Sauerweid: Uniformes de la Garde de Sa Majesté le Roi de Westphalie

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  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Colonel
    • 01.10.2006
    • 2151

    Sauerweid: Uniformes de la Garde de Sa Majesté le Roi de Westphalie

    In einem Brief an Roger Forthoffer vom 21. Oktober 1965 schreibt Jean Brunon bezüglich einiger Tafeln über die Westphälische Garde du Corps (Fiches documentaires, nos. 61-80 - ich habe diese Serie leider nicht):

    Sie erlaubt uns, eine Bestandsaufnahme zur Identifikation der Tafeln zu machen, aus denen sich zwei verschiedene Ausgaben von Sauerweid zusammensetzen ["faire le point pour l'identification des planches composant deux suites distinctes de Sauerweid"]
    Weiß jemand mehr darüber ? Gab es aufgrund von Uniformänderungen nacheinander zwei Ausgaben ?

    Die Bilder aus der Kunstbibliothek Berlin hat Markus ja hier online gestellt:



    Blätter von Sauerweids Sachsen, Polen und Westphalen gibt es hier:



    Eine teils falsch kolorierte Ausgabe liegt in Kassel:

    https://datenbank.museum-kassel.de/5...jektliste.html

    Hier ein Beispiel:

    30764.jpg

    aber sonst habe ich bisher keine zwei verschiedenen Serien identifizieren können.
  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Colonel
    • 01.10.2006
    • 2151

    #2
    Am 12. August 1811 verlangte Napoleon, daß in Sachsen und Westphalen jeweils ein leichtes Lancier-Regiment gebildet werden sollte:



    Am 9. Oktober 1811 erschien im Westphälischen Moniteur die Nachricht:

    Se. Majestät haben den 3ten Oktober [1811] dekretirt,
    1) daß das Regiment der Chevaulegers der Garde mit Lanzen bewaffnet, und Chevaulegers Lanziers der Garde genannt, und
    [2)] daß das erste Linien-Chevaulegers Regiment ebenfalls mit Lanzen bewaffnet, und erstes Regiment der Chevaulegers-Lanziers genannt werden soll.
    Da in der Serie von Sauerweid über die Uniformen der Westphälischen Garden ein Chevauléger lancier de la Garde mit Lanze abgebildet ist, dürfte die Entstehungszeit dieses Werkes in das Jahr 1811 - oder sogar 1812 - fallen, nicht 1810, wie fast überall vermutet.

    20140113225959-e3c9baaf-me.jpg

    Das Dekret zur Organisation der Königlichen Garden vom 25. Dezember 1810 sah bereits "eine pohlnische Lanze für die erste Eskadron" dieses Regiments vor. Das erklärt, weshalb Pinhas bei seiner im Mai 1811 veröffentlichten Tafel mit einem Capitaine des Chevauxlegers de la Garde im Hintergrund Chevaulégers mit Lanzen abbildet. Die Sauerweid-Tafeln dieses Regiments, die ich kenne, sind jedoch alle mit dem erst im Oktober 1811 eingeführten neuen Regiments-Namen bezeichnet:

    2ix9qcFvqmMnsP8Lsin3RNO11RNvxE1aAD7CXskTazQ8nWqpKgVieEnIkKAh3LZa.jpg
    Zuletzt geändert von Sans-Souci; 19.03.2025, 10:29.

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    • Sans-Souci
      Erfahrener Benutzer
      Colonel
      • 01.10.2006
      • 2151

      #3
      Ich habe letzte Woche in Berlin eine interessante Akte gefunden (GStA PK, V. HA, Nr. 656), mit Korrespondenz zur Anfertigung der Sauerweid-Serie. Sauerweid wird darin übrigens mit keinem Wort erwähnt, es wird nur mit einem Verleger Heinrich Rittner in Dresden verhandelt. Die Serie mit Uniformen der Westphälischen Garden war zunächst auf 17 Tafeln, nach Art der kürzlich erschienenen Serie über die Uniformen der Sächsischen Armee, geplant, dafür wurden 17 Zeichungen nach Dresden geschickt. Nicht darin inbegriffen waren die später als Blatt 19 und 20 bezeichneten Tafeln mit der Garde-Artillerie. Die gemeinhin als Blatt 5 und 6 bezeichneten Tafeln sind verschiedene Kolorierungen derselben Drucktafel eines Capitaine Général de la Garde zu Pferd. Am 30. Juli 1811 wurde entschieden, daß eine Auflage von 40 kolorierten Exemplaren plus den Drucktafeln bestellt werden solle.

