweitens mussten wir einen Konvoi von 500 Galerensträflingen und refractaires nach Verona bringen die dort in die Neapolitanischen Regimenter eingegliedert werden sollen, die in Verona in Garnison sind.
      Eine Kompanie von sbires war zu ihrer bewachung bis über den Apennin abgestellt.
      Wir hatten sie auf dem marsch zu zweit mit " poucettes " ( Weiss jemand was das ist ? ) angefesset. Nacht sperrten wir sie in Kirchen oder Scheunen ein. Der Befehl war jeden zu erschiessen der versuchte zu flüchten. Bei Trepanti bemerken wir das ein Fluchtversuch geplant ist,
      der Major, der sich um die Kolonne kümmert warnt sie ein erstesmal, doch sie hören nicht auf ihn. Sie hatten einen teil der Mauer des Hauses in dem sie eingesperrt waren aufgegraben und wollten flüchten. In dem moment haben wir sie überrascht, in der Angst erschossen zu werden geben sie ihren Anführer preis, der sofort von den sbires am Strassenrand erschossen wird.
      Diese Banditen, die in die Neapolitanischen Regimenter eingegliedet wurden sind 1808 nach Catalogne gegangen. Wieviele Gewalttaten müssen sie dort im Namen der Franzosen angerichtet haben.

      Interessant ist das gefangene Verbrecher einfach eingegliedert wurden und das in grosser menge, 500, wie brachten die Offz. da ordnung ins Regiment ? Die waren doch sicher nicht sehr davon angetan.

      Grüsse vom Voltigeur
      Zuletzt geändert von Voltigeur; 06.01.2011, 14:41. Grund: Muss immer wieder ändern, da ich das ganze direkt aus dem Französischen übersetze

      Kommentar

      • HKDW
        Erfahrener Benutzer
        Colonel
        • 02.10.2006
        • 2959

        #4
        Die sehr interessanten Memoiren gibt es übrigens auf irgendeiner russischen Web Site - zum Runterladen.
        Übrigens in einer hervorragenden Qualität, die Karten voll sichtbar, was ja leider bei Google nicht oft der Fall ist.

        Kommentar

        • Voltigeur
          Erfahrener Benutzer
          Tambour-Major
          • 29.10.2006
          • 305

          #5
          " Poucettes "

          Dank an Oli, jetzt weiss ich was das ist.

          Es sind eine art Handschellen die aber nur am Daumen angelegt werden, vieleicht ähnlich wie Daumenschrauben.


          Grüsse vom Voltigeur
          Zuletzt geändert von Voltigeur; 08.01.2011, 21:08.

          Kommentar

          • Sandra_Corse
            Neuer Benutzer
            Soldat
            • 31.01.2018
            • 25

            #6
            Schwarze in der Armee: @ Voltigeur Siehe mein Upload von heute. Chronologie der Deportation und Pionniers Noirs .

            psychologische Erklärung für das Verhalten in Gaeta liegt in der Sklaverei. Die Soldaten sind ursprünglich 614 chasseurs africains, Deportierte aus Guadeloupe und ursprünglich Deportierte aus Saint-Domingue. Die Aufstände in Saint-Domingue entfachten sich wieder im Sommer 1802, sobald die Kunde dort ankam, dass auf Guadeloupe die Sklaverei gerade wieder eingeführt worden war. Frz Forschung spricht von massiven Déportationen aus Saint-Domingue im Herbst 1802. Die Soldaten , ab Juni 1794 im Bataillon des Antilles oder bis Mai 1802 dazu gekommen, hatten vor Juni 1794 inclusive ihrer Familien (Eltern , Geschwister etc) die Sklaverei gekannt. Das erklärt so ein Verhalten. Mütter brachten auch ihre Babies um, um ihnen die Sklaverei zu ersparen. Wenn irgendwo konspiratives Verhalten auftaucht , weist das auf die Praxis der Rebellion der Sklaven in der Plantagenwirtschaft oder ihre Organisation in Zirkeln , vor denen die gesamten Inseln verdammt Angst hatten. Immerhin meist 10 % Weiße und 10 % Mulatten gegen 80 % Sklaven Pi mal Daumen. Die mussten mit allen Mitteln unterdrückt und kontrolliert werden.

            ich suche Quellen über Mantua, Gaeta, Neapel … gibt es noch mehr solcher Memoiren von Offizieren ?








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