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    Kann mir jemand helfen und erklären, was verbirgt sich unter dem Begriff "Artellwagen" und wofür er verwendet wurde?

  • #2
    Von den Kontexten her, in denen der Begriff auftaucht, scheint es ein russisches Wort zu sein.

    Kann mangels Russischkenntnissen aber leider nicht weiterhelfen.

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    • #3
      Nur geraten: Vielleicht eine Verballhornung von Artilleriewagen? Im Russischen gibt es ja eine Menge von leicht abgewandelten militärischen deutschen Lehnwörtern, wie Gewaltiger, Zeughaus, Wagenmestr usw. usf.

      Gruß, Tom

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      • #4
        Artelle gab es in der russischen Armee. Dabei handelte es sich um eine Art innerer Einteilung der Kompanie, die nichts mit den taktischen oder administrativen Strukturen zu tun hatte. Während eine Kompanie in 2 Züge mit je 2 Offizieren eingeteilt war, hatte sie 3 Artelle mit je einem höheren Unteroffizier, Spielmann usw. dabei. Es gab sogenannte Artellführer, die Soldat waren, jedoch keine Muskete trugen. Man kann die Artelle wohl als eine Art Genossenschaft übersetzen, eine Lager- und Kochgemeinschaft. (Nach Ulyanov 2008)

        Bei den Artilleriekompanien bestanden jeweils 6 Artelle, d.h. mit der Bedienung von je 2 Geschützen, also eines Zuges, identisch. Jedes Artillerieartell wurde von einem Oberoffizier geführt. (Nach Kosinski 1827)

        Ich vermute dass mit den Artellwagen möglicherweise die Zelte transportiert wurden, ab März 1812 wurden die Wagen der Kompanien auf einen Munitions- und einen Proviantwagen reduziert. Ansonsten muss ich noch etwas tiefer in meiner russischen Literatur stöbern.

        Grüße

        Gunter
        Zuletzt geändert von Gunter; 24.10.2015, 18:12.

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        • #5
          Artelle wurden offenbar schon unter Peter dem Großen eingeführt. Die Artellführer verwalteten das Geld ihres Artells. Bei dem geringen Sold der russischen "Billigsoldaten" war das aus ökonomischer Sicht auch eine gute Idee. Es konnten sich aber auch ziemliche Summen in ihrer Verantwortung befinden. Die Artellwagen waren offenbar nicht dasselbe wie die Wagen für die Zelte, sondern sie transportierten die Besitztümer des Artels, die nicht am Mann getragen werden konnten. Das erklärt vermutlich auch die Darstellungen recht kleiner Fahrzeuge, die wir aus dieser Zeit kennen, denn diese Wagen gehörten nicht zur offiziellen Ausstattung. Im 18. Jahrhundert gab es diese Wagen auch schon und Artilleriewagen waren damals eine eigene Kategorie des Trosses. Mehr habe ich dazu im Moment nicht finden können.

          Grüße

          Gunter
          Zuletzt geändert von Gunter; 24.10.2015, 18:38.

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          • #6
            Gunter, vielen Dank. Das reicht mir.

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            • #7
              Sehr interessant Gunter

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              • #8
                So wie ich das verstehe schienen die Artelle wohl eine Art selbstverwalteter Familienersatz für die Soldaten zu sein, kein Wunder bei der "humanerweise" auf 25 Jahre herabgesetzten Dienstzeit. Irgendwie musste man sich schließlich zusammentun. Sie wurden nicht von Offizieren geführt - die hätten wahrscheinlich nur das genossenschaftliche Geld veruntreut. Dahingehend ist die Angabe von Kosinski über die Artillerieartelle wohl kritisch zu betrachten, denn der hat das vermutlich mit den taktischen Zügen verwechselt und möglicherweise waren bei der Artillerie, anders als bei der Infanterie, die Züge mit den Artellen identisch.

                Grüße

                Gunter

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                • #9
                  spricht nicht auch Lieven genau das Thema an?

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                  • #10
                    Ja, steht sogar im Register. Das zeigt, dass ich inzwischen auch schon soweit bin nicht mehr alle Infos automatisch auf dem Schirm zu haben. Man hat einfach zuviel gesammelt :-) Lieven erklärt die Funktion der Artele (mit einem l!) genau wie oben dargelegt, aber er meint die Kompanie hätte ein Artel gebildet. Dem war aber nicht so. Gut ist wiederum der Hinweis, dass bei der Abstellung von Kompanien an andere Regimenter, z.B. bei Neuaufstellungen, die Artelle nicht zerrissen wurden, denn das hätte möglicherweise das Vertrauen der Soldaten an die Stabilität ihrer "Familie" erschüttert. Bei der Versetzung einzelner Soldaten müssten die eigentlich ihren Anteil ausgezahlt bekommen haben, den sie dann wieder beim neuen Artel einzahlten. Relevant dürfte das vor allem für jegliche Eliten gewesen sein.

                    Grüße

                    Gunter
                    Zuletzt geändert von Gunter; 28.10.2015, 16:40.

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