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Gefecht bei Dodendorf Colonel Vauthier

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  • Gefecht bei Dodendorf Colonel Vauthier

    Am 05. Mai 1809 kam es bei Dodendorf südlich von Magdeburg zu einem Gefecht zwischen dem ca. 500 Mann starken Kavallerie-Kontingent des Majors Schill und vier Kompanien des 1. westphälischen Infanterie-Regiments und zwei Kompanien des 22. franz. Linien-Regiments, die zur Magdeburger Garnison gehörten. Die westphälisch-französischen Truppen sollen von Oberst Vauthier, dem Kommandeur des 1. wesphälischen Regiments, kommandiert worden sein. Vauthier soll im Verlauf des Gefechts tödlich verwundet worden sein.

    Ich suche nach biografischen Daten oder Einzelheiten zu Vauthiers militärischem Werdegang. Kann mir jemand sagen, wo ich da fündig werden kann?

  • #2
    Hier zum Beispiel:

    https://books.google.de/books?id=1_A...=PA136&dq=chef

    Hast Du in der Base Léonore nachgesehen ?

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    • #3
      Herzlichen Dank für den Link! Das bestärkt meine Vermutung, dass Vauthier vorher in französischen Diensten stand. Bloß wo?
      In der Base Léonore habe ich geschaut. Da ist er nicht aufgeführt. Zumindest habe ich ihn dort unter verschiedenen Schreibweisen nicht gefunden. Entweder ist seine Akte dort nicht mehr vorhanden oder er ist nie mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden, was als Oberst zwar möglich, aber ungewöhnlich wäre. Im Werk von Lacépède ist er auch nicht erwähnt.

      Zum Oberst scheint er erst in westphälischen Diensten befördert worden zu sein, denn auch im Quintin findet sich keine Spur von ihm... Schwieriger Fall!

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      • #4
        Im Jahre 1804 gab es einen capitaine Vauthier im 19e régiment d'infanterie de ligne:

        https://books.google.de/books?id=ouP...40&dq=vauthier

        Er war schon 9 Jahre lang capitaine gewesen.

        Im État militaire de France pour l'année 1793 ist ein lieutenant Louis-Nicolas-Xavier Vautier im 10e régiment (ci-devant Neustrie) aufgeführt, es gibt jedoch keine direkte Linie in der Formationsgeschichte vom königlichen 10ten zum kaiserlichen 19. Regiment.

        Sein bei Dodendorf ebenfalls verwundeter Bruder wurde "Wauthier" (das Ankercille ist sicher ein Satzfehler) geschrieben:

        https://books.google.de/books?id=XSp...&dq=ankercille

        Oder doch Vauthier d'Ankerville:

        https://books.google.de/books?id=Gm0...&dq=ankerville
        Zuletzt geändert von Sans-Souci; 27.03.2022, 20:29.

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        • #5
          Hier die Erinnerungen seines Bruders "François-Xavier de Wautier":

          https://www.persee.fr/doc/bcrh_0001-..._num_90_1_2006

          Dort (S. 36, Anm. 2) der Name des bei 1809 tödlich Verwundeten: "Thomas de Wautier" (1773-1809), der anscheinend am 9. September 1801 aus österreichischen in französische Dienste (112e de ligne) wechselte und 1807 in die Westphälische Armee übertrat.

          Ich habe keine Erklärung für den Namenszusatz "d'Ankerville" finden können, der anscheinend nur im königlich westphälischen Kontext auftaucht. François-Xavier heiratete im Jahre 1803 eine Frau d'Anckerhielm, doch ließe sich da über einen Zusammenhang nur wild spekulieren.

          Der Etat militaire des Jahres 1804 bereichtert die Schreibvarianten des Namens um ein "Devautier":

          https://books.google.de/books?id=ouP...0&dq=devautier

          Es gibt sogar ein Porträt von Thomas de Wautier:

          https://digitalcollections.nypl.org/...e-58d385a7b928

          Angehängte Dateien

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          • #6
            Wow... herzlichen Dank für die vorzüglichen Informationen, Sans-Souci! Das bringt eine Menge Licht ins Dunkel! Die Memoiren sind eine Goldgrube. Anscheinend hat der jüngere Bruder das Kreuz der Ehrenlegion am 15. August 1811 erhalten, allerdings ist er nicht im "État général de la légion d'honneur depuis son origine" gelistet. Wurden die "Ausländer" dort übergangen? Das würde zumindest erklären, warum auch sein Bruder dort nicht zu finden ist. Aber möglicherweise ist er auch einfach bis dahin nicht mit der Auszeichnung bedacht worden.

