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1806 - Postierung von Standarten hinter Front des Regiment

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  • 1806 - Postierung von Standarten hinter Front des Regiment

    In seinem Bericht zum Feldzug 1806 schreibt der Kommandeur des Regiments Kochtitzky Kürassiere, Oberstleutnant von Schlieben, nachfolgende Merkwürdigkeit:


    Auch muss ich bemerken, dass, als wir im Verlauf dieses Tages befehligt wurden, uns an das Tauenzien’sche Korps anzuschließen, wir auf Veranlassung verschiedener preuß: Regimenter die Estandarten der 2ten, 3ten und 4ten Eskadron unter Bedeckung des Leutnants v.Hartitzsch und 12 Mann hinter der Front des Regiments postierten. Dieses Kommando, wozu sich der Prem: Leutn: v.Metzradt und der Sous Leutn: v.Meerheim, denen ihre Pferde totgeschossen wurden und sich daher zu Fuß retten mussten nebst verschiedenen Cuirassiers, die das nämliche Schicksal hatten und andere versprengte Mannschaften gesellten, hat einen anderen Rückzug eingeschlagen und ist später als das Regiment in seiner Friedens Garnison eingetroffen, worüber der Rapport des Prem: Leutn: v.Metzradt im Original beigefügt ist. (Anm. Die 1ste Eskadron war kommandiert und zu diesem Zeitpunkt nicht beim Regiment und der Prem.ltn. Metzradt ist erst vor Weimar auf die genannten 3 Standarten gestoßen)



    Gehört das Herausnehmen der Standarten aus der Frontlinie zum Repertoire der preuß. Kavallerie vor 1806? Oder steht so etwas evtl. sogar im Reglement?

    Im sächs: Kavallerie-Reglement von 1777 habe ich jedenfalls keinerlei Erwähnung einer solchen Möglichkeit gefunden.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  • #2
    Das hing vielleicht jeweils von der Risokofreude des Regimentskommandeurs ab. Hier zwei gegensätzlich Beispiele, beide aus der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813:

    Brandenburgisches Kürassier-Regiment (Monteton, Geschichte Sechsten Kürassier-Regiments, S. 180 f.):
    Beim Einbrechen in das feindliche Quarree ward der die Standarte führende Unter-Offizier erschossen und das wild gewordene Pferd rannte mit dem an dem Sattel festgeschnallten Ehrenzeichen davon und gegen den Feind hin. In Dampf und Staub ward Niemand sogleich dessen inne. Die beiden Jäger von Zieten und von Rochow gewahrten dies zuerst, - holten glücklich das Pferd wieder ein und brachten es zurück.

    Westpreußisches Ulanen-Regiment (Dziengel, Geschichte Westpreussischen Ulanen.Regiments, S. 292):
    Bei eben dieser Attacke hatte der Unterofficier v. Faber [von der 2. Eskadron], welcher die Fahne der Escadron führte, den Befehl erhalten, mit derselben bei der Infanterie zurückzubleiben. Der Chef der Escadron sah jedoch während des Melées den &c. Faber mitten unter den Feinden beschäftigt mit der Fahne selbst, die wie die Lanzen eine eiserne Spitze hat, mehrere Feinde niederzustechen und dann mit schwer verwundetem Pferde und blutiger Fahne nach dem Signal Appell zur Escadron zurückzukommen. Er war ungehorsam gewesen und erhielt einen Verweis, doch verdient seine Tapferkeit erwähnt zu werden.

    Diese Escadrons-Fahnen stammten nch vom Regiment Towarczys [H 9] und wurden inoffiziell mitgeführt.

    Zu 1806 kenne ich keine Quellen zu den Standarten.

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    • #3
      Ich habe mir die umfangreiche und sehr detaillierte Regimentsgeschichte von Albedyll über das Kürassier-Regiment Königin Nr. 2, dessen Vorläufer die Königin-Dragoner 1806 war, angeschaut.

      Dort findet sich jetzt beim schnellen Durchschauen kein direkter Hinweis auf eine explizite Ordre zum Führen der Standarten im Gefecht, aber im zweiten Band wird ausführlich die Beteiligung bei Auerstädt dargelegt. Und dort findet sich auf Seite 24 des zweiten Bandes ein interessanter Hinweis:

      Diese Eskadron [Malsburg] war übrigens durch Kommandos bereits so geschwächt, daß sie ihre Standarte einer anderen Eskadron des II. Bataillons (Seelhorst oder Dollen) übergab.
      Auf Seite 38 findet sich der folgende Text gegen Ende der Schlacht:

      Den Lieutenant v. Tümpling I mit seinen 20 Dragonern bemerkte der König bei seiner Anwesenheit bei dem Reservekorps noch bei den Reitzenstein-Kürassieren und befahl ihm, sich einer Abtheilung des Regiments von 40 bis 50 Pferden mit 2 Standarten, welche man auf einer Höhe halten sah, anzuschließen.
      Eine Anmerkung zu diesem Text gibt an, dass es sich "wahrscheinlich um die Eskadron Dollen, welche den Prinzen Heinrich auf dem Rückzuge geleitete, mit ihrer Standarte und der der Eskadron von Malsburg" handelte.

      Daher glaube ich, dass ähnlich wie Sans-Souci schreibt, das Zurücknehmen der Standarte eine Vorsichtsmaßnahme der Kommandeure war - man könnte das ggf. abgleichen mit den Beutefahnen/-standarten der Franzosen 1806 und vor allem, zu welchem Zeitpunkt diese erbeutet wurden.

