Ein unbekannter preußischer Infanterie Offizier.

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • InAlto
    Benutzer
    Tambour
    • 18.05.2023
    • 37

    Ein unbekannter preußischer Infanterie Offizier.

    Hallo zusammen! In Russland ist der letzte Band von Stanislav Lyulin über die Geschichte der preußischen Armee erschienen, in dem es um Generäle, Ingenieure und Artilleristen, den Generalstab und vieles mehr geht. Stanislav hat auch dieses Porträt (siehe Foto) in das Buch aufgenommen. Es wurde 2005 auf einer Auktion verkauft. Ich fand es ungewöhnlich, dass er ein Hauptmann der preußischen Infanterie war (13. Infanterieregiment des Landwehrs, Ende der 1810er Jahre): Er trägt den russischen Vladimir-Orden 4. Grades (russische Medaille für die Kampagne von 1812), den Orden der Ehrenlegion, den Orden „Für militärische Verdienste” des Königreichs Württemberg und, was besonders interessant ist, den französischen Orden „Décoration du Lys” (oder „Ordre du Lys”). Ich habe versucht, die Person auf dem Porträt zu identifizieren, bisher jedoch ohne Erfolg. Ich wäre Ihnen dankbar für Ihre Meinung dazu, wer diese Person sein könnte.
    Mit freundlichen Grüßen, A. Kolesov
    [Übersetzung durch DeepL von Markus Stein]

    Привет всем! В России издан последний том Станислава Люлина по истории прусской армии, в котором рассказывается о генералах, инженерах и артиллеристах, Генеральном штабе и многом другом. Станислав также включил в книгу этот портрет (см. фото). Он был продан на аукционе в 2005 году. Мне показалось необычным, что он капитан прусской пехоты (13-й пехотный полк Ландвера, конец 1810-х годов): на нём российский орден Владимира 4-й степени (российская медаль за кампанию 1812 года), орден Почётного легиона, орден «За военные заслуги» королевства Вюртемберг и, что особенно интересно, французский орден «Décoration du Lys» (или «Ordre du Lys»). Я пытался идентифицировать человека на портрете, но пока безуспешно. Буду благодарен за ваше мнение о том, кто это может быть.
    С уважением, А. Колесов
    Du hast keine Berechtigung diese Galerie anzusehen.
    Diese Galerie hat 1 Bilder
  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Colonel
    • 01.10.2006
    • 2085

    #2
    Ein interessantes Portrait !

    Der blaue Vorstoß um den Kragen ist typisch für eine Landwehr-Uniform. Mit der Kabinetts-Ordre vom 5. Mai 1817 wurde die Landwehr neu in 68 fortlaufend numerierte Regimenter organisiert. Es gab jedoch zu jeder Nummer immer zwei Regimenter, die mit a und b bezeichnet wurden, also zum Beispiel Landwehr-Regiment 13a und Landwehr-Regiment 13b.

    Die Abzeichen wurden schon mit der Kabinetts-Ordre vom 25. März 1817 bestimmt. Sie entsprachen denen des Linien-Infanterie-Regiments mit derselben Nummer. Das 13. Linien-Infanterie-Regiment hatte nur von 25. März 1817 bis zum 30. März 1818 gelbe Achselklappen (vorher weiße, danach hellblaue). Die Uniform läßt sich also zeitlich eng eingrenzen.

    Die Landwehr-Regimenter mit dem Buchstaben a trugen auf den Achselklappen die Regimentsnummer in roter und weißer Wolle (Offiziere in Silber), die Landwehr-Regimenter mit dem Buchstaben b in roter und gelber Wolle (Offiziere gold).

    Wir habe also hier einen Capitaine des Landwehr-Regiment 13a (1. Münstersches) zwischen dem 25. März 1817 und dem 30. März 1818. Bei der Reorganisation vom 22. Dezember 1819 ging dieses Regiment im 13. Landwehr-Regiment auf, gebildet wurde es 1817 aus dem 3. Westphälischen Landwehr-Infanterie-Regiment, letzteres war seit dem 16. Dezember 1815 die Bezeichnung des früheren Bergischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Das ursprüngliche 3. Westphälische Landwehr-Infanterie-Regiment, 1813 in der Provinz Ostfriesland gebildet, war Ende 1815 mit der Abtretung Ostfrieslands an das Königreich Hannover aufgelöst worden.

