Kühn: Preußens Gloria

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  • Blesson
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 03.10.2006
    • 778

    Kühn: Preußens Gloria

    Meine Lieben,

    habe seit kurzem in den Händen:
    Thomas Kühn: Preußens Gloria - Der Feldzug gegen Frankreich 1806-1807, Helios Verlagsgesellschaft, Aachen, 2011

    "Der Autor zeichnet das Bild einer hochinteressanten Epoche in der Entwicklung Europas. Die Rolle des preußischen Staatswesens, seiner Politik, seiner Menschen und seiner Streitkräfte wird in dieses Bild des Europas des ausgehenden 18. Jahrhunderts eingeordnet. Der Feldzug gegen Frankreich 1806 bis 1807 spielt dabei die Hauptrolle in der Publikation. Dabei war es dem Autor wichtig, ein sachliches und nachvollziehbares Bild der Königlich Preußischen Armee des Jahres 1806 darzustellen. Mit Bezug auf die Handlungen der preußischen Truppen 1806 und 1807 wird hiermit eine historische Lücke geschlossen. Die Publikation wendet sich den bisher eher weniger bekannten Gegebenheiten des Feldzuges zu, dem Rückzug der preußischen Truppen im Herbst 1806, den Kapitulationen der preußischen Truppen und Festungen, beginnend ab November 1806 sowie den Handlungen der preußischen Truppen bei der Weiterführung des Feldzuges in Ostpreußen ab Frühjahr 1807. Besonderes Augenmerk wird der Untersuchung derAbsichten der kriegführenden Seiten nach dem Kriegseintritt Russland 1807 gewidmet. Insbesondere die bis heute unwidersprochene Rolle des großrussischen Reiches als Urheber und Auslöser des Befreiungskrieges wird kritisch untersucht. Eine abschließende Wertung beschäftigt sich in der gebotenen Kürze mit der Wiederherstellung der preußischen Truppen ab 1808 auf der Grundlage neuer gesetzlicher Wehrgrundlagen und die Anstrengungen zur Schaffung derselben. Eine eigenständige Publikation zur Königlich Preußischen Armee in den Jahren 1805 bis 1815 ist in Vorbereitung. "
    Wer hat es sonst noch gelesen?

    Ich bin gerade dabei, und verrate nur so viel, daß ich mit dem Rotstift bewaffnen mußte...

    Rezension meinerseits folgt noch.
    Zuletzt geändert von Blesson; 23.09.2011, 21:26.
    Do, ut des

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  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Major
    • 01.10.2006
    • 1875

    #2
    Besonderes Augenmerk wird der Untersuchung der Absichten der kriegführenden Seiten nach dem Kriegseintritt Russland 1807 gewidmet.
    Und da soll man das Buch noch kaufen ? Oder sich die Mühe machen, es auszuleihen und durchzulesen ?

    Bringt der Verfasser neue Quellen ? Archivalien ?

    Kommentar

    • HKDW
      Erfahrener Benutzer
      Colonel
      • 02.10.2006
      • 2978

      #3
      Bei der hervorragenden Quellenlage sollte es möglich sein, ein solches Buch zu schreiben, aber wenn ich das lese - Auweia

      Kommentar

      • Blesson
        Erfahrener Benutzer
        Adjudant
        • 03.10.2006
        • 778

        #4
        Liebe Leser,

        Eigentlich ist der Feldzug 1806/7 ein interessantes Thema mit einer ausgezeichneten Quellenlage. Was macht also der Autor daraus? Was gibt es Neues?


        Um die Antwort vorwegzunehmen: Nichts Neues. Ich gestehe, nach der Lektüre war ich nur „not amused“, sondern verärgert. So weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, so sehr wimmelt das Buch von sachlichen, handwerklichen und sprachlichen Ungenauigkeiten. Auf jeder 2. Seite wäre hier eine Anmerkung zu machen, so daß wir uns hier mit Stichproben begnügen müssen.


