Offiziersuniform der Chasseurs á cheval 1870/71

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • Spaen
    Erfahrener Benutzer
    Sergent-Major
    • 26.04.2020
    • 221

    Offiziersuniform der Chasseurs á cheval 1870/71

    Auch die neueste Literatur kann einige bisher unterschiedlich beantwortete Fragen nach dem Aussehen der Offiziersuniform der Jäger zu Pferd leider nicht klären. Deshalb nachfolgende Fragen:

    1. Wie sahen die roten Offiziershosen bei der alten Uniform aus:

    a) mittiger silberner breiter Längsstreifen ?
    b) wie a) nur mit grünem Vorstoß in der Mitte der silbernen Streifen ?
    c) silberner Vorstoß mit einem grünen Längsstreifen rechts und links ?
    d) silberner Vorstoß mit 2 schwarzen Längsstreifen ?

    2. Wie sah die grüne Schabracke der Offiziere aus:

    a) Randeinfassung Silberstreifen ?
    b) Randeinfassung wie Gemeine in Rot

    3.) Wie sah der grüne Mantelsack der Offiziere aus:

    a) Horn und Rand Silber
    b) wie vor Rot
    c) Rand Rot, Horn Silber

    Die Punkte 2 und 3 sind wohl voneinander abhängig.
  • admin
    Administrator
    Colonel
    • 30.09.2006
    • 2708

    #2
    Komme jetzt erst dazu, die Fragen zu beantworten - ich möchte mit den Offiziershosen anfangen.

    Grundsätzlich sollten diese nach dem neuen Uniformreglement von 1868 aus rotem Tuch und mit himmelblauem Randstreifen versehen sein - siehe hierzu auch die Abbildung einer Originalhose des M1868, getragen von einem Unteroffizier. Allerdings wurde dieses Reglement, das auch die Ablösung der alten dunkelgrünen Jacken mit schwarzer Verschnürung durch hellblaue Attila, laut Louis Delpérier bis 1870 nur im 1., 6. und 9. Regiment Chasseurs à cheval umgesetzt, dort auch nur teilweise (beim 6. Regiment bspw. nur bei einem Zehntel, also 40 Mann!).

    Daher trugen viele Offiziere noch die alten roten Hosen mit schwarzen Seitenstreifen, die ich auch hier als Abbildung hinzufüge. Diese Streifen sind meist als Doppelstreifen angebracht, siehe hier die Originalstücke, eine davon gemäß (altem) Reglement getragen von einem Capitaine. Die zweite Hose "alten Modells" stammt von den 2. Chasseurs à cheval von 1870 und zeigt interessanterweise ins Blaue neigende Streifen.

    Im Uniformenportal ist ja der Godillot von 1866 veröffentlicht, hier die Tafel mit den Jägern zu Pferd: http://2empire.de/index.php/bilderga...ype=orig&id=67

    Allerdings sind bei den Hosen für die Zeit ab 1860 keine silbernen Borten an den Hosen der Offiziere bekannt.

    Abbildungen wie Informationen stammen primär aus dem zweibändigen Werk von Louis Delpérier La Cavalerie legere de 1845 à 1915.

    Fortsetzung folgt ...
    Du hast keine Berechtigung diese Galerie anzusehen.
    Diese Galerie hat 3 Bilder
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

    Kommentar

    • admin
      Administrator
      Colonel
      • 30.09.2006
      • 2708

      #3
      Kommen wir nun zur Pferdeausrüstung ... auch hier gab es eine Änderung im Reglement von 1868, die sich gegenüber der vorhergehenden Variante primär aus dem Weglassen der Regimentsnummer auf den Enden des Mantelsacks und der Änderung der grünen Grundfarbe in Himmelblau unterschied (siehe angehängtes Originalstück). Aber auch hier gilt wahrscheinlich das oben Gesagte, dass diese Vorschrift 1870 erst in den drei Regimentern 1,6 und 9 - und dort nur teilweise - umgesetzt wurde.

      Also dürften die Jäger und Offiziere noch mit der alten Pferdeausrüstung bestückt sein, wie in der angehängten Tafel von Lancon zu erkennen ist. Aber bemerkenswerter ist der Offizier von hinten aus dem Fragment des Panorama von Rezonville (hier von E. Détaille). Dort ist gut der alte dunkelgrüne Mantelsack mit rotem Vorstoß an den Enden und einer silbernen Regimentsnummer auf den Seiten zu erkennen. Wie bei dem Husaren dahinter dürfte der Offizier auch die Schabracke abgelegt haben - in der beigefügten Tafel von A. Jouineau ist diese "Feldmontur" des Pferdes zu erkennen.

      Im Portal zum 2Empire ist auch ein Pferd eines Jägers zu Pferd aus der Serie von Godillot abgebildet: http://2empire.de/index.php/bilderga...ype=orig&id=68

      Aber auch hier gilt, Silber war nur die Verzierung auf dem Mantelsack, alles Andere krapprot (Garance).

      Schöne Grüße
      Markus Stein

      P.S. auch diese Abbildungen plus Informationen primär aus dem Buch von L. Delpérier
      Du hast keine Berechtigung diese Galerie anzusehen.
      Diese Galerie hat 4 Bilder
      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

      Kommentar

      • Spaen
        Erfahrener Benutzer
        Sergent-Major
        • 26.04.2020
        • 221

        #4
        Herzlichen Dank für die Antworten. Sie helfen weiter.

        Vorausschicken möchte ich noch folgendes:
        Die sogenannte "neue Uniform" (nicht zu verwechseln mit der nach dem Krieg eingeführten) wurde in der Literatur ( z.B. Boisselier zu Reg. Nr.6 Mai 1956) mehrfach beschrieben. Hier sehe ich keine gravierenden Abweichungen in den einzelnen, mir bekannten Arbeiten. Kleine Anmerkung dazu: Alle erwähnten Regimenter (1,6,9) trugen die neue Uniform nicht durchgängig. Sowohl von den Reservisten als auch Teile des Stammpersonals rückten noch mit der alten Uniform aus.

        Grundsätzlich scheint auch die Gemeinen-Hose mit der grünen Biese und den zwei schwarzen Streifen relativ klar zu sein. Siehe u.a. auch Pfister; Kassel 1867. Einige Abweichungen z.B. in der Orientierungsschrift der Deutschen Armee zur Französischen Armee für den Feldzug 1870 herausgegeben, können dabei unberücksichtigt bleiben.
        Das Gleiche gilt auch für den Mantelsack.

        Nun zum eigentlichen Thema:

        Das Bild von Rezonville wurde 1992 in einer frz. Sammlerzeitung veröffentlicht und ist bekannt. Hosen mit schwarzen Seitenstreifen, Mantelsack roter Vorstoß , Horn Silber. Biese nicht erkennbar !
        (Übrigens. Die seinerzeit zerschnittenen und verkauften Teile des Rundbildes werden seit einiger Zeit von einem frz. Sammler in der ganzen Welt wieder zurückgekauft und zusammengestellt !-
        leider sind die preußischen Rundbilder zum 70 iger Krieg seinerzeit wohl vernichtet worden.)
        Das 3. Bild mit den Herren am Tisch stellt m.E. nach Unteroffiziere dar. Demzufolge müsste es sich bei der abgebildeten Hose um eine Mannschaftshose handeln. Das 1. Bild (Schrift nicht zu lesen) kann ich mir nicht erklären, seltsame Schnüre ?? Die Offiziershose hat blaue ?? Seitenstreifen.

        Die Aussage zu den silbernen Borten ist sehr interessant. Allerdings sind die silbernen Borten von keinem mir bekannten Autor jemals bestritten worden.

