Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 23

Thema: Napoleonische Gardes d'honneur

  1. #1
    Registriert seit
    24.03.2015
    Beiträge
    29

    Standard Napoleonische Gardes d'honneur

    Ich muß mich heute mit der Bitte um Hilfe an Euch wenden. In Tagebücher aus der napoleonischen Zeit werden immer wieder Kavallerieeinheiten mit der Bezeichnung Gardes d'honneur erwähnt.

    Ich habe gehört das es davon 4. Regimenter in der Kaisergarde gab. Die Uniformierung und Ausrüstung scheint ähnlich wie bei den Husaren gewesen zu sein.
    War diese Truppe eine französische Version der "Freiwilligen Jäger"?

    Kann mir bitte jemand mitteilen ob es diese Formationen nur in der Kaisergarde gab oder wurden auch anderweitig diese Einheiten aufgestellt ?

    Vielen Dank für Eure Hilfe.



    Gruß
    Axel

  2. #2
    Registriert seit
    08.12.2007
    Beiträge
    255

    Standard

    Ich denke, dass es sich dabei um die 4 Regimenter handelt, die es in der Zeit von 1813 bis 1814 gab.
    Viele Grüße
    J. S.

  3. #3
    Registriert seit
    01.10.2006
    Beiträge
    1.558

    Standard

    Es gab zwei Arten der Gardes d'honneur. Einmal die am 4. April 1813 geschaffenen vier Regimenter:

    https://books.google.de/books?id=-N4xAQAAMAAJ&pg=PA28

    und dann zahlreiche kleinere, in verschiedenen Städten aufgestellte uniformierte Ehrengarden, die manchmal sogar nur ein einziges Mal zusammentraten, wenn Napoleon durch die Stadt passierte. Diese Ehrengarden waren keine militärischen Einheiten, und sind eher den Bürgergarden in deutschen Städten vergleichbar.

    Hier als Beispiel Bilder der Ehrengarde von Straßburg:

    http://lesapn.forumactif.fr/t10947-c...-de-strasbourg

    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  4. #4
    Registriert seit
    03.10.2006
    Beiträge
    737

    Standard

    Der Vergeich der 4 Rgt. Ehrengarden von 1813/14 (der Kaisergarde attachiert) mit den preuß. freiw. Jägern hinkt etwas. Die jungen, oft unter Druck auf die Väter einrangierten Männer (meist aus guten Familien stammend) wurden in der frz. Armee otages (Geiseln) genannt, weil ihre Kameraden den Eindruck hatten, sie dienten eher der Ruhigstellung der frz. bürgerlichen und adligen Eliten als der Kampfwertsteigerung der Großen Armee...

    Gruß, Tom

  5. #5
    Registriert seit
    24.03.2015
    Beiträge
    29

    Standard

    Hallo,


    zuerst möchte ich mich für Eure Antworten bedanken. Scheinbar wurden diese bürgerlichen Ehrengarden auch mit militärischen Aufgaben betraut. Der Rheinbund-Infanterist Johann Jakob Röhrig beschreibt in seinem Tagebuch eine Szene während der Völkerschlacht in Leipzig am 18. Oktober 1813 mit folgenden ironischen Worten:


    „Es waren etliche Schwadronen von der Ehrengarde. Eine berittene Mannschaft, welche aus jungen, reichen Burschen bestand, die sich auf eigene Kosten equipiert und armiert hatten, alles in der größten Pracht. Des Kapitäns Kaufmann Stiefsohn Kopp aus Koblenz war auch dabei. Er kam in unser Biwak, um seinen Vater zu besuchen. Als dieser im bedeutete,er würde wohl besser gewesen sein, wenn Sie zu Hause geblieben wären, gab er zur Antwort : „Wir sind so ausexerziert, dass wir es mit den besten ungarischen Husaren aufnehmen können“


    Nicht ganz ohne Schadenfreude beschreibt Röhrig dann weiter wie in kurzer Zeit diese Schwadronen von österreichischer und russischer Kavallerie vollständig aufgerieben wurden.
    Gehörten die von Röhring erwähnten Schwadronen der Kaisergarde an oder handelte es sich um eine bürgerliche Ehrengarde?
    Mussten sich die Gardes d`Honneur der Kaisergarde selbst ausrüsten und bewaffnen?


    Ich freue mich über jede Information.


    Gruß
    Axel

  6. #6
    Registriert seit
    08.12.2007
    Beiträge
    255

    Standard

    Hier der Eintrag zu Röhring in Vincennes.
    Viele Grüße
    J. S.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  7. #7
    Registriert seit
    02.10.2006
    Beiträge
    2.696

    Standard

    @Jules Salmo

    Sehr interessante Info - Größe, wie schnell er befördert wurde, etc. gut mit den Memoiren zu vergleichen


    Scheinbar wurden diese bürgerlichen Ehrengarden auch mit militärischen Aufgaben betraut.
    Wie sans-souci bereits erwähnt - waren diese 4 Regimenter - 1813 aufgestellt - eigentlich keine bürgerlichen Ehrengarde, die nur eine Repräsentationsfunktion hatten, sondern von Anfang an als aktive Kavallerie Regimenter geplant.

