Durchlässige Kontinentalsperre

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  • admin
    Administrator
    Colonel
    • 30.09.2006
    • 2697

    Durchlässige Kontinentalsperre

    In den Erinnerungen des Friedrich Lindau (Schütze im 2. Leichten Bataillon der KGL) erwähnt dieser im Rahmen seines Plans einer Einschiffung nach England im Jahre 1810 ... dass die Engländer

    oft landeten, die Duanen zurückschlugen und Waaren einschmuggelten.
    Lindau trifft auch in der Tat auf ein solches "aktives Schmuggelkommando" in Ritzebüttel (keine Ahnung wo das liegt, irgendwo an der Wesermündung), das von einem Soldaten in "rother Uniform mit fremder Sprache" angeführt wird.

    Man kennt ja die diversen Darstellungen der Verbrennung von englischen Waren ... aber dieses aktive Unterwandern und zwar offensichtlich unter Einsatz von Militärs war mir neu.

    Kennt Ihr weitere Beispiele dafür?

    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben
  • Canut
    Benutzer
    Caporal
    • 19.11.2006
    • 54

    #2
    Ritzebüttel ist heute ein Stadtteil von Cuxhaven und gehörte zu Hamburg. 1810 wurde es aber direkt dem französischen Kaiserreich unterstellt.

    In Pattberg, Marinefestung Fort Kugelbake (Entstehung seit Mitte des 19. Jhdts) untersucht der Autor in einem kleinen Abschnitt auch die napoleonischen Verschanzungen. Demnach war es z.B. 1809 zu einem englischen Überfall von Helgoland aus gekommen, bei welchen die damals vorhandene Batterie von der Landseite aus durch ein Landungskorps von 100 Mann eingenommen und zerstört wurde. Die 80 Franzosen zogen sich zurück und gaben die aus 6 24-Pfündern bestehende Batterie kampflos preis. "Anschließend wurde die britische Flagge gehißt und die hamburgische auf Schloß Ritzebüttel aufgezogen. Sämtliche hier vorhandenen Kanonen wurden auf die Schiffe, die im Hafen lagen, gebracht, die Batterie wurde vermint und durch mehrere Explosionen in die Luft gesprengt. (..) Dieses Vorgehen der Engländer ermöglichte für einige Wochen einen lebhaften Handel mit Helgoland." Helgoland war bekanntlich seit 1807 von den Briten besetzt und blieb es, bis Kaiser Wilhelm II. es 1890 gegen Sansibar eintauschte!
    Ferner wird bei Pattberg noch der Amtmann Abendroth über den regen Handel unter britischem "Schutz" zitiert: "Ganze Reihen von WAgen mit den so sehr gewünschten Sachen bedeckten die Landstraßen, man verfuhr sie auf allen Haupt- und Nebenwegen, da man vor einer Beschlagnahme nicht sicher sein konnte. Die Franzosen glaubten, das Land besser beobachten zu müssen und so rüchten hier, beständig nach und nach bedeutende Besatzungen in das Amt ein. Als eine Folge der beschlossenen Küstensicherung traf der General Barbenegre mit seinem Stab und mehreren Ingenieuren ein. Es wurden nun Batterien bei der Kugelbake (1809) und bei Grimmershörn angelegt, aber fast ebensoschnell verändert und aufgegeben, wie sie angelegt worden waren. Dabei konnten die französischen Offiziere endlich von der Behauptung überzeugt werden, daß das Fahrwasser hier so breit ist, dam man es mit Strandbatterien nicht beherrschen könne."

    Es wurde der Bau zweier Forts begonnen, die du Phare und Napoleon hießen. Anfang 1813 zogen sich die Franzosen vorläufig zurück, und die Engländer erschienen wieder, zerstörten Fort Napoleon und besetzen die Batterien. Nach 2 Monaten kamen die Franzosen aber Anfang Mai wieder zurück und machten große Anstrengungen, die Befestigungen zu vollenden. Im Herbst 1813 waren wohl nur schwache Besatzungen vorhanden, die in den Forts 1200 Mann anrückender Russen erwarteten Die Britische Kanonenbriggs und andere Kriegsschiffe beschossen die Batterien am 19. November. Schließlich ergaben sich die Franzosen. Die Kampfhandlungen und das Datum der Übergabe werden leider nicht genannt.
    >> Line of Battle - Seekrieg gegen Napoleon <<
    Geschichte, Segelschiffe, Fachbücher, Wargame & cetera

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    • joerg.scheibe
      Erfahrener Benutzer
      Capitaine
      • 02.10.2006
      • 594

      #3
      Das Thema Kontinentalsperre ist momentan auch woanders dran:


      Interessant ist, daß auch in dem Beitrag Hamburg als Umschlagplatz für "Schmuggelgut" (wer nachliest, wird herausfinden, weshalb in Gänsefüßchen ) benannt wird.
      Auch sonst recht interessante Einblicke in das Nicht-Funktionieren des Systems.

      Gruß
      Jörg
      The light at the end of the tunnel
      is from an oncoming train.

      Kommentar

      • Blesson
        Erfahrener Benutzer
        Adjudant
        • 03.10.2006
        • 778

        #4
        Weitere Literaturhinweise und Daten zu Cuxhaven und Ritzebüttel siehe auch:



        LB
        Do, ut des

        http://www.ingenieurgeograph.de

        Kommentar

        • Hudson Lowe
          Neuer Benutzer
          Enfant de Troupe
          • 20.10.2007
          • 3

          #5
          Hallo Admin,
          Ritzebüttel liegt nicht an der Weser sondern an der Elbmündung; ein nettes, kleines Wasserschloß, welches für Hamburg größeres Bedeutung hatte zur Sicherung des Handelsschiffsverkehrs und vorher im MA zur Niederschlagung der Seeräuber ( Diese hatten im Hinterland - Kehdingen - lange noch großern Rückhalt. Aber, egal.
          Für Napoleons Kontinentalsperre war Ritzebüttel wichtig, weil hier der jeweilige Hamburg Senator für die Elbe residierte. Napoleon befahl deshalb seinem Beneral Barbenegre, dort zwei Schanzen zu bauen, um die einsickernden Engländer und Schmuggler abzuwehren. Die Forts hießen "du Phare" und "Napoleon". Die Engländer besetzten daraufhin das dänische Helgoland, damit die Infiltration leichtere fiel. Aus Ritzebüttel wurde schon damals allmählich das Seebad Cuxhaven, wo auch der gute alte (bzw. noch junge ) Heine sich amüsiert hat und später vom Abzug der Franzosen und der Begeisterung für den Senator Abendroth berichtet, welcher dann Hamburgs nachnapoleonischer Bürgermeister wurde.
          Das Schlösschen hat sich übrigens seit Napoleons Zeiten nicht wirklich verändert und ist durchaus einen Besuch wert. In der Diele neben einem "Prahlhans" steht noch ein Lehnsessel, dessen bestickte Rückfront den jungen Napoleon in Neapel zeigt, wie er sozusagen erstmals die Weltbühne betritt. Ich recherchierte z.Z. ein wenig Napoleon an der Küste.
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