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Landwehrbataillon Hameln (Hannoversche Armee)

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  • Landwehrbataillon Hameln (Hannoversche Armee)

    Hallo an alle!

    Ich bin neu im Forum. Mich interessiert, ob sich jemand gut mit der Hannoverschen Armee auskennt und weiß, welche Altersgruppen von der "allgemeinen" Wehrpflicht bei der Aufstellung der Landwehrbataillone betroffen waren. Speziell geht es mir um das Landwehrbataillon Hameln. Wie allgemein war diese Wehpflicht eigentlich? Musste jeder, der das richtige alter hatte und gesund war mit zur Schlacht bei Waterloo?

    Vielen Dank für jeden Hinweis!

    Gruß
    Simon

  • #2
    Hallo Simon,

    eine interessante Frage, die sich zunächst über die damals in den deutschen Landen konstituierten Landwehrverordnungen beantworten sollte. Leider habe ich hier an meinem Zweitstandort keinen Zugriff auf den Sichart - dem Standardwerk über die Hannoversche Armee - aber im Netz habe ich schon mal bei Google Books das Werk von Hagemann über die Hannoverschen Landesverordnungen für 1813 gefunden. In diese findet sich tatsächlich eine Verordnung zur Errichtung einer Landwehr in den "braunschweigisch-lüneburgischen" Landen, im Anhang die relevanten Seiten.

    Leider ist im Netz für 1815 nur der 3. Teil des Hagemann'schen Werkes verfügbar ... aber dort findet sich eine Verordnung vom 27.12.1815 mit dem Titel Bekanntmachung, die Bequartierung der in ihre Quartierstände zurückkehrenden Landwehr-Bataillons betr.

    Darin wird auf die Behandlung der Landwehr-Bataillone eingegangen, die zum Reserve-Korps (der Hannoverschen Truppen) gehört haben - also auch in den Feldzug von 1815 mit gezogen sind. Das Dich interessierende Landwehr-Bataillon Hameln stand in der 5. Division, in der 3. Brigade unter General-Major von Vincke gemeinsam mit den Landwehr-Bataillonen Gifhorn, Hildesheim und Peine.

    Ich habe in meinen Unterlagen noch einen umfangreicheren Beitrag des großen Kenners der Hannöverschen Armee, Friedrich Schirmer, der sich mit der Landwehr Hannovers befasst.

    Mit diesen beiden Beiträgen solltest Du erste vertiefende Erkenntnisse über die Landwehr erhalten ... wenn dann noch Fragen sind, bitte hier im Thread ruhig posten.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
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    • #3
      Hallo Markus,

      vielen Dank für diese sehr hilfreiche Antwort! Es waren also alle Männer von 18-30 Jahren landwehrpflichtig. Verheiratete sollten in die Reserve gesetzt werden. Es scheint jedoch, als hätte man aus Mangel an Rekruten sogar verheiratete Bauern! und die Altersgruppen bis 40 Jahre heranziehen müssen. Ich werde mich jetzt Mal weiter einlesen und demnächst die Stammrollen des Regiments einsehen.

      Mit besten Grüßen aus Niedersachsen
      Simon

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      • #4
        Im fünften Band des schon erwähnten Sichert (Geschichte der königlich-hannoverschen Armee) findet sich im Abschnitt §25 zu den Formationen des Jahres 1814 folgender Hinweis auf die Landwehr:

        Endlich wurden im Januar 1814 noch 30 Landwehr-Bataillone formirt. Während die Mannschaften der Feld-Bataillone, der Kavallerie und Artillerie aus Geworbenen bestanden, wurden für diese Landwehr-Bataillone die Manschaften eingestellt.

        Die Landwehreinrichtung war indeß verschieden von der in anderen Ländern eingeführten, namentlich der preußischen. - Das Offizierskorps der Landwehr war permanent angestellt, wie bei den übrigen Truppen. Stabsoffiziere und Kapitains avancirten mit den gleichen Chargen der Feld-Bataillone. - Die Mannschaften bestanden aus Pflichten im Alter von 18 bis 30 Jahren. Die Provinzen waren in Distrikte, diese in Bezirke eingetheilt. Aus den Distrikten gingen die Bataillone, aus den Bezirken die Kompanien hervor.

        Alle Unteroffiziere und Soldaten der vormaligen hannoverschen Armee, soweit sie noch dienstfähig waren, mußten in die Landwehr eintreten, wodurch gleich viele gediente Unteroffiziere gewonnen wurden.

        Die erste Einberufung zur Fahne geschah im März, Ausrüstung und Ausbildung war am 1. Juli beendet. Die Hälfte der Landwehr-Bataillone wurde dann auf den Feldfuß gesetzt und erhielt Marschbefehl nach den Niederlanden. Ein großer Theil der anderen Bataillone wurde im Garnisondienst verwendet; der Rest beurlaubte seine Mannschaften bis auf einen kleinen Stamm wieder.

        Einschließlich eines noch zu errichtenden Feld-Bataillons - das Feld-Bataillon Hildesheim, welches indeß nicht fertig wurde - sowie des Feldjäger-Korps bestand die hannoversche Infanterie nach Organisation der Landwehren aus 40 Bataillonen. - Diese wurden im Frühjahr 1814 derart in 10 Regimenter eingetheilt, daß je 1 Feld-Bataillon und 3 Landwehr-Bataillone ein Regiment bildeten, in welchem das Feld-Bataillon die Nummer 1 führte.
        Das hier interessierende Landwehr-Bataillon Hameln wurde in dieser Organisation mit den Landwehr-Bataillonen Hannover und Neustadt dem 7. Regiment Calenberg zugewiesen.

        Als innere Organisation erhielten die Landwehr-Bataillone die Stärke von 4 Kompanien à 150 Mann.

        Für das Jahr 1815 erwähnt Sichart, dass 13 von den noch im Hannoverschen befindlichen Landwehr-Bataillone "auf den Feldfuß und in Marsch nach den Niederlanden gesetzt (Reserve-Korps des General v.d. Decken)" wurden. Zudem enthält der Sichart eine Verlustliste der hannoverschen Truppen (ohne KGL) für die Jahre 1813-1815 - von den insgesamt 420 Toten und 1.750 Verwundeten entfielen auf das Landwehr-Bataillon Hameln 9 Tote und 64 Verwundete.

        Am 18. Juni 1815 war das Landwehr-Bataillon Hameln gemeinsam mit den Landwehr-Bataillonen Gifhorn, Hildesheim und Peine in der 5. Brigade unter Oberst von Bincke eingeordnet. Im Sichart werden die folgenden Offiziere des Hamelner Bataillons gelistet:

        • Kommandeur: Major von Strube
        • Major: Hartmann (Angehöriger der KGL)
        • Kapitains: Blanckardt, Lütgen, Pape (Angehöriger der KGL)
        • Lieutenants: Kistner, Hotzen (Adjutant), Meyer, Avenarius, Kemmer, Boening, Hampe, Kahle
        • Fähnriche: Schramme, Marquard, Wenzel, Rocca, Lackemann, Lauenstein, Gießelmann
        • Assistenzwundarzt: Oppermann
        • Regiments-Quartiermeister: Thiele


        Soweit die Angaben aus dem Sichart.

        Schöne Grüße
        Markus Stein
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        • #5
          Dies ist ein sehr interessantes Thema, und ich freue mich auf diese Antwort.






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          Zuletzt geändert von Sersch; 12.12.2014, 03:09.
          Wenn ein Mann 100 Jahre lebt, ohne seine Ideale verwirklicht zu haben, ist er einen frühen Tod gestorben. samsung galaxy s5 handyhülle

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