    Leider führen die preußischen Ranglisten von 1817 und 1818 nur die besoldeten Stämme der Landwehr-Regimenter auf, und ein so hoch dekorierter Offizier ist beim 3. Westphälischen (1817) beziehungsweise 13a (1818) nicht dabei. Ab der Rangliste von 1819 werden immer sämtliche Offiziere der Landwehr aufgeführt, doch ist hier beim Regiment 13a wieder kein so hoch dekorierter Offizier dabei. Unser Capitaine muß also spätestens Anfang 1819 versetzt worden sein.

    Welche Orden trägt er er genau ?

    Von innen nach außen:

    1. Russischer Waldimir-Orden, 4. Klasse ?
    2. Russische Medaille für die Teilnahme am Feldzug 1812, für Offiziere
    3. Preußische Kriegsdenkmünze
    4. Französische Ehrenlegion, Chevalier
    5. ?
    6. ?

    Falls 6 die am 26. April 1814 geschaffene französische Dekoration der Lilie (Décoration du Lys) wäre, müßte es sich hier um einen Offizier handeln, der 1812 auf russischer Seite am Feldzug teilnahm (Medaille), dann 1814 in der französischen Nationalgarde diente, und dann 1815 in preußischen Diensten aktiv am Feldzug teilnahm (wegen der Kriegsdenkmünze in der Form für Kombattanten).

    Angehängt die Orden in etwas beserer Auflösung.

    Landwehr-Infanterie - 13 - 1817 - Capitaine.jpg
    Zuletzt geändert von Sans-Souci; 03.11.2025, 22:39.

    Kommentar

    • InAlto
      Benutzer
      Tambour
      • 18.05.2023
      • 37

      #3
      Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
      Ein interessantes Portrait !

      Der blaue Vorstoß um den Kragen ist typisch für eine Landwehr-Uniform. Mit der Kabinetts-Ordre vom 5. Mai 1817 wurde die Landwehr neu in 68 fortlaufend numerierte Regimenter organisiert. Es gab jedoch zu jeder Nummer immer zwei Regimenter, die mit a und b bezeichnet wurden, also zum Beispiel Landwehr-Regiment 13a und Landwehr-Regiment 13b.

      Die Abzeichen wurden schon mit der Kabinetts-Ordre vom 25. März 1817 bestimmt. Sie entsprachen denen des Linien-Infanterie-Regiments mit derselben Nummer. Das 13. Linien-Infanterie-Regiment hatte nur von 25. März 1817 bis zum 30. März 1818 gelbe Achselklappen (vorher weiße, danach hellblaue). Die Uniform läßt sich also zeitlich eng eingrenzen.

      Die Landwehr-Regimenter mit dem Buchstaben a trugen auf den Achselklappen die Regimentsnummer in roter und weißer Wolle (Offiziere in Silber), die Landwehr-Regimenter mit dem Buchstaben b in roter und gelber Wolle (Offiziere gold).

      Wir habe also hier einen Capitaine des Landwehr-Regiment 13a (1. Münstersches) zwischen dem 25. März 1817 und dem 30. März 1818. Bei der Reorganisation vom 22. Dezember 1819 ging dieses Regiment im 13. Landwehr-Regiment auf, gebildet wurde es 1817 aus dem 3. Westphälischen Landwehr-Infanterie-Regiment, letzteres war seit dem 16. Dezember 1815 die Bezeichnung des früheren Bergischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Das ursprüngliche 3. Westphälische Landwehr-Infanterie-Regiment, 1813 in der Provinz Ostfriesland gebildet, war Ende 1815 mit der Abtretung Ostfrieslands an das Königreich Hannover aufgelöst worden.