        Inhalt





        Die zentralen Thesen des Buches sind:
        • Die preußische Armee des Jahres 1806 war keineswegs so veraltet, wie die gängigen (Vor)urteile es wollen.
        • Die späteren Helden der Befreiungskriege (Scharnhorst, Blücher, Gneisenau, Boyen) haben in der Doppelschlacht eine fragwürdige Rolle gespielt.
        Dem kann kaum widersprochen werden, aber das ist eigentlich nicht wirklich neu.


        Der Autor beginnt mit einer allgemeinen Tour d’Horizon über die politisch-militärische Lage vom Siebenjährigen Krieg bis zum Vorabend des Krieges. Das muß notwendigerweise kurz und pointiert sein, aber auch sachlich richtig, was man nicht von allen Passagen sagen kann. Beispielsweise:

        „Die Sächsische Armee wird bei Königstein eingeschlossen. Die Masse der sächsischen Truppen läuft zu den Preußen über.“ S. 18.
        Richtig wäre: Die sächsische Armee wurde im befestigten Lager bei Pirna eingeschlossen und mußte nach einem Ausbruchsversuch unter dem Linienstein kapitulieren. Die Masse der Truppen wurde in preußische Dienste gepresst.

        Weiter: Von Talleyrand wird behauptet, daß er schon Louis XVI zu Diensten gewesen sei, aber bei dessen Enthauptung war er Bischof und erst in der Republik der Außenminister?

        Die Begriffe von der Taktik und Vorstellungen von der Wirksamkeit der Waffen sind doch recht eigenartig, und entsprechen den geballten Vorurteilen, wie sie mitunter in gewissen Kreisen kolportiert werden. Einige Kostproben:

        „Da die meisten franz. Soldaten das Feuergefecht nicht beherrschen und da die Munition knapp bemessen ist, wird der Angriff mit dem blanken Bajonett geführt. Die entgeisterten Österreicher sind die ersten, die erleben müssen, wie eine Horde wildgewordener Franzosen ihre Stellung aufbricht.“ S. 37

        „Salvenfeuer ist Salvenfeuer und etwas anderes kannten die Preußen nicht“ S. 45

        „in jedem zweiten Satz [des Reglements] taucht das Wort ‚Drill‘ auf.“ S. 45. Mir persönlich ist der Begriff bisher in keinem zeitgenössischen deutschen Reglement begegnet.

        Über Saalfeld: „Die hierfür eingesetzten sächsischen Truppen beherrschten, wenngleich schlechter ausgebildet, das preußische Reglement für das Feuergefecht.“ S. 81 Ich dachte immer, daß die Sachsen ein sehr schönes eigenes Reglement für die Infanterie hatten.

        „aber dann kommt man an die gegnerischen Infanteriekarrees, einer den Preußen unbekannten Defensivaufstellung der Franzosen im Fall eines Angriffs der gegnerischen Kavallerie.“ S. 82. Die Quarrées waren bei den Preußen auch im 7JK bekannt und werden auch im Infanterie-Reglement von 1788, Tab. 1, beschrieben. Unbekannt waren die Quarrées überhaupt nicht.

        „Die Front des Bataillons mißt etwa 600m“. S. 45. Bei dreigliedriger Aufstellung von 900 Mann macht das 2m pro Glied, was ich nicht glauben mag. Bei Tuchfühlung haben wir üblicherweise einen Schritt pro Glied.

        „Für das Latschen gab es keine Normative, auf jeden Fall wird eine Kompanie bei dieser Gangart kaum 35km Marschleistung am Tag erreicht haben, 25km als Annahme scheinen realistisch.“ Da braucht man gar nicht spekulieren, eigentlich alle Generalstabswerke der Epoche (z.B. Decker, Generalstabswissenschaften) rechnen mit 3-4 pr. Meilen pro Tag.

        Der Autor schreckt auch vor kreativen Wortbildungen nicht zurück: „Sappeurs (Grabensoldaten)“ S. 35. Ich habe gelernt, daß diese Ouvriers oder Schanzarbeiter heißen.

