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Laden von Haubitzen

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  • Laden von Haubitzen

    Ich fand diese interessante Abbildung



    War das nun allgemein bei allen Haubitzen so üblich die Pulverladung in das Rohr zu bringen, wenn Granaten aufgesetzt wurden.
    Der Text zu dieser Tafel beschreibt sehr genau dass die Pulverladung in die Kammer gesetzt werden musste, mit der Hand, anschließend auch die Granate selbst.

    Hatten alle Haubitzen gekammerte Rohre? Bayern?

    Ein weiteres schönes Detail ist ja auch der Armschutz um die Uniform vor Verdreckung zu schützen.

  • #2
    Hallo HK,
    vielen Dank für diese interessante Abbildung und Beschreibung.
    Ich denke das war bei allen Haubitzen mit relativ kurzen Rohren so üblich.

    Die russischen Einhörner mit längerem Rohr, die ja keine eigentlichen Haubitzen waren, wurden nicht so geladen, weil sie patronierte Ladungen verwendeten, die wie bei Kanonen geladen wurden. Ihre konischen Kammern waren für diese Ladeweise entsprechend hilfreich. An sich waren diese Teile wohl die Ausnahme. Bei den sächsischen Haubitzen müsste man mal Jörg fragen, wie das da gehandhabt wurde.

    Haubitzen hatten generell gekammerte Rohre, zumindest bei den meisten Mächten. Bei den Schweden bin ich mir nicht ganz sicher.

    Der Armschutz wird etwa um dieselbe Zeit auch von Moltzheim für eine Haubitz- und eine Mörserbedienung gezeigt, offenbar beidseitig getragen. Ob es das vorher auch schon so gab? Das müsste dann doch eigentlich in irgendwelchen Ausrüstungslisten auftauchen.

    Grüße

    Gunter

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    • #3
      wir hatten das Thema ja schon mal zig Jahre her, 2007

      Henning
      01.07.2007, 12:40
      Da das Rohr nach dem ersten Schuß innen verdreckt war, nehme ich an, der Haubitzenärmel war eine Besonderheit in der württembergischen Armee:

      Als württembergische Besonderheit würde ich diese Ärmel nicht bezeichnen. Im "Exercir=Reglement für das Königlich Sächsische Feld=Artillerie=Regiment zu Fuß" (Dresden 1811) heißt es: "No. 1 hat das Einführen der Grenadladung und Grenade zu besorgen. Hierzu erhält er ein paar leinwandene Ärmel, welche er anzieht."
      Gruß Henning
      Blesson
      01.07.2007, 18:11
      Die Geschützöhren von Haubitzen und Mörsern gliedern sich immer in Kammer und Flug:

      1. Kammer für die Treibladung, welche einen weitaus kleineren Durchmesser als das Geschoß hat

      2. Flug für die Bombe oder Granate, Kaliber ab 7" aufwärts.

      Warum? Bei Wurfgeschützen mit großem Kaliber sind kleinere Treibladungen für die gekrümmte Flugbahn erforderlich als bei den Kanonen vergleichbaren Kalibers. Um die kleineren Treibladungen auf den Boden schieben zu können, braucht man kleineren Durchmesser, und voilà, man hat die Kammer.

      LB
      Also immer - Ausnahme Sachsen - da hat ja DaCapo auch was geschrieben - auch bei den Bayern und anderen Rheinbundarmeen??

      Blesson
      03.07.2007, 22:51
      Tja, ich gebe ja zu, auch nicht die Antwort gewußt zu haben, aber:

      in den pr. Spezifikationen d.J. 1816 und im Kameke 1812 finden sich übereinstimmend eine Kombination aus Setzkolben und Wischer bei den 7- und 10-pfündigen Haubitzen. Der Durchmesser beider entspricht immer der Kammer, niemals dem Flug.

      Da nichts ohne Zweck in der Artillerie ist, dient der Setzkolben ganz offensichtlich nur zum Setzen der Ladung. Warum? Es ist wichtig, daß die Ladung im Treibsack ganz auf den Boden gepreßt wird, damit selbige mit der Räumnadel angestochen werden kann, um die Stoppine oder Schlagröhre in die Treibladung zu setzen. Ich bin mir sicher, daß sich auch eine Beschreibung im Reglement dazu finden lassen wird...