      Der Vertrag mit Heinrich Rittner wurde am 18. Juli 1811 in Dresden geschlossen, die letzte Kupferplatte wurde am 18. Dezember 1811 übergeben.

      Die Tafelserie sollte sehr genau sein, zum Beispiel schreibt Joseph-Balthazard Siméon (1781–1846), damals westphälischer Gesandter in Dresden, am 23. Juli 1811 an den Kabinettssekretär Bruyère in Kassel, er brauche zusätzlich zu den Zeichungen, die er als Vorlage erhalten habe, dringend noch Zeichnungen der Muster der Stickereien der Aides de Camp, des Colonel-Lieutenant der Gardes du Corps und der höheren Offizier der Chevau-légers de la Garde, sowie Zeichnung des Säbelgriffs der Chevau-légers de la Garde. Zumindest die letztere Zeichnung scheint aber nicht angekommen zu sein, wenn man die entsprechende Tafel ansieht.

      Am 20. Juli 1811 schrieb Siméon nach Kassel, die Zeichnung des Chasseur-Carabiners zeige ihn mit einer Tasche an der Seite (gibecière) und Pulverhorn, er habe aber gehört, die seien durch eine Patronentasche und Tornister ersetzt worden. Sein Vorschlag, die Vorlage für die Tafel zu ändern, wurde am 30. Juli 1811 gutgeheißen.


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      • Sans-Souci
        Erfahrener Benutzer
        Colonel
        • 01.10.2006
        • 2151

        #4
        Hier der Vertragstext:

        Unter dem heutigen Datum ist zwischen den Contrahenten: Sr. Excellenz dem Königlich Westphälischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Sächsischen Hofe, Herrn Ritter Joseph B. von Siméon und dem Kunsthändler Herrn Heinrich Rittner, wohnhaft und angesessen dahier in der Königlich Residenzstadt Dresden, und in Beisein der Herren Ludwig Grünau und Friedrich Greiff, beide dahier in Dresden, – als zu dem Ende erbetenen Zeugen, nachfolgender Contrakt als rechtsverbindlich abgeschlossen worden:

        1. Es übernimmt genannter Herr Rittner die Besorgung und Ausführung des Kupferstichs sämmtlicher Truppen Corps der Königlich Westphälischen Armee und deren Kleidung, Armirung und Equipirung –,von allen Waffenarten, nach Vorschrift der Muster und Zeichnungen, die ihm gegeben werden, und zwar ganz in der Art der von ihm herausgegebenen Abbildungen der Königlich Sächsischen Armee.

        2. Herr Rittner macht sich anheischig, zur ersten Hälfte des künftigen Monats August, von dem [sic] ihm schon übergebenen Zeichnungen vier fertige Kupferplatten und die davon verlangten Abdrücke zu liefern, und alsdann von Zehn zu zehn Tagen fortzufahren, jedesmal zwei Stück fertig abzuliefern.

        3. Herr Rittner verspricht die vollendeten Kupferplatten getreulich abzuliefern und, außer denen Exemplaren, die Ihm von Seiten des Herrn Gesandten besonders zugestanden, und zum Privatbesitz versichert sind, gar weiter keine Abdrücke von den verfertigten Kupferplatten zurückzubehalten oder besonders zu verfertigen, auch dafür zu haften, daß sie die unter seiner Leitung daran arbeitenden Künstler dergleichen ebenfalls nicht unerlaubt besitzen, – so wie überhaupt keine anderen Kupferplatten und Abdrücke in dieser Art zu zu besorgen und ausführen zu lassen, als die ihm hier auf Rechnung des Königlich Westphälischen Gouvernements aufgetragen sind.

        4. Herr Rittner verspricht endlich, die ihm übertragene Arbeit mit dem größten Fleiße und in möglichster Vollendung zu vollführen, und die Abbildungen wenigstens in derselben Güte zu liefern, als die von ihm herausgegebenen der Königlich Sächsischen Armee.

