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Schwerere Kanonenkugeln mit geringerem Durchmesser?

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  • Schwerere Kanonenkugeln mit geringerem Durchmesser?

    Hallo Allesamt,

    ich habe eine Frage an die Physiker, Ingeneure oder wer sich sonst damit auskennt. Und zwar wundert mich, dass manch Kanonenkugel mehr wiegt, als vergleichbare Stücke anderer Nationen mit sogar weniger Kugeldurchmesser. Konkretes Beispiel: der englische Neunpfünder mit 10,2cm Durchmesser und 4,1kg Gewicht vs. den französischen Achtpfünder mit 10,4cm und "nur" 4,0kg.

    Liegt es am Material, der Herstellungsweise oder was ganz anderem? Wurden z.B. die Kugeln der einen Nation überschmiedet, die der anderen aber nicht? Das kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen, da selbst die englischen Demi-Culverins des späten 17. Jh. diese Kugelmaße aufweisen und hier die Kugeln doch sicher noch nicht so ausgefeilt herstellt wurden wie ein Jahrhundert später.

    Viele Grüße,
    Günter
    "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
    commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

  • #2
    Das lag, abgesehen von den unterschiedlich schweren "Pfunden" in verschiedenen Ländern, wohl vor allem an den unvollkommenen Gußverfahren (bei den hohen Stückzahlen mußte das Gießen ja auch schnell gehen).

    Trotz der Angabe in Pfund, war bei der Abnahme von Kanonenkugeln durch die Armee vor allem der Durchmesser wichtig, da er dem Kaliber des Rohres entsprach:

    http://www.forum.napoleon-online.de/...e-Kanonenkugel

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    • #3
      google mal Autoren wie Smola oder Scharnhorst, die haben bestimmt einiges dazu in ihren Werken zu sagen
      Smola : Handbuch der Artillerie
      Scharnhorst : Handbuch für Offiziere

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      • #4
        Danke schon mal für die Antworten

        Das mit den unterschiedlichen Pfunden ist schon klar. Mir ging es nun mehr um die Angaben in der Sekundärliteratur, in der die verschiedenen Kugeln mit gleichen heutigen Maßen und Gewichten verglichen werden. Und da wird eben z.B. der engl. Neunpfünder als schwerer denn der französische Achtpfünder gelistet, obwohl er sogar 2mm weniger Durchmesser hat.

        Jetzt kann es natürlich sein, dass die jeweiligen Originalquellen das mittlere Kugelgewicht in Pfund nur so in etwa angegeben haben und daher beim Umrechnen auf heutige Gewichte diese Abweichungen entstehen, oder eben es gab wirklich einen Unterschied in Material und/oder Herstellung, der zu dieser Differenz führte.

        Aber wahrscheinlich kann man das nur überprüfen, wenn man anhand einer genügend großen Anzahl an originalen Vollkugeln das tatsächliche mittlere Gewicht ermittelt. Hat jemand zufällig so jeweils 100 britische und französische Kanonenkugeln zuhause?

        Viele Grüße,
        Günter
        "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
        commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

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        • #5
          Die verschiedenen Pfunddefinitionen sind nur eine mögliche Erklärung beim Vergleich der verschiedenen Artillerien; eine andere Eklärung ist die Fertigung, die nicht nur beim Durchmesser variieren konnten sondern auch bei der spezfischen Wichte. Die Schwankungen der letzteren sind zu erklären mit den Lufteinschlüssen (Lunkern) beim Guß in den Kugelkasten. D.h. die Kugeln waren bei gleichem Durchmesser ein wenig leichter als die des reinen Gußeisens. Zum zweiten schwankt die Wichte infolge des Kohlenstoffgehalts und evtl. weiterer Beimenungen; diese hängt wiederum von Rohstoffqualität der Barren ab. Schwedisches Eisen galt als das Beste, das Rasenerz als das Schlechteste. Korrosion hat auch ihre Effekte.

          Der durchmesser der verschiedenen einzelnen Gussformen streute sicher auch um den Sollwert.

          Es gibt also viele Einflüsse auf diese simple Eisenkugel, die zum Abweichen vom Standard führten. Der wichtigste einzuhaltende Standard war aber das Kaliber mit dem Spiel von 1-2 Linien. Bei der stark gebremsten Außen-Ballistik, kleinen Vo und geringen Reichweite spielten die Streuung der absoluten Massen kaum eine große Rolle.

          Durch Qualitätsprüfung bei der Abnahme (Taster, Leeren) suchte man die gröbsten Abweichungen auszuschließen.
          Zuletzt geändert von Blesson; 08.01.2015, 17:12.
          Do, ut des

          http://www.ingenieurgeograph.de

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          • #6
            Besten Dank, Blesson

            Zumindest, was die britischen Kugeln angeht, scheint das wirklich was mit Rohstoffqualität zu tun zu haben, denn so weit ich da rumrecherchiert habe, sind deren Kugeln durch die Bank (also jedes Kaliber) in metrischen Maßen immer schwerer als die anderer Nationen vergleichbaren Durchmessers, bzw. gleich schwer bei etwas geringerem Durchmesser Vorausgesetzt es haben nicht alle von ein und derselben falschen Quelle abgeschrieben.

            Viele Grüße,
            Günter
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