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Bewaffnung und Ausrüstung der Mameluken der Kaisergarde

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  • Bewaffnung und Ausrüstung der Mameluken der Kaisergarde

    Liebe Gemeinschaft,


    ich möchte mich heute wieder mit der Bitte um Hilfe an Euch wenden. Ich suche Informationen und Bildmaterial die sich mit der Bewaffnung und der Ausrüstung der Mameluken der Kaisergarde beschäftigen. Speziell interessiert mich die in Frankreich für die Gardemameluken produzierte Bewaffnung.
    Vielleicht kann mir ein Mitglied einige Tipps bezüglich Zeitschriftenartikel und Bücher zu diesem Thema geben. Ich selbst habe nur die Informationen aus dem Men-at-arms Heftchen „Napoleon´s Mamelukes“ und „Equipments Militaires“ Tome V.


    Gruß Axel

  • #3
    Hallo Peter,


    vielen Dank für Deine Informationen die mir sehr geholfen haben. Ich habe irgendwo gelesen das auch Streitkolben, Streitäxte und Dolche für die Gardemameluken in Frankreich hergestellt wurden.
    Bisher habe ich vermutet das es sich um Beutestücke aus dem Ägyptenfeldzug oder Importware gehandelt hat.
    Das speziell Schusswaffen für die Mameluken hergestellt wurden waren mir bekannt. Aber wurden auch die Blankwaffen nach einen bestimmten Muster in Frankreich angefertigt oder konnte jeder Mameluk seine Bewaffnung je nach Geldbeutel und Geschmack selbst zusammenstellen?


    Ich würde mich sehr über weitere Informationen freuen.


    Gruß
    Axel

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    • #4
      Zeichnungen von Ariès

      Ich habe aus dem umfassenden Werk von Christian Ariès über französische Blankwaffen (plus Kürasse und andere Handwaffen) die drei Cahiers kopiert und in eine PDF-Datei gepackt, die sich mit der Bewaffnung der Gardemamelucken befassen.

      Sicher von Hilfe, da es sehr schöne Detailzeichnungen sind (Pétard war übrigens ein Schüler von Ariès und hat einige der Tafeln des Werkes gezeichnet).

      Schöne Grüße
      Markus Stein
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      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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      • #5
        Handfeuerwaffen nach Boudriot

        So, und für die Handfeuerwaffen habe ich aus dem Cahier Nr. 12 des Werkes von Jean Boudriot über die "Armes à feu Françaises modales d'ordonnance" (Paris 1965), das sich mit der Bewaffnung der Gardetruppen befasst, die Seiten extrahiert, die sich auf die Gardemamelucken beziehen.

        Mit dem Ariès-Teil sollte damit ein umfassender Blick auf die Bewaffnung der Gardemamelucken gestattet sein.

        Schöne Grüße
        Markus Stein
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        • #6
          Vielen Dank Markus für die Informationen. Besonders interessant sind die Zeichnungen von den Streitäxten und den Streitkolben. Ich frage mich ob nur jeder Mameluk diese aufwendige Ausrüstung bessen hat. Oder war Axt und Kolben eine Art Rangabzeichen und dienten nur Paradezwecken?
          Gruss
          Axel

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          • #7
            Hallo Axel,

            im Fallout wird erwähnt, dass jeder Mamelucke mit einem Säbel "à la turque" sowie einer Büchse bewaffnet war; einige seien dazu noch mit einer Streitaxt und/oder einem Streitkolben bewaffnet. Für Unteroffiziere und Offiziere wird keine besondere Auszeichnung hinsichtlich der Bewaffnung beschrieben.

            Übrigens gibt es ein Extraheft von Soldats Napoléoniens zu den Gardemamelucken, das ich allerdings (noch) nicht habe - hier die Werbung und Bestellmöglichkeit von LCV: https://www.lelivrechezvous.fr/nos-r...lle-serie.html

            Schöne Grüße
            Markus
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            • #8
              Im zweiten Band des Bucquoy (sowie auch im Charmy) werden drei Perioden unterschieden, und zwar

              • bis 1804
              • 1805 bis 1813
              • nach 1813


              Für die erste Periode wird hinsichtlich der Bewaffnung in Erlass des Ersten Konsuls vom 11. Germinal des Jahres X (1. April 1802) zitiert:

              Il sera fourni par les Magazines d'Armes de la République, à chaque Sous-Officier et Cavalier de l'Escadron de Mameluks un armement complet, composé ainsi qu'il suit, savoir:

              1 Carabine.
              1 Tromblon.
              2 paires de Pistolets, dont une de Ceinture
              1 Sabre à la Mameluk.
              1 Poignard.
              1 Masse d'Armes.
              1 Lance pour une Compagnie de Lanciers non encore déterminée.
              1 Poire à powder en corne pour amorcer avec une baguette de fer.
              Es wird im Text darauf eingegangen, dass Karabiner und Büchse kaum parallel geführt wurden - Karabiner wurden aber sukzessive später eingeführt, so dass in den späteren Jahren der Kaiserzeit diese vornehmlich genutzt wurden. Auch wenn die Streitaxt nicht erwähnt ist, haben viele Mamelucken diese parallel zum Streitkolben ("Masse d'Armes") oder auch anstatt dessen geführt.

              Für die dritte Periode führt Bucquoy eine Liste auf, nämlich den "Tarif des matières employées à la confection des Effets d'habillement, d'équipment, etc., à fournir à chaque Mameluk lors de son admission au corps" vom 15.12.1812. In dieser Liste mit allen Effekten tauchen auch ein Säbel, ein Karabiner, ein Paar Pistolen für die Satteltaschen, ein Paar Pistolen für die Leibschärpe, eine Axt, ein Kolben und ein Dolch auf.

              Im Werk von Juhel über die Garde von 1815 wird eine Stärke von ca. 120 Mamelucken angenommen; allerdings führt die abgedruckte Inventarliste der ab dem 1.4.1815 ausgegebenen Waffen folgende Mengen auf:

              89 Säbel
              8 Dolche
              87 Pistolen
              61 Karabiner
              10 Äxte

              Ich würde also für den 1815er Feldzug eher von einer nur gelegentlichen Bewaffnung mit Äxten und Dolchen ausgehen - Streitkolben werden gar nicht mehr erwähnt (was nicht heißen soll, dass manch ein altgedienter und wieder ausgehobener Mameluck einen solchen aus früheren Zeiten nicht doch mitgeführt hat).

              Schöne Grüße
              Markus
              "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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              • #9
                Ariès, S.9:

                Streitkolben und Streitäxte nicht auf Feldzüge mitgenommen, sondern im Depot belassen. Also allenfalls für Paradezwecke. Willing meint sogar, es sei wenig wahrscheinlich, dass diese Waffen überhaupt ausgegeben wurden (Napoléon et ses soldats. L'Apogée de la gloire 1804-1809, S.54). Angefertigt wurden lediglich 100 Streitkolben und weniger als 150 Streitäxte. Offenbar in der Versailler Manufaktur hergestellt (Bourgeot, Les Trésors de l'Empéri. L'Armée de Napoléon, S.116), die meisten während des Konsulats (An IX bis An XI, also ca. 1801-1803), ausser je 25 Streitkolben und Streitäxten, die für die Hochzeit Napoleons und Marie-Louises im Jahr 1810 extra angefertigt wurden (Pigeard, Tradition Magazine 129, S.9, erwähnt je 25 Stück schon für das Jahr 1808). Alle Streitkolben und Streitäxte waren für die Truppe gedacht. Für Offiziere waren welche vorgesehen, es gab einen Kostenvoranschlag, aber die Waffen wurden scheinbar nie angefertigt.

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                • #10
                  vielen Dank für die vielen Informationen. Kann mir jemand Museen oder Sammlungen nennen in welchen Blankwaffen der Mameluken aus französischer Fertigung ausgestellt sind?
                  Interessant ist auch das Lanzen in der Liste mit aufgeführt sind. Das war mir bisher völlig unbekannt. Weiß jemand ob es sich dabei um das Standartmodell gehandelt hat oder ob orientalische Beutelanzen zum Einsatz kammen?

                  Gruss
                  Axel

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                  • #11
                    Solche Waffen findest Du sicher im Musée de l'Armée, Paris, und im Musée de l'Emperi, Salon-de-Provence.

                    Lanzen wurden meines Wissens keine ausgegeben. Dem Erlass aus dem Jahr 1802 kann man ja auch entnehmen, dass zwar über die Aufstellung einer mit Lanzen bewaffnete Kompanie nachgedacht wurde, aber noch nichts definitiv entschieden war ("une Compagnie de Lanciers non encore déterminée"). Die mamelukenähnlich gekleideten litauischen Tartaren waren mit Lanzen bewaffnet, wurden aber erst 1812 aufgestellt und nicht den Mameluken (ihrerseits den Gardejägern angeschlossen), sondern den 3. Polnischen Lanciers, dann den 1. Gardelanciers angeschlossen.
                    Zuletzt geändert von Tellensohn; 14.01.2016, 12:02.