      Es scheint außerdem das Auswischen der Kammer als ausreichend angesehen worden zu sein, da sich bekanntlich am Zündloch glühende Rückstände finden konnten, besonders bei ausgebrannten. Das Auswischen des Flugs war minder wichtig?

      LB
      Versteh ich das nun mal richtig, zuerst wird der Pulversack mit der Hand gesetzt, dann nochmal mit dem Setzer in die Kammer getaucht, dann wird die Granate mit der Hand gesetzt, mit dem Zünder nach vorne, der sich dann automatisch entzündet wenn die Haubitze abgefeuert wird??

      Da Capo
      10.07.2007, 13:15
      Die Ladung wird mit der Hand in die Kammer gegeben und angesetzt – soso! Ist sicher für 99,9% aller Haubitzen auch richtig, wenn es da nicht eine Ausnahme bei den – na?, richtig!!!! - Sachsen gäbe.
      Die Ausnahme heißt 4pfd. Granatstück, war von ihrem ganzen Wesen her eine Haubitze, allerdings mit einer Länge von 9 Bohrungen (5,442312 Zoll x 9 = 48,980808 Zoll oder knapp 1,16 m) zu lang, um die Ladung mit der Hand einzubringen.
      Das Rohr hatte am Ende dieselbe Einrichtung (Klinke etc.) wie die leichten sächsischen 4-Pfünder (sh. bitte unter Diskussionspunkt „Laden des sächsischen 4-Pfünders“ hier im Forum).
      Die Ladungen zu je 1 5/16 Pfund (und nicht 1 3/8 Pfund, wie Scharnhorst schreibt) waren (wie bei fast allen Haubitzen) einzeln. (Auch gab es bei den sächsischen Feld (= 4 und 8pfd.) –Haubitzen – im Gegensatz zu Preußen - nur jeweils eine Ladungsgröße.)
      Daher ist zu vermuten, dass zuerst die Ladung ins Rohr „geworfen“ wurde und dann die Granate hinterher. Ein Ansetzen der Ladung kann ich mir beim fast 90gradigen Stellwinkel des Rohres nicht vorstellen. Evtl. erfolgte das Anpressen durch das Gewicht der Granate (?).
      Mit Einführung der neuen Geschütze im Jahre 1811 wurde das Granatstück abgeschafft und die Sachsen luden ihre 8pfd. Haubitze wie alle anderen Nationen per Hand und mit übergezogenen Leinwandärmeln.
      Da Capo
      11.07.2007, 09:56
      Werter Blesson,

      ich bitte dringend um Verwendung der genannten Nebenklausel.

      Die Ladungen waren einzeln, also von der Granate getrennt und wurden in blechernen Ladungskapseln aufbewahrt/transportiert. Der 4pfd. Granatwagen hatte zwei Kästen (zwischen denen vermutlich bis zum Langbaum durchgelenkt werden konnte), was sogar auf einen getrennten Transport von Granate und Ladung schließen lässt. Genaue Maße habe ich hierzu leider nicht (kürzlich war der Rouvroy von 1811 bei ebay. Hinter dem zweiten Teil – in welchem das Holzwerk beschrieben sein soll – renne ich nun schon so 20 Jahre her, ohne ihn zu bekommen).
      Das 4pfd. Granatstück hatte eine Kammer mit einem Durchmesser von 18/32 Bohrungen und einer Länge von 1 20/32 Bohrungen.
      Zur Ausrüstung des Granatstückes gehörten neben Vorbringe- und Hebebaum sowie Handspeiche ein Wischer mit Stange und eine Stange zum Ausladezeug. Ein Setzer oder Rammer kommt nicht vor.
      Wie die Ladung in die Kammer gekommen ist, ist eine äußerst interessante Frage, zu der mir außer der Möglichkeit des Hineinwerfens bei den bekannten materiellen Voraussetzungen nicht viel einfällt. Leider.

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      • #4
        MARESCHAL. Collection de dessins lithographiés représentant les principales positions du canonnier dans les manœuvres de l'artillerie française. [ 36 pl.]

        http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_3.jpg

        http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_1.jpg

        http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_4.jpg

        http://www.bertrand-malvaux.fr/image...rtilleri_5.jpg

        Armand-Adrien Mareschal (2.viii.1793 (Côte-d'Or (Salmaise)) -): Base leonore:

        http://www.culture.gouv.fr/public/mistral/leonore_fr


        A review:

        http://books.google.com/books?id=t-4EAAAAQAAJ&pg=PA156

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        • #5
          Jacobi wie auch Lutz geben für die Bayerischen 7 Pfünder Haubitze eine Kammer.