    Dass diese so schnell aufgestellten Regimenter einige Zeit brauchten um kriegserfahren zu werden ist nicht verwunderlich.
    Geändert von HKDW (25.11.2015 um 08:33 Uhr)

  8. #8
    Registriert seit
    16.02.2011
    Beiträge
    1.318

    Standard

    Zitat Zitat von Gardekosak Beitrag anzeigen
    ...Szene während der Völkerschlacht in Leipzig am 18. Oktober 1813...

    ...Gehörten die von Röhring erwähnten Schwadronen der Kaisergarde an oder handelte es sich um eine bürgerliche Ehrengarde?
    Diese Schwadronen gehörten mit Bestimmtheit zur Kaisergarde. Diese anonyme zeitgenössische Darstellung zeigt sie im Gefolge Napoleons bei Leipzig:

    Gardes d'Honneur, Leipzig 1813, anon.jpg


    Zitat Zitat von Gardekosak Beitrag anzeigen
    Mussten sich die Gardes d`Honneur der Kaisergarde selbst ausrüsten und bewaffnen?
    Theoretisch ja, de facto aber bestand scheinbar ein beträchtlicher Teil der Ehrengarden aus nicht vermögenden Rekruten, denen die Ausrüstung ganz oder zum Teil von den Präfekturen der Departements aus einem Fonds bezahlt wurde, den die reichsten Bürger des Departements zu speisen hatten. Ein Grossteil der reichen Jugend verstand es einmal mehr, sich vor dem Wehrdienst zu drücken bzw. sich ersetzen zu lassen. So verstehe ich jedenfalls dieses bei Wikipedia angeführte Beispiel:

    "Cette phalange est censée être recrutée parmi les classes aisées ayant les moyens de financer l'équipement de la troupe. Ce recrutement « élitiste » connaîtra de nombreuses entorses, « les défaites n’inclin(ant) guère à la vocation militaire la jeunesse fortunée, que se fit remplacer par des jeunes gens sans fortune, se bornant à fournir l’argent de l’équipement ». « Nécessité faisant loi », des fils de familles modestes et impécunieuses s'enrôleront dès lors dans les rangs de ce nouveau corps. En Haute-Garonne, un registre d'engagement est ouvert dès le 20 avril et la levée « s’effectue rapidement et dans de bonnes conditions, puisque le 11 août 1813, l’ensemble du maximum des gardes d’honneur du département est atteint, voire même [sic] dépassé, puisque 88 jeunes gens sont couchés sur la liste que le préfet fait parvenir au ministre de la guerre ». Toutefois « il semble que, comme dans l’Ain, la levée concerne plus des jeunes gens originaires de milieu modeste et non pas les fils de la bourgeoisie et de la noblesse comme l’avait souhaité Napoléon ; en effet, sur 88 gardes de Haute-Garonne, 41 n’ont pas payé leur équipement et l’ont reçu de la préfecture ». D'autre part « ce sont 38 Gardes qui payent leur cheval et 50 qui le reçoivent du préfet et 40 qui payent leur harnachement, 48 le recevant du préfet, les fonds destinés à ces fournitures pour les Gardes qui ne peuvent les financer étant prélevés, au sein d’un fonds commun, sur les personnes les plus riches du département ». Les recrues seront finalement versées au 3e régiment en garnison à Tours5."

    (
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Gardes...is_(1813-1814) ).
    Geändert von Tellensohn (25.11.2015 um 11:47 Uhr)

  9. #9
    Registriert seit
    08.12.2007
    Beiträge
    255

    Standard

    Ist eigentlich bekannt, in welchem der 4 Regimentern der Garde d'honneur Johann Jacob Röhrig war?
    Viele Grüße
    J. S.

  10. #10
    Registriert seit
    03.10.2006
    Beiträge
    737

    Standard Literatur

    Angehängt noch ein Ausschnitt aus (Osten-Sacken,) Die Frz. Armee 1813, Berlin: Wilhelmi, 1889 (S. 17).

    Die von Tellensohn gebrachte schöne Darstellung der Gardes d'honneur zeigt nach meiner Vermutung Angehörige der 8 Eskadrons, die kurz vor der Völkerschlacht noch bei der Großen Armee eintrafen (ursprünglich - Frühjahrsfeldzug -waren nur 12 Eskadrons in 4 Rgt. marschbereit).

    In der frz. Literatur gibt es mehrere Spezialschriften (Lomier, Housset, ...), einfach mal den Karlsruher Virt. Katalog oder Gallica durchsuchen nach "Gardes d'honneur 1813", manches käuflich bei Abebooks und Amazon.fr

    Hier noch ein Bericht von Keyserling (Schles. Nat.-Kav.-Rgt., im Herbstfeldzug 1813 im Thielmann'schen Streifkorps) über einen erbeuteten frz. Wagenzug, der Bekleidungsstücke vmtl. für die Gardes d'honneur enthielt: http://books.google.de/books?id=HzYQAAAAYAAJ&pg=PA54

    Ich meine, irgendwo auch einen Bericht eines (deutschsprachigen) Mainzer Gardisten d'honneur (von der oben erwähnten Truppe) gelesen zu haben, dessen Vater in Mainz eine höhere Verwaltungsstellung innehatte. Der Sohn machte den Feldzug 1813 mit und gelangte dann nach Mainz zurück. Kann leider den Bericht im Moment nicht finden...

    Gruß, Tom
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •