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Preuß. Nat.-Kav.-Rgt.: Eliten usw.

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  • Preuß. Nat.-Kav.-Rgt.: Eliten usw.

    Hallo zusammen,

    angeregt durch das Memoirenwerk:

    Jordan, K. A. Tagebücher und Erinnerungen aus den Freiheitskriegen 1813-14. Hückeswagen: VFG, 1981

    habe ich mich mit der Geschichte des (Ost-)Preußischen National-Kavallerie-Regiments näher beschäftigt. Es ist dies eine erweiterte Neuausgabe von:

    (Jordan, K. A.) Zur Geschichte des ehemaligen ostpreußischen National-Kavallerie-Regiments in den Feldzügen von 1813 und 1814. Mittheilungen aus den Tagebüchern und Erinnerungen eines Freiwilligen. Leipzig: Verlag von Wilhelm Jurany, 1846

    Dabei sind mir einige Ungereimtheiten ggü. den sonstigen Bildquellen aufgefallen:

    1) Uniform der Eliten: Die meist dargestellte Pelzmütze (z.B. R. Knötel, H. Knötel) wird durch keine zeitg. Belege gestützt, jedenfalls konnte ich diese bisher nicht finden. Sonst wird immer als Unterscheidungszeichen der Eliten eine Tresse um den Kragen angegeben. R. Knötel schreibt in seinen Mittheilungen z. Uniformenkunde, Jg. 1902, S. 38f, dass die von ihm wiedergegebene "reiche Tracht" wahrscheinlich nur willkürlich von einigen Eliten getragen wurde. Quelle sei eine Zeichnung aus der Kleist´schen Sammlung, diese auch im "Soldatenfreund", Bd. XXII veröffentlicht. Hat jemand diese Zeichnung? Evtl. weitere Belege für die Pelzmütze?

    2) Rote (engl.) Dolmans / Pelze für das Regiment (ab 1814) lt. Peter Schuchhardts Buch: Elberfelder BHS, Tafel 40c. Zuweisung aufgrund eines Fundes von Alfred Umhey: AKO vom 16.12.1813. Auch für diese roten Pelze / Dolmans konnte ich keine weiteren Belege finden. Ich halte die Zuweisung der Tafel 40c der Elberfelder BHS zum Preuß. Nat.-Kav.-Rgt für unwahrscheinlich. Kann jemand die AKO beibringen? Andere Meinungen?

    Viele Grüße, Thomas H.
    Zuletzt geändert von Tom; 12.08.2007, 09:00.

  • #2
    Auszug aus den Tagesbefehlen des General = Kriegs = Commisairs von den Monaten Januar bis May 1814.

    (...) daß das Ostpreußische National = Kavallerie = Regiment als Husaren eingekleidet werden soll, wenn es neue Montierungen erhalten muß, und können dann demselben die dunkelrothen englischen Pelze verabreicht werden, in sofern der Vorrath zur vollständigen Bekleidung des Regiments zureicht. Diese Allerhöchste Bestimmung ist der dritten Division des Militair = Oeconomie = Departements übersandt, mit dem Bemerken, daß wenn die vorhandenen englischen Pelze für das Regiment nicht zureicten, dasselbe anderen erhalten sollte.
    Nachträglich haben Se. Majestät befühlen, daß das Ostpreußische National = Cavallerie = Regiment vor der hand die Lanzen behalten, und selbst in der Folge nebst dem Säbe das erste Glied des Regiments die Lanze führen soll.

    (...)

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    • #3
      Quelle? Argumente dagegen...

      Hallo Hans-Karl,

      vielen Dank für die Info. Aus welcher Quelle geschöpft?

      Im übrigen geht m.E. aus dieser bedingten Verfügung keineswegs hervor, dass das Regiment die Pelze auch tatsächlich erhalten hat.

      Nach der Rückkehr nach Preußen - Mitte 1814 - wurden 3 Eskadronen des Nat.-Kav.-Rgt. (plus die "alte" Garde-Husaren-Esk.) zur Formation des neuen Garde-Husaren-Regiments verwendet. Da König Friedrich Wilhelm III. in Uniformsachen bekanntlich sehr penibel war (zumal bei der Garde), scheint es mir unwahrscheinlich, dass die roten Pelze je verwendet wurden. Die 4. Eskadron kam übrigens zum 4. Ulanen-Rgt., wird also für die Pelze auch keine Verwendung gehabt haben.

      Also m.E. noch keine Klarheit

      Viele Grüße, Thomas
      Zuletzt geändert von Tom; 13.08.2007, 17:17.

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      • #4
        Das habe ich von einer Fotokopie eben jener Tagesbefehle abgetippt,

        H.Q. St. Avold in Lothringen d. 15. Jan. 1814


        Da die Elberfelder so eine Uniformierung zeigt, die zum Tagesbefehl paßt, sind die Argumente für diesen roten Pelz zumindest nicht schlecht.

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        • #5
          ... nochmal rote Hus.-Unif.

          So, ich bin jetzt mit meinen Recherchen etwas weitergekommen. In der Biographie des Organisators und 1. Kommandeurs des (Ost-)Preußischen National-Kavallerie-Regiments:

          Schultze, M. Christian Friedrich Carl Ludwig Reichsgraf Lehndorff-Steinort weil. Kgl. Preuß. Generalleutnant a.D., Landhofmeister des Königreichs Preußen, Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler etc. 17. September 1770 - 8. Februar 1854. Ein Lebensbild aufgrund hinterlassener Papiere. Berlin: R. Eisenschmidt, 1903

          wird S. 527f auf die Frage der roten Husarenuniformen eingegangen. Demnach hat Graf Lehndorff Ende November oder Anfang Dezember 1813 in einem Schreiben an den Flügeladjutanten Oberst v. Thile (Thiele?) selbst angeregt, dem Regiment ein vollständiges "Equipement" der englischen Husarenuniformen zukommen zu lassen, von denen er gehört habe, dass sie von England geliefert worden seien. Schultze schreibt dann aber zusammenfassend S. 528: "Die roten Husarenuniformen hatte übrigens das berittene Freikorps des Majors von Hellwig bekommen, und getragen, bis es 1815 in das 7. Ulanenregiment überging".

          Ich vermute, dass sich der von Hans-Karl beigebrachte Text der AKO auf diesen Vorschlag Lehndorffs bezog. Schließlich ist nach dem oben Geschilderten anzunehmen, dass die Tafel 40c der Elberfelder BHS einen Hellwig´schen Reiter zeigt.

          Falls ich noch mehr dazu finde, werde ich dies hier posten.

          Viele Grüße, Thomas H.

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          • #6
            Sehr interessant, also trugen diese weiter die alten oder die vereinfachten Uniformen?

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            • #7
              v. Meyerinck's Geschichte des Garde-Husaren-Regiments, Potsdam 1869, erwähnt auf Seite 42, daß Anfang Dezember 1813 die Unifomstücke des Regiments "abgerissen" gewesen seien. Bis zum 20. Dezember wurde alles, "so gut man konnte, in Stand gesetzt".

              Am 4. Oktober 1814 manövrierte das Regiment "zum Theil schon in der neuen Uniform" (S. 53).

              Soweit die Fakten, der Rest ist Kaffeesatzleserei.

              Ich deute das so, daß das Regiment im Oktober anfing, sich neue Uniformen (Litewken entsprechend dem ursprünglichen Muster) zu machen, weil die alten, von Anfang 1813, im Feldzug völlig verschlissen waren.

              Die Elberfelder Bilderhandschrift zeigt am 16. Mai 1814 wahrscheinlich Ersatzmannschaften (vgl. Hackenbergs Tagebuch, S. 45 in Peter Schuchhards Edition der Elberfelder Bilderhandschrift) auf dem Weg zum Regiment, das zu dieser Zeit in Quartieren der Gegend von Bonn war, wo es bis Anfang 1815 blieb. Daß dieser Mann, vom Depot in Ostpreußen ausgerüstet oder ein Rekonvaleszent, die Litewka trägt, ist also kein Argument gegen die möglicherweise verabreichten roten Husarendolmans und Pelze.

              Die Freiwilligen und Eliten schieden am 4. Juni 1814 vom Regiment, Jordan (1846, S. 246) und Hackenberg (Schuchard, S. 50) berichten übereinstimmend, daß sie am 11. Juni 1814 Elberfeld passierten. In Hackenbergs Tagebuch werden "2 Schwadronen vom ost-preußischen Husaren-Regiment" genannt. Falls sich dies auf das vermutlich nur in 1 Eskadron (Jordan 1846, S. 244) formierte zusammengezogene Detachment der ostpreußischen National-Kavallerie bezieht, wäre die Bezeichnung "Husaren" theoretisch auch einfach mit der Husaren-Verschnürung auf der Brust zu erklären.

              Interessant wäre, zu erfahren, wo die bei Peter Schuchard erwähnten beiden AKOs vom 16.12.1813 und 28.5.1814 zu finden sind.

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              • #8
                ... vereinfachte Uniform

                Hier noch zu der von Hans-Karl gestellten Frage der vereinfachten Uniform: Schultze, Graf Lehndorff, S. 518ff, bringt dazu einige Schriftstücke. Diese stehen in Zusammenhang mit den Fragen der Ausstattung der Ersatzmannschaften beim Depot und mit der Übernahme des Regiments auf den "Etat" (sprich: preußischen Staatshaushalt).

                Die Vereinfachungen scheinen in folgenden Punkten bestanden zu haben:
                + Litewken ohne (sonst ponceaurote) Aufschläge [die Elberfelder BHS zeigt freilich die roten Aufschläge]
                + Kartusche mit "messingenen" Stern
                + Sattelüberdecke von schwarzem Tuch mit Leinwand gefüttert und mit schmalem ponceauroten Rand (pro Decke nur 1/4 Elle rotes Tuch)
                + für den Mantelsack 1/32 Elle gelbes (nicht rotes!) Tuch zum Besatz, sonst blauer Stoff
                + Fouragemütze von blauem Tuch (dito mit ponceaurotem Besatz, 1/32 Elle)

                Seitens des Gouvernements in Königsberg war zuvor die Frage aufgeworfen worden, ob man die Schnüre der Litewken (immerhin 30 Ellen runder gelber Schnur) nicht weglassen könne; dies scheint aber nicht dauerhaft durchgeführt worden zu sein.

                Für die Wahl der Litewka soll nach Lehndorff ursprünglich die Überlegung mitgesprochen haben, dass man diese bei einer evtl. späteren Eingliederung des Regiments in die Linie sowohl in Husaren- als auch in Dragoner- oder Ulanenuniformen umwandeln konnte.

                Bis demnächst, viele Grüße, Thomas H.

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                • #9
                  In der Zeitschrift: Das Kasket. Jahrgang 1925, Heft 4, findet sich auf den Seiten 13 und 14 ein Beitrag von Jany: "2. Leib-Husaren-Regiment 1814". Als Nachtrag steht dort auch etwas zum Ostpreußischen National-Kavallerie-Regiment (S. 14):

                  Das Ostpreußische National-Kavallerie-Regiment trug laut A.K.O. vom 16. 12. 1813 dunkelrote englische Pelze und Dolmans. Laut A.K.O. vom 28. 5. 1814 hatten auch die Offiziere solche anzulegen, mit weißen Schnüren und grauen Pelzbesatz. Diese Uniform ist nachweislich mehrere Monate vom Regiment getragen worden. Das erste Glied behielt die Lanzen.
                  Das ist alles, was zu diesem Thema hier steht. Leider bringt Jany den Nachweis nicht.

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                  • #10
                    Ostpreußisches National-Kavallerie-Regiment

                    Guten Abend, Thomas H.,
                    in der Tat - auf den 1. Blick scheinen die Informationen nicht zusammen zu passen. Bei näherer Betrachtung schon. Ich habe mich im Rahmen meiner Tafelserie über die "Freiwilligen Jäger der Preußischen Armee 1813 - 1815" insbesondere mit dem Versuch einer Rekonstruktion der von Richard Knötel nur beschriebenen Zeichnungen der "v. Kleistschen Sammlung" befasst, verfüge neben dem von Ihnen zitierten Band des Pfarrers A. Jordan aus Ragnit (Elite bei den Freiwilligen Jägern des Rgts.) über die "Soldatenfreund"-Zeichnung, außerdem über eine beeindruckende Pause einer Abbildung eines Eliten zu Pferd mit Pelzmütze, angefertigt von Ludwig Burger, die er von der "v. Kleistschen Sammlung" gefertigt haben könnte, ein Blatt von Neumann - ebenfalls mit Pelzmütze, ein weiteres unkoloriertes Blatt aus einem frühen "Soldatenfreund" (Jg. 1846 (? - müsste ich nachschauen) sowie Informationen über das Ostpreußische National-Kavallerie-Regiment aus dem Lehndorffschen Archiv in Steinort (Graf Lehndorff hatte das Rgt. bekanntlich errichtet).
                    Die Vorlage für die Burgersche Pause scheint mir die Basis aller weiteren Darstellungen dieses "sonderbaren" Typus zu sein - eventuell hat auch Schneider für die Beauftragung seiner kolorierten Version die "v. Kleistsche Sammlung" zur Verfügung gehabt.
                    Wenn Sie interessiert sind, schreiben Sie mir gern ganz unzeitgemäß per Post: Ulf-Joachim Friese, Haidbarg 4 d, 21244 Buchholz.
                    Gruß
                    UJF

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