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Totenmasken

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  • gnlwth
    antwortet
    Guten Abend,

    hier ist eine weitere Abbildung von Talleyrands Totenmaske, die ich gerade (wieder)gefunden habe und Euch nicht vorenthalten will:



    Außerdem habe ich hier eine (leider sehr wenig schmeichelhafte) Beschreibung von Talleyrand, die excideuls Zitat weiter untermauert:


    Talleyrand semblait grand à la duchesse de Courlande, mais si on entend une description que fait de lui un hôte de sa maison, on ne saisit pas le charme qu'il exerçait: il était présent à un petit dîner de huit personnes, il traînait son corps informe dans le salon, courbé sur le côté sur ses deux pieds boiteux; il avait dans son visage ratatiné, terreux, deux petits yeux inexpressifs; la bouche édentée et large avec laquelle il baisait la main de la duchesse était tout à fait dégoûtante. Le menton était pris presque jusqu'à la lèvre supérieure dans un foulard blanc surdimensionné sous lequel on pouvait voir un jabot plissé. La tête était recouverte d'un toupé poudré très haut avec deux ailes de pigeon. De plus, il portait une redingote gris foncé démodée, des vêtements de dessous gris, des chaussettes de soie blanche et des chaussures à boucle. Si j'avais cru aller chez le prince de Talleyrand à l'école de l'art de vivre raffiné de Paris, je me serais amèrement trompée. Tout ce qu'on nous avait proscrit et interdit comme étant inconvenant, le prince le faisait. Il ne mettait pas de frein à son appétit féroce et engloutissait ce qui lui était servi ; il mettait la main dans les plats et tournait une prune cuite dans la sauce avant de la porter dans sa bouche avec ses doigts maigres. Dans les courts intervalles entre les plats il montrait le plus vif ennui ; il ne disait pas un mot, mais baillait plusieurs fois avec une sorte de beuglement; sa voix de basse résonnait durement et pas du tout mélodieusement , mais il pouvait aussi l'atténuer , comme je l'entendis plus tard, en un adagio flatteur.


    Schwer vorstellbar, dass jemand, der für seine absolut perfekten Manieren bekannt ist, mit den Fingern isst, aber gut: hier muss man wohl Abstriche machen, die Dame, die das geschrieben hat (Emilie von Binzer) mochte ihn offensichtlich nicht sehr. Dass er beim Essen sehr schweigsam war, glaube ich aber sofort, das deckt sich auch mit einer Beschreibung von Sydney Smith (aus "Juniper Hall: A Rendevous of Certain Illustrious Personages during the French Revolution Including Alexandre D'Arblay and Fanny Burney"):

    "He never talked till he had finished and digested his dinner, a slow process with him, but nobody's wit was of so high an order as Talleyrand's when it did come, or has stood so well the test of time."

    Und ich glaube ihr auch, dass er keine Zähne mehr hatte.

    Schönen Gruß,
    Gnlwth

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  • excideuil
    antwortet
    Guten Abend,

    in der Tat, Talleyrand besaß im Alter keine (eigenen) Zähne mehr:

    Eine gewisse Sophie Leo (ihre Erinnerungen habe ich über Google Books recherchiert) berichtet von einer Begegnung mit ihm "einige Jahre vor seinem Tode" (nach 1830):

    "Talleyrands Stimme war schon schwach, der gänzliche Mangel an Zähnen der Deutlichkeit hinderlich, aber die Mitteilung war noch lebhaft und obgleich uns Damen ein entfernter Platz angewiesen war, so konnten wir doch einigermaßen dem Faden der Unterhaltung folgen."

    vergl. Sophie Leo: "Erinnerungen aus Paris 1817-1848", Berlin, 1851, Seite 88

    Grüße
    excideuil

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  • gnlwth
    antwortet
    Wellington hat noch rechtzeitig für die Fahrt über den Styx sein Gebiss rausgenommen!
    Tja, der arme Charon wird wohl meistens mit den Worten begrüßt, "Daff muff ein Miffverftändnif fein!"....

    (Zweifelhaftes) Glück haben dann ja die, welche so jung sterben, dass sie noch die meisten ihrer Zähne haben, beziehungsweise: Warum hat man denn die Totenmasken nicht mit Gebiss drin gemacht? Zahnersatz und auch ganze Gebisse waren ja nun im 18./19. Jahrhundert durchaus schon üblich (hier z.B. das Gebiss von George Washington (gestorben 1799):



    gefunden hier).

    Essen und vermutlich auch Sprechen war mit diesen Gebissen sicher nicht ganz einfach, aber das ist in der Situation, in der einem eine Totenmaske abgenommen wird, wohl auch eher von sekundärer Bedeutung... Und Menschen, die bedeutend (oder reich) genug waren, dass man von ihnen Totenmaken gemacht hat, hatten doch mit Sicherheit das Geld (und die Eitelkeit?), ein Gebiss zu besitzen, wenn sie ihrer Zähne verlustig gegangen waren. (Scheint aber so üblich gewesen zu sein: Talleyrand, der ja nun wirklich genug Geld für falsche Zähne gehabt hätte und dem es an Eitelkeit ja auch nicht gerade gemangelt hat, hatte ja ganz augenscheinlich auch keine Zähne mehr:




    Das ist mit 84 Jahren schon o.K., es hätte nur mit Gebiss auch besser ausgesehen. Na ja. Wohl dem, der - wenn auch zahnlos eingegipst - wenigstens in einer Epoche lebte, in der Bärte en vogue waren, da sieht man dann eben nichts, außer der Wolle. So z.B. Henri IX, oder Napoleon III, oder Dostojewski...

    In diesem Sinne: angenehme Nachtruhe (künstliche Zähne am besten drinlassen, man weiß ja nie...)

    Gnlwth

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  • admin
    antwortet
    Danke für den morbiden Tipp ... Wellington hat noch rechtzeitig für die Fahrt über den Styx sein Gebiss rausgenommen!

    Markus Stein

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  • gnlwth
    hat ein Thema erstellt Totenmasken.

    Totenmasken

    Guten Abend,

    hier ist eine Webseite, auf der man sich Totenmasken (manchmal aber auch Masken, die noch zu Lebzeiten einer Person angefertigt wurden) ansehen kann: Undying Faces. Es sind ein paar auch für uns interessante Leute dabei, z.B. (neben der obligatorischen von Napleon) Wellington, Nelson, George Washington, Alexander Hamilton, Robespierre (das muss allerdings eine Lebendmaske sein, da man ihm ja schließlich bei seiner Verhaftung den Kiefer weggeschossen hat. Außerdem sieht er definitiv zu entspannt aus für das, was er vor seinem Tod erlebt hat), Beethoven, Haydn,... für jeden was dabei.

    Schönen Gruß,
    Gnlwth
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