        Kommentar

        • admin
          Administrator
          Colonel
          • 30.09.2006
          • 2708

          #5
          Hallo Spaen,

          wir sammeln ja wohl ähnlich lange ... der Artikel von Boisselier aus der Sabretache verarbeitet ja eine wirklich interessante Quelle, nämlich Erinnerungen des Generals Rozat de Mandres, auf die auch Louis in seinem Buch zurückgreift; dort ist ja auch die von uns Beiden erwähnte ungenügende Ausrüstung mit neuen Monturen erwähnt - Louis zitiert, dass nur 40 Soldaten der 6e Chasseurs die neue himmelblaue Montur erhielten. Und ja, das Panoramabild ist auf dem Titel von "Tradition" erschienen - allerdings glaube ich nicht, dass der eine Kommandeursfahne haltende Soldat ein Jäger vom 1. Regiment ist, sondern eher ein Husar (siehe auch Stern auf dem Mantelsack).

          Bei den von mir eingestellten Hosen sollte die Bildunterschrift aber zu lesen sein; die Abbildung 1 ist vom Modell 1868, hat also die vorgeschriebenen himmelblauen Borten, die beiden anderen Beispiele sind vom alten Modell, das mittlere Bild ist die Hose eines Offiziers.

          Das mit dem französischen Sammler, der nun das Panorama von Rezonville wieder zusammenbringen möchte, interessiert mich aber schon - woher stammt denn die Information?

          Und ja, leider sind die deutschen Panoramen wohl nicht mehr erhalten, wobei im Schloss von Sedan wohl eine Ausstellung zum Panorama stattfand (bzw. noch stattfindet?).

          Schöne Grüße
          Markus Stein

          P.S. die Orientierungsschrift der Deutschen über die Französische Armee würde mich interessieren, wie ist denn der genaue Titel?
          "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

          Kommentar

          • Spaen
            Erfahrener Benutzer
            Sergent-Major
            • 26.04.2020
            • 221

            #6
            Hallo Admin,

            der Träger der Kommandeursfahne (für die Dunkelheit gab es je Korps entsprechend gestaltete Laterne) ist natürlich ein Husar. Es handelt sich hierbei um einen Uffz des 3. Regiments.

            Es fällt einem (und auch mir) immer wieder schwer anzuerkennen, dass es seit jeher in der frz. Armee viele Abweichungen in der Bekleidung von den Vorschriften gab. So scheint es auch mit den Offiziershosen gewesen zu sein.
            So trugen die Infanterie-Offiziere im 70er Krieg meistens Gemeinen-Mäntel. Und unter Napoleon I. kam es lt. einigen Angaben wohl öfter vor, dass verschiede Patten-Ausführungen innerhalb eines Regiments getragen wurden. Von den weißen Infanterie-Uniformen bzw. den in Ägypten getragenen gar nicht zu sprechen.

            Die Informationen zu den preußischen und französischen Rundgemälden habe ich aus einer längeren Fernseh-Doku, ich glaube aus 2021, Sender habe ich vergessen, zu diesem speziellen Thema. Im Gegensatz zu dem üblichen 95% Schrott bei historischen Themen, hatte diese ein vorzügliches Niveau.

            Gewünschte Titelangabe: "Zur Orientirung (kein Fehler) über die französische Armee" , Mit 2 Tafeln Abbildungen. Berlin 1870, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

            Kommentar

            • admin
              Administrator
              Colonel
              • 30.09.2006
              • 2708

              #7
              Danke für den Tipp über die Orientierungsschrift - hier der Link auf die Downloadmöglichkeit bei der Bayerischen Staatsbibliothek München ... und cleverer Zug der französischen Offiziere, die Mäntel der Mannschaften zu nutzen und damit nicht so einfach auf die Entfernung hin für den Feind erkennbar zu sein. Das war bei den "munter" stürmenden Preußen nicht ganz so der Fall, wie man anhand der ersten Verluste gerade im Offizierskorps ablesen kann - es gab dann ja auch Befehle, dass sich Offiziere etwas zurückhalten sollten und auch die Order, die blanken Teile der Pickelhauben nicht mehr zu polieren.

              Schöne Grüße
              Markus Stein
              "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

              Kommentar

              Lädt...
              X
              😀
              😂
              🥰
              😘
              🤢
              😎
              😞
              😡
              👍
              👎