      Leider führen die preußischen Ranglisten von 1817 und 1818 nur die besoldeten Stämme der Landwehr-Regimenter auf, und ein so hoch dekorierter Offizier ist beim 3. Westphälischen (1817) beziehungsweise 13a (1818) nicht dabei. Ab der Rangliste von 1819 werden immer sämtliche Offiziere der Landwehr aufgeführt, doch ist hier beim Regiment 13a wieder kein so hoch dekorierter Offizier dabei. Unser Capitaine muß also spätestens Anfang 1819 versetzt worden sein.

      Welche Orden trägt er er genau ?

      Von innen nach außen:

      1. Russischer Waldimir-Orden, 4. Klasse ?
      2. Russische Medaille für die Teilnahme am Feldzug 1812, für Offiziere
      3. Preußische Kriegsdenkmünze
      4. Französische Ehrenlegion, Chevalier
      5. ?
      6. ?

      Falls 6 die französische Dekoration der Lilie wäre, müßte es sich hier um einen Offizier handeln, der 1812 auf russischer Seite am Feldzug teilnahm (Medaille), vor dem 2. April 1814 in der Nationalgarde von Paris diente, und dann 1815 in preußischen Diensten aktiv am Feldzug teilnahm (wegen der Kriegsdenkmünze in der Form für Kombattanten).

      Angehängt die Orden in etwas beserer Auflösung.

      Landwehr-Infanterie - 13 - 1817 - Capitaine.jpg
      Ja, das ist mir bekannt, aber danke für die Klarstellung. Die fünfte Medaille ist vermutlich der Militärverdienstorden des Königreichs Württemberg oder der Schwertorden Schwedens, wobei ich eher zum ersteren tendiere. Was die zweite Medaille betrifft, ja, ich dachte an die preußische Medaille, war aber wegen der Farbe des Mittelstreifens auf dem Band etwas verwirrt.

      Kommentar

      • Aide de Camp
        Erfahrener Benutzer
        Sergent-Major
        • 14.12.2020
        • 246

        #4
        Das Ordensband für die preußische Kriegsdenkmünze passt, auch wenn das Orange des Mittelstreifens auf dem Ordensband sehr kräftig erscheint. Ich denke auch, dass der Orden rechts neben dem der Ehrenlegion das Ritterkreuz des königlich-württembergischen Militär-Verdienstordens sein müsste. Der schwedische Schwertorden scheidet aus, da dort die Öse für das Ordensband zwischen den Ordensarmen liegt.

        Bei der Auszeichnung ganz rechts bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich nicht um die Décoration du Lys handelt. Diese Auszeichnung war eigentlich ab April 1814 den Angehörigen der Pariser Nationalgarde vorbehalten. Später wurden auch Angehörige der Nationalgarden der anderen Departements mit dem Orden ausgezeichnet. Anhand des Ordensbandes konnte man oftmals erkennen, in welchem Departement der Ausgezeichnete bei der Nationalgarde diente. Eine Verleihung des Ordens an ausländische Offiziere wäre sehr ungewöhnlich.

        Kommentar

        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Colonel
          • 01.10.2006
          • 2085

          #5
          Es wäre auch denkbar, daß die Miniatur eine moderne Fälschung ist. Ein Gemälde ist ja kein Photo, aber die beiden Reihen Knöpfe auf der Brust stehen für eine preußische Uniform aus der Zeit zu weit auseinander. Und die Anbringung so vieler Orden und Ehrenzeichen nebeneinander auf der linken Seite, bis in die Achsel hinein, ist ungewöhnlich, der Dargestellte hat eine extrem weite Brust. Üblicherweise begann man auch in Preußen mit den Orden am Knopfloch auf der rechten Seite, unten zwei Beispiele. Bei zu vielen Orden oder Platzmangel aufgrund von auch noch anzubringenden Ordenssternen wurden die Orden überlappend angebracht, dazu zur Illustration unten die Ordensspange Friedrich Wilhelms III.