            Interessant ist, dass Francois-Xavier in seinen Memoiren berichtet, dass sein Bruder bei Dodendorf von einem Boulet das Bein zerschmetter wurde... Schills Truppen verfügten über keine Artillerie. Eine Verwechslung mit einer schweren Schusswunde durch Gewehrfeuer oder rührte die letztendlich tödliche Verwundung vom Kartätschfeuer einer der mitgeführten drei 6-Pfünder her? Die Geschütze gingen während des Gefechts vorübergehend verloren, konnten aber von den Reitern Schills wegen fehlender Bespannung nicht abgefahren werden. Es ist aber gut möglich, dass eines der Geschütze, solange es in der Hand von Schills Truppen war, gegen die alliierten Truppen in Stellung gebracht wurde. Die Möglichkeit ergibt sich zumindest aus Vauthiers Gefechtsbericht, den er noch am gleichen Tag dem Gouverneur von Magdeburg, Divisionsgeneral Michaud, zukommen ließ.

            https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/im...6/22/LOG_0008/

            Weißt du zufällig, ob folgendes Werk digitalisiert worden ist? Binder von Krieglstein:Ferdinand von Schill. Ein Lebensbild; zugleich ein Beitrag zur Geschichte der preußischen Armee, Berlin
            1902.


            Ich habe es leider bisher nicht online finden können. Es soll den Bericht von Divisionsgeneral Michaud an Könige Jérôme über das Gefecht bei Dodendorf enthalten...


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            • #7
              Hm...unter der Schreibweise de Wautier bin ich für die Verleihung der Ehrenlegion in der Base Léonore für den jüngeren Bruder Francois-Xavier fündig geworden:
              https://www.leonore.archives-nationa...uv.fr/ui/#show

              Allerdings wird die Verleihung dort auf den 15.08.1814 verlegt und nicht auf den 15.08.1811, wie in den Memoiren angegeben.

              Wenn das Datum der Akte bei Base Léonore stimmen sollte, beweisen die Bourbonen in der 1. Restauration wenig Gespür für die Wirkungsmächtigkeit dieses Datums...

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              • #8
                Dieser Link müsste funktionieren...

                https://www.leonore.archives-nationa.../notice/378375

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                • #9
                  Der Binder von Krieglstein ist hier online verfügbar, allerdings nicht für Leute mit europäischer IP-Adresse - Du mußt einen Proxy-Server verwenden:

                  https://books.google.de/books?id=hLsyAQAAIAAJ

                  Laut seinem Brief in der Base Léonore wurde Wautier ja erst 1814 für die Ehrenlegion vorgeschlagen. Daß in seiner gedruckten Autobiographie der 15. August 1811 steht, ist dann wahrscheinlich ein Lesefehler. Interessant, daß Wautier im eigentlichen Manuskript die Ehrenlegion überhaupt nicht erwähnt.

                  François-Xavier schreibt, sein Bruder Thomas sei bei Dodendorf von einem "biscaien" getroffen worden. Das ist eine Kartätschkugel, vielleicht doch nur eine Verwechslung mit einer Gewehr- oder Pistolenkugel.

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                  • #10
                    Ich meine, als "biscaien" wurden auch weittragende Büchsen (u.a. Wallbüchsen) bezeichnet.
                    Gruß, Tom

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                    • #11
                      Vielen Dank nochmals!

                      "Biscaien"...du hast völlig recht...weiß auch nicht, warum ich gestern "Boulet" geschrieben habe...

                      Was die Datierungen des Verleihungsdatums der Ehrenlegion angeht, habe ich diese Unregelmäßigkeiten schon des öfteren beobachtet. Oftmals sind originale Verleihungsdokumente verloren gegangen, sodass die dekorierten Soldaten bei der Ordenskanzlei zu späterer Zeit um Neuausstellung baten. Sei es, um Pensionsansprüche geltend zu machen oder um nachweisen zu können, dass man berechtigt ist, die Auszeichnung öffentlich zu tragen. Die Papiere sind dann manchmal mit einigen Jahren Verspätung erneut durch die Ordenskanzlei ausgestellt worden. Manchmal nicht ohne vorher dieverse Zeugenberichte und eidestattliche Versicherungen eingeholt zu haben. Vor kurzem kam mir der kuriose Fall unter, dass sich der Bürgermeister von Besancon im November 1860 bei der Ordenskanzlei in Paris nach der Identität eines älteren Herrn erkundigte, der in Besancon dadurch aufgefallen sei, dass er bei öffentlichen Anlässen die Auszeichnung eines Offiziers der Ehrenlegion trage und einige Bürger Zweifel äußerten, ob es sich dabei nicht um einen Aufschneider handele. Die Ordenskanzlei konnte nach einigen Recherchen den Bürgermeister beruhigen und versichern, dass es sich bei der "zwielichtigen Person" um einen ehemaligen Aide de camp des Generals Guiot de Lacour handele, der durchaus berechtigt sei, die Auszeichnung zu tragen.

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                      • #12
                        Hallo Tom,
                        leider ist über die genaue Ursache und die Art der Verwundung, die Oberst Vauthier gegen Ende des Gefechts erhalten hat, wenig bekannt, außer, dass er einen Schuss ins Bein erhielt. Sein Gefechtsbericht legt nahe, dass dies bei der Rückeroberung der zwei 6-Pfünder passierte, die auf der Magdeburger Chaussée am nördlichen Ortsausgang von Dodendorf positioniert waren. Zu diesem Zeitpunkt waren Schills Husaren schon in den für sie nachteiligen Ortskampf in den Gassen von Dodendorf verwickelt, in die sich die westphälischen Kompanien zurückgezogen hatten. Von dem leicht überhöht liegendem Kirchenfriedhof mit Mauer war eine effiziente Rundumverteidigung möglich. Ich halte es deshalb nicht für ausgeschlossen, dass beide französische Kompanien unter Führung Vauthiers, die gegen Ende des Gefechts von Norden aus wieder in das Dorf eindrangen, in das freundliche Feuer der Westphalen liefen, die aus Häusern und Kirchhof auf alles schossen, was sich auf den Dodendorfer Gassen bewegte... Abschließend wird sich das wohl nicht mehr klären lassen. Das Testament Vauthiers soll sich im belgischen Armee-Museum befinden. Vielleicht gibt das Dokument Aufschluss über die Folgen der Verletzung...hört sich irgendwie nach Wundbrand an.

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                        • #13

                          ...leider ist über die genaue Ursache und die Art der Verwundung, die Oberst Vauthier gegen Ende des Gefechts erhalten hat, wenig bekannt,

                          Bitte folgende Zitate aus Winter: Historisch -Biografische Erzählung 1954 (Mit der internen Quellenangabe: Haken 1824, Baersch 1860, Kriegelstein 1902) mit entsprechender Vorsicht zur Kenntnis nehmen:

                          ... Inzwischen hatte Major v. Lützow das feindliche Karree, in dessen Mitte sich der französische Befehlshaber befand, durchbrochen. "Hei, Herr Oberst Vautier! Zum Teufel mit Ihnen!" rief er und hieb den Obersten nieder. ... (???)


                          ..Unter den sechs gefangenen Offizieren befand sich auch Kapitän Vautier, ein Bruder des Kommandierenden. Er hatte fünf Wunden erhalten. Oberst Vautier selbst war tödlich verwundet........

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                          • #14
                            Bitte folgende Zitate aus Winter: Historisch -Biografische Erzählung 1954 (Mit der internen Quellenangabe: Haken 1824, Baersch 1860, Kriegelstein 1902) mit entsprechender Vorsicht zur Kenntnis nehmen:
                            Das ist das Problem der zeitgenössischen Literatur - es vermischen sich andauernd patriotische Erbauungsschreiberei mit subjektiven Berichten der vor Ort beteiligten Personen. Natürlich hört es sich gut an, wenn der bekannte Lützow den französischen Kommandeur persönlich niedersäbelt... aber wahrscheinlich ist es nicht. Oberst Vauthier war zumindest nicht durch Säbelhiebe verwundet. Ebenso hört es sich gut an, wenn die Schillschen Husaren französische Karrees durchbrechen...aber die hat es bei Dodendorf aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht gegeben.

                            Die westphälischen Verbände waren zu solchen taktischen Manövern noch gar nicht ausgebildet und liefen beim ersten Kontakt mit den Husaren einfach davon, was zu den hohen Verlusten führte. Die französischen Kompanien waren da kriegserfahrener und blieben zumindest eine zeitlang in Linie. Ich wüsste auch gar nicht, wie eine ca 100 Mann starke Kompanie erfolgreich Karree bilden soll, wenn sie mindestens aus zwei Rängen bestehen soll, um genügend Feuerkraft an den Gegner zu bringen. Man muss wohl eher davon ausgehen, dass die französischen Kompanien nach Auflösung der Linienformation in Haufen angelehnt an die Sülze auf den Dorfrand Dodendorfs auswichen, wobei sie durch den sumpfigen Boden weitgehend vor den Anritten der Husaren geschützt waren.

                            Dazu kommt, dass wir über den zeitlichen Ablauf der Angriffe der Schwadronen Schills schlecht informiert sind. Haben sie zeitgleich stattgefunden oder gestaffelt? Major Lützow scheint zumindest schon zu Beginn des vereinten Angriffs der 2. und 3. Schwadron auf die beiden französischen Kompanien nördlich der Sülze durch das Kartätschfeuer der zwei 6-Pfünder verwundet worden zu sein. Er kam also gar nicht an die Franzosen heran...

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                            • #15
                              Wenn "Kartätschfeuer" (bzw. "mitraille"), käme evtl. auch das Schill'sche Orgelgeschütz (Abbildungen findet man mit Google) in Frage? Ich weiß aber nicht, ob dieses bei Dodendorf eingesetzt wurde...

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