        Der Autor verwechselt auch die Sappeure (Teile der Pioniertruppe) mit den Regimentszimmerleuten, die im französischen allerdings auch Sappeure genannt werden. „Ihre Aufgabe leitet sich von ihrer bisherigen Hauptaufgabe ab, Laufgräben (Sappen) zu schaufeln. In der Feldschlacht sind aber keine Gräben notwendig und so erhalten die Sappeure eine weitere Aufgabe. Martialisch aufgeputzt […] führten sie den Angriff der Sturmkolonnen an mit den Äxten alles wegreißend, was den Sturm der nachfolgenden Füsiliere im Wege stehen konnte. Auch dieser Einsatz der Pioniertruppen als Kampfpioniere war in Europa völlig unbekannt.“ Wie bitte?

        Scharnhorst hatte nicht bedacht „daß die preußische Armee in ihren Bewegungen schwerfälliger sein mußte als die Franzosen. Woran lag das? Nun, jeder franz. Soldat hatte einen Tornister. Nicht das Fehlen derselben bei den Preußen war das Problem […]“ S. 64 Aha, neue monokausale Erklärung, wenn auch von falschen Prämissen ausgehend, denn Tornister gab es bereits, wenn auch nur an einem Riemen.

        Die Rolle von Scharnhorst: E wird auf S. 57 als Generalstabschef bezeichnet, die es so noch nicht gab. Seine offizielle Funktion war vielmehr die eines Generalquartiermeisterlieutnant und als solcher war er dem Chef des Generalquartiermeisterstabs, Generallieutenant v. Geusau, sein ehem. Förderer, in Berlin untergeben.

        Uniformierung: Sich hier nur auf Funken zu stützen, ist schon mehr als dürftig, wo es doch reichlich andere zeitgenössische Bildquellen gibt, siehe z.B. Napoleon-Online.

        Das spekulative Element in vielen Behauptungen stört ungemein, weil es sich ohne Belege durch das ganze Buch zieht. Beispielsweise bei den Kriegsplänen, über die Motive v. Kleists zur Übergabe von Magdeburg und Ausrüstung „Es wäre sicherlich machbar gewesen, auch in Preußens Manufakturen vor Kriegsausbruch 150.000 Tornister in Auftrag zu geben.“ S. 64. Erstens gab es Tornister, und außerdem äußert sich hier eine profunde Unkenntnis der Militärökonomie. Man darf Hypothesen aufstellen, aber man sollte sie durch Quellen belegen können.

        Magdeburg, S. 149 ff: Die Passage über den Festungskrieg ist völlig wirr geraten. So werden Sturm = gewaltsamer Angriff und förmlicher Angriff miteinander verwechselt. Die Aufgabe der Sappeure ist es, die Laufgräben voranzutreiben, nicht aber Minen, was den Mineuren obliegt. Dem Rezensenten ist übrigens nur ein einziger Minenkrieg von der iberischen Halbinsel bekannt.

        Den Rezensenten amüsiert die Auffassung, daß eine zusätzliche Linientruppen nach der Doppelschlacht die Widerstandsfähigkeit der Festung erhöhen sollten. Dafür ist eigentlich ein befestigtes Lager notwendig, denn die Kriegsgeschichte der Belagerungen von Torgau und Gerona zeigt, daß Festungen mit einer überkompletten Besatzung sogar schneller fallen. Hier braucht man eigentlich nur die gängige Literatur, wie z.B. Hoyer zitieren, und schon wird es richtig.
        Zuletzt geändert von Blesson; 25.09.2011, 16:14.
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        • Blesson
          Erfahrener Benutzer
          Adjudant
          • 03.10.2006
          • 778

          #5
          weiter:

          Handwerk

          Sprache: Das Buch ist sehr journalistisch geschrieben, will also sagen im Spiegel-Stil, was sich erst einmal locker-flockig anhört, aber doch sehr schnell ermüdet. Der präzise und amüsante Stil, den der Rezensent liebt, ist es nicht. Einige Kostproben.


          „Der berühmte Nelson kann dies [d.h. die Landung in Ägypten] nicht verhindern. Aber er rächt sich, indem er die französische Flotte in ihrer Basierung bei Abukir aufklärt und vernichtet. […]. Durch [?] Nelson behalten die Franzosen zwar die Armee, die Flotte geht aber verloren.“ S. 22

          „Wie die englischen Rifles kannten die Preußen das ‚Latschen‘, genauer das Marschieren ohne Gleichschritt.“

          Man merkt dem Autor deutlich an, daß er von einer modernen Armee gedient hat, und deren Terminologie auf den Feldzug 1806-7 überträgt. So heißt es meist „Sturmkolonne“ wenn eigentlich die Bataillonskolonne gemeint ist. So auch „Stellung“ wenn „Position“ gemeint ist etc. Dem Rezensent mißfällt der Gebrauch englischer Begriffe wie „Raid“ S. 22, wo es doch hinreichend viele deutsche Begriffe gibt.


