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Napoleonische Gardes d'honneur

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  • Napoleonische Gardes d'honneur

    Ich muß mich heute mit der Bitte um Hilfe an Euch wenden. In Tagebücher aus der napoleonischen Zeit werden immer wieder Kavallerieeinheiten mit der Bezeichnung Gardes d'honneur erwähnt.

    Ich habe gehört das es davon 4. Regimenter in der Kaisergarde gab. Die Uniformierung und Ausrüstung scheint ähnlich wie bei den Husaren gewesen zu sein.
    War diese Truppe eine französische Version der "Freiwilligen Jäger"?

    Kann mir bitte jemand mitteilen ob es diese Formationen nur in der Kaisergarde gab oder wurden auch anderweitig diese Einheiten aufgestellt ?

    Vielen Dank für Eure Hilfe.



    Gruß
    Axel

  • #2
    Ich denke, dass es sich dabei um die 4 Regimenter handelt, die es in der Zeit von 1813 bis 1814 gab.
    Viele Grüße
    J. S.

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    • #3
      Es gab zwei Arten der Gardes d'honneur. Einmal die am 4. April 1813 geschaffenen vier Regimenter:

      https://books.google.de/books?id=-N4xAQAAMAAJ&pg=PA28

      und dann zahlreiche kleinere, in verschiedenen Städten aufgestellte uniformierte Ehrengarden, die manchmal sogar nur ein einziges Mal zusammentraten, wenn Napoleon durch die Stadt passierte. Diese Ehrengarden waren keine militärischen Einheiten, und sind eher den Bürgergarden in deutschen Städten vergleichbar.

      Hier als Beispiel Bilder der Ehrengarde von Straßburg:

      http://lesapn.forumactif.fr/t10947-c...-de-strasbourg

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      • #4
        Der Vergeich der 4 Rgt. Ehrengarden von 1813/14 (der Kaisergarde attachiert) mit den preuß. freiw. Jägern hinkt etwas. Die jungen, oft unter Druck auf die Väter einrangierten Männer (meist aus guten Familien stammend) wurden in der frz. Armee otages (Geiseln) genannt, weil ihre Kameraden den Eindruck hatten, sie dienten eher der Ruhigstellung der frz. bürgerlichen und adligen Eliten als der Kampfwertsteigerung der Großen Armee...

        Gruß, Tom

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        • #5
          Hallo,


          zuerst möchte ich mich für Eure Antworten bedanken. Scheinbar wurden diese bürgerlichen Ehrengarden auch mit militärischen Aufgaben betraut. Der Rheinbund-Infanterist Johann Jakob Röhrig beschreibt in seinem Tagebuch eine Szene während der Völkerschlacht in Leipzig am 18. Oktober 1813 mit folgenden ironischen Worten:


          „Es waren etliche Schwadronen von der Ehrengarde. Eine berittene Mannschaft, welche aus jungen, reichen Burschen bestand, die sich auf eigene Kosten equipiert und armiert hatten, alles in der größten Pracht. Des Kapitäns Kaufmann Stiefsohn Kopp aus Koblenz war auch dabei. Er kam in unser Biwak, um seinen Vater zu besuchen. Als dieser im bedeutete,er würde wohl besser gewesen sein, wenn Sie zu Hause geblieben wären, gab er zur Antwort : „Wir sind so ausexerziert, dass wir es mit den besten ungarischen Husaren aufnehmen können“


          Nicht ganz ohne Schadenfreude beschreibt Röhrig dann weiter wie in kurzer Zeit diese Schwadronen von österreichischer und russischer Kavallerie vollständig aufgerieben wurden.
          Gehörten die von Röhring erwähnten Schwadronen der Kaisergarde an oder handelte es sich um eine bürgerliche Ehrengarde?
          Mussten sich die Gardes d`Honneur der Kaisergarde selbst ausrüsten und bewaffnen?


          Ich freue mich über jede Information.