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          • #6
            Wundert mich nicht, dass die 4-pdr Granatstücke nicht mehr "per Hand" zu laden gingen, denn mit einer Rohrlänge von 9 Bohrungen war das Verhältniss sogar noch größer als bei den Einhörnern.
            Offensichtlich waren die Ärmelschützer absolut gängig.

            Grüße

            Gunter

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            • #7
              Vielleicht trugen die sogar einen Leinenjacke über ihre Uniform - oder wie ist das zu interpretieren??
              Angehängte Dateien

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              • #8
                Sieht ganz danach aus, es scheinen sogar die Rockschösse zu sehen zu sein. Leider sieht man nicht, ob das eine Haubitze sein soll, oder was meinst du?

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                • #9
                  In einer ganzen Reihe von Geschützen ist dies jedenfalls der einzige Kanonier mit diesen "Kittel" - da würde mich auch mal die Meinung von Markus und anderen interessieren, die die Bayerische Armee studiert haben.

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                  • #10
                    So eine kurze Jacke erscheint als sinnvolle Weiterentwicklung der Armschützer. Schließlich kann man sonst auch die Vorderseite des Rocks mit beschmutzen, besonders wenn die Haubitze schon eine Weile feuert.

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                    • #11
                      Da würde ich schon zustimmen - aber ob es wirklich so war?
                      Leider scheinen da die Unterlagen oder die Reglements - zumindest für die Bayern zu fehlen.

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                      • #12
                        Nochmal zum Thema Laden der Haubitzen. Im preussischen Artilleriereglement von 1812 ist zu lesen, dass
                        Nr. 1 Kammer UND Flug auswischt
                        Nr. 2 die Kartusche mit der LINKEN Hand in die Kammer einsetzt
                        Nr. 1 dann die Kartusche ansetzt
                        Nr. 2 die Granate mit der RECHTEN Hand einsetzt, den Zünder in der Mitte nach vorn zeigend (die linke Hand unterstützt von unten)
                        Nr. 2 die Zündschnur herauszieht und sie beidseitig auseinanderlegt

                        Bei Moltzheim ist zu sehen, dass das Einsetzen der Granate bei den Franzosen offenbar anders herum üblich war, nämlich mit der linken Hand und die rechte unterstützt von unten, wie auch bei dem Marschallbild beschrieben. Die Unterschiede im Ablauf sind also nur gering.

                        Grüße

                        Gunter

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                        • #13
                          Ich hätte da noch eine ergänzende Frage, die ich mittels Sekundärliteratur leider noch nicht eindeutig klären konnte. Wurden die Zünder der Haubitzgranaten nun unmittelbar vor dem Abschuss angepasst (gekürzt) oder hat man sich in der Praxis mit einer standardisierten Zündröhrenlänge begnügt?

                          Und wie viele Zündschnüre hatten eigentlich die Granaten?

                          Viele Grüße,
                          Günter
                          "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
                          commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

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                          • #14
                            Hallo Günter,
                            der im preußischen Reglement geschilderten Prozedur entnehme ich kein Kürzen der Zündschnur. Vermutlich war das ohnehin zu gefährlich. Bezüglich der Zahl der Zündschnüre könnte man es so interpretieren, dass die 2 Enden einer Schnur aus der Granate gezogen wurden, um die Wahrscheinlichkeit des Zündens zu erhöhen. Dazu können die Experten vielleicht mehr sagen.

                            Grüße

                            Gunter

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                            • #15
                              Ich bin kein Experte, aber anhand des angehängten Fotos (leider nicht sehr scharf, die Überschrift ist kaum, die Legenden sind gar nicht leserlich), können Experten vielleicht einiges anschaulicher erklären. Gezeigt wird eine sächsische 8Pfünder Haubitze im Querschnitt, mit Zubehör.

                              Aus: L'Artillerie napoléonienne et le Génie = Tradition Magazine, Hors Série, N°23 (2002), S.54.

                              Die Legende zum Bild ist ziemlich allgemein gehalten:

                              "Présentation de l'artillerie saxonne: en bas la gargousse remplie de poudre et au-dessus le boulet explosif avec sa mèche. A côté, une boite à mitraille en vue extérieure et intérieure (Musée de l'Armée saxonne, Königshain)."

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