          Zitate werden als solche kaum gekennzeichnet, siehe z.B. S 43. Wenn die Anführungszeichen fehlen, ist also kaum zu trennen, was des Autor eigene Meinung oder dessen übernommene Auffassung ist. Der Herr von Guttenberg läßt grüßen. Ein paar Fußnoten hemmen den Lesefluß nicht.


          Der Ort der 2. Schlacht heißt heute immer noch Auerstedt und nicht Auerstädt, wie durchgängig ab S. 98 zu lesen. Wenn es die historische Schreibweise Auerstädt jemals gegeben hat, dann sollte ein Hinweis genügen. Auf den zeitgen. Karten finde ich sie bisher jedenfalls nicht.


          Ordre de Bataille und taktische Aufstellungen sind zwar hübsch farbig, aber oft unlesbar, aber schlimmer noch, sie bringen meist keine Erkenntnis. Ein Anhang, wenn überhaupt, hätte hier genügt. Wie üblich, fehlen die Quellenhinweise. Ihr einziger Vorteil ist, wenn man so will, daß sie viele Seiten verschlingen.

          Pläne: Hier fehlt auf den modernen Karten mit sehr geringer Auflösung der Maßstab, auch werden keine Quellen genannt. Die Legenden sind unglücklich plaziert. Für Jena und Auerstedt gibt es eigentlich genügend zeitgenössische Vorlagen, die nur noch umgezeichnet werden müssten.

          Entfernungen: Rüchels Reserve bei Weimar befand sich nicht 50 km entfernt von Isserstedt / Kappellendorf, sondern ca. 20-25 km, also noch nicht einmal einen Tagesmarsch. S. 60. An anderer Stelle schreibt der Autor selbst, daß ca. 25km als normaler Tagesmarsch anzunehmen sind.

          Das Literaturverzeichnis ist recht umfangreich und ich habe alle mir bekannten Quellen wiederfinden können, doch ist das Verzeichnis sicher nur als Auswahl zu verstehen. Französischsprachige Quellen fehlen ebenso gänzlich wie Archivalien. Nach Einschätzung des Rezensenten greift das Buch also auf Sekundär und Tertiär-Quellen zurück.

          Fazit: Das Buch ist durchaus nicht zu empfehlen, und wer sich in das Thema einlesen will, ist zum Beispiel mit der Men-at-Arms Serie weitaus besser bedient. Man schlägt dieses Buch mit Mißvergnügen zu und stellt es in den Bücherschrank in der Hoffnung, es nie wieder herausziehen zu müssen.

          Wie im Klappentext ausgelobt, hat der Autor nach 5 Jahren Beschäftigung mit der Militärgeschichte dieses Buch vorgelegt. Ich kenne eine Reihe von weitaus kundigeren Fachleuten, die sich solch ein Unternehmen vielleicht erst nach 20 Jahren zutrauen, wenn überhaupt.

          Ich frage mich, für wen das Buch geschrieben wurde. Für den staunenden Laien?

          Den Rezensent wundert es, wie eigentlich seriöse Verlage solche Manuskripte an die Öffentlichkeit bringen können – beim Biblio-Verlag wäre das z.B. undenkbar gewesen.
          Zuletzt geändert von Blesson; 25.09.2011, 16:20.
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          • Tom
            Erfahrener Benutzer
            Chef de Bataillon
            • 03.10.2006
            • 1076

            #6
            Die Sprache verrät den Autor / Probleme der dt. Militärgeschichtsschreibung

            Ich kenne das Werk nicht, werde es wohl auch nie kennenlernen , finde aber allein schon aus den angezogenen Beispielen den Stil schnoddrig und unwissenschaftlich. Diese Art von neuen Büchern braucht die Welt definitiv nicht...