      Das letzte Reglement vor 1806 war das vom 6. Februar 1796, das ausführlicher im ersten Band von Albedylls Regimentsgeschichte vorgestellt wird, aber dort ist nichts von der Standarte erwähnt, es wird aber auf ein Feld-Reglement vom 12. März 1790 verwiesen, das auch noch Gültigkeit besaß. Vielleicht findet sich dort ein Hinweis.

      Aber eine sehr spannende Frage ... schöne Grüße
      Markus Stein
      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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      • #4
        Gehört das Herausnehmen der Standarten aus der Frontlinie zum Repertoire der preuß. Kavallerie vor 1806?

        Antwort: nein. Die angeführten Beispiele sind eher der jeweiligen Gefechtsfeldsituation geschuldet und dienten dem Schutz des Feldzeichens.

        Das letzte Reglement vor 1806 war das vom 6. Februar 1796, das ausführlicher im ersten Band von Albedylls Regimentsgeschichte vorgestellt wird, aber dort ist nichts von der Standarte erwähnt

        Vorläufer waren die die Instruktionen von 1787 und 1789. Zitat: "Das Reglement von 1796 fußte auf die neugeschaffene Gleichwertigkeit von Kürassiers und Dragonern in Etat, Ausbildung und Verwendung als schwere Schlachtenkavallerie". Leider reicht der Platz hier im Forum nicht um das Thema nur annähernd darzustellen. Deshalb nur das Wichtigste in Kürze:

        Die Rangierung der Eskadron erfolgte zweigliedrig in 4 Zügen. 1. und 4. Zug in 17 Rotten, 2. und 3. Zug in 16 Rotten. Die 12 Überkompletten links rückwärts am linken Eskadronflügel, 4 Uffz. am rechten Zugflügel, ein Uffz. am linken Flügel. 10 Uffz. schlossen. Standartenjunker ein Schritt vor dem rechten Flügel des 3. Zuges.

        Vorherige Bestimmungen zur Attacke wurden im Reglement geändert. Z.B. Esk. Chef 15 Schritt vor der Front, Flügeloffiziere vor der 2. Rotte des Flügels. Standarten ins zweite Glied (war auch schon unter FII so) , welches sich auf Lücke setzte. Verfolgungen erfolgten grundsätzlich nur von einem Zug. (früher der 4.)
        Nach der Attacke wurde "Halt, Richt, Euch" kommandiert.
        Schwarmattacke des Regiments: Sämtliche Standarten unter Bedeckung der 4 Mittelrotten galoppieren 80 Schritt vor, die Eskadrons folgen den Feldzeichen aufgelöst. Bei "Appel" fallen die Standarten in den Schritt, die Eskadrons sammeln sich unrangiert um die Standarten.

        Sonderform: Attacke in 3 Gliedern und "Retraite in échecquier". Hier setzte sich z.B. bei ganzen Eskadrons ein Uffz. und 12 Mann vor die Standarte, bei halben Eskadrons entsprechend den dafür geltenden Festlegungen. Auf weitere Details wird aus Platzgründen verzichtet.

        Übrigens nicht nur dies hat man im Feldzug vergessen: Attacken niemals auf stehende Infanterie ! (Blücher bei Auerstedt)

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        • #5
          Vorläufer waren die die Instruktionen von 1787 und 1789.

          Hast Du von denen den genauen Titel ? Gibt es sie vielleicht sogar schon online ?

          Im Reglement für die Königl. Preußische Cavallerie im Felde vom 7. Mai 1790 wird in Capit. IX. Was die Cavallerie bey Actions und am Tge einer Schlacht zu beobachten hat., im §. 4. den Escadrons-Chefs empfohlen, der Standarte und ihren beiden Flügel-Rotten einzuschärfen, ihm immer zu folgen, um als Sammelpunkt dienen zu können.

          https://digitale-sammlungen.ulb.uni-...:hbz:5:1-46750

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          • #6
            Bei Belle Alliance ließen die franz. Kürassiere auch ihre Adler zurück - in Reserve, meiner Meinung nach wurde eben solche Entscheidungen vor Ort gefällt und müssen nicht immer unbedingt im Reglement stehen. Interessant ist es dass es auch Schwarmattacken für die schwere Kavallerie gab.

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            • #7
              Gibt es sie vielleicht sogar schon online ?

              Hier kann ich dir mangels Internetkenntnissen nicht weiter helfen.
              Im übrigen möchte ich bei meinen Aussagen nicht missverstanden werden. Bei den von mir erwähnten Vorläufern handelt es sich nicht um Reglementvorläufer, sondern um eine Vielzahl von Ordres und Bestimmungen in Vorbereitung des Reglements von 1796, welches bekanntlich schon einige Zeit vorher verfasst wurde.
              Beispielhaft hatte ich bei meiner vorigen Erwähnung im Fokus:
              1. Ausführende Bestimmungen für die Schaffung der schweren Einheitskavallerie vom 06. März 1787- mit einer Vielzahl von Änderungen u.a. mit der Änderung der Uniformierung und der Waffen (23.11.)
              2. Aufbesserung der Verpflegungssätze vom 09.11. 1787
              3. Am 01.02.1789 erschien ein neues Werbereglement
              4 Am 23.03.1789 neue Bestimmungen zur Ausrüstung- u.a. mit dem Entfall der Kürasse im Felde
              Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

              Reglement für die Königl. Preußische Cavallerie im Felde

              Das von dir erwähnte Reglement enthält noch einige weitere Festlegungen mit der Erwähnung der Standarten, so z.B.
              Beim Railliieren sollen sich Kürassiere und Dragoner rasch nach ihren Standarten umsehen. Diese sollen stets hinter den Eskadronschefs bleiben und eine jede auf beiden Seiten von Rotten der zuverlässigsten Leute bedeckt sein. (nicht wörtlich zitiert)

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