        Dagegen macht sich der obengenannte Herr Gesandte hierdurch verbindlich:

        1. Für jede zur gehörigen Zeit und in gehöriger Form und Güte abgelieferte – gestochene K[upfer].Platte: funfzehn Thaler (15 rth.) sächsisch, – wenn sie nur eine einzelne Figur nebst Umgebungen enthält, und achtzehn Thaler (18 rth.) sächsisch zu zahlen, wenn der Kupferstich zwei Figuren oder eine dergleichen zu Pferde mit Umgebungen darstellt.

        [Der folgende Satz nachträglich hinzugefügt:] Der Preis ist nur für die ersten 19 Abbildungen der Garden verabredet.

        2. Diese Zahlung bei der jedesmaligen Ablieferung der Kupferplatten gleich baar zu leisten.
        In dem stipulierten Preise sind die Kosten der Abänderungen und des Umzeichnens der übergebenen Muster mit in begriffen, und findet daher keine besondere Vergütung statt.
        [Der folgende Satz nachträglich hinzugefügt:] Für die Abbildungen der Linientruppen der Westph[älischen]. Armee findet wieder eine besondere Preis Uebereinkunft statt.

        Herr Rittner verspricht auch die Abzüge der Kupferplatten, sowol schwarz als auch kolorirt, zu den besonders zu verabredenden Preisen, in der verlangten Anzahl zu besorgen.

        Zu noch mehrer Gewisheit obiger Bestimmungen ist dieser Contrakt von dem mit unterzeichneten Königlich westphälischen Staatsraths Auditor und Gesandschafts Sekretär Hans Ludwig von Stölting schriftlich und gedoppelt ausgefertigt, und von den Contrahenten und den dazu erbetenen obengenannten Zeugen eigenhändig unterschrieben und vollzogen, auch von Ersteren besiegelt worden.

        So geschehen in der Residenz Dresden am achtzehnten Julius Ein Tausend Achthundert und Elfe.

        Ser. Majestät des Königs von Westphalen außerordentlicher Gesandter und bevollmächtiger Minister bei Sr. Majestät dem Könige von Sachsen, – Ritter des Ordens der K. Westphäl. Krone und Commandeur des Großherzoglich Hessischen Ordens pp.
        Siméon

        Heinrich Rittner

        Ludwig Grünau als Zeuge.

        Friedrich Greiff als Zeuge.

        Auf Befehl des Herrn Gesandten Sr. Königl. Majestät von Westphalen Auditeur im Staatsrath und Höchst Ihr Gesandschafts-Sekretär am Königl. Sächsischen Hofe zu Dresden
        Hans Ludwig von Stölting

        [Im folgenden sind direkt unter dem Vertragstext nach und nach jeweils die Zahlungen quittiert.]

        Am 6ten August 1811 erhalten für die beiden ersten Kupferplatten – 33 Thal.
        Heinrich Rittner

        Am 12ten August 1811 erhalten für die beiden folgenden 3 ud 4n Kupferplatten à 15 & 18 – 33 Thal.
        demselben für die 5te ud. 6te Kupferplatte à 15 & 18 – 33 Thal
        = Th. 66
        Heinrich Rittner

        Am 29 August 1811. Die 7te und 8te Kupferplatte à 15 & 18. – plus 3 thal. – 36 Thal.
        pr[o]. Heinrich Rittner
        Crönerz.

        Am 6t Sept. wieder für 2 Platten erhalten 30 Thaler.
        Heinrich Rittner

        Am 21 Septbr 18 th für 2 dopp[elte]. Fig[uren]. Platten erhalt. – 36 thaler
        Heinrich Rittner
        Am 7ten Oct. 1811 für 2 Platten mit Pferden erhalten – 36 thaler
        pr[o]. Heinrich Rittner
        Crönerz

        Am 23tn October für 4 Platten 2 zu Pferd ud 2 zu Fuß – 66 thaler erhalten
        pr[o]. Heinrich Rittner
        Crönerz

        A 18tn Decbr. für 1 Platte
        der Colonel zu Fuße – 15 Thaler
        Heinrich Rittner

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        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Colonel
          • 01.10.2006
          • 2151

          #5
          In der Beilage zum Westphälischen Moniteur von 1811, No. 93, vom 19. April 1811, findet sich unter der Rubrik "Aus Sachsen, vom 30ten März" die folgende Information:

          Rittner (Westphälischer Moniteur. No. 93. Freitag den 19ten April 1811. Beilage. - Aus Sachsen, 30. 3.).jpg

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