          Gruß
          Axel

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          • #6
            Hier der Eintrag zu Röhring in Vincennes.
            Viele Grüße
            J. S.
            Angehängte Dateien

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            • #7
              @Jules Salmo

              Sehr interessante Info - Größe, wie schnell er befördert wurde, etc. gut mit den Memoiren zu vergleichen


              Scheinbar wurden diese bürgerlichen Ehrengarden auch mit militärischen Aufgaben betraut.
              Wie sans-souci bereits erwähnt - waren diese 4 Regimenter - 1813 aufgestellt - eigentlich keine bürgerlichen Ehrengarde, die nur eine Repräsentationsfunktion hatten, sondern von Anfang an als aktive Kavallerie Regimenter geplant.

              Dass diese so schnell aufgestellten Regimenter einige Zeit brauchten um kriegserfahren zu werden ist nicht verwunderlich.
              Zuletzt geändert von HKDW; 25.11.2015, 08:33.

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              • #8
                Zitat von Gardekosak Beitrag anzeigen
                ...Szene während der Völkerschlacht in Leipzig am 18. Oktober 1813...

                ...Gehörten die von Röhring erwähnten Schwadronen der Kaisergarde an oder handelte es sich um eine bürgerliche Ehrengarde?
                Diese Schwadronen gehörten mit Bestimmtheit zur Kaisergarde. Diese anonyme zeitgenössische Darstellung zeigt sie im Gefolge Napoleons bei Leipzig:

                Gardes d'Honneur, Leipzig 1813, anon.jpg


                Zitat von Gardekosak Beitrag anzeigen
                Mussten sich die Gardes d`Honneur der Kaisergarde selbst ausrüsten und bewaffnen?
                Theoretisch ja, de facto aber bestand scheinbar ein beträchtlicher Teil der Ehrengarden aus nicht vermögenden Rekruten, denen die Ausrüstung ganz oder zum Teil von den Präfekturen der Departements aus einem Fonds bezahlt wurde, den die reichsten Bürger des Departements zu speisen hatten. Ein Grossteil der reichen Jugend verstand es einmal mehr, sich vor dem Wehrdienst zu drücken bzw. sich ersetzen zu lassen. So verstehe ich jedenfalls dieses bei Wikipedia angeführte Beispiel:

                "Cette phalange est censée être recrutée parmi les classes aisées ayant les moyens de financer l'équipement de la troupe. Ce recrutement « élitiste » connaîtra de nombreuses entorses, « les défaites n’inclin(ant) guère à la vocation militaire la jeunesse fortunée, que se fit remplacer par des jeunes gens sans fortune, se bornant à fournir l’argent de l’équipement ». « Nécessité faisant loi », des fils de familles modestes et impécunieuses s'enrôleront dès lors dans les rangs de ce nouveau corps. En Haute-Garonne, un registre d'engagement est ouvert dès le 20 avril et la levée « s’effectue rapidement et dans de bonnes conditions, puisque le 11 août 1813, l’ensemble du maximum des gardes d’honneur du département est atteint, voire même [sic] dépassé, puisque 88 jeunes gens sont couchés sur la liste que le préfet fait parvenir au ministre de la guerre ». Toutefois « il semble que, comme dans l’Ain, la levée concerne plus des jeunes gens originaires de milieu modeste et non pas les fils de la bourgeoisie et de la noblesse comme l’avait souhaité Napoléon ; en effet, sur 88 gardes de Haute-Garonne, 41 n’ont pas payé leur équipement et l’ont reçu de la préfecture ». D'autre part « ce sont 38 Gardes qui payent leur cheval et 50 qui le reçoivent du préfet et 40 qui payent leur harnachement, 48 le recevant du préfet, les fonds destinés à ces fournitures pour les Gardes qui ne peuvent les financer étant prélevés, au sein d’un fonds commun, sur les personnes les plus riches du département ». Les recrues seront finalement versées au 3e régiment en garnison à Tours5."

                (
                https://fr.wikipedia.org/wiki/Gardes...is_(1813-1814) ).
                Zuletzt geändert von Tellensohn; 25.11.2015, 11:47.

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                • #9
                  Ist eigentlich bekannt, in welchem der 4 Regimentern der Garde d'honneur Johann Jacob Röhrig war?
                  Viele Grüße
                  J. S.

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                  • #10
                    Literatur

                    Angehängt noch ein Ausschnitt aus (Osten-Sacken,) Die Frz. Armee 1813, Berlin: Wilhelmi, 1889 (S. 17).

                    Die von Tellensohn gebrachte schöne Darstellung der Gardes d'honneur zeigt nach meiner Vermutung Angehörige der 8 Eskadrons, die kurz vor der Völkerschlacht noch bei der Großen Armee eintrafen (ursprünglich - Frühjahrsfeldzug -waren nur 12 Eskadrons in 4 Rgt. marschbereit).

                    In der frz. Literatur gibt es mehrere Spezialschriften (Lomier, Housset, ...), einfach mal den Karlsruher Virt. Katalog oder Gallica durchsuchen nach "Gardes d'honneur 1813", manches käuflich bei Abebooks und Amazon.fr

                    Hier noch ein Bericht von Keyserling (Schles. Nat.-Kav.-Rgt., im Herbstfeldzug 1813 im Thielmann'schen Streifkorps) über einen erbeuteten frz. Wagenzug, der Bekleidungsstücke vmtl. für die Gardes d'honneur enthielt: http://books.google.de/books?id=HzYQAAAAYAAJ&pg=PA54

                    Ich meine, irgendwo auch einen Bericht eines (deutschsprachigen) Mainzer Gardisten d'honneur (von der oben erwähnten Truppe) gelesen zu haben, dessen Vater in Mainz eine höhere Verwaltungsstellung innehatte. Der Sohn machte den Feldzug 1813 mit und gelangte dann nach Mainz zurück. Kann leider den Bericht im Moment nicht finden...

                    Gruß, Tom
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                    • #11
                      Ein sehr schönes Buch über die Garde d'Honneur ist >De Nederlanders in Napoleons Garde d'Honneur< von W.F.Lichtenauer, 1971 erschienen. Darin findet man auch sehr schöne farbige Abbildungen aus das Tagebuch einer dieser Garden. Das Studium ist sehr ausführlich, was wohl möglich war, weil so viele Dokumenten (Briefe, Tagebücher) erhalten sind in diese "gegoede" Familien.


                      bataaf.

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                      • #12
                        @Jules Salmo

                        Des Kapitäns Kaufmann Stiefsohn Kopp aus Koblenz war auch dabei.
                        Röhrig war zu dieser Zeit Sergent - Major einer Voltigeur Kompanie im 150e de ligne - aber der Stiefsohn des Kapitäns war bei den GdH

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                        • #13
                          Kurzer Abriss der Geschichte der 4 Regimenter.
                          Nach dem Russlandfeldzug reorganisierte Napoleon seine Armee, wobei der Ersatz der untergegangenen Kavallerie das größte Problem darstellte. Aus diesem Grund suchte Napoleon nach immer neuen Quellen an "Humanmaterial", welches möglichst kostengünstig die Lücke in der berittenen Truppe schließen sollte. Ein großes unerschlossenes Reservoir waren der alte Adel, sowie die Söhne der Beamtenschaft und des begüterten Bürgertums. Napoleon packte diese Personengruppe bei der Ehre und erwartete, dass aus diesen Kreisen vier Regimenter leichter Kavallerie aufgestellt wurden, welche sich idealerweise auf eigene Kosten kleiden und bewaffnen sollten. Um die Entscheidung für diese Truppe zu erleichtern, wurden diese Regimenter Bestandteil der Kaisergarde (ich meine sogar, der Mittleren Garde, weiß es aber nicht genau).
                          1806 / 1807 gab es einen ähnlichen Ansatz mit den Gendarmes d'Ordonnance, allerdings mit dem Unterschied, dass diese Truppe nur für einen Feldzug Bestand haben sollte und die Angehörigen nach Ablauf dieses Feldzugs das Offizierspatent für die reguläre Armee erhalten konnten (was auch in größerem Umfang angenommen wurde).
                          Zurück zu den 4 Regimentern von 1813 / 1814. Jedes Regiment rekrutierte sich aus Einwohnern bestimmter Militärdivisionen, womit ein regionaler Zusammenhang und ggf. auch ein gewisser sozialer Druck ausgeübt werden konnte. Da der gleiche Personenkreis auch häufig die lokalen Ehrengarden stellte (rein repräsentative Einheiten, welche anlässlich Hohen Besuchs, oder zu bestimmten Feierlichkeiten zusammentraten), ergeben sich hier gewisse Überschneidungen zwischen beiden Formen der Ehrengarden.
                          Es finden sich etliche Fälle von eher erzwungener "Freiwilligkeit", ebenso waren auch nicht alle Soldaten Angehörigen der begüterten Klasse und konnten sich somit selbst kleiden und rüsten, sondern es wurden auch Gardisten von den Gemeinden gestellt und aus der Gemeindekasse die Kosten bestritten.
                          Ab 1814 fanden sich viele Ehrengarden in einem Cordon entlang der Rheins in belagerten Städten wieder, z. T. mit der Aufgabe, die lokalen Nationalgarden im berittenen Dienst zu unterrichten, bzw. um während der Belagerung ein berittenes Element zur Aufklärung zur Verfügung zu haben. Im Martinet (Verlustliste der Offiziere) findet sich ein Capitaine sowohl im 4. Rgt., als auch in der Landauer Nationalgarde wieder.
                          Trotz dieses weitgehend unmilitärische Hintergrunds der Soldaten (die Offiziere, Trompeter und Unteroffiziere entstammten zu einem großen Teil der Kaisergarde) schlugen sie sich doch recht wacker, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie sich als Angehörige der Kaisergarde fühlten (und auch waren).

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                          • #14
                            Ich weiß leider auf die Schnelle nicht mehr wo das zu lesen war, aber der "freiwillige" Eintritt in die Ehrengarderegimenter war die letzte Eskalationsstufe, nachdem man alle Möglichkeiten der Befreiung vom Militärdienst ausgeschöpft hatte. Da ist schon deutlicher Druck ausgeübt worden. Zur Mittleren Garde dürften die meiner Ansicht nach nicht gehört haben. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten die beiden Füsilierregimenter der Garde zur Mittleren Garde. Diese hatten früher eine ähnliche Funktion bei der Infanterie gehabt, d.h. Söhne begüterter Familien an die Armee und den Kaiser zu binden, da gehörten sie aber noch zur Jungen Garde. Das Konzept wurde dann auch aufgegeben, wahrscheinlich erhielten sie ihren Ersatz dann einfach von den anderen Einheiten der Jungen Garde, spätestens als sie Mittlere Garde wurden.

                            Grüße

                            Gunter

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                            • #15
                              Soviel ich weiss, gibt es keinen formellen Beleg dafür, dass die Ehrengarden zur Garde gehörten (Mittlere, Junge, was auch immer...) . Sicher ist nur, dass sie der Garde angeschlossen waren. Unter Historikern scheint man sich nicht wirklich einig zu sein, ob sie deshalb auch schon ganz offiziell Bestandteil der Garde waren. Tulard sagt, dass sie "firent partie intégrante de la cavalerie de la Garde impériale", und dass es für die jungen Leute, die in sie eintraten, "une affectation dans la Garde impériale" gab (Dictionnaire Napoléon). Pigeard (im Vorwort zu einem Artikel von Croyet) schreibt: "Eurent-ils l'honneur de faire partie de la célèbre Garde impériale ou furent-ils des Gardes d'honneur de l'Empire? Nous seront tentés de répondre par la négative à ces deux questions et pourtant ces régiments furent les deux en même temps, ou presque. Gardes d'honneur, faisant partie de la Garde impériale, la question est débattue et discutée depuis longtemps. A ce jour, nous n'en avons pas la preuve formelle émanant d'une source écrite indiscutable; tout au plus, comme diraient les juristes, un commencement de preuve par écrit..." (http://assosehri.fr/labibliothequesc...-d-honneur.pdf).

                              Also Zugehörigkeit zur Garde aufgrund eines "Anscheinsbeweises" ("commencement de preuve") als einigermassen sicher erachtet, aber nicht durch ein offizielles Dokument (Erlass, Verfügung, o.ä) bestätigt?
                              Zuletzt geändert von Tellensohn; 30.11.2015, 13:36.

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