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Attaque en fronte

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  • Attaque en fronte

    Hallo Gemeinde,

    ich schon wieder mit einer Frage.

    Ich habe durch einen glücklichen Zufall die Belagerungstagebücher zur dritten Belagerung Wittenbergs im Netz gefunden. Diese Tagebücher schildern ziemlich genau was, wann, wie abgelaufen ist. Leider benutzten die Herren von Bardeleben als Artillerist und der Herr von Plautzen als Ingenieuroberst manchmal Begriffe, die damals wahrscheinlich jedem Trommlerjungen geläufig waren, heute aber aus dem Gebrauch gekommen sind. Viele Bedeutungen habe ich durch etwas Recherche selbst heraus gefunden, was der obere Begriffe im Titel bezeichnen soll, ist mir eigentlich auch klar. Nämlich einen Frontalangriff, der in diesem Fall nach der ersten Wegnahme des Krankenhauses durch die französische Infanterie gegen die Preussen geführt wurde. Dieser Ausfall wurde mit ca. 600 Mann in drei Kolonnen durchgeführt. Davon hat eine Kolonne das Krankenhaus frontal angegriffen, während die beiden anderen jeweils die Flanken umgangen haben. Ich denke das der Frontalangriff von zwei Kompanien durchgeführt wurde, während die beiden anderen Aufstellungen auch jeweils eine Kompanie umfassten.

    Jetzt meine Frage: Ich habe auf der Webpräsenz der 8eme Reenactmentgruppe eine Aufstellung einer französischen Füsilierkompanie in der Linie gefunden. http://www.8eme.de/franz-armee/die-s...ie-infanterie/ Man muss etwas nach unten scrollen.
    Kann ich diese Aufstellung auch für den Anmarsch der zwei Kompanien, die den Frontalangriff durchführen sollen, auf das Krankenhaus so übernehmen? Ich habe mir gedacht, die Kompanien nacheinander, quasi als Kolonne anmarschieren zu lassen. Wo waren da dann wohl die Trommler? Zwischen den Kompanien, oder hinter den Kompanien?
    Zuletzt geändert von Mr. Pett; 12.09.2018, 16:59.

  • #2
    Belagerungstagebücher zur dritten Belagerung Wittenbergs im Netz gefunden.
    Kannst du so freundlich sein, die Links hier rein zu stellen?

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    • #3
      Angriffe nicht wie auf dem Exerzierplatz

      Hallo zusammen,

      ich vermute, das Zitat ist aus Plotho. Die Kolonnenangriffe - in diesem Endstadium des Kampfes um Wittenberg - werden sicherlich nicht wie auf dem Exerzierplatz ausgeführt worden sein, wir reden hier über einen Angreifer, der sich praktisch schon in der Enceinte (Hauptwall) der Festung festgesetzt hat. Bei diesen Angriffen und Gegenangriffen, z.T. mit der blanken Waffe Mann gegen Mann geführt, weicht schnell jede taktische Ordnung. Extremes Beispiel hierfür sind die Kämpfe um Saragossa, wo praktisch Haus für Haus, Etage für Etage, von den Franzosen und ihren Hilfstruppen erobert werden mussten (kann man bei H. v. Brandt nachlesen). Für den Anmarsch kann man natürlich noch die Reglements zugrunde legen - wenn man sich die Bilder von Wittenberg ansieht, erkennt man aber, dass auf den Straßen viele Granaten / Bomben / Kugeln, Waffen usw. rumlagen, auch da wurde der Marsch wahrscheinlich in aufgelöster Ordnung vollzogen.

      Gruß, Tom
      P.S. Zeitg. Abbildung vom Morgen nach der Erstürmung Wittenbergs, man beachte, was alles auf dem Platz vorm Schloss herumliegt: https://de.wikipedia.org/wiki/Leopol...-13-1-1811.jpg

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      • #4
        Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
        Kannst du so freundlich sein, die Links hier rein zu stellen?
        Je gern. Wie schon von Tom vermutet, stammen die Tagebücher aus von Plothos Krieg in Deutschland und Frankreich usw. Du musst bis ganz zum Ende gehen und dann auf Seite 124 zurück scrollen. Da fangen die Tagebücher an.

        https://books.google.de/books?id=iWs...enberg&f=false

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        • #5
          Wenn die zwei Kompanien nun nach Reglement anmarschieren, bleibt immer noch die Frage, wo sich dann die Trommler befinden würden. Vielleicht sogar vorweg vor der Kolonne?

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          • #6
            Zitat von Mr. Pett Beitrag anzeigen
            Vielleicht sogar vorweg vor der Kolonne?
            Der Platz der Trommler ist in der Regel hinter der Truppe. Ist das Bataillon in Linie formiert, stehen sie in zwei Gliedern 15 Schritt hinter dem Peloton links von der Mitte. In Kolonne marschieren sie neben diesem Peloton, auf der dem Guide gegenüberliegenden Seite.

            Wie man in vielen schlechten Historienfilmen sieht, werden sie sonst, falls sie vorneweg marschieren würden, nur unnütz weggeschossen. Und falls es zum Feuergefecht oder Bajonettangriff käme, stünden die überlebenden Trommler dann nur im Weg.

            http://histoirevivante.forumculture....e-des-tambours

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            • #7
              Danke Sans-Souci.

              Um mein vermeintliches Wissen zu prüfen. Stimmt die Anzahl von 2 Trommlern pro Kompanie?

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              • #8
                Ja, in den Etats von 1791, 1793, 1808 und Mai 1814: immer 2 Tambours/Cornets pro Kompanie.