            Zu den "5 Jahren" Beschäftigung mit der Militärgeschichte: Ich bin ab und zu auf Tagungen, wo auch jüngere Vortragende auftreten, was ich an sich begrüße. Leider sind sich diese Referenten (und ihre Professoren, die die Arbeiten ja betreuen) oftmals nicht der Grenzen ihres Wissens bewusst - umfassende und gründliche Faktenkenntnis einer Epoche wie der napoleonischen lässt sich nun mal nicht in wenigen Jahren erwerben. (Ich habe mich nach 30 Jahren "getraut", mein erstes Buch vorzulegen.) Da bekommt man dann z.B. abenteuerliche Aussagen zu hören, wie "Im Jahre 18xx bekamen alle napoleonischen Einheiten Adler" usw.(*). Das wissenschaftliche Problem hierbei ist, dass auf der Basis unzureichender Fakten(kenntnis) oftmals die abenteuerlichsten Interpretationen aufgebaut werden. Die Logiker wissen freilich seit mehreren tausend Jahren, dass man aus einer falschen Voraussetzung jeden beliebigen Schluss ziehen kann...

            Leider ist es so, dass man - wenn man öffentlich auf diese Fehler hinweist - als Anhänger einer von der deutschen Geschichtswissenschaft Gott sei Dank überwundenen "Historiographie" angesehen wird. Darin dürfte denn auch die Ursache dafür zu sehen sein, dass seit Jahr und Tag militärwissenschaftliche Monographien bspw. zu den napoleonischen Feldzügen bzw. Schlachten hauptsächlich aus dem englischsprachigen Raum kommen (ich denke hier z.B. an Robert Goetz, Alexander Mikaberidze oder John H. Gill). Schade eigentlich, denn zu beackern gäbe es für die deutschen Wissenschaftler genug - ich denke hier z.B. an große "weiße Flecken" auf unserer Forschungslandkarte, wie eine fehlende moderne Geschichte der Revolutionsfeldzüge oder der Beteiligung deutscher Truppen am Krieg in Spanien 1807-14.

            Beste Grüße, Tom
            (*) Ein schönes Beispiel bietet auch der Katalog der Napoleon-Ausstellung in Bonn 2010/11, der von sachlichen Fehlern nur so wimmelt. Da waren einige junge Kunsthistoriker freudig am Werk .
            Zuletzt geändert von Tom; 25.09.2011, 12:09.

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            • Blesson
              Erfahrener Benutzer
              Adjudant
              • 03.10.2006
              • 778

              #7
              Nicht zu vergessen den Altmeister zum gleichen Thema:

              David Chandler:Jena 1806 - Napoleon destroys Prussia, Campaign Serie 20, London 1993

              Das Heftchen ist immer noch ein Muster an Anschaulichkeit, und in einem Englisch geschrieben, was ich mit großem Vergnügen lesen kann. Gewiß wäre nach 20 Jahren eine Überarbeitung überfällig.

              Desweiteren ist der Höpfner immer noch DAS deutschsprachige Standardwerk.
              Do, ut des

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              • Gunter
                Erfahrener Benutzer
                Chef de Bataillon
                • 01.10.2006
                • 1380

                #8
                Zunächst erstmal vielen Dank für die Rezension. Das spart einem Geld und Platz im proppenvollen Bücherregal.

                Zwei Dinge gehen mir dazu durch den Kopf.

                1. Mir scheint, dass die Kenntnis des modernen Militärs u.a. durch den eigenen Wehrdienst bei nicht wenigen Autoren ein Hindernis für das Verständnis von historischem Militärwesen darstellt. Da ist es fast noch besser man lernt diese Kenntnisse unvoreingenommen "von null" aus den Quellen. Irgendwelche Natobegriffe haben in Texten zur napoleonischen Zeit jedenfalls nichts zu suchen.