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                    • #12
                      Ich stelle hier mal zwei pdfs rein, das eine mit dem für die Mameluken relevanten Material bei Willing, das andere mit dem bei Bourgeot.

                      - Paul Willing,Napoléon et ses soldats. L'Apogée de la gloire (1804-1809) (= Collections Historiques du Musée de l'Armée 6), 1986, S.53f.



                      -Vincent Bourgeot,
                      Les Trésors de l'Empéri. L'Armée de Napoléon, 2009, S.114-121.








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                      • #13
                        Zitat von admin Beitrag anzeigen
                        Im zweiten Band des Bucquoy (sowie auch im Charmy) werden drei Perioden unterschieden, und zwar

                        • bis 1804
                        • 1805 bis 1813
                        • nach 1813


                        Für die erste Periode wird hinsichtlich der Bewaffnung in Erlass des Ersten Konsuls vom 11. Germinal des Jahres X (1. April 1802) zitiert:



                        Es wird im Text darauf eingegangen, dass Karabiner und Büchse kaum parallel geführt wurden - Karabiner wurden aber sukzessive später eingeführt, so dass in den späteren Jahren der Kaiserzeit diese vornehmlich genutzt wurden. Auch wenn die Streitaxt nicht erwähnt ist, haben viele Mamelucken diese parallel zum Streitkolben ("Masse d'Armes") oder auch anstatt dessen geführt.

                        Für die dritte Periode führt Bucquoy eine Liste auf, nämlich den "Tarif des matières employées à la confection des Effets d'habillement, d'équipment, etc., à fournir à chaque Mameluk lors de son admission au corps" vom 15.12.1812. In dieser Liste mit allen Effekten tauchen auch ein Säbel, ein Karabiner, ein Paar Pistolen für die Satteltaschen, ein Paar Pistolen für die Leibschärpe, eine Axt, ein Kolben und ein Dolch auf.

                        Im Werk von Juhel über die Garde von 1815 wird eine Stärke von ca. 120 Mamelucken angenommen; allerdings führt die abgedruckte Inventarliste der ab dem 1.4.1815 ausgegebenen Waffen folgende Mengen auf:

                        89 Säbel
                        8 Dolche
                        87 Pistolen
                        61 Karabiner
                        10 Äxte

                        Ich würde also für den 1815er Feldzug eher von einer nur gelegentlichen Bewaffnung mit Äxten und Dolchen ausgehen - Streitkolben werden gar nicht mehr erwähnt (was nicht heißen soll, dass manch ein altgedienter und wieder ausgehobener Mameluck einen solchen aus früheren Zeiten nicht doch mitgeführt hat).

                        Schöne Grüße
                        Markus
                        Axtträger gab es in Deutschland bereits nachweislich um 1605 im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber in meinen Augen sind die nicht mit einer Streitaxt in Gefechte gezogen. Vielmehr waren sie Vorläufer der heutigen Pioniere. Bäume fällen, für ein freies Schußfeld, Brücken bauen.

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                        • #14
                          Zitat von KDF10 Beitrag anzeigen
                          Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber in meinen Augen sind die nicht mit einer Streitaxt in Gefechte gezogen. Vielmehr waren sie Vorläufer der heutigen Pioniere. Bäume fällen, für ein freies Schußfeld, Brücken bauen.
                          Axt ist nicht gleich Axt. Eine Streitaxt læsst sich m.E. nur bedingt fuer o.g. Pioniertætigkeiten verwenden. Die Æxte der Mamelucken waren sicher eher Streit- denn "Pionier"-Æxte.

                          Gruss, muheijo

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                          • #15
                            Bei den Streitäxten der Mameluken handelt es sich um reine Blanwaffen für den Kampf. Für einen Einsatz als Werkzeug waren sie zu leicht und zu klein. Diese Art von Streitäxten wurden im osmanischen und indo-persischen Raum Tabar bzw. Tabarzin genannt und als reine Kavalleriewaffe eingesetzt. Da sie meist am Sattel getragen wurden, werden sie auch häufig als Sattelaxt bezeichnet. In vielen Türkenbeute in deutschen Museen sind ähnliche Stücke aus dem 17. Jahrhundert zu finden. Die Form hat sich kaum verändert. Mit Sicherheit wurden diese teuren und empfindlichen Stücke nur im größten Notfall zum Brennholzzerkleinern benützt.

                            Gruss
                            Axel

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