          Infanterie 23 - 1825-1830 - Major (Esbeck).jpg 5182845_4000x4000.jpg
          Ordensspange Friedrich Wilhelm III.jpg

          Kommentar

          • Kein Prinz
            Erfahrener Benutzer
            Sergent
            • 18.04.2021
            • 159

            #6
            Not in my sphere, but is the Russian caption discounted out of reality-- it translates "14-50. Unknown captain of the 13th Infantry Land Regiment. Miniature portrait by an unknown artist, late 1810s. Private collection"

            So answers appear to completely devalue such an option? All the rhetoric of 'later' awards become null and void unless proven otherwise?
            sincerely dave

            Kommentar

            • InAlto
              Benutzer
              Tambour
              • 18.05.2023
              • 37

              #7
              Zitat von Aide de Camp Beitrag anzeigen
              Das Ordensband für die preußische Kriegsdenkmünze passt, auch wenn das Orange des Mittelstreifens auf dem Ordensband sehr kräftig erscheint. Ich denke auch, dass der Orden rechts neben dem der Ehrenlegion das Ritterkreuz des königlich-württembergischen Militär-Verdienstordens sein müsste. Der schwedische Schwertorden scheidet aus, da dort die Öse für das Ordensband zwischen den Ordensarmen liegt.

              Bei der Auszeichnung ganz rechts bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich nicht um die Décoration du Lys handelt. Diese Auszeichnung war eigentlich ab April 1814 den Angehörigen der Pariser Nationalgarde vorbehalten. Später wurden auch Angehörige der Nationalgarden der anderen Departements mit dem Orden ausgezeichnet. Anhand des Ordensbandes konnte man oftmals erkennen, in welchem Departement der Ausgezeichnete bei der Nationalgarde diente. Eine Verleihung des Ordens an ausländische Offiziere wäre sehr ungewöhnlich.
              Es ist erfreulich, dass unsere Ansichten zur Medaille und zum Orden übereinstimmen. Allerdings bin ich hinsichtlich der Décoration du Lys anderer Meinung. Unter den Trägern dieses Ordens befinden sich nicht nur Franzosen der Nationalgarde, sondern auch Ausländer, die 1814 in Paris in der dienten. Unter den russischen Trägern sind beispielsweise die Offiziere des Regiments „Kavalleriegarde“ M. K. Rosen, P. N. Zubov und G. G. von Smitten (unten ist ein Porträt von Smitten mit der Décoration du Lys abgebildet, gemalt 1814/15) hervorzuheben, die den Orden 1814/15 erhielten.
              Du hast keine Berechtigung diese Galerie anzusehen.
              Diese Galerie hat 1 Bilder

              Kommentar

              • Sans-Souci
                Erfahrener Benutzer
                Colonel
                • 01.10.2006
                • 2085

                #8
                Interessante Info zur Décoration du Lys, vielen Dank !

                Unten ein Link zur Württembergischen Ordensliste von 1824. Ich habe nur drei in Frage kommende preußische Offiziere gefunden, vielleicht aber auch einen übersehen. Möglich wäre auch, daß unser Offizier im Jahre 1824 bereits verstorben war.

                Die Rittmeister Seebach und Kettler traten 1815 in die preußische Kavallerie ein, Gelbke 1815 in die preußische Artillerie. Alle drei sind ohne Verbindung zum 13. Landwehr-Regiment. Alle drei kamen aus Württembergischen Diensten und hatten hier wohl den Verdienst-Orden erhalten.


                Ich hab die Württembergische Ordensliste von 1815 nicht gegengecheckt:

                Kommentar

                • Aide de Camp
                  Erfahrener Benutzer
                  Sergent-Major
                  • 14.12.2020
                  • 246

                  #9
                  Zitat von InAlto Beitrag anzeigen

                  Allerdings bin ich hinsichtlich der Décoration du Lys anderer Meinung. Unter den Trägern dieses Ordens befinden sich nicht nur Franzosen der Nationalgarde, sondern auch Ausländer, die 1814 in Paris in der dienten. Unter den russischen Trägern sind beispielsweise die Offiziere des Regiments „Kavalleriegarde“ M. K. Rosen, P. N. Zubov und G. G. von Smitten (unten ist ein Porträt von Smitten mit der Décoration du Lys abgebildet, gemalt 1814/15) hervorzuheben, die den Orden 1814/15 erhielten.
                  Das ist überzeugend. Vielen Dank für das interessante Porträt!

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X