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                • #9
                  bei so einer dargestellten Kolonne, die ja wohl. als taktische Einheit fungierte, würde ich die Trommler nicht hinter jeder Kompanie aufstellen, sondern als eine einzige Trommlergruppe.
                  Mal nachsehen - wo die bei der colonne d'attaque gestanden haben.

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                  • #10
                    Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
                    In Kolonne marschieren sie neben diesem Peloton, auf der dem Guide gegenüberliegenden Seite.
                    Dies deckt sich mit den Aufstellungen, die ich gefunden habe. Vielen Dank.

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                    • #11
                      Gut, dann sind Deine Aufstellungen in diesem Punkt korrekt.

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                      • #12
                        Liebe Germeinde,

                        die beiden Journale von Bardeleben und Ploosen sind auch in unserem Buch "Belagerte Festungen zwischen Memel und Rhein 1813-14" zitiert und ausgewertet. Sie gehören damit zu den wenigen Belagerungsjournalen, die je vollständig gedruckt worden sind, denn diese schlummern meist nur als Manuskripte in den Archiven. Lesen hilft also…


                        Zum Begriff „Attaque en fronte“: In den mir zugänglichen zeitgen. Wörterbüchern habe ich merkwürdigerweise nichts gefunden. Es gibt aber den Begriff „Attaque de front“, was Frontalangriff meint. Der sonst in der Literatur übliche Begriff ist „gewaltsamer Angriff“ bzw. „Attaque brusque“. „Front d’Attaque“ bedeutet dagegen die anzugreifende Festungsfront (Abschnitt zwischen 2 Bastionen).


                        Sturmangriff auf eine Festung: Es geht hier nicht um die klassische Infanterietaktik, wie sie im pr. Reglement 1812 festgelegt wurde. Ziel eines Sturms ist nämlich, möglichst schnell in großer Masse das Glacis, den pallisadierten bedeckten Weg, den Graben und den Wall zu überwinden, und so das Kleingewehr- und Kartätschenfeuer zu unterlaufen. In der Regel wurde die Kolonne durch einen Ingenieuroffizier geführt.


                        Wegen des durchschnittenen Terrains dürften die Kolonnen durch halbe Wendung der Linie mit 2-3 Mann Breite formiert worden sein, keinesfalls als Zug- oder Sektionskolonnen. Wittenberg wurde um Mitternacht erstürmt, da dürfte sich die geschlossene Ordnung ziemlich schnell aufgelöst haben. Von den vier Sturmkolonnen auf Wittenberg zu passieren waren eine Breche, ein Tor, Lücken in den Palisaden etc. Um engen Passagen zu bewältigen, dürfte auch der Reihenmarsch angewendet worden sein. Auch wurde der Wall mit Hilfe von Leitern erstiegen... siehe z.b. Plotho, S. 164:

                        Für einen Ausfall aus der Festung galten ähnliche Regeln: Hier mussten sich die Infanterie aus den Toren und Poternen bzw. dem gedeckten Weg möglichst unbemerkt heraus entfalten, was am einfachsten durch eine Kolonne zu bewältigen war. Wälle, Gräben, Vorfeld etc. dürften von Trümmern aller Art übersät worden sein, welche die Bewegung geschlossener Verbände erschwerten: Faschinen, Schanzkörben, Hurten, Balken, Palisaden, Gesteinsbrocken, Geröll, Schutt, Kugeln…


                        Das Feuergefecht dürfte deshalb i.d.R als zerstreutes Gefecht geführt worden sein.
                        Do, ut des

                        http://www.ingenieurgeograph.de

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                        • #13
                          Hallo Blesson,

                          nur damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich habe dieses Thema nicht im Hinblick auf den Sturm der eigentlichen Festung erfragt, sondern im Hinblick auf die Rücknahme des Krankenhauses, welches am 01. Januar von den Preussen erst genommen wurde und danach dann mehrfach den Besitzer gewechselt hat, bis die Franzosen es dann schlussendlich aufgeben mussten. Nach Hoyers Angriff und Verteidigung der Festung, war der beste Zeitpunkt ein weggenommenes Werk zurück zu erobern unmittelbar nach dem Verlust desselben, bevor der Belagerer ein Logement errichten kann. Dazu trägt man einen Ausfall mit einer auf drei Kolonnen aufgeteilten Truppe vor. Ein Teil greift frontal an ( der erfragte Angriff), ein Teil verschafft sich direkt Zugang in das Innere des verloren gegangenen Werkes und der dritte Teil säubert die umliegenden Gräben vom Gegner. Also insofern ein klassisch vorgetragenes Manöver von den Franzosen.

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                          • #14
                            Also noch einmal die beiden Literaturstellen:

                            Plauzen, Nicolas von: Tagebuch [Belagerungsjournal] des Ingenieur-Obersten von Plauzen von der Belagerung der Festung Wittenberg in den Jahren 1813 und 1814; S. 161-172 - auch: Plauze, Chillot de; Ploosen, Nikolaus von, in: Plotho, Carl von: Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813-1814, Dritter Theil oder Zeitraum vom Januar 1814 bis zum Frieden von Paris; Band III, Berlin, 1817, 527 Seiten - mit 25 Beilagen und einem Plan von Wittenberg

                            Bardeleben, M. v.: Das Tagebuch der Belagerung der Festung Wittenberg. I. Tagebuch von der Belagerungs-Artillerie. II. Die Dispositionen für die Artillerie.; Beilage XXV, S. 124-161, in: Plotho, Carl von: Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813-1814, Dritter Theil oder Zeitraum vom Januar 1814 bis zum Frieden von Paris; Band III, Berlin, 1817, 527 Seiten - mit 25 Beilagen und einem Plan von Wittenberg
                            Zuletzt geändert von Blesson; 30.09.2018, 21:12.
                            Do, ut des

                            http://www.ingenieurgeograph.de

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