                2. Die kurzfristige Forschung unserer Tage ist generell ein Problem. Was da an Schnellschüssen auf den Buchmarkt gebracht wird spottet jeder Beschreibung. Mit dem Schaffen von fundiertem Wissen hat das nicht viel zu tun. Wie soll man auch binnen einer Handvoll Jahren eine für einen selbst möglicherweise nahzu gänzlich neue Epoche in ihrer Vielfalt verstehen können? Generell muss man freilich sagen, dass für dieses Problem keine Änderung in Sicht ist, ganz im Gegenteil. Eher nimmt die deutsche Wissenschaftswelt qualitativ dauerhaften Schaden. Es ist kein Zufall, dass vermehrt universitäre Forschung nicht mehr für voll genommen wird, zum Teil sogar sehr berechtigt. Kein Wunder, wenn immer wieder nur Modethemen mit Modetheorien hergenommen und auch finanziert werden. Eine angemessene Koordination der Wissenschaft findet sowieso nicht statt, wir haben es mehrheitlich mit einer Egospielwiese zu tun, die nebenbei zuweilen auch recht gute Ergebnisse mit sich bringt. Ansonsten ist da aber viel zuviel Professorenherrlichkeit, Elfenbeinturm, Arroganz und Ignoranz, dabei kochen alle nur mit Wasser (einige allerdings mit ziemlich trüber Brühe).

                Als selbst Betroffener bin ich immer wieder froh, wenn ich auf die eine oder andere Art zu einer neuen Thematik ein paar Jahre Vorlauf habe. Ohne die sicher schon seit 20 Jahren und bereits in Kindertagen begonnene Beschäftigung mit dem Militärwesen würde mir extrem an Durchblick fehlen. Das im Hobby erworbene Hintergrundwissen hilft dann natürlich im Zweifelsfall im Beruf entscheidend weiter. Was soll aber einer machen, der plötzlich ins kalte Wasser geworfen wird und niemanden als Mentor hat, der ihm sachkundig den Weg weisen kann?

                Viele Grüße

                Gunter

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                • HKDW
                  Erfahrener Benutzer
                  Colonel
                  • 02.10.2006
                  • 2978

                  #9
                  Mir hat meine Wehrdienstzeit schon sehr viel geholfen Militär besser zu verstehen.
                  Latschen war bei uns ein Fremdwort für den Marsch, da hieß es immer noch marschieren, Drill auch - statt dessen Formalausbildung - etc.

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                  • zinnmartina
                    Benutzer
                    Tambour
                    • 15.05.2011
                    • 38

                    #10
                    Ich finde den Buchtitel allein schon befremdlich.
                    Für die Niederlage der preußischen Armee 1806/07 ein Titel mit Gloria zu wählen sehr merkwürdig.

                    Zeitgenössische Autoren und auch Autoren der Kaiserzeit ( die ja oft verherrlichten ) haben diese Niederlage als Katastrophe bezeichnet.

                    Kommentar

                    • Blesson
                      Erfahrener Benutzer
                      Adjudant
                      • 03.10.2006
                      • 778

                      #11
                      Wenn man sich die Mühe macht, in den Weiten des Netzes einmal nach dem o.g. Buch in Kombination mit Buchbesprechung zu suchen, wird man hundertfach fündig, selbstredend immer mit dem o.g. zitierten Klappentext. Das nenne ich Wunder des Marketing, so ganz ohne Inhalt auszukommen.

                      Unter Buchsprechnung stelle ich mir eigentlich anderes vor, oder sollte ich mich irren?
                      Do, ut des

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                      • KDF10
                        Erfahrener Benutzer
                        Chef de Bataillon
                        • 19.12.2010
                        • 1278

                        #12
                        Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                        weiter:

                        Sprache:

                        Man merkt dem Autor deutlich an, daß er von einer modernen Armee gedient hat, und deren Terminologie auf den Feldzug 1806-7 überträgt. So heißt es meist „Sturmkolonne“ wenn eigentlich die Bataillonskolonne gemeint ist.
                        Danke für die Rezension. Ein Buch mehr, dass ich nicht lesen muss! Deiner Meinung, dass der Autor in einer modernen Armee gedient hat, kann ich mich allerdings nicht anschliessen. "Sturmkolonne" erinnert mich eher an alte Comics, die unter der Bezeichnung "Sturmtruppen" veröffentlicht wurden. In einer modernen Armee gibt es keine Sturmkolonnen.

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